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augustine
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30.09.2007, 18:39 / 3 x geändert
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Tagsüber lebten sie übereinander.
Sie im Elfenbeinturm,
Fäden spinnend.
Er im Keller,
putz- und eifersüchtig.
Gelegentlich trafen sie sich
auf einer Treppe, stumm möglichst, lächellos.
Die unvermeidbar ausgetauschten Sätze
alltagspraktisch, sonst
Inhaltsleer.
Zuviel jedes Wort.
(Auch dies übrigens; eigentlich; im Grunde.)
Abends er höher, sie tiefer, goodwill: Wohnzimmer,
er fernhin sehend.
Zigarre. Whisky. Teure Sorten, üppige Vorräte.
Währenddessen
Vorhaltungen,
Liebeserklärungen,
Verfluchungen.
Früher hatte sie
geantwortet, erklärt,
um Verständnis geworben, auch für den Elfenbeinturm.
Nachts – nun: nachts? Nichts.
Am Tag einer Prüfung
kraulte er in einem fernen Ozean
sehr weit hinaus,
kam aber zurück.
Ihre Wege trennten sich endgültig erst
im städtischen Untergrund,
präzise: am Stephansplatz.
Es waren immer zwei gewesen.
Angenehm und süß ist es,
mit diesem die Erde nicht mehr zu teilen.

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lost
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augustine, dies ist das in Versen erzählte Resümee einer Beziehung, die wohl von Anfang an zum Scheitern bestimmt war.
meine Frage (welche vollkommen ernst gemeint ist): warum steht dieser Text unter Satire? deinem Klassentreffen, God in Heaven, mangelt es wahrlich nicht an satirischem Potential, aber in der ehelichen Lautlosigkeit kann ich es nicht finden. unter Einsamkeit, Liebe (verfehlte), auch Alltag könnte dieser Text eingeordnet werden, als Bericht, als Beschreibung, lakonisch pointiert, aber als Satire lese ich ihn nicht. kannst du mir weiterhelfen? wo (ver)stecken (sich) hier, die satirischen Elemente?
lost.

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Jolante
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02.10.2007, 13:29 / 3 x geändert
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Eine traurige Geschichte von ihm und ihr, wie sie ähnlich von vielen Paaren erlebt wird, die nicht zueinander passen, sich aber mit diesem letztlich unhaltbaren Zustand irgendwie arrangieren, weil sie sich das Scheitern ihrer Beziehung nicht ohne Wenn und Aber eingestehen wollen. Tagsüber wohnen sie übereinander, abends treffen sie sich im gemeinsamen Wohnzimmer, in dem sie die Szenen ihrer Ehe ausleben. Auch nachts sind sie "weit genug auseinander". Irgendwann trennen sich ihre Wege, die immer zwei gewesen waren. Sie konnte ihn nie auf ihre Höhenflüge mitnehmen, er sie nicht auf seine Ebene herunterziehen. So weit, so schlecht. Es ist der Stoff, aus dem die schwarzen Träume sind.
Mir gefällt der trockene, abwinkende Ton, die ironische Distanz, mit der du diesen Stoff verdichtet hast. Da gibt es keine Schuldzuweisungen, keine Rührseligkeit und auch keine späte Bitterkeit. "Angenehm und süß ist es, mit diesem die Erde nicht mehr zu teilen", dieses schonungslose Resümee des lyr.Ichs, das alle seelischen Verletzungen scheinbar unbeschadet überstanden hat, zeugt von einem starken Charakter und einem unerschütterlichen Selbstvertrauen, das glaube ich jedenfalls aus deinem Gedicht, augustine, herauszulesen. Oder habe ich es hineingelesen? Auch das sollte gestattet sein,
meint mit lieben Grüßen
Jolante

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zuppanova
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grüss euch alle -
gut finde ich das: der text bedient sich im wesentlichen eines einzigen bildes, um verschiedene facetten der beschriebenen beziehung(stragödie) darzulegen, nämlich:
mann und frau leben zusammen in einem Haus, halten sich jedoch in ganz verschiedenen sphären dieses hauses auf, wodurch sie jeweils in ihrer eigen-art charakterisiert werden (Elfenbeinturm/Keller). auf den Treppen, welche die aufenthaltsbereiche der partner verbinden (könnten/sollten), finden lediglich kurze, nicht vermeidbare begegnungen statt, die treppen werden also nicht wirklich benutzt, um vom eigenen bereich hin zum partner zu gelangen.
außerdem noch wird das Wohnzimmer erwähnt, ein potentieller begegnungsraum "in der mitte" zwischen beiden, aber auch hier wird kommunikation vermieden bzw. verunmöglicht durch den gebrauch von "ersatzdrogen": fernsehen, alkohol.
grundthema (für mich) ist die unmöglichkeit, einen gemeinsamen sprachraum (im beziehungshaus) zu finden: es gibt alltagspraktische Sätze, inhaltsleer auf der treppe, oder Vorhaltungen, Verfluchungen, Erklärungen, Appelle im wohnzimmer als verzerrte formen des gesprächs.
schwierig zu lesen ist für mich der abrupte szenenwechsel (weg von der häuslichen atmosphäre) zu beginn der zweiten strophe.
an der dritten strophe rätsele ich noch herum - woher stammt dieses "angenehm und süß ist es" ... ? das andere ist, dass hier offenbart wird, aus wessen perspektive der text spricht.
so gesehen beim abendrundflug von zuppa.

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augustine²
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Nur mal eben zwischendurch (hoffe ich), um was zu sagen zu zuppas Fragen:
* am Tag dieser Prüfung hätte jemand dabei sein, sogar auch zuhören können, hinterher mit essen gehen oder so; aber sie war ihm bedrohlich, diese Prüfung, deshalb musste der FERNseher in einen FERNEN Ozean ...; so sollte sich das entsprechen - wie auch Keller und U-Bahn-Untergrund; blieb unklar, ob er in dem Ozean bleiben wollte
* und über das zweite, dass du's im Rhythmus erkannt hast, was ich meinte, zuppa, hab' ich mich besonders gefreut; es sollte wirklich einen Rh. aufnehmen, den von
dulce et decorum est pro patria mori.; allerdings einen anderen Sinn hab' ich gemeint
LG Grüße augustine

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zuppanova
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* ja, dulce et decorum est ... - das wars - zynisch, diese pointe am schluss.
(erleichtertes aufatmen zuppaseits, ihr hirn hats nicht ausspucken wollen, sie hat in den falschen dateien gewühlt -)
* die bezüge (er im ozean fern, statt prüfungsstressmindernd nahe // keller -> underground) hab ich herstellen können und so interpretiert, wie du es erklärst, augustine. meine überlegung geht mehr in die richtung, ob es textmachartmässig (mir fällt grad kein besseres wort ein) günstig ist, den bogen so plötzlich so weit zu spannen, also das bildgefüge des hauses zu verlassen - aber wie gesagt, hier bin ich fragezeichenumlodert, sind nur so gedanken ...
lg, zuppa.

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augustine²
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Doch, zuppa, dieser Bogen verbindet den Elfenbeinturm und die Prüfung. Die war ein Ergebnis der Arbeit im Elfenbeinturm. Und sie war auch eine Prüfung für den Ozeanschwimmer; die er nicht bestanden hat.
LG augustine

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zuppanova
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gut, seh etzat den zus.hang Elfenbeinturm -> Prüfung -> Prüfung (für ihn), passt.
lg, zuppa.

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augustine²
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Jede/r, die/der hierzu ggf. noch was Sinnvolles zu sagen hat, ist mit Freude willkommen. Wer nur dummes Zeug abzulassen weiß: nicht.
augustine aus gegebenem Anlass

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