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augustine
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03.04.2006, 15:42 / 5 x geändert
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Die Nacht: am offnen Fenster meines Hauses hörte ich und sah
Ganz hingegeben zu - der abendlichen, unverhofften Fülle
Von Wärme, Sphärenklang und Glanz der Erdenhülle,
So selten sichtbar und doch immer da.
Die Nacht war sanft und hüllte mich in Stille ein.
Ein Sichelmond, zerbrechlich schmal, stieg langsam auf
Und fügte sich gelassen in den Sternenlauf,
Den Prunk des Himmels, heut' so klar und rein.
Die Nacht führt uns in Träumen auch nach innen.
Und manchesmal, wenn wir den neuen Tag beginnen,
Bleibt etwas dort Geschautes uns zurück.
Die Nacht – nicht wir - nimmt uns und gibt Erinnerungen.
Und staunend sehn wir uns in sie verschlungen,
Denn hin und wieder schenkt sie's: der Erkenntnis Glück.
1. April 2006

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Marcel Frank
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Ganz possierlich ! Auf dem jeweils letzten Vers geht dann "die (Vokal-)Puste aus" (sonettuntypische Ellisionen). Hingegen:
"Ein Sichelmond, zerbrechlich schmal, stieg langsam auf
Und fügte sich gelassen in den Sternenlauf ..."
Das ist doch jolie.
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Die letzten Sonette von Rang schrieb
Rilke (These). Ihm müßte man (dann)
ihn hintergehend auf die Brust auf die
Brüste treten.
Sphärenklang, Erdenhülle, der Erkenntnis Glück. Da ist es warm: Der Dichter hat 1 Haus. Also, wo punktet der Text ? Siehe da:
Wenn eine versgruppenlogische Überlegung im Sonett darauf abzielte, "zwei Linien von einer Mitte nach einem entgegengesetzten Oben zu spannen, um in einem erhöhten Unten einer neuen Gemeinsamkeit zusammenzufallen" (man male 2-händig 1 Herz), dann hat es hier wer durchaus logisch ausgeführt: Da ist die Anschauung, das Ich, da ist der Außenraum und der Innenraum und die Annäherung und der punktuelle Zusammenfall, es gibt gar 1 Wir, dem Glück der Erkenntis gewissermaßen "in die Zange getrieben". Das "dauert" einige Stunden Tüftelei.
Das ist das Schätzenswerte.
m

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Gerd
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Liebe augustine,
wie Du weißt, kann ich mit Sternen, Nacht und Träumen recht viel anfangen. Der Ablauf spricht mich an, das sich öffnen für das Sphärische mit dem Blick in den Himmel (Veränderung der Perspektive), über das zu Bett gehen (darin ruhn), hin in die Träume (werden/wachsen), bis zum Erwachen in doppeltem Sinn. Die Schönheit und Harmonie, die dem innewohnt findet sich sehr einfühlsam wieder. Der Wechsel im Schema passt äußerlich wie inhaltlich. Nur eine Frage ist für mich entstanden. Wieso wechselst Du von zwei nach drei vom "ich" ins "uns/wir"? Ich würde in der ersten Form - dem "Ich" bleiben, Deine Aussage wird dadurch nicht weniger wahr und bleibt authentisch. Die Gültigkeit wird durch das Lesen und Erkennen universell, mehr braucht es nicht. Aber sicher ist da noch einiges, dass ich nicht sehe.
Grüße in die Nacht
Gerd

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ear
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Ein sehr gegluecktes Sonett, wunderschoen im Formalen der viermaligen Eroeffnung mit "Nacht", dann die Quatrains erst in Gegenwart, dann in Vergangenheit.
In den Terzetten die Aktivierung der "Nacht" zum Hoeheren-, zu einer Macht des Gebens und Nehmens, welche entscheidet ueber Gewesenes und Kommendes.Einfach gekonnt!

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augustine²
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06.04.2006, 17:06 / 1 x geändert
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Dank denen, die dies Sonett kommentiert haben!
Die Quartette (so jedenfalls gemeint) führen durch das offene Fenster nach DRAUSSEN (für Germanisten: ich weiß: ein erzromantisches Motiv), die Terzette nach INNEN. Imperfekt soll stehen für das einmalige Erlebnis eines Individuums, Präsens und dann "wir" für das, nun ja, zeitlos Gültige, und beide Zeitformen sollten eigentlich, so wie es angelegt ist, dem Außen und dem Innen entsprechen. Der 4. Vers ist unter dieser Voraussetzung 'falsch'. - Aber vielleicht hat jemand einen Verbesserungsvorschlag? Oder auch einige? (Personen und Vorschläge)
Grüße an alle Aktiven! a.

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zuppanova
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hallo augustine! darf ich beim "wettbewerb" um den 4.vers einen vorschlag einreichen? ich glaube, ich würde es etwa so versuchen:
Und lang Verborgenes, Ersehntes war mir nah.
aber das ist natürlich "in meiner sprache" formuliert. (sauber gemacht, dein sonett, by the way ... .) - lg - zuppa.

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augustine²
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Danke, Zuppa, für Deinen Vorschlag. Ich warte noch auf einen von jemand, der nicht hier mitmacht, bei mir aber ausgelöst hat, dass ich mich überhaupt mal an ein Sonett getraut habe. Um nicht evtl. zweimal zu ändern, warte ich noch.
Warte übrigens auch auf Neues von Dr. C.S. Du hast aber geschrieben, Du habest wenig Zeit, Dich mit ihr zu treffen. Aber sag' ihr doch mal neugierige Grüße von mir. a.

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zuppanova
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hey, augustine, ich werde die doktorin grüssen. ja, die zeit ist mein henker - ausserdem habe ich momentan noch ein zusätzliches problem zu bearbeiten - also, ich muss alles "langwellig" angehen. aber keine sorge, es werd scho, es werd scho .... lg, zuppa.

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rollerball
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Am 4. Vers der 1. Strophe würde ich nichts ändern, da ist deine Urfassung wohl besser als Zuppas Alternative, nur bei "off´nen" und "seh´n" solltest du Apostrophe setzen. Für den 1. Vers der 2. Strophe (der holpert noch ein wenig) schlage ich "Die Nacht war sanft und hüllte mich in Stille ein" vor, dann fließt es richtig schön!

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windflug
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Hallo augustine,
auch mir gefällt dein Nachtsonett sehr, Aufbau und Klang fügen sich sehr schön. Für den Abschluss des 1. Quartetts könnte ich als Vorschlag noch beitragen:
"So selten sichtbar und doch immer da", womit du die formale Einheit wahren könntest. Für mich klingt eine andere Stelle noch nicht ganz. Die "Alten und die Jungen" erscheint mir etwas abgedroschen und allein dem Reim geschuldet, eine Alternative dazu weiß ich aber nicht. Ansonsten aber deutlich mehr als possierlich
findet windflug

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augustine²
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Mit Dank zuletzt an windflug und rollerball: ich hab' Eure Anregungen aufgenommen, ein wenig abgewandelt im vorletzten Vers. Ja, da war's natürlich ein Reimproblem.
Liebe Grüße augustine

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