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Erik
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Steinwürfe
(15.08.2007 ; 04:32 Uhr)
...schnell ziehende Wolken speien steinig aus...
Hab für die Nacht nämlich wieder mal Schlachtfelder bestellt, und zuviel Soße...
...nebenan Detonation und abartiges Verzweifeln unter spritzigem Dreck...
...niederkünftige Hauptstraßen, Stand- und Nadelstreifen untenrum...
...Kanülen unter knusprigem Laub und das schmatzige Pfeifen des Windes...
...gepinnter Wurm windet im Schampus unter den Sohlen,
wo statt Mönchen und Wegweisern nur Märsche und Routenplan...
...doch was wird sein, wenn es wieder Gehen heißt???
Als gelenksteifer Sucher mit wunden, verkrüppelten Füßen mein ich dazu:
...für uns Gesindel gilt nur, dass eine feste Burg uns bleibt der Spott,
trotzdoch der Mitmensch nur ´nen Steinwurf weit weg...
...nämlich da, wo der gewaltige Daumen lechts(t)
und vielleicht der Sinn dieser Verse zwischen Steinen kauert,
mit dem Blick stur in deine Richtung...
Aus dieser Nacht...vielleicht fertig?!
Erik
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Marcel Frank
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Wenn ich die vertikale Achse von fifty-fifty zu 66:33 hin verschöbe, würde ich behaupten, dass mir die 33% missfallen, ich in der 2/3-Mehrheit aber den in Deinen anderen Texten bereits auslesbaren Sprachduktus (oder nimm' 1 anderen Begriff) (wieder)erkenne (und das ist gut). Das Unbehagen (es ist kein globales) rührt z.B. von "Soße" / "schmatzige" / "spritzigem" (das alles mag eine Einheit ergeben, ein Wortfeld, aber wohin führt es ?) + 1 Inversion o.ä. ("dass eine feste Burg uns bleibt der Spott"): Da stehe ich in einer assoziativen Lücke und muss mich einem ziseliertem Rüttmuss fügen, der in einem 'detonativem Text' nur ironisch sein kann, nochnöcher folgt das "trotzdoch der Mitmensch ...": Genau dort sieht man, dass der pfiffige "Steinwurf" zu kompliziert einverwurstet ist, als dass der flüchtige Leser ihn in seiner Pfiffigkeit bemerkt. "nämlich" ist ein Tabuwort, allein aus dem Grund, da es nichts trägt (sollte A zu B führen, führt eben A zu B und der Texter expliziert nicht: "Sieh' hin, es führt !"). Mich macht, wenn mich etwas anmacht, - & ich kommentiere hier sowieso nur pauschal meinen "Eindruck" des Danndochangemachtseins - die "Suggestivkraft" an (nicht aus): Und darin das Eszuendelesenwollen. Wann tut man das schon ? "+"

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augustine
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Erik, das Gedicht als Steinwurf, so las ich, ausgespieen in meine Richtung, die ich (oder wer, jeder, der sich versuchen möchte), die ich ja ein Nächstmensch sein und den Sinn der Verse zwischen den Steinen herauskratzen könnte.
Der Autor weiß einen, m auch (dies hier, m, ist übrigens so ein Kommentar, wie ich ihn gerne lese von dir, auch wenn ich nicht mit allem übereinstimme); oder doch beide nicht? (Und ich auch nicht?) Denn du, Erik, erstaunt über dein Nachtprodukt, fragst am Ende, ob es wohl fertig sei. Wie kann ein Leser das wissen, der sich erstmal Wortfelder zusammenharken muss? Und die Punkte an Zeilenanfängen und -enden bezeichnen eher: Einfälle, deren Zusammenhang noch nicht erwiesen ist.
Und was meine ich zu erkennen? Nächtliches Sichüberfressenhaben - Frage: warum?, auch nicht zum erstenmal - mit anschließendem elend-geräuschvollem Wiederabgeben des zu Vielen nebenan auf dem Klo. / Dann noch kein Ortswechsel, aber Blick auf die Straße (StraßeN!), wo so genannte Liebe und anderes verdealt wird ("Stand- und Nedelstreifen" gefällt mir gut, auch "knuspriges Laub", auch das "schmatzige Pfeifen des Windes"); Mönche kommen da nicht vor, Wege kriegt keiner gewiesen, er muss sich schon selber orientieren.
Das schreibende lyrische Ich outet sich als behindert, bleibt un-be(ge)holfen und kann nur Spott wie dieses Gedicht dagegensetzen. Es ist ja klar, dass das ein Luther-Zitat ist - "Ein' feste Burg ist unser GOTT" - da ist der verborgene Reim zu SPOTT. - (Vielleicht sind auch die beiden 'nämlich' Zitate, dann von Hölderlin; jedenfalls Hinweise auf nachgereichte genauere Begründungen und als solche nicht überflüssig. (Was auch noch nicht heißt, dass ich damit dann alles verstanden hätte.)
Soviel: einer ist allein und befrisst sich verzweiflungsvoll/gehen kann er nur schwer/was da an den Straßen geschieht, bleibt auch Einsamkeit/der gewaltige Daumen, seiner, lechzt (doch so gemeint, oder) vergeblich nach einem Äquivalent.
Was fängst du jetzt in der kommenden Nacht damit an, fragt augustine
Und meint: ja, bist richtig hier.

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Erik²
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15.08.2007, 22:27 / 2 x geändert
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Thx erstmal...
Ich versuch mal, etwas auf eure An(Ein)sichten zu erwidern. Schön, dass ihr mit den Zeilen etwas anfangen könnt. War ja recht spät, als ich das alles im Schädel hatte.
Vorab, es ist sehr schwierig für mich, meine eigenen Texte (besonders diejenigen, welche Botschaft über "Suggestivkraft", wie M [schließe mich an] meinte, übertragen wollen) zu kommentieren...die Ketten von BIldern entstehen im Regelfall ohne viel eigenes Zutun...geschliffen wird das Kind meist nach der Geburt.
Der Sprachstil hat sich über viele Jahre entwickelt und ist mit der Zeit oft ziemlich hermetisch geworden...aber dafür vielfach interpretierbar...
Vielleicht wird der Text ein bisschen dadurch erhellt, wenn man den Verlauf der Nacht etwas umreißt: Ich stand unter Kaffee, Schwarztee und Musik, während ich ein bisschen gemalt habe...nebenbei wurde ich per TV über Tupperware, Weinverkostung, Flugzeugträger und Vorwerk-Staubsauger informiert. Alles zusammen verschmolz dann später im Dunkel zu einem ziemlich grotesken Bilderspiel...und das schrieb ich auf...hat immer was von Pickel ausdrücken.
Das mit der Suggestivkraft ist mir sehr wichtig. Die Verkettung der einzelnen, relativ lose zusammengefügten Momente umschreibt wohl das Alles am besten...
Das mit dem Überfressen, Augustine, fand ich ne interessante Formulierung. Trifft das Ganze wohl ganz gut.
Das mit Luther stimmt, aber was meinst du mit Hölderlin? Und, ja...aus "rechts" und "links" wurde "lechts(t)"...bitte nicht nur auf politische Richtungen oder so begrenzen. Wohl eher genrelle Richtungen mit allem, was dazu gehört. So wie "oben" und "unten", "drunter" und "drüber" und all die Worte...
Fertig ist immer so ne Sache. Wenn es mir ein paar Tage bestehen kann, dann ist es wohl fertig. Es muss klingen, es muss grob und präzise in einem sein. Da bin ich pingelig :)...
Schiff ahoi...
Erik

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Gretchen
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Heiala Erik,
wollt dir auch was schreiben zu dein Text, war wohl abba nicht flink genug (zu viel auf Piste): alles, was mir hätte einfallen können, iss gesagt. Sogar die höllendunkle assoziative Lücke hat augustine bereits mit dem warmen Sonnenstrahlen göttlicher Erleuchtung hinweggehellt.
Bleibt mir noch das da:
Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein (auf den nur nen Steinwurf weit weg-en Mitmensch; also, es geht auch ohne Hölderlin; Bibel reicht), und halte sich an die alte Pfadfinderweisheit, dass lechts da, wo der Daumen rinks ist ... die vielen Punkte ... naja, die wollen wat bedeuten ... abba: ich tät se weg ... mich irre-tieren die ... lenken ab, die Dinger ... und ett bedeutet auch ohne, bestimmt ... wegen die Suggestivkraft der Sprache zu 2/3, woll ... und denne sag ich noch krötenfrech unverschämt: dein Text iss mit dem da verwandt: dat eine iss in scheißwochenendgraukariert, dat andere in nachtdunkelblausiffschraffiert.
Manno, nimm mir den Hinweis bitte bloß nicht übel. Ich habb’nen Hang zum Zusammenhang.
Frische Morgengrütze (also: Grüße!) vom frühaufenen Grätchen.
PS1: find ich interessant, was du vom Zustandekommen des Textes schreibst ...
PS2: dat 'nämlich', als einzelnes Wort ... hmm ... ja, unelegant ...
PS3: pinglig iss gut, Mann ...

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augustine
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16.08.2007, 12:07 / 1 x geändert
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Hallo, Gretchen; natürlich geht's ohne H. in diesem Text. Der gebraucht nur häufig das Wort 'nämlich', um ihm Wichtiges zu erklären. Die Stelle bezog sich auf Marcel:
"nämlich" ist ein Tabuwort, allein aus dem Grund, da es nichts trägt (sollte A zu B führen, führt eben A zu B und der Texter expliziert nicht: "Sieh' hin, es führt !)". Doch, der Schreiber will auf etwas besonders aufmerksam machen, er expliziert das. 'Nämlich' ist kein Tabu-Wort (wieso auch?) Und nämlich is auch nicht dämlich.
Findet jedenfalls augustine (und im Fall dieses Wortes bei Hölderlin finden das viele andere auch)

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Gretchen
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Hey, augustine, natürlich ist nämlich nicht dämlich. Nur wenn es nen "H" in sich haht. Dann schohn.
Einsichtsinnig kariert: Gretchen.
PS1: Aber um den H. und wie der nämlich gebraucht, geht es doch gar nicht, oder? Hier iss nicht "H.", hier iss "Erik". Warum erwähnst du argumentativ den H.? Was beweist oder erklärt das hier? Nichts.
PS2: Mir iss weniger wichtig, "wie" viele andere (von denen bestimmt ich keine/n einzige/n kenn: wegen chronischen gesamtschulsystembedingten Bildungsunterzuckers nähmlich) das Wort "nämlich" bei Hölderlin finden. Hier, in dem Text, find ich nämlich einfach unelegant und der Verdichtung abträglich. Es könnte an beiden Stellen, wo es verwendet iss, direkt wegbleiben, mit Gewinn für Verknappung, Ent-le[e|h]rung, Reinigung des Textes (was ich jedenfalls ne gute Sache finde), und ohne Schaden für Sinn, Bedeutung usw., weil: sollte A zu B führen, führt eben A zu B und der Texter expliziert nicht: "Sieh' hin, es führt !“. Warum extra kompliziert explizieren, wo es gar nicht notwendig iss? Das kommt mir explizit unlyrisch vor, trotzdoch dem Hölderlin ... nämlich prinkt nix ... wenn der Leser nur deshalb irgendwo hinkommt, weil der Autor ihn von einem Wegweiser zum anderen exkomplifiziert, dann iss sowiesowat faul mitt-ä Sprache, dann funktioniert der Text nicht ... findet jedenfalls Gretchen.

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Erik²
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16.08.2007, 21:58 / 1 x geändert
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Ahoi...
Thx für die Hölderlin-Info @Augustine...bin bei ihm nicht so firm...
--> ich dachte auch nicht an ihn, aber seine Verhaftung mit "nämlich" werd ich mir merken...
Ich les grad wieder über den Text und denk über das besagte "nämlich" nach...man stolpert definitiv über das erste, da habt ihr absolut recht...ich glaub, das lebt nicht mehr lang. Ich brauch noch ein paar Gefühls- und Lesetests die folgenden Tage...dann werden die Messer scharf geleckt...
Das mit den Punkten is so ne Sache. Seit meinem ersten Text im zarten Jugendalter waren die schon da. Ich hab mir da nie Gedanken drüber gemacht (zu Beginn). Mittlerweile sind sie mir echt wichtig, zumal man mit ihnen (meiner Meinung nach) Assoziationsketten wunderbar verknüpfen kann. Is so ne kleine Eitelkeit, die werd ich nicht los...
Der "Rap" von dir, Gretsche (gib mir ein "ä"), is interessant. Nur der Refrain is nicht so meins. Aber hat was. Hip-Hop ist zwar mal gar nicht meine Heimat, aber die Reimmöglichkeit ist manchmal echt ne Inspiration wert. Mal sehen, ich hab ja auch noch was im Schrank :)...
Korrigiere --> Rechts, Links, Lechzen = Lechts(t) <--- trifft´s eher...
Ahoi
Erik F.

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Gretchen
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Hey - ja,
alles klar so weit.
Beim Messerscharflecken abba aufpassen ...
Gret-schen.
PS: bin von Natur aus auch nicht hiphoppisch, probier nur gerne überall rum.

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