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augustine
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Hier, schreibtisch, hab' ich mich gedrückt bisher - aus demselben Grund, aus dem sich fast alle vor meinem noch viel längeren Märchen gedrückt haben: es ist die Länge; jedenfalls zuerst gewesen, und dann ist er eben runtergerollt, dein Text. a.

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augustine
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Ja, ich habe mich gedrückt bisher, schreibtisch. Muss auch meine Zeit gut zusammenhalten derzeit.
Gestern hat mir jemand erzählt, was sie sich unter der Ewigkeit vorstellt: warm und geborgen sein; sie hätte auch deinen ganzen kursiven Vorspann sagen können. Bei ihr weiß ich etwas aus der Lebensgeschichte, was diesen Wunsch erklären kann. Jeder macht sich seine Jenseitserwartungen selbst.
Eine Kurzgeschichte ist dein Text nicht - lies nach. Eine passende literarische Gattung weiß ich nicht. Es sind variierte Gedanken zum Thema: es ist vorbei, es gibt eine andere, zum Thema Liebeskummer und Eifersucht, zum Thema haben wollen, zum Thema geborgen sein wollen in Wetter und Sturm, getröstet werden; und auch zu dem Thema: Maß halten, zu dem Versuch jedenfalls, das Maß immer wieder zu finden. Und Winnicott half nicht, aber das Putzen.
So kann ich den Text lesen, auch verstehen, auch sehen, wo er besser ist als frühere zwischendurch, denn "das eigene Reh" fordert nicht mehr die ganze Aufmerksamkeit.
Dies ist aber, ich weiß es, kein literarischer Kommentar.
Versuch dazu: gut sind die 'Schrittfolgen'. Würde ich vielleicht zusammen an den Anfang stellen und kürzen.
Nicht so viel von den Getröstet-werden-Erwartungen, das ist weinerlich und, das sagst du selbst, "pathetisch", nicht so viel erinnern, nicht kommentieren. Hilfe dazu: mit unvollständigen Sätzen experimentieren.
Das Motiv um den Sturm ist ausbaufähig, glaube ich - als Gegensatz zum Maß.
Der Schluss mit dem Putzen ist gut und auch kurzgeschichtengerecht (ohne die beiden Kommentare). Nach "Restmüll" könnte Schluss sein. Die Szene erklärt sich dann mit ihrer eigenen sprachlichen Kraft.
Erzählen, nicht sehnsüchtige Gedanken aneinanderreihen!
Das rät dir augustine

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Jolante
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03.09.2007, 21:12 / 1 x geändert
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....und auch bei dieser "Betrachtung" (nicht Kurzgeschichte) die Frage, wie schnell ein Text wirkt. Zieht er mich rein oder wirft er mich raus? Zunächst fühlte ich beim Lesen ein vages Unbehagen, das ich mir selbst nicht erklären konnte. Zu viel Herzschmerz, zu viel Gefühligkeit, zu viel Rehlein...., dachte ich ....zunächst. Nun habe ich den Text erneut gelesen und war auf einmal drin. - Ja, ich kann die Gefühle der Ich-Erzählerin nachempfinden. Sie hat wohl in die Beziehung zu viel hinein interpretiert, jedenfalls mehr, als das DU bereit war, zuzulassen. Denn da ist ja schon die Andere, die den Platz einnimmt, den sich das Ich erträumte. Der Geliebte (oder "nur" Freund, das ist mir nicht ganz klar) schottet sich ab von Gefühlsstürmen, die seine geschützte Domäne bedrohen. Ist das so gemeint?
Die Dramen um Liebe und Eifersucht sind so alt wie die Menschheit. Für real Betroffene sind sie heute wie gestern eine Katastrophe, in der sie seelisch unterzugehen drohen. Die Erzählerin will aber nicht im Schmerz erstarren. Sie ist nicht wehleidig, auch wenn es sie nach Trost verlangt. Sie fügt sich wohl oder übel in das Unvermeidliche. Die einzige Ablenkung ist das Putzen des Bodens, trivial aber wirksam. Ich finde diesen Schluss sehr gelungen.
Verzichten könnte ich auf den Vorspann, und was mich persönlich stört, ist die Bemerkung "Sie musste grinsen......". Ein wenig straffen würde ich die "Betrachtung", um ihr Profil zu schärfen und das Wesentliche stärker herauszuarbeiten. Ich musste auch an dein Gedicht "Gold" denken, das wohl aus der gleichen Intention entstanden ist. Im übrigen können die Anregungen von augustine sicher hilfreich seinl
LG Jolante

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Schreibtisch²
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09.09.2007, 15:22 / 1 x geändert
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Liebe augustine, liebe Jolante,
ich danke euch für eure Beschäftigung mit diesem Text.
Mitnehmen werde ich das Straffen, Profil schärfer herausarbeiten, mehr beschreiben, nicht kommentieren und nicht Sehnsüchtigkeiten aneinanderreihen. Ach. Und "Rehlein domestizieren" - so will ich es jetzt mal nennen...danke euch!
@ Jolante: Sie musste grinsen... so versuchte ich den Punkt zu beschreiben, an dem das eigene Gefühl, die Wahrnehmung des eigenen Gefühls gebrochen wird, aufgebrochen wird durch das "sich selbst nicht mehr denken hören können"...es ist nicht gemeint ein über sich selbst lachen können, sondern ein unwilliges Mundverziehen. Das Gefühl ist: "ich kann nicht mehr" - aber eine Andere in ihr sagt: Halts Maul, ist doch Quatsch und ich kanns nicht mehr hören.
Ich stelle hier jetzt das Gedicht von Robert Frost rein, das sozusagen der lyrische Unterbau für die Erzählperspektive ist:
stopping by woods on a snowy evening
Robert Frost
Whose woods these are I think I know.
His house is in the village, though;
He will not see me stopping here
To watch his woods fill up with snow.
My little horse must think it's queer
To stop without a farmhouse near
Between the woods and frozen lake
The darkest evening of the year.
He gives his harness bells a shake
To ask if there's some mistake.
The only other sound's the sweep
Of easy wind and downy flake.
The woods are lovely, dark and deep,
But I have promises to keep,
And miles to go before I sleep,
And miles to go before I sleep.

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