flug · Mary Poppins · ·


Tod · Forum für Literatur & Germanistik
 

Neue Beiträge   |   Registrierung   |   Lesungen Literatur auf YouTube - Gedichte - Forum für Literatur und Germanistik  |   dradio   |   Archiv   |   l o g i n

 
~ Startseite
kafkaesk
~ Neue Beiträge
~ Beiträge suchen
Literatur
~ Prosa
~ Gedichte
~ Diskussionen
~ Literaturwissenschaft
Literatur
~ Leseliste
~ Forenliste
~ Gäste-Chat
Literatur
~ Impressum

  Online
gregor libkowsky

  Lesungen

  Piep, piep, piep...

  Aktuelle Themen

Solveig

Talvolta le poesie sono

Zwei Gedichte

G7sus4 (12-string) --> für chantal

Vatnajökull (prisma)

Achrad (6)

Trahisa (5)

Reise durch lit-on

Letzte Nacht

Straße

Glück ^^ Meine schönsten Aporismen !!!!!!!

Feierabendland

Mein Buchhändler

Ein Dogma

Distanz

in die nacht

Jahrestage

Der Musik Laden Faden II

Hausarbeit

Die grauen Herren, ich sagte "nein"?


 

      Mary Poppins



flug

   03.08.2007, 18:26 / 1 x geändert




flug
...
geschlängelt gehäutet
ein reisekleid
nicht träumen nicht säumen
es ist so weit
die windpferde tänzeln
der himmel tönt hell
wer leicht ist und lächelt
reist schmerzlos und schnell
...

 

      Schreibtisch



RE: flug

   03.08.2007, 18:51



Hallo du immernoch Unvorgestellte,
ist dies deine Vorstellung?
- zu deinem Namen passen die Zeilen
und klingen in meinen Ohren
wie ein Zauberspruch
hex, hex

 

      Mary Poppins²



RE: flug

   12.08.2007, 16:49



Zauberspruch ja gern, wenn es für dich so klingt Das ist Schön. Nur bittebeitte wegen dem hex hex, da muss ich denken an Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen mit den schmerzen gebenden Stimmlagen, und dann an die vielen unschuldigen Kinder, die gefülltgemüllt geworden und jeden Tag noch werden damit, oweh ... .. und... das macht mich sehr trauring.

.. meine Vorstellung ....weiß nicht. WIE WILL ich mich vorstellen .. oder SOLL ich ....oder sollte .. .
...oder MUSS? nein, so zur Zeit nicht glaube ich.
Mary P.

 

      lost



RE: flug

   16.08.2007, 01:14



auf fällt:

  • reduzierte Grammatik (z.B. kaum Strukturwörter)

  • Parallelisierungen, Reihungen

  • Endreime in Zeile 2, 4, 6, 8 (alle Endungen männlich)

  • Zeile 1, 3, 5, 7 durch Assonanzen (alle verweiblicht) verbunden

  • Metrum: sehr regelmässig bis auf eine kleine Abweichung, welche den Spruch genau besehen in zwei Strophen aufteilt (Zeile 1 - 4 und Zeile 5 - 8)

    - Zeile 1: - ^ - - ^ -
    - Zeile 2: - ^ - ^
    - Zeile 3: - ^ - - ^ -
    - Zeile 4: - ^ - ^
    - Zäsur -----------------
    - Zeile 5: - ^ - - ^ -
    - Zeile 6: - ^ - - ^
    - Zeile 7: - ^ - - ^ -
    - Zeile 8: - ^ - - ^

  • formal streng aufgebaut; sehr einfach, da völlig durchstruktiert

der formale Aufbau zusammen mit den Reihungen bewirkt das "Zauberspruchartige" (oben erwähnt von Schreibtisch);
der Inhalt arbeitet dem Zaubersprüchischen ebenfalls zu, allerdings, kontrastierend zur formalen Durschaubarkeit, durch Uneindeutigkeit. es "geschieht etwas", ohne dass der Leser (nun, ich) das Geschehen so recht "dingfest" machen könnte. ein Hauch Geheimnis: es geht um eine Bewegung (schlängeln, reisen, Pferde), oder auch um eine Veränderung (Häutung, Kleiderwechsel): aber - warum, wieso, wohin, woher und wer überhaupt - bleibt im Ungewissen.
ein wendiges Sprüchlein, ganz jolie gemacht.
die Windpferde, sind das die lebendig gewordenen Karussellpferde, Mary Poppins?

regards, lost.

 

      Jolante



RE: flug

   16.08.2007, 13:07 / 2 x geändert



Ein Zauberspruch? - Für mich klingt es eher wie eine lBeschwörung vor dem letzten "Ausflug", dem Sterben. - Suggestivkraft steckt in diesen Versen, die für mich auch den Charakter einer "Werbung" haben. Wenn ich einmal meine letzte Reise antreten muss, so wünschte ich mir diesen Mary-Poppins "flug", schnell, schmerzlos, lächelnd und mit leichtem Gepäck.

Jo

 

      Gretchen



RE: flug

   18.08.2007, 08:51



Hey M.P.!

Der Spruch iss vielleicht das, was der Pferdeflüsterer den Windpferden zuraunt. Übrigens, wenn ich mir tänzelnde Windpferde vorstell, dann fällt mir auch Pegasus ein, alias Cosmic Hippo und so.

Kommt un-tödlich, un-todes-ernst, nicht-Trauerfall-mäßig daher, nur das schmerzlos deutet sonn’ne andere Ebene an (denn isses nicht selbstverständlich, dass man "schmerzlos" reist: muss man das extra erwähnen? - also, da an der Stelle, da reißt für mich schmerzlos und schnell richtig wat auf).
Leicht und lächelnd iss sicher nicht schlecht.

Wer spricht da eigentlich?
Das "Ich", das gleich reisen soll? Oder wer, der auf dieses "Ich" wartet?

Kurzgekrümelte Gretchengrüße.

 

      Jolante



RE: flug

   18.08.2007, 12:59 / 4 x geändert



Das Gedicht steht in der Kategorie "Tod". Aber selbst, wenn es dort nicht stünde, würde es diese Assoziation bei mir wecken. Dass explizit kein lyr.Ich auftritt, verstärkt meinen Eindruck, dass es sich hier um eine Art "Anzeige" handelt, die sich an Alle richtet, zumindest an alle, die sich davon angesprochen fühlen, vielleicht auch an solche, die auf einen "Trip" gehen, der ja auch eine Art Übergang in eine andere Dimension darstellt. Ich finde so etwas wie "Verheißung" in den Zeilen und eine gewisse atemlose Spannung. Nun habe ich so viel geschrieben, und es mag alles falsch sein, aber es ist halt meine Interpretation.
Auf mich hat der "Spruch" eine magische Wirkung, der ich mich kaum entziehen kann.

Jolante

 

      ear



RE: flug

   18.08.2007, 17:04 / 1 x geändert



Mich fasziniert das Gedicht sehr. Ich denke aber dabei sofort an ‘Mayflies’ =Ephemeroptera, die ja nur ein paar Stunden leben. An sonnigen Tagen ueber einem Teich umkreisen sie sich, fliegen auf und nieder in der verzweifelten Suche nach einem Partner. Sobald eine Befruchtung stattgefunden hat, sterben erst die Maennchen und, kurz nach der Eiablage, die Weibchen ebenfalls. Ihre kurze Lebensspanne ist fuer mich dieser Tanz (nach langer Metamorphose) zwischen Beginn,Vollendung und Tod : das Rasende, die Energie, welche in deinen Zeilen zum Ausdruck kommt. ear

 

      augustine



RE: flug

   18.08.2007, 19:43 / 1 x geändert



Liebe MP, Gretchen und vor allem Jolante:
nun schreib ich doch was. Denn unbedingt möchte ich Jolante bei ihrer Deutung unterstützen: das kleine Stück steht eben unter 'Tod', und das ist ein kaum zu schlagendes Argument für die Richtigkeit ihrer Deutung.
Der "flug" ist dennoch heiter und leicht dargestellt und als heiter und leicht. Was mich zuerst am Schreiben gehindert hat, ist die erste Zeile: "geschlängelt gehäutet". Gut, Schlangen häuten sich. Das Häuten als Metapher genommen, kann heißen (falls so etwas wie eine 'Himmelfahrt', gleichfalls als Metapher, gemeint sein sollte): der Mensch lässt seine irdische Hülle hinter sich zurück. Aber wieso "geschlängelt"? Für dies Verständnis jedenfalls brauchts das nicht. Es setzt auch, wie mir scheint, an den Beginn des leichten Textes eine Schwere, die mir nicht zu passen scheint.
Zauberspruch? Die ich kenne, sind eher dunkel und raunend, nicht heiter und leicht. Was aber dann?
Grüße in die Runde, augustine

 

      Jolante



RE: flug

   19.08.2007, 12:57



augustine, wenn ich "geschlängelt" hier mit "wendig" übersetze, so ist das für mich in Zusammenhang mit "gehäutet" keine überflüssige Metapher. Es wär ja ganz schön, wenn M.P. selbst noch was zu ihrer Intention sagen würde.

LG Jolante

 

      Elise



RE: flug

   20.08.2007, 00:30



Hallo Mary Poppins,

Beim Lesen deines Spruchs kam mir u.a. das Gedicht Himmelstrauer vom Weltschmerzlyriker Lenau in den Sinn.
Da heißt es vom Himmel tönt ein schwermutsvolles Grollen.
In deinem kleinen Text ein anderer Entwurf: der himmel tönt hell.
Das gefällt mir.

Elis.

 

      Mary Poppins²



Dank

   21.08.2007, 07:57



Hi, sehr verschieden und schön zu lesen, was alles einfällt.

zu lost: glaube ich dir alles, was du sagst du musst es ja wissen. Lebendig gewordene Karrussellperde ist eine wirklich schöne Idee zu Mary Poppinds Geschichte passend.

zu Jolante: als Tod war es gemeint. Als Wunsch des leichten Übergangs. Dazu kann man arbeiten ein Leben lang: leicht zu werden. zu lächeln. Ich sehe mehr die Meschnen bitterer werden. Das ist schade.

zu ear: dieses Bild ist sehr schön. Du bist eine aufmerksame Beobachterin der Dinge, nicht wahr?

zu Gretchen: Pferdeflüsterer von Windferd muss der Schamane sein. Gib bei google das Wort Windpferd, dann wirst du sehen, was ist. Pferdeflüsterer ist gar nicht so dumm. Wer da spricht (du fragst das), ich weiß es auch nicht.
Die Sprache spricht.

zu augustine: es funktioniert nach Laut und Klang und Ordnung, so pazt geschlängelt genau. Aber auch: Gibt es nicht den Spruch sich durchschlängeln? So schlängelst du dich durchs Leben, durch die Irdische Zeit, dann kommt die letzte Häutung der Übergang. Große Reise. Die Schlangen sind die Tiere, die häuten. Die Schlange ist ein wichtiges Tier, eine beladene Metapher, wenn du überlegst in der Kulturgeschichte auch hier, und in vielen Kulturen (Kundalini). Die Schlange ist ein Symbol. Wie begründest du, dass durch geschlängelt eine Schwere an den Anfang kommt? Weil es Bodenkontakt hat? Aber das ist richtig und pasend: vom Boden hinauf zum Himmel. Man muss vom Boden aus starten. So gelingt es.

zu Elise: leider. Den Weltschmerzlyriker Lenau kenne ich nicht. Schön das es dir geföllt.

Ist es genug Erklärung? Danke.
Mary P.




Views heute: 3.378 | Views gestern: 3.674 | Views gesamt: 5.476.073