Südseitig · Erik · ·


ab 16 Zeilen · Forum für Literatur & Germanistik
 

Neue Beiträge   |   Registrierung   |   Lesungen Literatur auf YouTube - Gedichte - Forum für Literatur und Germanistik  |   dradio   |   Archiv   |   l o g i n

 
~ Startseite
kafkaesk
~ Neue Beiträge
~ Beiträge suchen
Literatur
~ Prosa
~ Gedichte
~ Diskussionen
~ Literaturwissenschaft
Literatur
~ Leseliste
~ Forenliste
~ Gäste-Chat
Literatur
~ Impressum

  Online

  Lesungen

  Piep, piep, piep...

  Aktuelle Themen

Kipp-Phänomene: Brillante Rhetorik

Mein Buchhändler

welt

Dichte Reime

Zwei Gedichte

Enjambements in Heyms Berlin III

G7sus4 (12-string) --> für chantal

Reise durch lit-on

Vatnajökull (prisma)

Achrad (6)

Trahisa (5)

Letzte Nacht

Straße

Glück ^^ Meine schönsten Aporismen !!!!!!!

Feierabendland

Ein Dogma

Distanz

in die nacht

Jahrestage

Der Musik Laden Faden II


 

      Erik



Südseitig

   29.07.2007, 21:54



Südseitig
(22.03.2007 ; 21:14 Uhr)

Draußen eine Welt, wie auf den Kopf gestellt.
Und von unten rieselt an diesem siffigen Graupeltag
das fast kalte Gebrösel hinauf, bis es anfängt
kleben zu bleiben auf den tropfnassen Dächern,
die sich wie Stahl vor dem dunklen Unten biegen,
dessen Atem den Regen kalt macht, bis er sich weiß
und langsam auf das Glasdächermeer der gärtnerei
über mir legt worunter die irrsten Gewächse gedeien
obwohl jetzt und zu dieser zeit in dieser stadt
das ganze Lebenszeug überhaupt nicht geht
weil das Jetzt und diese zeit und diese Stadt
nicht atmen macht da der betreffende knopf
längst von der tastatur herausgekotzt wurde
und dennoch die glasdachkonstrukte draußen
vor dem fenster es mir möglich machen
hinter den beschlagenenscheiben nen blick auf
die fein gezogenen beete zu werfen die irgendwer
kluges vordiesem winterwetter schützt mit
röhren und temperaturund der guten erde
die ohne dünger nur ein wertloserhaufendreck ist
und die man irgendwo zusammenkarrtdamit an
tagen wieheuteirgendwelche armen schweine
aus dutzendenmeternentfernung das grün
hinter den saftigbeschlagenenscheiben sehen können
undsicherinnernanden letztenerbärmlichen
blumentopfderihnentrotzallderliebeverging
unddenmanimmerundimmerwiederneubepflanzteund
verdammtgebtmirdocheinfachnenstein

 

      Gretchen



RE: Südseitig

   04.08.2007, 10:51



Hei Erik,

habb mich mit deinem Text beschäftigt und sag dir paar Gedanken dazu, ja?!
Für mich nen schwierigen sperrigen Text, wirkt auf mich sehr befeilt, also durchgearbeitet, was ich prinzipiell auch wichtig finde und richtig und gut, hier aber noch am Überlegen bin, ob es nicht fast "überkonstruiert" ist (für mich).

Die Textmessage kann ich nur so assoziativ einkreisen: denke, es geht um so was wie Spannung zwischen einer Innenwelt (virtuell, im Kopf) und einer äußeren Realität: der Sprecher möchte einen Stein, um zu zerschlagen, was ihn trennt von der Welt da draußen. Er steckt irgendwo fest (in sich selber? in seinem grauen Graupelalltag?), wo kaum was gedeiht oder passiert, weiß aber, dass irgendwo üppiges Wachstum ist - Grün, Pflanzen, Sonne, eine andere Welt, aber von seinem momentanen Erleben abgetrennt, nur als Erinnerung, Vorstellung, Ein-bildung verfügbar. Das Sprecher-Ich möchte ausbrechen, hinein in die Wirklichkeit - in die Wärme? Den Titel bring ich nicht richtig mit dem Text zusammen.

Die Bilder sind ziemlich homogen, Wetterbeschreibungen, Stadt, Wachstum von Pflanzen, Erde, Dünger - herausgehoben iss dadurch die Stelle, wo ein "Knopf", eine "Tastatur" ins Spiel kommt. Als Stilmittel gebrauchst du auch Groß- und Kleinschreibung, abweichend von der üblichen Rechtschreibung - also, ich denk mal, es ist kein Zufall oder Schlamperei, dass manche Hauptwörter klein geschrieben sind - außerdem das Zusammenschreiben von Wörters, was sich zum Textende hin häuft: die letzten drei Zeilen sind komplett zusammengehängt. Mein Gretchenhirn vermochte abba nicht zu entschlüsseln, ob und wenn ja: welche Gesetzmäßigkeit hinter der veränderten GroßKleinSchreibung steckt, und iss mir auch nicht so richtig klar, was damit bewirkt werden soll. Das Zusammenschreiben, denk ich, zeigt sowat wie den steigenden Innendruck, die Beschleunigung des Frustprozesses, ist Hinsteuern auf die beinaheKlimax zum Schluss.

Mir iss so ergangen, dass der Text interessanter wurde, je öfter ich ihn las, zugänglicher auch. Anfangs hatt ich total Mühe, mich überhaupt einzulassen. War auch irritiert durch die langen Schachtelsätze, auch durch bestimmte Wiederholungen (bis es anfängt, kleben zu bleiben ..., bis er sich weiß und langsam ...), auch durch eine gewisse Adjektivlastigkeit.

Naja, keine Ahnung, ob du damit gezz viel anfangen kannst?

Auf jeden Fall mal
grüngeblümte SamstagsSonnenGrüße.
Gretchen.

 

      Erik²



RE: Südseitig

   05.08.2007, 14:08 / 1 x geändert



Hi...

Thx für deine Gedanken.
Nun, der Text ist schon ein bisserl älter. Ich weiß noch, dass es einer von zwei Tagen war, bei dem es bei uns geschneit hatte. Das Fenster südlich.
Hielt aber alles nicht lange. Zum Verständnis muss man sich wohl doch eine große Gärtnerei vorstellen...eben ein Glasdächermeer...und dazu die furchtbare Witterung.
Der Stein sollte zerschlagen, aber ich glaube nicht, um irgendwo hin zu kommen. Zerschlagen hätte da wohl einfach gereicht. Vielleicht eine Mischung aus Neid und Abscheu?!?...
Der Text selbst ging am Stück runter. Der Gedanke mit den Stilmitteln kam mir erst später.
Ich persönlich mag Varianten von Dekonstruktion, aber dazu gibt es ja viele Meinungen.
Das mit dem Druckaufbau zum Ende hin war dann schon so gewollt. Der erst Satz ist der einzige, der von der Rechtschreibung passt. Bis zum Schluss löst sich das alles mehr auf, wird unterschiedslos. Wortketten.

Thx....

Erik




Views heute: 2.097 | Views gestern: 5.897 | Views gesamt: 5.490.035