Die verbotene Frucht · StahlKocher · ·


ab 16 Zeilen · Forum für Literatur & Germanistik
 

Neue Beiträge   |   Registrierung   |   Lesungen Literatur auf YouTube - Gedichte - Forum für Literatur und Germanistik  |   dradio   |   Archiv   |   l o g i n

 
~ Startseite
kafkaesk
~ Neue Beiträge
~ Beiträge suchen
Literatur
~ Prosa
~ Gedichte
~ Diskussionen
~ Literaturwissenschaft
Literatur
~ Leseliste
~ Forenliste
~ Gäste-Chat
Literatur
~ Impressum

  Online

  Lesungen

  Piep, piep, piep...

  Aktuelle Themen

Texte zitieren auf literature-online.de

Kipp-Phänomene: Brillante Rhetorik

Mein Buchhändler

welt

Dichte Reime

Zwei Gedichte

Enjambements in Heyms Berlin III

G7sus4 (12-string) --> für chantal

Reise durch lit-on

Vatnajökull (prisma)

Achrad (6)

Trahisa (5)

Letzte Nacht

Straße

Glück ^^ Meine schönsten Aporismen !!!!!!!

Feierabendland

Ein Dogma

Distanz

in die nacht

Jahrestage


 

      StahlKocher



Die verbotene Frucht

   14.07.2007, 22:17 / 1 x geändert



Die verbotene Frucht

Haben wir nicht schon alles davon gehört?
Ob Soap oder Songtext
Wohl tausendfach der zerbrochene Kopf
Über das unerlaubte – die Sünde

Eine steinerne Tafel zehntelt von Hand zu Hand
Durch zweitausend Jahre
Durch den Zeittunnel der Diskurse
Bis in meine Träume

Außer Kontrolle ist das Radio
Die steinerne Tafel stört die Elektronik
Das weiß sie das weiß ich
Nur mein bester Freund, der weiß das nich

Zuhause zwei lachende Augen
Ahnen nichts vom Platzverweis
Der hinter den Brustkorb traf
Erteilt durch die steinerne Tafel

Am Tag ist alles Kontrolle
Alles will raus und muss doch drinnen weiterbrodeln
Die Angst vor der Nacht, wenn heimlich sich Raum schafft
Was der Nebenmann niemals hören darf

Eine stolze Burg, Bollwerk seit Jahren
Trotzte allem, was da kam
Nicht Feuer und nicht Feind konnten etwas ausrichten
Doch die steinerne Tafel lässt jeden Quader vibrieren

Wie ein Nachtmahr liegt sie auf meiner Brust
Wie ein bucklicht Männlein versperrt sie mir den Weg
Plötzlich bin ich der Dieb in der Nacht
Ich schuf die Schimäre – Hörner krönen das geliebte Gesicht

Die Bahnen zweier Trabanten
Wer lenkte sie zusammen?
Die steinerne Tafel. Noch kann man den Meißel klingen hören
Koordinaten für die unselige Kollision in den Quarz treibend

Eine irregewordene Flinte
Ein Schuss – zwei Verletzte
Doch die Tafel geht ihren Weg
Zieht mich unter die Oberfläche um das Geständnis in Blubbern zu chiffrieren
Und die Tränen im Meer verschwinden zu lassen

 

      Schreibtisch



ohne trost leider

   15.07.2007, 12:29



Guten Morgen, Stahlkocher,
…Tafelrunde, Sündenfall, Platzverweis,
stolze Burg, Nacht und Tag, Schimäre,
Verletzung- Tafel, Tafel, Tafel…
literature-online mit der Tafelrunde vergleichen…
ist schon geschehen und wird hier von Dir, Stahlkocher, aufgegriffen
– so vermute ich:
Das Klingen der Meißel als Basteln am Layout,
das vordergründig ist,
während sich niemand um die Verletzten zu kümmern scheint?
Ab und zu löst sich eben mal ein Schuss.
Wer sich verletzen lässt ist selbst schuld.
Wer die eigene Verletzung nicht in eine zu lobende perfekte Form zwängen kann
oder will…Sünde…
Würde gerne viele Fragen stellen –
„geblubbert“ sind Deine Zeilen sicherlich nicht.
Mich machen sie heute morgen traurig.
Besonders die letzte Strophe.

herzliche Grüße vom Schreibtisch

 

      Jolante



RE: ohne trost leider

   16.07.2007, 11:59 / 2 x geändert



Ich lese aus dem Gedicht keine Tafelrunde heraus, von der jemand verstoßen wird, sondern denke an die biblischen, steinernen Gesetzestafeln und hier besonders an einen Teil des Begehrensverbotes, das u.a. beinhaltet: "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib,...". Die Übertretung dieses Gebotes und eines weiteren "Du sollst nicht ehebrechen" weckt in dem lyr.Ich Angst und Schuldgefühle, es geht um missbrauchtes Vertrauen, Verrat an Freund und Partnerin, das sind so meine Assoziationen. Vieles bleibt aber für mich im Dunkeln, auch erscheint mir das Gedicht zu lang, ich würde einiges kürzen und insbesondere auf die erste Strophe verzichten. Es würde mich interessieren, was andere aus den Versen heraus-, bzw. in sie hineinlesen und bin gespannt auf weitere Kommentare.

Es grüßt Jolante

 

      lost



RE: Die verbotene Frucht

   16.07.2007, 13:04



hochschwanger, der Text.

das Schicksal kann täglich niederkommen (auf den Menschen. als Liebe in Sünde. kann denn Liebe Sünde sein?). halloman!, da vibrieren die Quader, und die verliebten Trabanten - gelenkt von dem ominösen Mister "wer?" (das ist dieser Kerl, der im Hintergrund die Fäden zieht, ohne sich je zu outen) - verkeilen sich unrettbar ineinander, Burgen und Bollwerke stürzen zusammen (ja, man hat versucht, sich zu wehren, aber das als Ich-will-dich-so verkleidete Schicksal war stärker), und Bedeutungsschwere verdunkelt sechs Stunden lang den Erdkreis, und es gibt einen richtigen Showdown mit Schießerei und zwei Verletzten, aber keine Toten - oder? (man soll auch nicht zu weit gehen ...) - irre ...

ja, ein dunkler Text, der manches andeutet (ich neige, wie man liest, eher der Jolante’schen Interpretation zu), ohne so recht auf einen grünen Zweig respektive den Punkt zu kommen. ja, die Sünde - haben wir nicht alle schon mal gehört von dieser Sache mit dem Apfel, den man nicht essen soll, und dann taten sie es doch, und es war zugleich so schön und so schrecklich, ach, deine lachenden Augen, ach, mein bester Freund, der von nichts weiß: das ist der Stoff, aus dem Romane sind, tiefgründelnde, unter die Oberfläche blubbernde, also nicht die mit dem Sonnenuntergang, sondern die mit dem Weltuntergang am Ende ...

nein, lost, shut up now, denn: auch wenn du noch acht weitere Anläufe nähmst, du würdest den Eindruck nicht los, der Text versuche dich umzulegen mit Geheimnisgebräme, mit dramatischem Bühnengehabe, mit weitausholenden Gesten, mit Schmerzhaftigkeiten und Blüten wie:

Doch die Tafel geht ihren Weg
Zieht mich unter die Oberfläche

kann eine (steinerne) Tafel ihren Weg gehen und dabei den Sprecher unter die Oberfläche ziehen? ich weiß nicht, ich weiß nicht ...

Stahlkocher, ohne mit einer Schicksals- oder Ge- oder Verbotstafel nach dir werfen zu wollen, ohne aggressiv sein zu wollen - nichts als ein unverrenktes Feedback eines alten losers aus dem underground:
ab zum Friseur. neu stylen.

best regards, lost.

 

      StahlKocher²



RE: Die verbotene Frucht

   16.07.2007, 23:50 / 2 x geändert



ho leude, danke für eure mühe.

@lost

wow, "alter loser aus dem underground" - da muss ich erstmal schlucken! ich hoffe du siehst dich nicht so. wobei unverrenkte feedbacks eigentlich eine gute sache sind.

ja, den schuh, was das pathetische angeht ziehe ich mir voll an. da haben mich auch schon andere leute drauf hingewiesen. (nur für diejenigen, die sich sorgen um mich persönlich machen sollten: es ist nichts passiert, ich habe mich nur ziemlich intensiv auf ein gedankenspiel eingelassen)
zur tafel allerdings muss ich sagen, dass die wirklich eine gewaltige assoziative anziehung auf mich ausgeübt hat. und letztlich, handelte es sich bei dem lyrischen ich um einen einigermaßen gläubigen christen, würde sich dieser in meiner vorstellung wie von einem betonklotz nach unten gezogen fühlen, hätte er gesündigt. nun, welche sünde hat er begangen?

@jolante

in deiner bemerkung fühle ich mich so richtig schön zuhause. genau dessen, was du siehst, hat sich der mensch schuldig gemacht. während er im heimischen ehebett jede nacht angst hat, sich im traum zu verplappern, ahnt die gehörnte frau (die er ja auch immer noch liebt) nichts von seiner krise. aber es ist nicht nur die frau, sondern auch der freund, der verletzt wurde, dafür die flinte.
ja, kürzen. damit tu´ ich mich immer schwer. vielleicht weil es eben um eine thematik geht, die schon tausendmal durchgekaut wurde und ich dort aber für jeden einzelnen so gewaltige zerstörung sehe, dass ich möglichst viele facetten mitnehmen möchte.

in jedem fall danke und gute nacht - stahl

 

      lost



RE: Die verbotene Frucht

   17.07.2007, 00:49



Herr Stahl,
wissen sie eigentlich, WIE angenehm es ist, einem Menschen zu begegnen, der sich auf unverrenkte Feedbacks einlassen kann?
übrigens, ich persönlich machte mir keine Sorgen um sie (da ich stets eiskalt zu trennen pflege zwischen Autor und lyrischem Ich). machen auch sie sich bitte keine Sorgen um mich, denn: was wäre schlimm daran, ein alter undergroundiger loser zu sein? haben sie es schon einmal ausprobiert? man ist sehr frei in dieser Position, und außerdem: ich sehe mich so ... aber nicht nur.

Die Angst vor der Nacht, wenn heimlich sich Raum schafft
Was der Nebenmann niemals hören darf


hier hätten wir den Nerv des Textes, da lebt etwas, und im Grunde ist damit auch schon alles gesagt.

best regards, lost the lucky loser.

PS:
dass ich hin und wieder jemanden sieze, ist eine schlechte Angewohnheit von mir, die ich nicht loswerden kann. es bedeutet nichts weiter.
grüßen sie ihre Frau von mir!




Views heute: 2.232 | Views gestern: 5.897 | Views gesamt: 5.490.170