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ear
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01.07.2007, 15:14 / 1 x geändert
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Michael Hamburger, einer der bedeutendsten Dichter und Uebersetzer der englischen Sprache verstarb vor kurzem in Suffolk. Er, der als Kind aus Berlin nach England fluechtete, der seine eigenen Gedichte nur in englischer Sprache veroeffentlichte, aber den Englaendern Hoelderlin, Celan, Sebald und Goethe nahebrachte, war in seinen Uebertragungen unvergleichbar.
Hier ist eines seiner eigenen Gedichte, “One or More”, welches mit diesem Link zugaenglich ist:
http://www.goethe.de/ins/gb/lon/en2403979.htm
Dem Goethe-Institut wurde die Veroeffentlichung gestattet, courtesy of Anvil Press Poetry.
Mich fasziniert Hamburgers Vision der Weihnacht, welche er im Beobachten des Vollmondes findet. Mit und ohne Brille , als aelterer Mensch, dessen Enkeltochter laechelnd wissend reagiert. Sehen und Glauben spielen in die Wahrnehmung hinein.
Ihn interessiert , was die beiden Enkelinnen denken, sie, die am Suchen sind und bereit, in die Ferne zu schweifen.
Er als Dichter sieht im Mond vier Monde, den ersten klar und rund, die drei weiteren Teile wie Aureolen, sie koennten in andere Raeume entweichen, jeder glaubwuerdig in jener wolkenlosen Weihnachts-Nacht.
Mit und ohne seine kuerzlich erworbene Brille sieht der Dichter die Erscheinung der Monde und spricht darueber, egal, ob Erwachsene ihn belaecheln und einen neuen Test der Augen und des Geistes wuenschen. Seine Enkelin ahnt, dass es ihm Ernst ist.
Am darauf folgenden Weihnachtsmorgen ist der Mond noch da, aber schwach gegenueber dem Tageslicht und der unsichtbaren Sonne.
Der Mond wird blasser und blasser, die Enkelinnen halten an ihren Ideen ueber Pol und Aequator fest.
Bald werden die vier Monde zur Matrix zurueckkehren. Weihnachten ist gewesen.
In der letzten Strophe fordert Hamburger den nach ihm kommenden Leser auf, sich mit den Monden zu beschaeftigen und daraus zu machen, was er wolle, denn er, der Dichter habe seine Arbeit getan.
Ich bedaure den Tod des 83 jaehrigen Dichters und Uebersetzers nicht nur, weil er, nicht weit entfernt, in Middleton in der Naehe von Saxmundham wohnte, sondern weil er die aeltesten Apfelsorten aus Kernen zog und stolz darauf war, in seinem verwunschenen Garten, ganz seltene Apfelsorten zu haben. Aus seiner Uebertragung der Gedicht-Sammlung 1970 von Paul Celan ,stammt:
The eternities struck
at his face and
past it,
slowly, a conflagration extinguished
all candled things,
a green, not of this place,
with down covered chin
of the rock which the orphans
buried and
buried again.

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augustine
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02.07.2007, 14:40 / 5 x geändert
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Danke, ear, für das Michael-Hamburger-Gedenken und sein Gedicht (an dem nun ich mich übersetzend versuchen will, aber wohl besser nur für mich).
Hier ist der Text des Celan-Gedichts, dessen Übersetzung du mitteilst:
Die Ewigkeiten fuhren
ihm ins Gesicht und drüber
hinaus,
langsam löschte ein Brand
alles Gekerzte,
ein Grün, nicht von hier,
umflaumte das Kinn
des Steins, den die Waisen
begruben und wieder
begruben.
aus: Lichtzwang
in: P.C. Gesammelte Werke Band II Gedichte II, Frankfurt 1983
Celan, wenige Jahre älter als Hamburger (Jg. 1920), von deutscher Nazi-Herrschaft ins Exil gezwungen wie er, nur indirekter, später, hat es mit der Sprache dort (in Paris) anders gehalten: in französisch-sprachiger Umgebung schrieb er deutsch.
Zu Hamburger und Hölderlin hatte ich bei dem Übersetzungsvorschlag zur Recherche kurz etwas erzählt. Ich kopiere das mal hierher. Vielleicht, ear, könntest du oder kann rollerball oder windflug noch etwas zu den Übersetzungen von REMEMBRANCE im Verhältnis zu MEMORY (für Hölderlins Gedicht ANDENKEN) ergänzen?
"Dazu habe ich mal auf einer Tagung eine Arbeitsgruppe mit Michael Hamburger (vertriebener Berliner Jude mit deutsch als Muttersprache) und Peter Waterhouse (seinem Übersetzer, denn längst schreibt er eigene Texte englisch) mitgemacht, in der es nur um zwei Worte ging: ist ANDENKEN eher REMEMBRANCE oder eher MEMORY? Das heißt, den Worten, unserem persönlichen und kollektiven Wortgedächtnis nachspüren." (bearbeitet). - Eineinhalb Stunden über nur drei Worte - das war eine Veranstaltung von ganz außerordentlicher Intensität. So auch eine Abendveranstaltung mit beiden in den gedrängt vollen kleinen Räumen der unteren Etage im Tübinger Turm. --
Gerade überläuft es mich kalt: auch Celan hat da gelesen, 1970 im März, auch während einer Tagung (waren damals noch im März, nicht Juni). Es war, das schreibe ich jetzt aus Lese-Erinnerung, seine letzte öffentliche Veranstaltung überhaupt. Vielleicht hat er auch dies Gedicht gelesen. Er ist nicht verstanden worden ...
Lg augustine
PS Eben fallen mir noch Die Nebensonnen von Wilhelm Müller ein (Schuberts Winterreise!). Ich stelle den kurzen Text in den Faden. a.

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ear²
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Liebe augustine, ich bin dir dankbar fuer das deutsche Celan-Gedicht.
Ich freue mich, dass dir das Gedenken an Michael Hamburger solche einmaligen Erinnerungen brachte.
Fuer mich bedeutet ein ‘Andenken’=ein ‘Denken –An’, also mehr ein ‘ Gedenken’.
Es ist Erinnerung an eine bestimmte Person, oder an ein gewesenes Ereignis. Ich rufe mir etwas in die Erinnerung zurueck, welches ausgeloest wurde durch ein Ereignis.
Ich habe die Moeglichkeit und das Wollen, so etwas zu erinnern. Es kann der Augenblick sein, an dem ich beginne, mir etwas ins Gedaectnis zurueckzurufen, aber es kann auch ein wirklicher zeitlicher Verlauf sein. Es kann ausgeloest werden durch die persoenliche Note und Eigenschaft einer Person, etwa bei einer Beerdigung das Zelebrieren des Lebens eines Freundes.
Mehr faellt mir nicht dazu ein, ear

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ear²
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02.07.2007, 22:43 / 1 x geändert
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Eine kleine Ergaenzung:
Nun habe ich mir Hoelderlins Gedicht “Andenken” ausgedruckt.
Dabei geht es, glaube ich, um die Aufgabe des Dichters etwas Vergangenes fuer die Nachwelt festzuhalten. Er bereist Bordeaux und sieht Natur und Kunst in Harmonie. Die Muehle ist sicher eine Metapher fuer Romantik. Es wird von Seefahrern gesprochen, sie sind den Gefahren ausgesetzt, sie handeln, waehrend er, der Dichter nur nachdenkt und Gewesenes festhaelt. Vielleicht steht Wein fuer Liebe.
Mein Beitrag ist nur kurz, ich hoffe, dass Andere mehr dazu schreiben koennen, denn das Hoelderlin-Gedicht ist wunderschoen , ear .
http://www.literaturwelt.com/werke/hoelderlin/andenken.html

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