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Surrealismus · Forum für Literatur & Germanistik
 

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      zuppanova



Performance

   03.06.2007, 10:23



Performance

Auf leuchten, sichtbar
in die weitverzweigt flirrenden Äste
mächtiger Satelliten gehängt,
auf leuchten weithin auratisch:
drei so bezeichnete güld'ne Monaden.

Hungrige Hohlherzen schwärmen heran:
Sekundenlang zittert empfindsam der Schmand,
dann bildet tränengerührter Applaus
niedliche Pfützchen auf dem Parkett.
Bedürftige baden darin.

Dieweil kämpft tief unten im Meer
(Aufgepasst! Jetzt Rolle rückwärts und: Tusch!)
ein tapferer Hai um sein Leben.
Die kindlichen Könige schreien nach Blut. Ein sattsam bekannter,
williger, wohlfeiler Cowboy füllt ihnen blauäugig blinzelnd den Gral.

Später gehen die Scheinwerfer aus.
Schweigend schälen sich puppige Protagonisten
aus passend gemachtem Gehäute. Standesgemäße
Entsorgung erfolgt. Dunkelbebrillte Fahrmänner warten.
Sie kennen wie immer die Sendung.

Jene güld'nen Monaden jedoch lustwandeln
befreit durch die Straßen der nächtlichen Stadt.
Aus ihrem Innersten sickert Gesagtes, so sanft, ach,
sie plaudern verschwiegen. Einzig ein fremder Vertrauter
hat ihre leisen Stimmen belauscht.


______________________________________
es ist schwer zu sagen, ob ein gedicht 'surrealistisch’'sei oder nicht. ist dies ein gedicht? und: steht es hier richtig? welche assoziationen weckt es?

 

      augustine



RE: Performance

   04.06.2007, 01:33



zuppa, o je, du schreibst ja schneller, als ich dir nach-denken kann.
die monaden lass ich mal weg, die sind nich einfach nur letzte einheiten von was auch immer; mir heute nacht zu kompliziert

bleiben die drei mittleren strophen.

die hungrigen hohlherzen//die kindlichen könige am ende und der willige wohlfeile cowboy [dieser, der lieber ein un-täter geblieben wäre als einer zu sein, dieser 2x oder 52x wieder und wieder ans licht gebrachte wahrhaftig ver-wahr-loste, diese dumm- oder dumpfbacke, dieser selbsternannte grals-hüterja und noch weiter so]//die puppigen protagonisten, die sind identisch: die dame und die herren beim abend-mahl am unheiligen damm, wo sie eingezäunt speisen -

was feines speisen (und der koch ist, lese ich, keiner von diesen angeberischen hai-an-erdbeeren-sterne-köchen), vom blauäugigen bedient (TM)/in abendgewändern/mit rührlichen reden bedacht/danach von fahrbereitschaften abgeholt usw. -

da ist noch eine ganze menge doppel- und mehrdeutiges drin, Sendung z.B.; dafür bin ich jetzt aber zu müde ...

warum schreibst'n du plötzlich hauptwörter und so groß, zuppa - das gegenteil von ehrerbietung, wa?
bin schon gespannt, wie's weitergeht. dem schrecklich realen kommt man nich mit agitprop bei, sondern mit wirklichem ernst, und der kann sowas sein, sur-real auf das reale verweisend
augustine, verwirrt, verworren grüßend

 

      ear



RE: Performance

   06.06.2007, 10:47 / 1 x geändert



Liebe zuppa, ich vermute, dass du ein surrealistisches Bild von Heiligendamm bietest:
dem kleinen Ort, der ploetzlich weltweit genannt wird und hoffentlich in Zukunft von den kurzen Tagen des Weltgeschehens profitieren koennte.
Die ‘hungrigen Hohlherzen’ koennten die Vertreter der Laender sein mit hohlen Versprechen, die seit dem Beginn 1975 in Rambouillet nicht viel Positives erreicht haben. Ansaetze von Kampf gegen Terrorismus, andere Formen von Energien,Hilfe fuer Tsunami-Opfer, Kampf gegen Polio, Recht auf geistiges Eigentum werden hoch geschrieben, aber die Resultate seit 1975 sind recht mager.
Hohlherzen schwaermen heran, wie Dronen , ‘traenengeruehrter Applaus’ gruesst jedes Versprechen.
Amerika fuellt den “Gral” mit neuem Blut. Ueber Child -Ponography koennte gesprochen werden, aber fuer den Sexbedarf hat man vorsorglich das Noetige besorgt.
Haben die ‘gueldenen Monaden’ mit Leibniz zu tun? Ausdehnung des Geistes ?
Oder betrifft es eine Krankheit, welche Blaetter befallen kann?
Sind Monaden kleine Ichs, die sich fuer kurze Zeit wichtig vorkommen, oder sind es die marionettehaften Monaden im Werk des franzoesischen Malers Balthus?
Dein Gedicht ist sehr anregend, ear.

 

      rollerball



RE: Performance

   06.06.2007, 15:42



also direkt surrealistisch würde ich den text nicht nennen, obwohl mir der bezug zum realen nicht immer ganz klar ist, mit den monaden kann ich auch nicht viel anfangen, obwohl ich derzeit ganz munter und ausgeschlafen bin. Ob der text was mit G8 zu tun hat? vielleicht, oder auch nicht , ich sehe jedenfalls keine zwingenden hinweise, wo sich die performance abspielt ...

 

      Jolante



RE: Performance

   07.06.2007, 11:26 / 1 x geändert



Liebe zuppa,
zuerst hat das Gedicht Ablehnung bei mir hervorgerufen, die sich erst legte, als ich es ein paar Mal gelesen habe. Die Hermeneutik des Textes macht mir zu schaffen, und ich muss gestehen, es gelingt mir nicht, in seine Tiefen einzudringen. Vordergründig geht es wohl um ein großes mediales Ereignis, der G 8-Gipfel wurde schon genannt. Könnte es sich bei den "drei so bezeichneten güld´nen Monaden" um die Trinität Vater, Sohn und Heiliger Geist handeln ? Das "weithin auratische Aufleuchten" könnte dafür ein Indiz sein, ebenso die Aussagen in der zweiten Strophe. In der dritten Strophe dann kämpft ein tapferer Hai um sein Leben (Umweltzerstörung?) und die kindlichen Könige schreien nach Blut (Afrika?). Wer der blauäugig blinzelnde Cowboy sein könnte, wurde schon gesagt. Der G8-Gipfel mit seinen Begleiterscheinungen ist nichts als eine große Show, um den Menschen vorzugaukeln, die dringenden globalen Probleme könnten von wenigen Auserwählten gelöst werden. Dazu passen auch die Krokodilstränen, die über das Elend in Afrika vergossen werden, in dem sich die Bedürftigen für ein paar Tage baden dürfen, dann ist das Thema wieder vom Tisch. Sobald die Scheinwerfer ausgehen, ist die "Sendung" (auch Botschaft?) vorbei. Alle schlüpfen wieder aus ihren Rollen, die standesgemäße Entsorgung erfolgt. - Was sagt mir die letzte Strophe? Auch hier denke ich wieder an die Dreifaltigkeit. Wer ist der fremde Vertraute, der ihre leisen Stimmen belauscht - der Satan? - Ach, ich gebe es auf, das Gedicht analysieren zu wollen, es ist sooo schwer !

Gehirnjogging-Grüße
von Jolante

 

      Elise



RE: Performance

   14.06.2007, 01:00



Surrealistisch ist es nicht, behaupte ich.
Es ist ganz gelenkig gebaut, die Bilder sind ungewöhnlich, abgehoben, gesucht, vielleicht auch grotesk (Bedürftige, die in Tränenpfützen baden; ein Hai, der um sein Leben kämpft; ein Cowboy bei der Gralsrunde), aber nicht surreal. Es ist perfid penetrant bedeutsamelnd (schon im Titel) und will dem Leser unbedingt eine Schlinge um den Hals legen und ihn zu etwas hinziehen - aber zu was nur?
Spielerisch ist es auch nicht - viel zu viel absichtsvolles Geraune im Background.
Es rätselt einen so an (mich, ja) und das ist unangenehm und verdirbt den Genuss.
Weiter weiß auch nicht: Elis.

 

      zuppanova²



RE: Performance

   14.10.2007, 12:59



grüss euch alle,

im zusammenhang mit einem anderen faden fiel mir jetzt dies hier wieder ein, und ich sah, dass ich auf eure kommentare, die für mich sehr interessant waren, noch gar nicht reagiert gehabt hab.
also, es war halt ein (womöglich recht kindlicher) versuch, chiffren zu konstruierenen für ein eindrückliches eigenes erleben (insofern etwas, was kaum zu entschlüsseln ist, da es ganz aus innenbildern heraus funktioniert) - mit dem G8-Gipfel hatte es nicht zu tun, mit der welt der medien (das kam scheints durch) aber sehr wohl. der blauäugige cowboy, das ist Dieter Bohlen, aber mehr will ich gar nicht übersetzen ... hab mich jedenfalls gefreut, dass ihr es gelesen habt.
ob es surrealistisch ist, hmm, frag ich mich noch immer - wohl eher nicht ... (surrealismus fängt für mich bei Morgenstern an).

einen möglichst realen schönen sonntag: zuppa.




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