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Gretchen
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30.05.2007, 07:36 / 6 x geändert
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allesisteitel (weekend rap)
dieser Samstag ist kein Samstag, sondern volle Hacke Mist eh
es iss ziemlich weit nach Mittag und ich häng noch inner Kiste
ich seh ein ich hab mich gestern ganz beschissen abgedröhnt
vielleicht werd ich auch nur älter oder bin nix mehr gewöhnt-a!
sechzehn Uhr durch ich steh auf ummal bei ALDI reinzuchecken
schließlich muss ich mich fürs weekend noch mit Milch und Bier eindecken
an der Kasse issne Schlange und der Penner vor mir rotzt man
mir wird übel krass der Ekel beinah hätt ich noch gekotzt man
endlich bin ich an der Reihe die Kassiererin iss dick
ihre Zunge iss gepierct ey und sie stinkt nach faulem Fick
als ich draußen bin kapier ich diese Kuh hat mich beschissen
um nen Zehner fuckforgetit der hätts auch nicht rausgerissen
ich laatsch heimwärts ohne Jacke und es fängt zu pissen an
auf dem Pflaster Hundescheiße dass man kaum drum rumgehn kann
ich bin nass und mir iss kalt
und ich fühl mich furchtbar alt
ich bin nass und mir iss kalt
und ich fühl mich furchtbar alt
an der Ampel wo ich grün hab fährt mich beinah einer um
iss nen BeeEmmWee nen dreier
und 'n Drecksack sitzt am Steuer
mann dir knall ich in die Eier
und ich zeig ihm meine Faust und mach den Mittelfinger krumm
ah-ll-esiss-eit-ell
du-hu-aa-ber-bleibbs
ah-ll-esiss-eit-ell
du-hu-aa-ber-bleibbs
kaum bin ich in meiner Höhle zieh ich mir mein Zeug vom Leib
kriech ins Bett mit einer Pulle und ich schwör dass ich da bleib
bis es rote Rosen schneiet bis es regnet kühlen Wein
bis die Nachtigallen singen in dem Abendsonnenschein:
ah-ll-esiss-eit-ell
du-hu-aa-ber-bleibbsah!
ah-ll-esiss-eit-ell
du-hu-aa-ber-bleibbs
Gegenstück dazu: Jessica, die Barcodeschlampe
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So, das müsst ihr als Sprechgesang so vor euch hinhacken, immer betont-unbetont einfach durchziehen, Rap-Rhythmus, geschmeidig, tough und straight und gerne mal sonn' "uh!" oder "äh!" einbauen, vllt. klatschen oder schnippen, könnt auch einzelne Zeilen wiederholen, oder den Chorus und so - Fortgeschrittene sprechen dann doppelt so schnell und überlegen sich ne Choreografie. Lasst mal eure Phanthasie spielen, was dat fürn Typ iss, der da spricht, was der sonst so macht und so ... überhaupt: könnt mir alles hinschreiben, auch "sonn' Shit habb ich noch nie gelesen von dir, Gretchen" (kein Anspruch auf Kunst oder irgendwas meinerseits) - wir besprechen das dann, wenn ich wieder da bin.
Grütze! nee: Grüße!

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Jolante
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01.06.2007, 12:17 / 8 x geändert
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Hossa Gretchen,
mit deinem Rap, der in Rhythmus und Poesie ein Stück Alltagswirklichkeit in der Sprache der Straße wiedergibt, hast du meinen Nerv getroffen.
Tja, was ist das für ein Typ ? Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Ob männlich oder weiblich, ob "ältere/r" oder nur gefühlt alte/r, emotional und sozial erkältete/r Jugendliche/r, Hartz IV-Empfänger/in oder auf der sozialen Leiter unten Angekommene/r oder Nichterwachsenwerdenwollende/r, in Selbstmitleid Schwimmende/r, auf jung sich Trimmende/r, die Reihe könnte fortgesetzt werden.
Die Erkenntnis "ah-ll-esiss-eit-ell / du-hu-aa-ber-bleibbs" verstehe ich nicht ganz. Ist hier mit dem DU das Ich gemeint oder das Elend, in dem es sich an diesem beschissenen Tag wähnt, oder wer oder was ?
Die letzte Strophe, in der das lyr.Ich mit `ner Pulle ins Bett kriecht und schwört, dass es da bleiben wird, bis ......., hat mich besonders angerührt. Denn "es schneit ja keine Rosen und regnet keinen Wein" heißt es in der vorletzten Strophe des schlicht-schönen Volksliedes, ja, und in der Heine-Loreley heißt es auch: "Die Luft ist kühl und es dunkelt...". Die Träume des lyr.Ichs werden sich wohl nicht erfüllen und trotzdem muss es irgendwann wieder aufstehen, die Alternative dazu wäre der Tod. Aber vielleicht hört es ja doch die Nachtigall singen, diese hat im Märchen immerhin einen Kaiser vom Totenbett auferweckt.
Ich bin gespannt auf andere Lesarten, denn Erstkommentare sind nicht meine Spezialität.
Es grüßt Jolante

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Schreibtisch
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01.06.2007, 13:29 / 1 x geändert
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Alles ist eitel, du aber bleibst,
Und wen du ins Buch des Lebens schreibst.
Du aber bleibst, du aber bleibst;_
Alles ist eitel, du aber bleibst.
Du aber bleibst, du aber bleibst,
Und wen du ins Buch des Lebens schreibst.
...jetzt hab ich einen Ohrwurm und zwar einen ganzganz schlimmen...
EG 647 ( Offb 20,12; Pred 1,2:3,14...)
liebe Grüße...ist übrigens ein Kanon, den können wir dann dazwischensingen...
Schreibtisch

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augustine
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"Alles ist eitel" - wohl wahr, Schreibtisch.
Das Evangelische Kirchengesangbuch müsstest Du deklarieren: welche Landeskirche, wann erschienen. Sie stimmen ja nicht überein.
Off 20,12 steht (Luther): "Und ich sah die Toten, beide, groß und klein, stehen vor Gott, und Bücher wurden aufgetan. Und ein ander Buch ward aufgetan, welches ist das Buch des Lebens. Und die Toten wurden gerichtet nach der Schrift in den Büchern, nach ihren Werken."
Es gibt keine Stellen aus der Apokalypse zu 'alles ist eitel' in der Großen Konkordanz.
Prediger (Kohelet) 1,2 : ja; auch weitere Stellen dort; 3,14 kann man so interpretieren, ja; das Wort 'eitel' kommt nicht vor.
Bedenke bei künftigen Einträgen dieser Art: ich habe also auch eine Konkordanz, und ich benutze sie, wie Du siehst.
Was ist das Gegenteil von eitel? Vielleicht: aufrichtig? augustine, die böse

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Schreibtisch
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(EG 647 Ausgabe für die Evangelische Kirche im Rheinland, Evangelische Kirche von Westfalen, Lippische Landeskirche in Gemeinschaft mit der Evangelisch-reformierten Kirche (Synode evangelisch-reformierter Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland), in Gebrauch auch in den evangelischen Kirchen im Großherzogtum Luxemburg
-die angegeben Bibelstellen zeigen im EG den biblischen Bezug für den Kanon von Gerhard Fritzsche 1942 (Text), Theophil Rothenberg 1942 (Kanon))

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zuppanova
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servus, Gretchen, gleich mit der tür ins haus:
die links zu Gryphius, Heine und (so schön sie ja sind) den Nachtigallen nimm raus.
nicht dass ich den drang zum "hinterlinken" nicht verstehen könnt, aber --->
sie verwirren hier nur (mich jedenfalls), die links, da sie nicht stark/ausgefeilt/pointiert/eingearbeitet genug sind, um dem text wirklich eine weitere dimension hinzuzufügen; und als verweise finde ich sie unnötig: die zitate sind ja in den worten (interessant ist der versuch, eine kontrapunktische ebene zum text mittels alles-ist-eitel-zitat einzuführen) darin und werden erkannt - oder halt nicht, und das ist auch nicht weiter schlimm, dann steht der text eben so da.
die spule läuft hammerschwingelartig durch (Trochäus? bin mit den versfüssen auf kriegsfuss), chorus-zäsuren und der BMW-einschub (hommage an BY, oder?) wollen grau(sam)er textlicher eintönigkeit entgegenwirken, ohne den fluss zu brechen. nicht schlecht gemacht.
jedoch: wie will der text denn genommen werden? - das ist mir nicht so recht klar. womöglich soll eine bestimmte befindlichkeit eines einzelnen oder einer gruppe transportiert werden. wenn ja, ist das authentisch so, wie es hier umgesetzt ist, passt das? oder soll es eine persiflage sein? gesellschaftskritik? das ist für mein empfinden nicht herausgearbeitet, da hat der text sich noch nicht so recht entschieden, was er mal werden möchte, wenn er gross ist ...
was genau war denn deine intention beim schreiben, Gretchen?
so, ein kleines zuckerl hab ich noch gefunden: alles ist eitel, und zwar als kanon - GEBLASEN!
hier anklicken, und
wenn die seite erscheint: in der linken hälfte eher oben steht (relativ klein) Melodien: da klicken, und schon kommt’s, das gebläse ...
lg, zuppa.

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Gretchen²
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Heia Leute!
Okeeh, die links sind weg, zuppa, hasse recht, die bringen nix.
Und sonst? Also: gut, dass der Schreibtisch das mit dem Buch
des Lebens rausgefischt hat. Habb ich nämlich im Radio gehört
wann mal (in die Kirche geh ich nie), und dachte mir:
ohhacke verdammt auch, das leg ich auffe Straße.
Soll heißen: hinter dem Text steckt gar nix weiter, keine besondere
Intention oder so, nur die Lust, irgendwas rauszuknallen, oder
auch die Lust, sonnen frommen Text auf die Straße zu knallen,
wenn gezz wer versteht, was ich damit meine.
Besten Dank fürs Lesen, vor allem dir, Jolante!
Eure Kröte Karo.

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rollerball
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Hi Gretchen,
normalerweise hasse ich Rap und Hip Hop wie die Pest, halte die ewig gleiche monotone Leier der ewig gleichen tumben Typen mit Sonnenbrillen, umgedrehten baseball caps und bedeutungsschwangerem Zeigefingergefuchtel für akustische Umweltverschmutzung und ein Symptom für den Untergang des Abendlandes, aber so eine schlaue Parodie find ich schon köstlich, und der eingebaute Kirchentext ist ein interessanter Kontrast - alles eitel Wonne, echt krass, ey!!

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Gretchen²
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30.06.2007, 15:04 / 1 x geändert
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Heya rollerball, manno ja, du hast wahrscheinlich recht und es ist direkt ne Parodie.
Als ich das geschrieben hab, konnt ich nicht drüber nachdenken, was es sein soll, denn ich war in sonner HandgranatenAmoklaufwosinddieFressenzumReinhauen-Stimmung, hab ich manchmal, kann ich mich dann reinsteigern, ziemlich fett übel - da kommt dann so was raus aus mir, damit der Frust weggeht, so ein Rausklatschen ist das, Rausknallen, nur: so derbe, dass es der Stimmung wirklich angepasst wär, kann ich gar nicht klatschen oder knallen mit Sprache, da bin ich zu unbegabt, oder kann sein auch zu verschämt. Na ja, war sonne Randbemerkung - danke für dein Kommentar, roller!
Grüße vom Gretchen, heut mal gesprenkelt statt kariert (Abwechslung macht Freude).

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Willimox
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30.05.2010, 14:06 / 5 x geändert
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Die Freude am Aldi-Rap und am Jessica-Sonett wird für geneigte Leser (städter: excuse, sorry) im Folgenden (auch wenn gretchen die links rausnahm und der autorwille zu würdigen ist) vllt noch größer... Hier spielt Margarete und staubtrocken ist es nur vielleicht.
1. Der jenseitsorientierte Gryphius
hat eine Fassung mit direkter AT-Referenz ( ECCL) geliefert
Es ist alles gantz eytel. Eccl. 1. V. 2.
Ich seh' wohin ich seh/ nur Eitelkeit auff Erden/
Was dieser heute bawt/ reist jener morgen ein/
Wo jtzt die Städte stehn so herrlich/ hoch vnd fein/
Da wird in kurtzem gehn ein Hirt mit seinen Herden:
Was jtzt so prächtig blüht/ wird bald zutretten werden:
Der jtzt so pocht vnd trotzt/ läst vbrig Asch vnd Bein/
Nichts ist/ daß auff der Welt könt vnvergänglich seyn/
Jtzt scheint des Glückes Sonn/ bald donnerts mit beschwerden.
Der Thaten Herrligkeit muß wie ein Traum vergehn:
Solt denn die Wasserblaß/ der leichte Mensch bestehn
Ach! was ist alles diß/ was wir vor köstlich achten!
Alß schlechte Nichtigkeit? als hew/ staub/ asch vnnd wind?
Als eine Wiesenblum/ die man nicht widerfind.
Noch wil/ was ewig ist/ kein einig Mensch betrachten!
(vgl. Gryphius-GA Bd. 1, S. 7-8)
2. Gryphius, ein enger Anti-Hedonist?
Zumindest zieht er erotische Lust aus der Poesie, man vergleiche dieses kleine Meisterstück Cloridalis und ihr attraktiver Busen:
Ungereimtes Sonnett
Ob gleich Cloridalis auf ihre Marmor-Kugeln,
Die, wie ein ieder sagt, der Himmel selbst gewölbt,
Und auf ihr Angesicht, das Sternen gleichet, trozt,
Ob schon, wie sie vermeynt, des Paris goldner Apfel
Vor sie allein gemacht, ob gleich viel altes Silber
In ihrem Kasten ruht, doch ists ein eitler Wurf,
Den sie nach mir gethan; ich bin gleichwie ein Felß,
Und lieb ein kluges Buch mehr als der Venus Gürtel.
Die Liebe reimet sich so wenig mit Minerven,
Als eine Sterbe-Kunst zu Karten und zu Würffeln,
Das Braut-Bett in die Gruft, Schalmeyen zu der Orgel,
Ein Mägdchen und ein Greiß, als Pferde zu den Eseln,
Als Meßing zum Smaragd, als Rosen zu den Disteln,
Als diese Verse selbst, ja fast noch weniger.
Gryphius: Gedichte Bd. 36, S. 394
3. Vanity
Vanitas, Vergänglichkeit, Nichtigkeit, Eitelkeit
berühmtes Thema in theologischen Schriften. Zuerst auftauchend im Alten Testament beim Prediger Kohelet.
Wichtige Kommentare zu Kohelet bei Augustinus und Thomas von Kempen:
Der katholische Kirchenlehrer AUGUSTINUS geht auf die vanitas-Stelle im AT beim Prediger Kohelet ein. Als Ursache der Nichtigkeit der menschlichen Existenz nennt Augustinus die Sünde.
Der Mensch, der aus freier Entscheidung sündigt (Urvater Adam und alle seine Nachkommen) ist dafür von Gott mit der „vanitas mundi“ gestraft worden.
„Eigentlich“ zur Unsterblichkeit geschaffen, findet sich der Mensch jetzt gespalten in einer Welt vor, die vergeht und sich ständig verändert.
Selbst der Gerechte bleibt, trotz allen Mühens, in diese nichtige Welt eingeschlossen. Erst die Befreiung aus dem irdischen Leib beendet diese "Nichtigkeit".
Daher: Erst ein Leben mit Christus, der «veritas» (Wahrheit) , überwindet die «vanitas» .
Der alttestamentarische Prediger Kohelet, so Augustinus, beschreibe diese Welt aus keinem anderen Grund als nichtig, als um unsere Sehnsucht nach der Welt ohne Nichtigkeit zu wecken.
Dann THOMAS VON KEMPEN. Von ihm findet sich eine Aufzählung der verschiedenen "vanitates mundi"
- Reichtum und Ehre,
- Verlangen des Fleisches und anderen Leidenschaften
- Theologie und Philosophie.
Die Aufzählung endet mit der Conclusio:
„Vanitas vanitatum et omnia vanitas praeter amare deum et illi soli servire“
("Eitelkeit der Eitelkeiten und alles ist eitel, außer Gott zu lieben und ihm allein zu dienen")
4. In Gott nach Freud und Wonne jagen
Plavius und auch schon andere Zeitgenossen stellen die These auf: Die propagierte Jenseitsorientierung und die Askese, das ist zu eng und auch gar nicht gottgefällig.
Das hier ist memorierenswert:
Hüte dich für vnnötiger trawrigkeit:
O weh dem/ welcher ist mit trawrigkeit geplaget!
Er schläfet ohne schlaf/ er ruhet ohne ruh/
Er wachet mit verdruß/ vnd eilt zum grabe zu/
Er frisst sich selbst/ vnd weiss doch oft nicht/ was jhn naget.
O wol dem der in Gott nach frewd' vnd wonne jaget!
Er lebt in höchster lust/ jhm ist vor nichtes bang'/
Im spinnet Lachesis den Faden noch so lang.
Er ist an Gott vergnügt/ auf den er alles waget.
Drumb fass' ein frölich hertz'/ vnnd sey eins frischen muthes/
Treib' angst vnd trawren auß/ vnd thu dir selber gutes/
Frewd' ist des hertzens hertz' vnd stellet es zur ruh.
Was ist Melancholey? ein brunnenquell des zweifels
An Gottes gütigkeit: ein bett' vnd bad des teufels.
Sie stürtzt viel leut' in's grab vnnd dient doch nirgendSzu.
Plavius: Trauer- und Treugedichte, (vgl. Dt. Lit.-Barock Erg.-Bd., S. 152)
5. Imagines
Mirror
All is vanity
Dior poison
Vanity Fair
nulla reflectio

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Willimox
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zum problem der parodie (zuppanova) im Rapp und im Jessica-Sonett,
wahrscheinlich einleuchtend die filigrane antwort bei Heine und seinem Umgang mit romantischer Dichtung:
H. Heine "Buch der Lieder": Die Heimkehr XLIV.
Nun ist es Zeit, daß ich mit Verstand
Mich aller Thorheit entled’ge;
Ich hab’ so lang als ein Comödiant
Mit dir gespielt die Comödie.
Die prächt’gen Coulissen, sie waren bemalt
Im hochromantischen Style,
Mein Rittermantel hat goldig gestrahlt,
Ich fühlte die feinsten Gefühle.
Und nun ich mich gar säuberlich
Des tollen Tands entled’ge,
Noch immer elend fühl’ ich mich,
Als spielt’ ich noch immer Comödie.
Ach Gott! im Scherz und unbewußt
Sprach ich was ich gefühlet;
Ich hab’ mit dem eignen Tod in der Brust
Den sterbenden Fechter gespielet.
Parodie - sehr verkürzt - ist ein Skalierungsbegriff, er nimmt alle Positionen gegenüber seinem Prätext oder Prä-Textsorten ein: von totaler Verächtlichmachung bis hin zur Feier und halb zurück bis hin zur hybriden Mitte.
Der sterbende Gallier, der sterbende Gladiator, der sterbende Fechter - Byron, Winckelmann und die Mischung des Erhabenen mit dem Lächerlichen ("Donquixotismus"; DHA X, 251)
Link

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