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zuppanova
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29.05.2007, 09:30 / 1 x geändert
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Kleine Wortkrankheitskunde, eklektizistisch
Sei auf der Hut!
Ein Wortanfall kann dich jederzeit treffen. Nicht gut!
Du fällst um und schweigst. Meistens für immer.
Wortbrüche sind widerlich schmerzhaft, aber viel schlimmer
ist der gemeine verbale Erguss. Der Hals schwillt dir an und man muss
punktieren, effilieren und kalte Reduktionsumschläge machen.
Da vergeht dir das Lachen.
Meldepflichtig ist die Wortfäule, da enorm infektiös.
Quarantäne, Isolierstation, wochenlang, sonst endet das bös
für die Mitmenschen. Arme Säue und nicht zu beneiden
sind alle, die am generalisierten Wort-Schwäche-, auch Wort-Schmerz-Syndrom leiden.
Das WSS ist überhaupt nicht zu heilen und, weil man eben keine Ursachen kennt,
das, was man elegant "somatoform induzierte Gesprächsstörung" nennt.
Man lindert WSS mit Coueism, Kneippschen Güßen, TCM oder (ultima ratio) Valium.
Wenn das alles nicht hilft, ist es wirklich ganz dumm
gelaufen. Wortdurchfall, gottseidank, ist hingegen leicht zu kurieren:
konsequent schweigen und den Kehlkopfbereich mit Linola-Fett-N einschmieren.
Die Wortstauballergie ist ein Immunschwächeleiden.
Sie macht einen taub, und zwar auf beiden
Ohren. Das ist gar nicht so schlecht. Man hat es schön still,
hört kein Geschwätz rundum und tut, was man will.
Ganz, ganz entsetzlich, wenn auch sehr selten, sind Wortgeschwüre. An den betroffenen Stellen
bilden sich Buchstabenbläschen, Satzteilflecken und semantische Dellen,
die als Ulcera Verbi leprotisch die Mundhöhle bewuchern, den Gaumen, die Zunge,
sowie auch die Stimmbänder, Stimmritzen, den Kehlkopf, die Lunge.
Der gesamte Sprechapparat ist von Schwund und Verstummung betroffen.
Eine Weile kann man zwar noch beten und hoffen -
doch sobald der Erkrankte einen metá*-physisch duften~
~den Geschmack hat im Mund, ist es soweit: er geht ein in die Gruften
der kanonischen Meister, wo er fortan mit den ewiglich Großen verkehrt.
Künstlern zweiter Ordnung ist der Zutritt verwehrt,
denn nur wer bereit ist, im Verzicht leidend strengstes Maß sich aufzuerlegen
hinieden,
darf, so er verschieden,
im Tempel der Verklärten sich an den Wonnen allhöchester Freiheit erregen.
Na, egal auch. Wer ohne Fäule, Bruch, Durchfall, Geschwür undsofort spricht,
dem fehlt wahrscheinlich nicht~
~s. Und das ist schon mal gut.
Trotzdem (siehe oben): Sei auf der Hut ...
_________________________
* hier bitte besonders auf die Betonung achten: metá-physisch!

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augustine
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O zuppa, o beflügelte Rede, o wortgewaltige, wortsensible wörter-induzierte Wort-Krankheitsdiagnosen, bei den flinken gespaltenen Zungen wörterverliebter unheiliger Viel-RednerInnen!!! augustine mit herzhaften Grüßen

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Marcel Frank
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Das ist so ganz stimmig gewitzt und man riecht die mehrfache Überarbeitung angenehm heraus und ja, es hat richtig Zug und er würde das Nörgeln überrollen. Man muss einen solchen Text in verschiedenen Zuständen lesen: Nüchtern, alkoholisiert, unter Medikamenten, erst dann fände man hie und da bestimmt was zu bekritteln, kein Text hält dem [s|S]tand, aber so, in diesem einen Guss nach einfacher Lektüre stimmt man gerne zu und setzt es auf die Kandidatenliste des Anthologiefähigen.
Doch noch 1 Mini-Rat: Du kannst die Kritikers mit die eigenen Waffen schlagen, indem Du hie und da einen speziellen texttheoretischen Begriff einbaust, bei "Nünning" findet man z.B. Grundbegriffe der Literatur- und Kulturtheorie, denn wenn ich eine Intention herausläse, so wäre es die einer karikierten Geschwätzigkeit des/im Literaturbetrieb(s).

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zuppanova²
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Kleine Wortkrankheitskunde, eklektizistisch
Sei auf der Hut!
Ein tautologischer Wortanfall kann dich jederzeit treffen. Nicht gut!
Du kippst diskursiv um und schweigst. Meistens für immer.
Wortbrüche im Kontext tun widerlich weh, aber narrativ schlimmer
ist der gemeine verbale Erguss. Der Hals schwillt dir an und man muss
punktieren, exzerpieren und kalt paraphrasierte poetologische Umschläge machen.
Da vergeht dir das Lachen.
Meldepflichtig ist die poststrukturalistische Wortfäule, da hochinfektiös.
Quarantäne, Isolierstation, wochenlang, sonst endet das bös
für die Mitmenschen. Arme Säue und nicht zu beneiden
sind alle, die am hermeneutischen Wort-Schwäche-, auch Wort-Schmerz-Syndrom leiden.
Das hWSS ist überhaupt nicht zu heilen und, weil man eben keine Ursachen kennt,
das, was man elegant "somatoform induzierte Artikulationsstörung" nennt.
Man lindert hWSS mit textanalytischem Coueism,
phänomenologischer Kraftkost, Komparatistik-Güßen,
TCM oder (ultima ratio) lexikalisch verabreichtem Valium.
Wenn das alles nicht hilft, ist es wirklich ganz dumm
gelaufen. Der auktorial epische Wortdurchfall hingegen ist leicht zu kurieren:
konsequent schweigen und den Kehlkopfbereich mit Rezeptionsfett einschmieren.
Die Wortstauballergie ist ein werkimmanentes Immunschwächeleiden.
Sie macht einen taub, und zwar auf beiden
Ohren. Das ist gar nicht so schlecht. Man hat es schön still,
hört kein linguistisches Raunen und liest, was man will.
Entsetzlich, wenn auch sehr selten, sind metaphorische Wortgeschwüre. An den betroffenen Stellen
bilden sich Buchstabenbläschen, Satzteilflecken und semantische Dellen,
die als fiktionale Verschränkung leitmotivisch den Mundraum bewuchern, den Gaumen, die Zunge,
sowie auch die Stimmbänder, Stimmritzen, den Kehlkopf, die Lunge.
Der gesamte Sprechapparat ist von mythischem Schwund und intertextueller Verstummung betroffen.
Eine Weile kann man zwar noch beten und hoffen -
doch sobald der Erkrankte einen metá*-physisch duften~
den Geschmack hat im Mund, ist es soweit: er geht ein in Kalliopes Gruften,
wo er fortan mit den ästhetisch verklärten, großen kanonischen Meistern verkehrt.
Epigonenschreibern zweiter Ordnung ist der Zutritt verwehrt,
denn nur wer bereit ist, im Verzicht schreibend strengstes Maß sich aufzuerlegen
(hinieden)
darf (so er verschieden)
unkritisiert dann sich im ewigen Tempel des Worts an den Wonnen literarischer Freiheit erregen.
Na, egal auch. Wer ohne Fäule, Bruch, Durchfall, Geschwür undsofort spricht,
dem fehlt wahrscheinlich nicht~
s. Und das ist schon mal gut.
Trotzdem (siehe oben): Sei auf der Hut ...
_________________________
* hier bitte besonders auf die Betonung achten: metá-physisch!

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zuppanova²
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31.05.2007, 11:48 / 1 x geändert
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grüss euch, augustine und mf.
hab mich sehr gefreut über eure anmerkungen. danke.
deine anregung, mf, schubste mich so: ah-ja-oh-ah! (den literaturbetrieb karikieren! darf das eine, die vollkommen ausserhalb des lit.betr. steht? - andererseits: geredet wird allgemein viel, und erfahrungen sind ja übertragbar ...), dass ich den text gleich auffrisiert hab (s. 1 posting weiter oben): kann sein, das ist jetzt wieder zu gebüschelt und toupiert, was weiss ich ...
da ich den Nünning nicht kenn und nicht hab, nahm ich halt an begrifflichkeiten her, was sich so finden liess in meinem hirnkasterl: ob das nun "texttheoretische begriffe" sind in der art wie du, m, es meintest: das weiss ich auch nicht (gimme feed back - ?) ...
seit kurzem verspür ich in mir mehr und mehr einen drang zum collagemässigen (so sagt man in BY) und hätt am liebsten einige bilder von aber-greuslichsten geschwüren, ekzemen, offenen brüchen und wilden wunden, um den text noch damit zu unterlinken (hab ich bei dem Brinkmann-text inzwischen auch gemacht, links eingebaut, das ist wie unterholz-wildwuchs, eine weitere dimension dazutun zum geschriebenen...).
lg, zuppa escrutadora suyos palabras (korrekt ?).

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Jolante
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Grüß dich zuppa,
um es geradeheraus zu sagen: Die erste Fassung hat mir besser gefallen. Warum ? Nun, sie erschien mir offener, nicht eingeschränkt auf den Literaturbetrieb, sondern generell die Geschwätzigkeit karikierend. Die zweite Fassung folgt Anregungen des Meisters, der es zugegebener Maßen sicher besser weiß als ich. Trotzdem: Ich finde, dein großartiger Text hätte sich ohne die Überfrachtung mit theoretischen Kopfgeburten noch besser be-hauptet.
Liebe Grüße
von Jolante

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zuppanova²
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grüsse dich, Jolante,
deine einlassung kann ich gut nachvollziehen, bin selber ja schwankend, wie und wie nicht. aber, mei, beide fassungen stehen da (das 'auftoupieren' hat mir spass gemacht), so kann jede/r die seine aussuchen.
lg, die samstagszuppa.

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rollerball
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Super - Zuppa!!
Ich bin BEGEISTERT !! Absolut virtuose Wortakrobatik, die uns hier geboten wird, mir fehlen ausnahmsweise die Worte, diesem Text gerecht zu werden, finde auch beim besten (?) Willen nichts auszusetzen, die 2. Fassung scheint mir aber doch besser zu sein.
LG, rollerball

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zuppanova²
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rollerball, grüsse dich und herzlichen dank für deine geradlinige Vorlage, die so unerwartet schnell den Ausgleich brachte:
nur viereinhalb Minuten nach Anpfiff steht es 1:1, das könnte einer der heissesten Kicks der Saison werden, ein verdammt spannendes, körperschweißtreibendes und irgendwie doch auch sehr poetisches Match zwischen den Jungs vom 1.ASC (Akademischer Sport Club) Feynsinnen-Literarsch, die - enorm verschwurbelte Taktiker mit reichverzweigten assoziativen Fähigkeiten und einem sicheren Gespür für die analphabetischen Lücken des Gegners - alles, wirklich alles einsetzen, was sie haben: ihre filigranen Füße, ihre beweglichen Zungen, ihre sensiblen Finger, ihre beeindruckend großen und kräftigen Köpfe, wow, diese feschen Jungs im Kampf gegen die vierschrötigen Gladiatoren vom FC Vollmund-Laberstadt, die, 11 fleischgewordenen freigelassenen rilkeschen Panthern gleich, oder möglicherweise auch blake-ischen Tygern, wer weiß das schon so genau zu sagen, unverschämt unverblümt lostreten, echte Breitbandbomber, voll im Saft, ganz auf ihre naturbelassene Gelenkigkeit setzend - ürigens alle mit Maulkörben angetreten heute, aus Protest gegen die Vorgänge rund um den G8-Gipfel, und ganz in schwarz in memoriam Benno Ohnesorg oder den Schah 67, aber wen interessiert das - das einzige, was interessieren kann, interessieren muss, ist doch: wann, ich frage: wann, wann fällt das nächste Tor in diesem heißen Spiel um den begehrten A-Klasse-Pokal --- haa!

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augustine
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03.06.2007, 17:50 / 2 x geändert
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Hallo alle zuppa-fans,
mit dem hier Folgenden bleibt's wohl 1:1, denn:
- in der Sache bin ich der Meinung von Jolante; es geht nicht um DEN Literaturbetrieb, den wir wohl alle nicht gut genug kennen, um ihn verarschen zu können; es geht um die Winzigkeit davon HIER
- trotzdem finde die zweite Fassung noch köstlicher
und drittens: wann ist 'effillieren' dran und wann 'auftoupieren', maitre marcel?
und viertens: der Brinkmann-Text: unbedingt empfehlenswert unterlinkt auftoupiert!!
lg augustine
PS Wortdurchfall, auch Logorrhoe genannt, ist gar nicht leicht zu heilen, weil die Patienten die Therapie so unangenehm finden, dass sie sie bald wieder lassen.

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ear
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04.06.2007, 07:38 / 3 x geändert
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Von den beiden Fassungen gefaellt mir die eklektizistische Wortkrankheitskunde noch mehr, auch wenn ich nur ein Koernchen, oder weniger bin.
Zuppa, so viel ist schon geschrieben, ich bewundere dein Jonglieren mit Medizin und Worten.

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augustine
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04.06.2007, 13:15 / 1 x geändert
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mit DER Aussage, ear, hast Du die Abstimmung "um was" die gelungenere Version ist, auch nicht weitergebracht - denn: "eklektizistisch" heißen die Texte ja beide ... Lg augustine

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ear
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04.06.2007, 17:59 / 1 x geändert
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Liebe augustine, mein Satz war absichtlich so augenzwinkernd geschrieben, da ich es bedauern wuerde, wenn es zu einer Abstimmung kaeme. Zuppa hat beide Texte souveraen geloest.Warum koennen nicht beide Texte als gleich gut gelten?LG,ear.

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zuppanova²
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jessas, jessas, wie ist denn überhaupt der spielstand?
unentschieden, immer noch, 3:3 oder so, der abpfiff
kommt bald, ja vielleicht fällt noch ein tor für die
Feynsinner oder die Vollmunder, schaumermal ...
und danke an alle, die hier schon mitgespielt haben.
lg, zuppa.

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Gretchen
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ohmanno.
Beide Mannschaften knallen ja irgendwie ganz gut rum,
iss eben Geschmackssache, wo man mehr drauf steht,
und bei mir wechselt das auch ständig.
Heut sind mir solche Direktbomber lieber wie diese schwarz
trikotierten Vollmund-Schränke, und morgen kommen mir dann
wieder so filigran verliterarizierte Feynsinner besser, und die
spielen bestimmt in sonnen grünweißen
Borussia-Mönchengladbach-Trikot ...
Von mir aus noch nen Tor für beide.
Gretchen.

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zuppanova²
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so. etzat.
abpfiff. unentschieden. dank an die sponsoren.
beim verlassen des stadions nicht schlagen. nicht treten. jeder kommt raus. immer.
nicht vergessen: fanartikel kaufen.
"wir haben gewonnen" ---

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