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Jolante
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Der Vorsitzende ergreift das Wort und eröffnet damit die Sitzung. Zu Punkt 1 lässt er es donnernd fallen, nimmt es wieder auf, um es giftig auszuspucken. Einige behaupten, er habe es gebrochen.
Als der Vorsitzende an sein Wort erinnert wird, erteilt er es unter Punkt 2 an die Mitglieder. Diese werfen es sich gegenseitig an den Kopf, einige bitten, andere ringen darum, manchen bleibt es im Halse stecken.
Schließlich wird es von irgendwem aufgegriffen, aufgebauscht und in den Stand der absoluten Wahrheit erhoben. Dort hängt es vielen zu hoch, und nur der Kassenprüfer ist in der Lage, das Wort beim Namen zu nennen.
Auf der Zunge des Schriftführers wird das Wort so glatt, dass es niemand mehr aufzufassen weiß. Danach schwirrt es erregt im Raum, bevor es dem Vorsitzenden gelingt, es mit Hilfe seines autoritären Stils wieder aufzunehmen.
Beim "Wörtchen-wechsel-dich" wird es immer wieder ergriffen, festgehalten, zurückgewiesen oder entzogen, bis es schließlich abreißt. Dem Schriftführer bleibt es überlassen, die Fetzen fürs Protokoll einzusammeln.
Nach der Sitzung -an der Theke- entzündet sich das Wort plötzlich, flammt auf, wird aber von den Anwesenden, die selbst starken Brand haben, solidarisch gelöscht.
Als hauchdünner Firnis löst es sich schließlich in Alkohol auf.

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ear
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Sehr gekonnt formulierst du die Sinnlosigkeit mancher Konferenz.
Du hast sarkastisch den Verlauf dargestellt, wenn Menschen reden, ohne sich um Verstaendnis zu bemuehen.
Angst, ein Bemuehen sich zu qualifizieren, zu imponieren bringen wertlose Zeitverschwendung, ear.

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Klaus
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Hallo Jolante,
die erste Assoziation war eine typische Vereinssitzung
mit geklären Rollen-Wort-Spielchen.
Die "eigentlichen" Mitteilungen finden dann erst unter
Alkoholeinfluß statt, da kann dann getratscht werden...
Dann blieb ich bei dem Begriff "Wort" hängen, besonders
in der Verstärkung des "Brand" löschens. War der Verein
abgebrannt, pleite?
Ein mehrschichtiger Text, klärst du uns dazu später auf?
LG Klaus

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zuppanova
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servus Jolante,
die "Sitzung" oder "Versammlung", das ist der aufhänger, anlass, um etwas eigentlich recht erschütterndes zu beschreiben: das "Los" des wortes nämlich, welches hergenommen, gespuckt, gebrochen, geworfen, aufgebauscht usw wird - benutzt, missbraucht auch - so gehts dem wort, es ist ein nichts und löst sich auf zum schluss im suff, als wär es nie gewesen.
also die eine textebene ist die karrikierend beschriebene "Sitzung", darunter liegt eine andere ebene, die dürfte man ernst nehmen, es geht da vllt auch um etwas wie "Wahrhaftigkeit", die im geschwätz ertrinkt?
(bilde mir ein, bei der "Wortkrankheitskunde" einen ähnlichen grundimpuls gehabt zu haben wie du hier.)
lg zuppa.

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augustine
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O Jolante! Du hast die Geduld gehabt, das eitel-viel-und schönrednerisch Geschwätzte auf Mitgliederversammlungen, mir allzu wohl bekannt, zu reduzieren auf den Kern.
Da gibt es Leute, die man sonst niemals hört, weder in Arbeitsgruppen (oder da nur im privaten Nebenbei-Getuschel) noch in öffentlichen Diskussionen, bei denen die Teilnahme sowohl Sachkunde als auch Vorbereitung verlangt. Aber in den Vereinsversammlungen, da sprengen sie oft die Tagesordnung, verlängern die angesetzte Zeit, bis am Ende dann abgebrochen werden muss, handhaben gelenkig die Wortmeldung 'zur Sache', um gleich dranzukommen und dann evtl. doch nur das zu sagen, was gerade gesagt worden ist, berufen sich in oftmals sehr eigenwilliger Auslegung langatmig auf die Satzung und wissen alles, aber auch alles 'besser'. Usw. usw.
Nun, und das gilt natürlich nicht nur für Mitgliederversammlungen an realen Orten, universitären Hörsälen beispielsweise, wo das Wort (hoffentlich) nicht "gespuckt, gebrochen, geworfen, aufgebauscht usw" wird; 100%ig sicher bin ich mir da auch nicht, aber doch ziemlich.
Liebe Grüße von augustine

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Jolante²
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02.06.2007, 22:15 / 2 x geändert
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Grüß euch,
ear, klaus, zuppanova, augustine,
und lieben Dank für eure Beschäftigung mit dem "Wort-Los". Alles, was ich zur Erläuterung des Textes zu sagen hätte, steht schon in zuppas Kommentar. Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen, außer: Dein Grundimpuls, liebe zuppa, bei der "Wortkrankheitskunde" war dem meinen sicherlich sehr ähnlich, was mich richtig freut. Aber wie ärmlich nimmt sich "Wort-Los" im Vergleich zu deinen hinreißenden Wortkaskaden aus. - Wie auch immer, es zu schreiben, hat mir Spaß gemacht.
Jolante

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zuppanova
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Jolante, die kaskaden sind nichts. nur ephemer. dein vorletzter satz beschämt mich. lg, zuppa.

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Jolante²
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Nee, nee, zuppa, Beschämung ist nicht angezeigt. Wieso auch ? Ich hab den vorletzten Satz als Kompliment gemeint, auch in dem Sinne, dass man sich im direkten Vergleich besser einzuschätzen vermag. Das soll und kann auch Freude machen. Du weißt ja, das Rumdrucksen ist meine Sache nicht.
Liebe Grüße
Jolante

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rollerball
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Liebe Jolante,
"ärmlich" ist dein Text keineswegs, mag er auch an der Oberfläche nicht ganz so funkelnd und blitzend daherkommen wie der von zuppa - er hat sehr schöne Assoziationen und Wortspielereien, und vor allem eine ironisch-kritische Haltung, welche die Abgründe der Kommunikation ausleuchtet - gefällt mir sehr gut!
LG, rollerball

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