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StahlKocher
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12.02.2006, 13:45 / 2 x geändert
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Ludwig Lugmeier las am 08.02.06 im Hundertmeister aus seinem Buch „DER MANN DER AUS DEM FENSTER SPRANG“, München, Kunstmann 2005
Hinter der Theke langweilt man sich. Hinter dem Mischpult auch. Auf der Bühne ist es eine Mischung aus Verwunderung und guter Miene zum bösen Spiel. In Hannover waren 120 Leute! In Duisburg zwei. Das ist schade, denn bis hierhin war es ein weiter Weg. Steinig, mit Höhen und Tiefen, denn der Mann auf der Bühne war schon ganz oben und ganz unten. Er lief mit teuren Anzügen in der Welt herum, nur um nachts in Palermo wach zu werden – mit einer Ratte auf der Brust. Vielleicht ist die Stimmung heute nur Ausdruck und konsequente Verfolgung einer Linie, die den Lebenswandel dieses Mannes beschreibt – eben mit Höhen und Tiefen. Aus Mitleid setzen sich die anwesenden Buchhändler genau vor die Bühne, dann geht es los. Ludwig Lugmeier erhebt seine Stimme, nicht ohne zu bemerken, dass er sich den überfüllten Saal eben einbilden werde, um auch den beiden einzigen offiziellen Zuschauern eine vollwertige Performance zu bieten. Und er behält Recht. Als säße man in seiner Jackentasche, rollt sich der Anblick einer Jugend vor dem geistigen Auge ab, die von dem unbeugsamen Willen zur Abkehr vom Normalen gezeichnet ist. Schnell wird der Argwohn bezüglich der literarischen Qualitäten eines tolldreisten Sträflings in lüsterne Spannung verwandelt. Wenn geschildert wird, wie die Maschinenpistole im frostkalten Leder verklemmt, ist es, als stünde man selbst hinter der Verladerampe des Supermarktes und man wartet, voll gepumpt mit Adrenalin, auf die Fahrer des Geldtransporters. „DER MANN DER AUS DEM FENSTER SPRANG“, so auch der Titel des Buches, aus dem Lugmeier liest und womit auf seinen medienwirksamen Fenstersprung während des Frankfurter Prozesses Bezug genommen wird, hat einen Händedruck wie ein Schraubstock. Mit diesen Händen fasst er auch den Leser und führt ihn mit sanfter, aber unwiderstehlicher Gewalt durch ein deviantes Leben, durch Zirkus und Knast, durch geschnappt Werden und Ausbrechen. Als Lugmeier endet, spricht die Stille bis zum Applaus Bände. Einen Moment lang ist man noch der Schwerverbrecher, der Piratenromane verschlingt. Die kriminelle Energie wühlt im Bauch und man scheint den kalkigen Dunst eines Londoner Gefängnisses mit der eigenen Nase gerochen zu haben. Wenn Lugmeier anschließend von der Bühne kommt, um mit Interessierten noch ein Bier zu trinken, kommt der Protagonist eines Abenteuerromans direkt aus dem Buch ins Hundertmeister gesprungen. Seine Erscheinung hat dann etwas von Otto Normalo, seine Augen jedoch leuchten wie Fenster zu einer anderen Welt, als müsste man nur hindurch springen.
Von Sascha Kaukars

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Marcel Frank
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Das habe ich gerne gelesen. Ich meine den Sascha-Kaukars-Text. Der Titel des anderen erinnnert an einen Bukowski-Sammelband (identisch ?). Was auch immer: Vom Hundertmeister hörte ich bislang nur, "es sei auch eine Diskothek in der Nähe". Dass man dort auch Lesungen so gescheit mitnehmen und reflektieren (wie ein schnörkelloser, an der Schnur gezogener Freistoß) kann, war mir nicht bekannt. Das habe ich gerne gelesen. Gut getroffen (like a Kupferstich). "Erlebnis", "Identifikation", "Performance". Dies, und, um es 2x zu sagen, vor allem das Schnörkellose schnalzt den Daumen nach oben. Also, ohne Auseinanderweidung: + (wenn +/- "Aussagen" wären).

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Elise
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Ja, guter Text: aufrecht, klar, freilassend, anregend - halt "Essay".
(waren wirklich nur 2 Leute da? hast du Lugmeiers Augen so gesehen?).
LG, Elise (ganz kurz, denn zum "Auseinanderweiden" fehlte mir sowieso das LitPro-Skalpell)

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