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arisia (Gast)
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19.05.2007, 12:37 / 4 x geändert
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ich habe mich mal an die Übersetzung eines Gedichtes gewagt,
daß mich immer schon fasziniert hat.
Das Versmaß konnte ich einhalten, aber nicht an allen Stellen den Reim.
William Blake:
The Tyger
Tyger Tyger, burning bright,
In the forests of the night;
What immortal hand or eye,
Could frame thy fearful symmetry?
In what distant deeps or skies
Burnt the fire of thine eyes?
On what wings dare he aspire?
What the hand, dare sieze the fire?
And what shoulder & what art,
Could twist the sinews of thy heart?
And when thy heart began to beat,
What dread hand? & what dread feet?
What the hammer? What the chain,
In what furnace was thy brain?
What the anvil? What dread grasp,
Dare its deadly terrors clasp!
When the stars threw down their spears
And water'd heaven with their tears:
Did he smile his work to see?
Did he who made the Lamb make thee?
Tyger Tyger, burning bright,
In the forests of the night;
What immortal hand or eye,
Dare frame thy fearful symmetry?
Der Tiger
Tigers scharfes Aug' durchdringt
Dunklen Wald, durchdringt die Nacht;
Welcher Künstler, göttergleich,
Bannt die schrecklich schöne Kraft? *
Höhen, Tiefen, in die Fern'
Weit reicht Tigers gierig Sicht,
Wie gelangt die Kunst zum Kern,
Welche Hand wagt Feuerstrich?
Welcher Mut und welche Kunst
Könnte wenden sein Begehr'?
Herz, es hämmert, Furcht beschwert
Hand dir, Fuß und Lebenslust.
Welcher Hammer quält den Geist,
Welche Kette hält ihn fest?
Welches Übel, welchen Griff
Fürchtest du und windest dich?
Als die Sterne Speere warfen,
Der Himmel war von Tränen nass,
Lächelt' er, sein Werk betrachtend?
Er, der Lamm und dich gemacht? *
Tigers scharfes Aug' durchdringt
Dunklen Wald, durchdringt die Nacht;
Welcher Künstler, göttergleich,
Bannt die schrecklich schöne Kraft?
* neue Fassung
alte Fassung
Tigers scharfes Aug' durchdringt
Dunklen Wald auch in der Nacht;
Welcher Künstler, göttergleich,
Bannet diese rohe Kraft?
. . .
Als der Sterne Speer traf Welt,
Himmel netzt' mit seinen Tränen,
Lächelt' er, besah sein Werk?
Er, der Lamm und dich gemacht?

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lost
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arisia,
soeben kam ich herbei,
trat ein durch die Tür und gewahrte als allererstes
dieses!
der Blake'sche Tyger ist eines meiner Liebsten,
oder war es doch lange Zeit. lag unter meinem Schreibtisch,
wenn ich saß Stunde um Stunde und
wärmte mir funkeläugig die Füße, so war es, ich schwöre!
ein Revolutionäres, im damaligen (Literatur)Kontext betrachtet.
[diese spontane Äußerung, welche freilich inhaltlich
(das hole ich nach)
nichts gibt, musste ich tun.]
begging pardon, best regards,
lost.

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lost
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oho, bald glaube ich selbst an
"lost den Schrecklichen, genannt auch
the lonesome hungry howling baddie woolfe" ...
blicke getrost und optimistisch in die Zukunft, arisia.
alles wird gut, denn (um den Textbezug herzustellen):
What immortal hand or eye,
Could break thy perfect symmetry?
lost the awesomeone.

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Marcel Frank
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Hmm. Freilich wäre die Aufgabe, diese Übersetzung zu toppen. Die Ausgabe übrigens ist furchtbar, aber "man hat eben alles auf deutsch".
Lass' mich also ein wenig herumpolemisieren (!):
1a. Wenn "auch" (V. 2) im Original nicht vorhanden ist, müsste es gerade für die dt. Version einen konkreten Grund geben. "auch" ist zudem ein sehr un-lyrisches "Wört" ...
1b. Wenn man mit "auch" 1 Silbe mehr bringt und mit "Aug'" 1 abzieht, sieht man den Rechenschieber - zwar passt das irgendwie zum handwerklichen Aspekt der plump spirituell-künstlerischen Botschaft à la "What immortal hand or eye, / Could frame thy fearful symmetry?", aber bei Blake eben hört es sich "geiler" an ... (bei Blake wird die Suppe so heiß gegessen, wie sie gekocht usw. ...)
1c. immortal = göttergleich = irgendwie ja = irgendwie nein (davon gibt es allerhand) ...
2. "Als der Sterne Speer traf Welt,": Auf solch einen Vers kann man nur einen Pacman loslassen. "Die Welt" (wie: "An die Welt", vgl. Gryphius) ist ja m i t Artikel schon brutalstes "Onto-Gehube", ohne: exit !
3. Der englische Text ist wohltuend sperrig, er wehrt sich gegen eine ÜB, Du musst ihm ein Bein stellen, dann von hinten drauf und in den Schwitzkasten, den Finger hinten rein, vielleicht spuckt er's dann aus, was eine "fearful symmetry" (das erste Bedeutungsproblem) ist usw. ...
4. Mein Vorschlag: "dem tyger seine eier". Dein Vorschlag: "Tigers scharfes Aug'". Hmm: Beide Satzteile haben ein Problem, dem ersten seins ist, dass der Dativ dem Genitiv sein Tod ist ...

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rollerball
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I beg your pardon, arisia,
Versmaß und auch Reime sind dir weitgehend gut gelungen, doch bei aller dichterischer Freiheit ist mir da manches inhaltlich viel zu weit vom Original entfernt. Im Moment hab ich keine anderen deutschen Fassungen zum Vergleich greifbar, werde aber mal in meinem Archiv herumstöbern und mir selbst auch das Köpfchen zerbrechen, die Sache interessiert mich ...
so long, rollerball

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lost
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hier ein Beispiel für eine Übersetzung (für Interessierte):
Der Tiger
(translated by Walter A. Aue / klick it)
Tiger, Tiger, Feuerspracht
in der Dschungeln dunkler Nacht:
Welches Aug', welch ew'ge Hand
formten Deines Schreckens Brand?
In welch' Himmeln ungeheuer
schmolzen Deiner Augen Feuer?
Auf welch' Flügeln, unbenannt,
flog der, der ergriff den Brand?
Welcher Schulter Können wand
Deines Herzens Sehnenstrang?
Wer, als Herzens Schlag begann,
furchtbar Hand und Fuß ersann?
Welche Kett' und Hammer fand
in welch' Kessel den Verstand?
Welcher Amboß, welche Welt
Deine Todesschrecken hält?
Als der Sterne Speer herab
Tränen unserm Himmel gab:
Hat vollbracht er's und gelacht,
sowohl Lamm wie Dich gemacht?
Tiger, Tiger, Feuerspracht
in den Dschungeln dunkler Nacht:
Welches Auge, welche Hand
wagten Deines Schreckens Brand?
___________________________________________
btw - wäre es nicht angebracht, sich auch einmal öffentlich über Herrn Frank
zu echauffieren? mich dünkt, er sei "schlimmer" als meine Wenigkeit. satyrischer.
regards, lost.
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arisia (Gast)
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19.05.2007, 17:54 / 5 x geändert
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ach lost, du Schrecklicher,
weißt du eigentlich, daß der Spruch -
“alles wird gut”
nicht ursprünglich aus einer mir grad entfallenen ZDF-Sendung stammt,
sondern, man/frau lese und staune, aus der Serie “Raumschiff Orion”?
Im Original von Leutnant Helga Legrelle [Ursula Lillig] -
“alles wird galaktisch gut”
@m
h, m,
schön, daß frau mal wieder was von dir sieht :)
hübsch wäre auch -
“brennender Tiger beleuchtet den dunklen Wald“ “ggg”
hm, mal sehen, was ich anzubieten hätte -
“Tigers scharfes Aug' durchdringt
Dunklen Wald, durchdringt die Nacht;
Welcher Künstler, göttergleich,
Bannt die schrecklich schöne Kraft?
. . .
Als die Sterne Speere warfen,
Der Himmel war von Tränen nass,
Lächelt' er, sein Werk betrachtend?
Er, der Lamm und dich gemacht?
Für ”Symetrie” etwas passend äquivalentes zu finden ist schier unmöglich,
aber ich denke, die letzte Zeile von S1 ist so jetzt besser getroffen
btw - ganz kleinkindlich liebe ich den Ausdruck “welt” ohne Artikel :)))
@rollerball
ich habe bisher noch keine deutschen Fassungen gesehen, muß aber sagen,
daß ich auch noch nicht danach geschaut habe, wäre sonst zu beeinflußt.
Die Übersetzung ist auch schon etwas länger her, noch vor Zeiten des
Internets,ist mir aber beim Sortieren meiner Zettelwirtschaft jetzt beim Umzug in
die Hände gefallen.
Wörtlich am Text kann man/frau bei diesem Gedicht nicht bleiben, es geht
nur sinngemäß.
Ich gehe aber das nächste mal, wenn ich mal wieder länger liegen muß, daran,
das zu tun, was marcel vorgeschlagen hat, nämlich das Tier vom Schwanze her
aufzuzäumen, mal sehen, was dann dabei herauskommt.
Da gehen Tage bei drauf, fürchte ich, lol
liebe Grüße euch
arisia

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lost
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falsch, arisia:
der Spruch stammt ursprünglich von mir ("alles wird gut").
Raumüberwachungsoffizier Leutnant Helga Legrelle war eine
meiner (zahlreichen) Geliebten. (sie konnte selbstverständlich
sehr gut französisch, was einen gewissen angenehmen Ausgleich
zu meinem eher angelsächsisch orientierten Temperament brachte) -
howsoever: so oft sie sich mit Sicherheitsoffizier Tamara
Jagellovsk (die musste ja immer die erste Geige spielen, die T., aber
Helga konnte auch ganz schön nerven) herumzuzicken beliebte,
strich ich beiden Damen zart übers wohlgesprayte
schöngelegte Haar und sprach begütigend:
"ALLES WIRD GUT ".
nun, Helga hat den Spruch übernommen und bekannt gemacht.
(ich selbst war damals übrigens Leitender Superoffizier der
Animationsstaffel auf Merkur. man kannte mich als begabten
Organisateur von poetry slams, außerdem erregte ich
beträchtliches Aufsehen mit meinem Soloprogramm
"he who kept the Tyger burning": for example
Tiger von hinten ... in Schwitzkasten ...
und ... ihm den Finger ... ins Maul ... notfalls auch
sonstwo ... hin ... ein ... stecken ... bis ....
ers ... ausspuckt.
sehr effektive Nummer, man muss sie allerdings
wirklich können. wenn etwas schief geht,
sieht man alt aus, steht dumm da,
und das Publikum macht "lol".)
spacy regards, lost.

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augustine
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Tiger! Tiger! Brand, entfacht
In den Wäldern tiefer Nacht,
Welch unsterblich Aug' und Hand
Hat dich in dein Maß gebannt?
Welch ferne Himmel oder Tiefen
Dir die Glut ins Auge riefen?
Welche Schwing' trug seinen Flug?
Wessen Hand den Funken schlug?
Welche Schulter, welche Kraft
Hat die Sehnen dir gestrafft,
Als sich dein Herz zum Schlag geballt?
Welch Hand und Fuß? Mit welch Gewalt?
Welcher Hammer? Welche Stirn?
Welcher Tiegel barg dein Hirn?
Welcher Amboss? Welcher Griff,
Der an diese Schrecken striff?
Als die Stern' die Speere senkten
Und mit Tränen Himmel tränkten,
Freut' er da des Werkes sich?
Schuf er, der auch das Lamm schuf, dich?
Tiger, Tiger! Brand, entfacht
In den Wäldern tiefer Nacht,
Welch unsterblich Hand vermaß
Sich, zu geben dir dein Maß?
in: Peter Ackroyd, William Blake, Dichter, Maler, Visionär. Aus dem Englischen übertragen von Thomas Eichhorn, München 2001, S. 159

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rollerball
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20.05.2007, 11:51 / 1 x geändert
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Liebe augustine,
vielen Dank für diese weitere Übersetzung , die wohl die aktuellste aller verfügbaren zu sein scheint. Nicht schlecht und als Basis für eine weitere Version durchaus brauchbar, sie vermeidet viele Fehler bzw. berücksichtigt manche wichtigen Aspekte, die in den anderen Fassungen fehlen, ist aber meiner Meinung nach auch nicht wirklich unangreifbar. Es ist zweifellos empfehlenswert, alle Versionen vor dem Schreiben einer eigenen genau zu lesen, da sich überall gute Ideen finden lassen, die sich geradezu als ideale Lösungen aufdrängen. Hier ist meine Version, zusammengebastelt aus Fundstücken und eigenen Ideen und Assoziationen:
Tiger! Tiger! Brand, entfacht
in der Wälder tiefer Nacht,
Welch unsterblich Aug' und Hand
hat dich in dein Maß gebannt?
Welch ferne Himmelstiefen
dir die Glut ins Auge riefen?
Welche Flügel kann er schlagen
Wessen Hand das Feuer tragen?
Welcher Schulter Kunst gelang
deines Herzens Sehnenstrang,
als sich dein Herz zum Schlag geballt?
Welch Hand und Fuß? Mit welch Gewalt?
Welche Kette? Welcher Hammer,
formte Geist in Feuerskammer ?
Welcher Amboss? Welche Klauen,
könnten Tod und Schrecken hauen?
Als der Sterne Strahl gleich Spießen
Himmels Tränen fallen ließen,
freute er des Werkes sich?
Schuf, wer das Lamm schuf, nicht auch dich?
Tiger! Tiger! Brand, entfacht
in der Wälder tiefer Nacht,
Welch unsterblich Hand vermaß
Sich, zu geben dir dein Maß?

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