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ear
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Robinson Jeffers (10.1. 1887-20.1. 1962)
The mad girl with the staring eyes and long white
fingers
Hooked in the stones of the wall
The storm-wrack hair and the screeching mouth: does it
matter, Cassandra,
Whether the people believe
Your bitter fountain? Truly men hate the truth; they’d
liefer
Meet a tiger on the road.
Therefore the poets honey their truth with lying; but
religion-
Venders and political men
Pour from the barrel, new lies on the old, and are praised
for kindly
Wisdom. Poor bitch, be wise.
No: you’ll still mumble in a corner a crust of truth, to men
And gods disgusting.- You and I, Cassandra.
Uebersetzungsversuch:
Das wahnsinnige Maedchen mit starren Augen und langen weissen
Fingern,
Gekrallt in die Steine der Mauer,
Ihr sturmverwuestetes Haar, der schreiende Mund, doch was
macht es aus, Cassandra,
Ob Menschen glauben
Deinem bitteren Redeschwall? Wahrlich Menschen hassen die Wahrheit und
wuerden lieber
Einen Tiger auf der Strasse treffen.
Deshalb versuessen Dichter Wahrheit mit luegendem Honig, doch
Religionens-
Hausierende und Politiker
Schuetteln neue Luegen vom Fass auf die vorhandenen , und sind gepriesen
fuer freundliche
Wahrheit. Armes Luder, sei klug.
Nein, du wirst dennoch in der Ecke den Menschen duenne Kruste Wahrheit murmeln
Und Goettern zum Ekel sein.- Du und ich, Cassandra.
Mich faszinierte der Titel “Cassandra” Ich las ueber seine rebellische Natur, seine Liebe zum Leben ohne jeden Luxus, die Schoenheit eines ‘tough outdoor’ Menschens, der sich mit seiner Frau Una sein Haus ‘Tor’ selbst baute und daran weiter wirkte, bis in die letzten Lebensjahre.
Seine Gedichte entsprechen keinem Schema, sie sind wie er es nannte ”rolling stresses”. Er liebte die griechische und roemische Literatur.

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Jolante
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Liebe ear,
als Gegenüberstellung hier eine Übersetzung des saarländischen Schriftstellers Arnfrid Astel:
CASSANDRA
von Robinson Jeffers (1887-1962)
Das rasende Mädchen mit den sternhaften Augen
und langen weißen Fingern
hockt in den Mauersteinen,
das Haar sturmzerzaust, der Mund kreischend:
Kommt es darauf an, Cassandra,
ob das Volk glaubt
deiner bitteren Quelle? Wahrlich, Menschen hassen
die Wahrheit, sie würden lieber einem Tiger
auf der Straße begegnen.
Deshalb versüßen Dichter ihre Wahrheit mit Lügen;
aber Religion -
Händler und Politiker
zapfen vom Faß, neue Lügen auf die alten,
und werden gütig gepriesen.
Weisheit. Arme Hündin sei weise.
Nein; du wirst weiter in einer Ecke an einer Kruste
Wahrheit herumkauen, Menschen
und Göttern mißtrauend. -- Du und ich, Cassandra

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ear²
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Liebe Jolante,
Vielen Dank , dass du dich mit Jeffers Gedichten beschaeftigtest und gleich noch eine so gute Uebertragung eures saarlaendischen Schriftstellers und Dichters, Arnfrid Astel einbrachtest.
Hier wird dann der Unterschied zwischen einem Amateur und einem Professionellen deutlich.
Jedes Gedicht, welches ich versuche, ist eine erneute Herausforderung an mich. Gedichtuebertragung ist das Schwierigste, aber ich gehe voller Freude heran, ear.

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zuppanova
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Robinson Jeffers war mir ganz unbekannt - freu mich immer, neues kennenzulernen.
eine gute idee von dir auch, Jolante, die übersetzung von A. Astel dazuzustellen.
danke.
lg von zuppa, auf dem abendabschlussflug zu weiteren analysen wieder einmal nicht mehr in der lage.

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arisia (Gast)
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hi, ear,
danke für die Einstellung und Übersetztung dieses Textes,
Kassandra ist eine Figur, die mich immer schon fasziniert
hat. Das Problem, daß die Menschen die Wahrheit nicht
hören wollen, bleibt sich zu allen Zeiten gleich, ganz brisant
im Moment in Bezug auf die Weltklimalage. Die USA und
andere wollen die dramatische Veränderung immer noch
nicht wahrhaben, obwohl die USA noch stärker betroffen
sein werden, und auch schon sind, als Europa.
@Jolante
ich habe gar nicht gewußt, daß “unser“ Astel solche
Gedichtübertragungen macht. Werde mich aber jetzt mal
darüber informieren.
liebe Grüße euch beiden
arisia

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ear²
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Mich hat Cassadra beschaeftigt wegen ihrer Kuehnheit, Apollo Befriedigung zu verweigern.
Sie soll ihren eigenen Tod vorausgesehen haben, ohne etwas dagegen tun zu koennen., denn Apollos Geschenk, "In die Zukunft zu sehen" wurde ihr zur Qual, ein Fluch: Niemand nahm sie ernst, sie blieb unverstanden, eine wahrhaft tragische Frau.

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rollerball
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Hello again, dear fellows!
Da bin ich ja nun endlich beim "richtigen" Gedicht gelandet - kannte ich auch noch nicht, sieht aber schon mal sehr interessant aus. Auf den ersten Blick scheint ja die Version von A.A. glatter und professioneller als die von ear - genauer ist sie nicht unbedingt, schon allein "staring eyes" als "sternhaft" zu übersetzen ist Blödsinn, auch "Hündin" für "bitch" ist ein glatter Fehler, da hat ear mit "armes Luder" einen idiomatischen Volltreffer gelandet, auch wenn er nicht im Wörterbuch stehen mag, doch zum Übersetzen braucht´s eben mehr, nämlich Fingerspitzengefühl. Reizt mich jedenfalls, mir mehr Zeit zu nehmen und selbst auch noch einen Versuch zu wagen ...
bye until then, rollerball

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lost
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19.05.2007, 17:45 / 1 x geändert
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jenes "sternhaft" würde ich nicht
so in Bausch und Bogen verdammen, rollerball.
greift man dem Wort an die Wurzel, "star"-ing,
so findet man unversehens den Stern.
diese Übersetzung wäre also auf jeden Fall
kein ganz unintelligenter (wenn überhaupt) Blödsinn -
und auch bei "bitch" sehe ich den Fehler nicht.
"bitch" ist ein vielschichtiges Wort.
"Hündin" hat Biss like a bit-ch.
regards, lost.

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rollerball
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Awfully sorry, but I beg to differ:
Deine Verteidigung von "sternhaft" ist etymologisch nicht zu rechtfertigen, wie die folgenden Belege zeigen sollen. Nur die englische Vokabel "stern" , nicht aber das deutsche Wort "Stern" sind mit "stare" bzw dem dazugehörenenden Partizip "staring" verwandt:
stare (v.)
O.E. starian "to look fixedly at," from P.Gmc. *star- "be rigid" (cf. O.N. stara, M.L.G., M.Du. staren, O.H.G. staren, Ger. starren "to stare at;" Ger. starren "to stiffen," starr "stiff;" O.N. storr "proud;" O.H.G. storren "to stand out, project;" Goth. andstaurran "to be obstinate"), from PIE base *ster- "strong, firm, stiff, rigid" (cf. Lith. storas "thick," stregti "to become frozen;" Skt. sthirah "hard, firm;" Pers. suturg "strong;" O.C.S. staru "old;" cf. sterile and torpor). Not originally implying rudeness.
stern (adj.)
O.E. styrne "severe, strict," from P.Gmc. *sternijaz (cf. M.H.G. sterre, Ger. starr "stiff," störrig "obstinate;" Goth. andstaurran "to be stiff;" O.N. stara; O.E. starian "to look or gaze upon"), from PIE base *ster-, *star- "be rigid" (see sterile).
star (n.)
O.E. steorra, from P.Gmc. *sterron, *sternon (cf. O.S. sterro, O.N. stjarna, O.Fris. stera, Du. ster, O.H.G. sterro, Ger. Stern, Goth. stairno), from PIE *ster- (cf. Skt. star-, Hittite shittar, Gk. aster, astron, L. stella, Bret. sterenn, Welsh seren "star"). Astrological sense of "influence of planets and zodiac on human affairs" is recorded from c.1250; star-crossed is from "Romeo and Juliet" (1592). Stars as a ranking of quality for hotels, restaurants, etc. are attested from 1886, originally in Baedecker guides. Brass star as a police badge is recorded from 1859 (New York City). Starlight is c.1374; star-fruit (Damasonium stellatum) is first attested 1857; starfish first attested 1538; star-gazer is from 1560. Starry-eyed "unrealistically optimistic" is attested from 1936 (in "Gone With the Wind"). Starship first attested 1934 (in "Astounding Stories").
Stern 1
Stern 1SmSubstantiv Maskulinum "Himmelskörper" std.Standardwortschatz (8. Jh.), mhd. sterne, sterre, ahd. stern(o), ster(ro), mndd. sterne Stammwort. Aus g. *sternOn m. "Stern", auch in gt. stairno, anord. stjarna f.; während sonst eine auffällige Assimilationsform auftritt: ae. steorra, afr. stera, ahd. sterro, as. sterro, mhd. sterre. Aus ig. *hster, Genetiv *hstr-os in heth. haster-, ai. stár-, tarah Pl., strbhih (Instr.), avest. star-, toch. B scirye, gr. aster, l. stElla f., kymr. seren. Weitere Herleitung aus (ig.) *ster- "ausbreiten" ist denkbar.
Ebenso nndl. ster, ne. star, nschw. stiärna, nisl. stjarna; Gestirn, Aster, Konstellation, Star3, streuen.
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..............................................
Auch bei "bitch" geht es keineswegs um den Biss, der da durch die Buchstabengruppe "bit" enthalten zu sein scheint, sondern nur um die verächtlich-mitleidige Anrede eines weiblichen Wesens:
bitch Look up bitch at Dictionary.com
O.E. bicce, probably from O.N. bikkjuna "female of the dog" (also fox, wolf, and occasionally other beasts), of unknown origin. Grimm derives the O.N. word from Lapp pittja, but OED notes that "the converse is equally possible." As a term of contempt applied to women, it dates from c.1400; of a man, c.1500, playfully, in the sense of "dog." In modern (1990s, originally black English) slang, its use with ref. to a man is sexually contemptuous, from the "woman" insult.
"BITCH. A she dog, or doggess; the most offensive appellation that can be given to an English woman, even more provoking than that of whore." ["Dictionary of the Vulgar Tongue," 1811]
The adj. bitchy "bad-tempered" (usually of females) is first attested 1925. The verb meaning "to complain" is at least from 1930, perhaps from the sense in bitchy, perhaps influenced by the verb meaning "to bungle, spoil," which is 1823. But bitched in this sense seems to echo M.E. bicched "cursed, bad," a general term of opprobrium (e.g. Chaucer's bicched bones "(unlucky) dice"), which despite the hesitation of OED, seems certainly to be a derivative of bitch. Insult son of a bitch is O.N. bikkju-sonr. Slang bitchen "good" is first attested 1950s. Bitch-goddess coined 1906 by William James; the original one was success.

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ear²
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Ist Beckmesser noch am Leben?
Qualitaet beim Uebersetzen wird wachsen, weil man sich bemueht, einer Originalsprache so nahe wie moeglich zu kommen. Wortgetreue Uebersetzung allein kann es nicht schaffen, denn erfolgreich wird nur sein, wer der Sprachmelodie und dem Sprachrhythmus nahekommt.
Manchmal hilft ein ‘native speaker’, wenn man nicht weiter kann (oder im Notfall gaebe es spezielle Seminare).
Die besten Uebersetzungen stammen von Professionellen wie z. B. Celan. oder Hoelderlin.
Ein Gegenstueck waeren freie Nachdichtungen.
Eine Uebertragung ist ein kreativer Vorgang und jede Uebersetzung bedeutet Erforschung von Neuland. Die Ungenauigkeit eines Ausdruckes kann eine Uebersetzung verdammen. Um solchem Dilemma aus dem Wege zu gehen waere es guenstig, eine Uebertragung eines lebenden Schriftstellers/Dichters zu waehlen, um im Zweifelsfall diesen um Klaerung des strittigen Punktes zu bitten.
Umberto Eco hat es in seinem sehr lesenswerten Buch “Mouse or Rat” mit eindringlichen Beispielen beschrieben. Er hat in jedem Land einen Uebersetzer, mit dem er in staendigem Austausch steht. ear

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lost
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du hast vollkommen recht, rollerball:
etymologisch gibt es da nichts zu diskutieren. dass 'stare' und 'der Stern'
etymologisch nichts gemein haben, war/ist mir bekannt. auch das 'bit'
in 'bitch': nimm es als "Spiel" (ich weiß, was a bitch ist und weiß,
wie man das Wort verwendet und wann man es besser
nicht verwendet) -
wenn ich sage, "die Hündin hat Biss", so will ich damit gewiss nicht
darauf hinaus, in dem Wort 'bitch' sei 'to bite' enthalten oder 'a bit' -
vielmehr versuchte ich damit auszudrücken, dass 'Hündin' im Deutschen
meiner Ansicht nach ein wenig mehr (es ist auch nicht optimal) den Geist,
das Zischen, das Verächtliche, Scharfe, Abwertende der englischen
'bitch' (sprich einmal dieses Wort aus: es hinterläßt Hitze, wenn es den
Lippen entflieht) aufnimmt, als ears Übersetzung 'armes Luder' (verzeih,
ear, dies ist nicht abwertend gemeint. ich weiß, wie schwer das Übersetzen
ist), welches mir zu lang, zu weich und dunkel aufgrund der Vokale 'a' und 'u'
erscheint - im Gegensatz zu dem kurz zischenden 'bitch'
mit dem hellen, schnellen, schneidenden 'i'.
nun, im Grunde geht es um das, was ear bereits andeutete: die Gratwanderung
zwischen Wortgenauigkeit und kreativer Freiheit beim Übersetzen.
Übersetzung heißt auch: den Geist einer Sprache wahrnehmen, die Wortseelen
erfassen und ihren Gehalt übertragen: das transportieren, was jenseits aller
Etymologie oder "Bedeutung" mitschwingt.
"kongeniale" Übersetzung ist ein Ausdruck, der von dem spricht,
was ich zu beschreiben versuchte.
mag sein, dass Celan, Rilke, Hölderlin Wortseelen fassen konnten: die ihrer
Muttersprache zunächst - und wenn es in einer Sprache glückt,
so glückt es in allen Sprachen: das (Wort)Seelische ist uni-vers.
möglicherweise. was weiß man schon ...
best. lost.

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rollerball
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Es ist ja relativ leicht, fremde Übersetzungen zu loben oder kritisieren, man sollte lieber versuchen es selber besser zu machen. Hier ist meine Version, ich habe nicht nur versucht, "genau", sondern auch idiomatisch und stilistisch homogen zu übersetzen und dabei auch noch rhythmisch zu bleiben:
Das irre Mädchen mit dem starren Blick und langen weißen Fingern,
verkrallt ganz in die Mauersteine
Vom Sturm zerzaustes Haar, kreischender Mund.
Was kümmert´s dich, Cassandra,
ob die Menschen glauben
deiner bitt´ren Quelle?
Wahrlich, die Wahrheit hassen sie; viel lieber möchten sie
auf einen Tiger treffen, kreuzend ihren Weg.
Nur deshalb schmieren die Poeten ihre Wahrheit
dem Volk wie Honig lügnerisch ums Maul;
doch Klerus, Krämer und auch Bonzen
verzapfen aus dem Fass schon neue Lügen
auf die alten drauf, und lassen sich noch preisen
für ihre schöne Weisheit.
Sei doch gescheit, du armes Luder!
Aber nein: Du wirst doch weiter aus der Ecke deine Wahrheitsbrocken murmeln,
ein Ärgernis den Menschen und den Göttern –
Du und ich, Cassandra.

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arisia (Gast)
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20.05.2007, 16:41 / 7 x geändert
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Mir hat die Cassandra die Nacht auch keine Ruhe gelassen.
Das alte deutsche Wort “stier” für starr kam mir in den Sinn,
da war ich wach.
Gerade kam ich heim und sah deine Version Rollerball,
und entlehnte mir schnell noch das “Ärgernis” aus deiner
zweitletzten Zeile, denn an der war ich noch am knabbern,
sonst hätte ich den Text in der Nacht noch eingestellt.
Ich bin mit dieser Übersetzung mal in meinen Rhythmus
gegangen, versucht, eine für das deutsche typische Melodie
hinzubekommen, die doch etwas anders ist als die englische
Melodie.
Teilweise habe ich den Originaltext etwas gestrafft, an anderern
Stellen erweitert, jedenfalls den Text so angelegt, wie ich
ihn verstanden habe und mir vorstellen kann.
Nun, hier ist er -
Cassandra
Da hockt sie,
das irre Mädchen mit dem stieren Blick
und den langen weißen Fingern,
hockt in die Mauersteine gekrallt,
sturmzerzaust ihr Haar,
zum Kreischen geöffnet ihr Mund.
Was solls, Cassandra,
ob das Volk deinem bitteren
Redestrom glauben schenkt,
wahrlich, Cassandra,
dem Tiger begegneten sie lieber,
als der Wahrheit.
Deshalb versüßen die Dichter die Wahrheit
mit honigweichen Lügen,
und Priester und Händler,
und auch die Volksvertreter
zapfen immer aufs neue vom Faß,
mischen die neuen mit den alten Lügen,
und lassen sich preisen
für ihre handsame Weisheit.
Klugheit ist gefragt, du armes Huhn,
sei klug wie die Schlange,
doch ich fürchte, du wirst weiter
deine Brocken Wahrheit murmeln,
Menschen und Göttern ein Ärgernis,
Du, Casandra, und ich.

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lost
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"Es ist ja relativ leicht, fremde Übersetzungen zu loben oder kritisieren, man sollte lieber versuchen es selber besser zu machen."
dazu noch (und dies ebenfalls eine Gratwanderung):
1.) es ist ehrenwert, löblich, Zeichen ernsthafter Auseinandersetzung allemal, etwas nicht nur zu kritisieren, sondern es - soweit man fähig - besser zu machen. du bist Übersetzer, rollerball, hast also das Handwerkszeug und die Routine zu solchem Versuch.
2.) dein obiger Satz könnte jedoch leicht zum Totschläger jeglicher Diskussion werden, denn:
darf ich
- eine Wurst, die ich esse, nur loben oder tadeln, wenn ich sie selbst besser machen kann?
- einen Stuhl nur dann mehr oder weniger bequem finden, wenn ich selbst einen komfortableren herzustellen in der Lage?
- den Strich des Geigenspielers nur dann goutieren oder kritisieren, wenn ich selbst Meistergeiger bin?
- die Struktur eines Romanes nur abklopfen, Schwächen und Stärken im Erzählfluss, Aufbau, Sprachduktus nur aufzeigen, wenn ich zugleich ihn von Anfang bis Ende "besser" nachschreibe?
es blieben für jeden nur einige wenige Themen, zu denen er eine Meinung äußern dürfte, unter deiner oben hingestellten Prämisse.
best. lost.
und noch etwas:
1.) was auffällig ist: es taucht ein Tiger auf bei Cassandra, der Seherin. ob es sich um eine Reinkarnation jenes Blake'schen Tyger handelt? oder hinübergebeamt, zu Jeffers?
2.) ich persönlich tadele nie eine Wurst und lobe auch keine, da ich Vegetarier.

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ear²
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Liebe arisia, dass du dich selbst nachts von Cassandra verfolgt oder angeregt fuehlst, neue Worte zu finden, ist ein Zeichen, wie vielseitig die deutsche Sprache ist und welch wirksames Mittel der Verstaendigung sie bietet.
Dein’stier’ Adjektiv scheint aus dem 15. Jahrhundert zu stammen und in regionaler Form auch ‘sterr’gewesen zu sein.
Dein ‘handsam’ als leicht zu haben , anstellig zu sein aus dem 16. Jahrhundert.
Bastian Sick als Sammler und Verfechter deutscher Sprache haette seine Freude daran.
Dass du trotz Umzug eine weitere Fassung einstellen konntest, ist erstaunlich .

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arisia (Gast)
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21.05.2007, 09:19 / 1 x geändert
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hi, ear,
danke, daß du den Worten nachgegangen bist, und diese Information gefunden hast.
Ich habe eben bei wp auch nach “stier” gesucht, und doch tatsächlich für die englische
Übersetzung “staring” gefunden.
Mir erstaunlich, kommt das Hauptwort “Stier” für Bulle aus dem Niederländischen.
Etwas habe ich jetzt noch verändert, statt “arme Seele” - “armes Huhn.”
Der Begrif “bitch” ist in diesem Text ja nicht in dem Sinne von
“motherfucking son of a bitch” gemeint, daß ist relativ neu, sondern schon
im Sinne von “armes Luder”, “arme Seele”
Nun war ich gerade Tabak kaufen, und im Laden erzählte eine Frau von einer
anderen, die krank ist, und bezeichnete sie als “das arme Huhn”.
Ich denke, daß trifft es sehr gut, auch wenns ein “u” Laut ist, lost, aber es ist
ebenfalls kurz, und in unserem Sprachgebrauch verwurzelt.
So, jetzt muß ich aber weg, Farbreste wegputzen, räumen, u.s.w.
liebe Grüße
arisia

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rollerball
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Hallo arisia,
deine Lösung mit "stier" ist recht interessant und gefällt mir schon allein wegen des altertümlichen Klanges, wenn mir dieses Atribut bislang nur aus der österreichischen Umgangssprache in der Bedeutung "pleite" oder "knapp bei Kasse" geläufig war.
Ebenso interessant auch "handsam", das ich auch nur aus dem Dialekt meiner steirischen Heimat kenne, wo es als Sprachinsel aus einer gemeinsamen Vergangenheit mit englischen Dialekten überlebt hat, als Atribut für männliche Prachtexemplare unter den Bauernlackeln.
Mit "honigweich" bin ich nicht so ganz glücklich, auch "Volksvertreter" scheint mir zu modern, und "armes Huhn" doch zu drollig für das tragische Thema, der Vokal "u" scheint mir hingegen nicht wirklich relevant als Kriterium.
LG, rollerball

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