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Jolante
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auf der suche
nach mir selbst
fand ich dich
und das war mehr
ich verlor mich ganz
auf dem weg
mit dir allein
fand ich mich
und das war mehr
ich verlor dich ganz
nun weiß ich
wo ich stehe
und wohin ich gehe
wie find ich
mich ab

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augustine
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Mit wenigen sicher lange erwogenen Worten hast Du Grundkonstellationen von zwei Lebenswegen dargestellt, liebe Jolante: suchen, finden, verlieren. Und am Schluss "ab-finden" als aus dem Wortmaterial gewonnene 'Pointe'. (Erinnert mich an den Schluss von Elises AN DEN ANDEREN: das "lass uns gehen/so weit" (auswendig; hoffentlich stimmt die Zeilenabtrennung)
Inhaltlich/psychologisch finde die Aussagen hochproblemtisch:
* ein Ich auf der Suche nach sich selbst findet ein Du und verliert sich selbst dabei - kann da das Du nicht nur als mehr erschienen sein?
* das Ich geht mit dem Du den Lebensweg, findet sich dabei, verliert aber das Du: wie kann das sein, wenn das Du doch katalytisch geholfen hat, dass das Ich sich fand?
Bin gespannt auf Deine Antwort, die sicher substantiell sein wird, wie auch auf andere solche.
augustine, erwartungsvoll

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augustine
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Meinst Du denn wirklich, arisia, Jolante könne nicht noch ein paar Stunden warten auf Deinen Kommentar? Diese Versuche von Allgegenwart finde ich gleichfalls peinlich uind zudem noch eitel (und mit Moderatorinnen-Funktion, die Du dann gern als Argument heranziehst, nicht zu erklären.).
augustine

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Gretchen
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Heiahossa, Jolante!
Das ist ein schwieriger Text fürn armes Gretchen, so inhaltlich.
Bin am Titel hängen geblieben. Findung?
Hab dann Wörter mit Findung gefunden: - Erfindung - Wegfindung - Entscheidungsfindung - Urteilsfindung - Selbstfindung - Sinnfindung - Abfindung (mit dem, was ist?) - und versucht, von da einzusteigen.
Meine Ideen: das lyrische Du muss nicht unbedingt ein anderer Mensch sein oder eine schwierige Beziehung, sondern könnte überhaupt die Welt sein, an der sich das lyrIch reibt, so das Leben und der Alltag, alles. Entweder das lyrIch ist in der Welt, im Außenbereich - oder es ist bei sich selbst, im Innenbereich, bedeutet dann also so ungefähr, dass das lyrIch die Balance zwischen Aus-sich-rausgehn und In-sich-ruhen nicht findet. Und damit muss es sich "abfinden", irgendwie - aber wie ? - naja, wär mal ein erster Gretchenansatz.
Runder krieg ichs nicht hin.
Fragezeichengrüße vom Gretchen!
ohmanno, und gezz kommt mir eben noch der gute Goethe inn’ Kopf:
"Und so lang du das nicht hast, dieses: Stirb und Werde! Bist du nur ein trüber Gast auf der dunklen Erde." - hmm ... gibbet da einen Zusammenhang?

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arisia (Gast)
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hi, Jolante,
Auf den ersten Schritten der Suche begegnen wir vielem Unbekannten, auch Menschen, die uns dann bekannt und vertraut werden.
Wir sind noch unsicher auf unserem Weg, und es kann vorkommen, daß wir glauben im DU die Lösung, das Ziel gefunden zu haben.
Castaneda schrieb dazu sinngemäß -
“du mußt dich dem Tyrannen ganz hingeben, um von ihm frei zu werden” -
was er damit meinte, sehe ich so, daß Hingabe generell gelernt werden will, und daß es egal ist, WIE wir sie lernen, wichtig ist, DAß wir sie lernen, dann können wir frei sein uns uns selbst hinzugeben.
In der zweiten Stropfe deines Textes wird das sichtbar. Der Weg mit dem DU bringt dem ICH die Erfahrung, daß es die Hingabe überlebt hat, daß man nicht stirbt, sich nicht auflöst, sondern wächst.
Nun ist es oft so, daß das gefundene DU nicht mitwächst. Es war zwar Auslöser des Prozesses, ist aber auf dieser Stufe stehengeblieben, und das ICH muß irgendwann die Entscheidung treffen, entweder auf dieser Stufe zu bleiben, und mit dem DU zusammen zu bleiben, denn wenn es sich weiterentwickelt, wird es das DU verlieren, oder, wie hier in diesem Text, den Weg der Weiterentwicklung zu gehen und das DU zu verlieren, was die Chance bietet, sich selbst zu finden, wie es in deinem Text geschrieben steht. Das ICH ging den Weg der Weiterentwicklung und fand sich selbst, seinen ihm eigenen Platz in der Welt.
Abfinden muß das ICH sich jetzt damit alleine zu sein, damit meine ich, alleine in seinen Entscheidungen, alleine mit seinen Gefühlen, seinen Empfindungen, seinem Denken.
Das schmerzt und erschreckt erstmal, wir wissen zwar schon, daß wir weitergehen werden, aber wir wissen noch nicht, wie wir gut damit umgehen können, daher die Frage -
“wie find ich
mich ab”
da zu sein, wo ich bin.
Ja, Jolante, mit ganz wenigen Zeilen bist du ausgekommen, so ein komplexes Geschehen darzustellen, eindringlich darzustellen.
Die Widerholung der letzten Zeile der ersten Strophe in der zweiten, und die Variation der Langzeile verdichten, bringen diese Eindringlichkeit in den Text, bringen den Leser, die Leserin ganz nah an das Geschehen heran.
Ein guter Text, der persönliches Erleben auf eine allgemeingültige Ebene zu bringen vermag,
findet arisia

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Jolante²
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24.05.2007, 20:00 / 4 x geändert
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Liebe Augustine, Arisia, Gretchen !
Ich danke euch für die Aufmerksamkeit, die ihr meiner "Findung" gewidmet habt. Die ursprüngliche Fassung war umfänglicher. Nach längerem Ruhenlassen habe ich das Gedicht ausgedünnt und umgeformt, danach war mir klar: So will ich es - in schlichter Form und auf das Wesentliche reduziert.
Es sind drei Lebensabschnitte, die einen langen Prozess des Findens, Verlierens und der Selbsterkenntnis markieren:
1.A.:
Das lyr.ich, jung und seiner nicht sicher, begegnet auf der Suche nach sich selbst einem DU. In der Sehnsuchtsvereinigung geht das Ich ganz im Du auf ("Ich verlor mich ganz").
2.A.:
In intensiver Liebesbeziehung auf dem gemeinsamen Lebensabschnittsweg (fürchterliches Wort) verändert sich das Ich. Es gewinnt an Selbsterkenntnis, entwickelt seine Persönlichkeit, wird dem DU, das in seiner Entwicklung hinter ihm zurückbleibt, zu stark ("Ich verlor dich ganz").
3.A.:
Das lyr.Ich, älter geworden und gereift, hat seinen Standpunkt gefunden, weiß,wohin es geht. Wenn Leidenschaft und Liebe versiegt sind, wenn Freundschaften leichter zu verlieren als zu gewinnen sind, bleibt am Ende die Einsamkeit. Sie muss kein bedrohlicher Zustand sein, wenn es auf folgende Frage eine positive Antwort gibt: "Wie find ich mich ab".
Nun kennt ihr meine Intention. Das Gedicht lässt aber auch andere Lesarten zu: Eure !
Liebe Grüße, besonders auch an Windflug :). Sie weiß, warum.
Jolante

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