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gregor libkowsky
mmazzurro
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ferdi
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Manches Herrliche der Welt
Ist in Krieg und Streit zerronnen;
Wer beschützet und erhält
Hat das schönste Los gewonnen.
(Goethe)
Alter Städte hohe Mauern
Deckt schon längst der Wüstensand:
Nichts, was je ein Mensch erfand,
Wird die Zeiten überdauern.
Uns bleibt nichts, als zu betrauern,
Dass, was steht, in Kürze fällt.
Jeder neue Tag erhellt
Uns der schönen Dinge Fehlen
Und die neuen Jahre stehlen
Manches Herrliche der Welt.
Doch nicht nur der Lauf der Zeit,
Auch der Menschen eigne Werke
Der Zerstörung, rohe Stärke,
Die sich Bahn bricht, Hass und Neid
Schaffen Schmerzen, rufen Leid,
Wenn die Menge unbesonnen
Wunder, die noch kaum begonnen,
Geistlos schändet und zerreißt:
Vieles, was das Schöne preist,
Ist in Krieg und Streit zerronnen.
Stoppt denn keiner diese Meute?
Rettet niemand, was er liebt,
Was er hochschätzt? Doch! Es gibt
Immer, früher wie auch heute,
Stille Helfer. Diese Leute
Sind nicht stark, nicht klug; kein Held
Findet sich, nicht Macht, nicht Geld,
Doch in Kenntnis dieser Lage
Stellen sie die eine Frage:
Wer beschützet und erhält
Den so schnell zerstörten Schatz
An erhaben schönen Dingen,
Die so selten uns gelingen?
Denn sie wissen, dass Ersatz
Niemals möglich ist, den Platz
Dessen, was der Geist gesponnen,
Nichts neu füllt. Was je ersonnen
Wurde, schützt ihr weiser Mut.
Wer von euch desgleichen tut,
Hat das schönste Los gewonnen!

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ear
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Hi ferdi, koennte dein Gedicht als Hinweis auf Goethes Faust II gedacht sein? Es erinnert mich an die Gustav- Gruendgens- Inszenierung im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg mit Quadflieg und Weissgerber. Das war fuer mich ‘Ostern’, den ersten und zweiten Teil zu erleben.
Waehrend Faust mit dem ‘Verweile doch’- Zitat, dem Tod entgeht, weil er , der alte Erblindete die Version einer neuen Gesellschaft hat, die neu und in Freiheit aufgewachsen ist, kommt in deinen Strophen viel Trauer und Verzweiflung zum Tragen ueber staendigen Verlust ‘schoener Dinge’, an denen die Menschen selbst Schuld haben durch ‘Hass und Neid’.
Doch es gibt eine Hoffnung in der vierten Strophe, wenn du von den ‘stillen Helfern’ sprichst, die weder ‘stark’, noch ‘klug’ sind; die nicht wie Faust dem Kaiser die Finanzen verbessern helfen, die keine Macht und kein Geld haben.; die keinen Krieg gewinnen wie Faust es tat, oder andere Menschen toeten , wie er zum Ende hin den Tod von drei Menschen verschuldet, um Land urbar zu machen .
Goethe laesst den Euphorion (deutsche Klassik, die zur Antike zurueckblickte) abstuerzen, deutsche Klassik --- nicht fuer immer gemeint.
Faust wird seine Schuld vergeben, sein Erkennen rettet ihn. Ein paar ‘stille Helfer’ koennten vielleicht auch jetzt wieder hilfreich eingreifen.
Oder liege ich schief mit meinen Gedanken? Lieben Gruss, ear.

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ferdi²
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Ob du schief liegst, ear? Weiß ich nicht :) Dass es sehr interessante und lesenswerte Gedanken sind, steht dagegen für mich fest, danke dafür! Der Inhalt ist natürlich etwas durch das glssierte "Thema" vorgegeben - nicht nur in den Reimen ;) Von daher ist es ja ohnehin mehr "Ausgestaltung" als eigene Meinung.

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Jolante
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17.04.2007, 12:45 / 2 x geändert
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Lieber ferdi,
es beeindruckt mich, wie kunstvoll es dir gelungen ist, ein von einem Dichter (Goethe) vorangestelltes "Motto" als Glosse in der strengen Form von Dezimen auf deine Weise zu interpretieren. Du bezeichnest es bescheiden als "mehr Ausgestaltung als eigene Meinung", das mag ja sein, und man könnte auch darüber streiten, ob es Sinn macht, heute noch in diesen alten Formen zu "dichten". Mir imponiert es aber, wenn sich jemand mit Verstand und Sprachgefühl in dieser komplizierten Strophenform so eigenwillig auszudrücken vermag.
Gruß Jolante

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ear
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Nur ein kleiner Hinweis fuer Interessierte auf einen Artikel im Hamburger Abendblatt von heute, dem 21. April 2007:
'Die Faust-dicke Sensation am Schauspielhaus'
Es sind gerade 50 Jahre her, dass Gruendgens im Deutschen Schauspielhaus seine Faust-Inszenierung schuf.( so wird man an das Altern erinnert; schmunzelnd,ear).

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ferdi²
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@ Jolante: Danke für deinen Kommntar :) Die Diskussion, ob und inwieweit alte Formen zum Transport moderner Inhalte geeignet sind, halte ich auch für eine sehr spannende und interessante, die zu führen sich lohnt!
@ ear: Vorgestern habe ich in einem Deutschbuch ein Szenenfoto mit Gründgens und Quadflieg gesehen. Wenn man erst mal anfängt, drauf zu achten... :D

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