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augustine
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11.04.2007, 01:27 / 1 x geändert
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Du, Schreibtischmädchen, das ist schön. Hungrig umtänzelte ich den Text (hat Marcel mal geschrieben), dachte erst in Richtung - Gott ("Dein Name", der verborgene Name, Ichwerdeseinderichseinwerde, das 'erdfarbene Blatt' schien mir dafür zu sprechen) - aber ich denke doch: nicht.
Ein/Dein Schreibtisch, so wie Schreibtische eben sind, unaufgeräumt, da sie doch Werkstätten sind. Eine/Deine Jackentasche, in der dies und das an Kleinkram ist. Aber beides enthält auch Ungewöhnliches. Auf dem Schreibtisch liegt das Blatt, auf dem nur steht: "DU". Das erdfarbene Blatt ist vielleicht "eines Baums Blatt", nicht ein Blatt Papier. In der Jackentasche sind "alte Worte immerneu", jene drei, die zu sagen köstlich sein kann oder ein Irrtum, die zu oft gesagt werden oder zu selten. Die Hand, die sich ausstreckt nach dem DU, hat ihr Handgelenk dafür geschmückt (es erinnert mich an das aus der Dränage-Geschichte).
Im Traum war der Wunsch schon erfüllt, der nach dem All-Einen wie im Märchen, so, dass zwischen zwei Blicken keine Fragen mehr sind und kein Laut
Die Wirklichkeit ist nur erst eine Annäherung: Deine Hände in den Manteltaschen des DU. Vertrauen: die eigenen Augen geschlossen, wissend, dass sie angesehen werden - nicht nur von der Sonne - oder vom Gesicht des Anderen, das wie eine Sonne leuchtet; und der Mantel wird nicht fremd bleiben.
So empfinde ich's. augustine

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Schreibtisch²
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Ach, augustine,
Gott oder nicht, wer will das wissen...
ich würde ja behaupten, dass ich bei den Gedichten keine Absichten verfolge, sondern vielleicht eine Hebamme bin für das, was raus will, wo immer es auch herkommt...und was draus wird...die Kleinen verändern sich und werden groß und sind ja oft doch nicht das, wofür wir sie halten, die, wofür wir sie halten...zeigen sich auf einmal in einem ganz anderen Licht...ich finde das sehr reizvoll...das nicht Festgelegte...theologisch geantwortet: wenn "es" kommen darf, unverstellt, dann passiert etwas, was ich -auch- mit den biblisch gegründeten Gottesvorstellungen in Verbindung bringen kann, weil ich es so will, nicht weil es "an sich" so wäre...berührt es mich, weil es göttlich ist oder nenne ich es göttlich, weil ich berührt bin? Dein Kommentar hat mich berührt. Auch weil ich mich in meiner Sehnsucht nach Irgendwas verstanden fühle. Das ist ja ein Geschenk. Dankeschön sagt der Schreibtisch.

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Schreibtisch²
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11.04.2007, 08:58 / 1 x geändert
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Nachtrag: Theologie der Berührung - das wärs doch mal...das wäre doch ne Aufgabe!!
@ lost: Sorry!
(Er hats mir nämlich "verboten", zweimal hintereinander zu schreiben...und eigentlich bin ich ja einbravsobraves Schreibtischmädchen...nur manchmal...) ach so ja, man kann ja auch bearbeiten...okayokay, ich plädiere für Anfängerinnenbonus...

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rollerball
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Ja, das sind wirklich wunderschöne Bilder, die deine poetischen Zeilen auf mein inneres Auge projizieren, mit originellen Wortschöpfungen für mein Linguistenhirn und einer zarten Stimmung, die mein Herz berührt - von dieser Sorte Gedicht möchte man gern mehr lesen ...

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lost
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11.04.2007, 19:15 / 1 x geändert
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achachach, niemals verbot ich,
bat vielmehr: kniefällig, händeringend,
in den Staub mich beugend untertänigst, da ich doch
an einer Mehrfachpostingleseschwäche laboriere,
ein seltenes, ein arg molestes Leiden,
was mir das Kompilieren sehr erschwert!
aber nun zum Text, nur kurz angemerkt:
innerster Ring des Gedichts ("Tempelbezirk") ist die Begegnung im Augenblick. oder: der Augenblick der Begegnung (drittes Viererpaket), wenn auch nur ge/er/träumt vom lyr. Ich, so doch den Text tragend. sich im Anderen erkennen: All-eins werden. davon handelt der Text, darauf strebt er hin.
lost. regards.

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lost
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11.04.2007, 19:19 / 1 x geändert
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dazu rasch noch ein Postulat nebst Beigedanken angefügt:
das lyrische Ich ist eine Frau, das lyr. Du ein Mann,
und das nicht nur, weil das Gedicht unter "Liebe" steht
und man also davon ausgehen kann, dass ... -
sondern weil: Begründung:
1) das lyr. Ich sich repräsentiert (u.a.) in dem erdfarbenen Blatt. die Erde, Gäa, die Frau.
2) das Du repräsentiert wird von der Sonne: ein männlich konnotiertes Symbol.
insofern plädiere ich
3) entschieden für "nicht Gott".
den Gedanken einer "Theologie der Berührung"
finde ich dennoch höchst spannend.
best, lost.

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Elise
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Hallo Schreibtisch und alle!
Es fiel mir zunächst schwer, in diesen Text "einzusteigen". Nun durchschaue ich aber den Aufbau um eine Mitte herum, die lost sinnigerweise "Tempelbezirk" nennt.
Zu den Zetteln überall: ich sehe sie gar nicht unbedingt auf dem Schreibtisch, sondern eben: überall. Verstreute, versteckte, verwehte, verschiedenartige Symbole für "Beziehung": diese kann angefangen sein (und - zu früh - abgebrochen? oder nie wirklich abgebrochen und daher das lyr. Ich insgeheim hindernd?) oder wunderbar sein (ein Wunder!) oder vielleicht versuchte man sie zu retten durch ein "Rezept" (Paartherapie).
Das Bild von den Manteltaschen: sehr intim, die Hände in den Taschen eines anderen Menschen zu verlieren. Das macht man nicht so oft.
Allerdings hadere ich mit dem Ausdruck "die Hände verlieren" - das "verlieren" gefällt mir an dieser Stelle nicht recht, lautlich. Habe aber keine andere Idee.
Abendgrüße. Elise.

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windflug
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Hallo du mit dem sperrigen Namen,
und mit dem sperrigen Gedicht, das ich immer wieder lese, fasziniert von der Fülle der Assoziationen, die die vielen Bilder hervorrufen und ratlos vor dem Zettelkasten. In meinem Kopf: überall Angefangenes, aber keine abgeschlossene Interpretation, die die vielen aufgesammelten Scherben und Glitzersteine zu einer Allesantwort verwandeln könnte. Was aus allem spricht, ist Sehnsucht nach Verbundenheit - und das kann menschliche wie göttliche sein. Ich werde dein Gedicht noch ein Weilchen auf meinem Schreibtisch liegen lassen und mich in seinen Zwischeräumen aufhalten.
Liebe Grüße
windflug

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arisia (Gast)
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hi, schreibtisch,
ach, ach, sperrig ist dein Gedicht und dennoch rund, aufgehoben und geschützt zwischen erster und letzter Zeile -
“dein Name” -
“der Sonne”
Das DU die Sonne, in der das lyr. Ich vertrauensvoll aufblüht.
Es ist ein Traum, diese Verbundenheit
“träumte ich”
in der der Sehnsucht nach dem Verwandeln der Distanz Ausdruck gegeben wird, auf daß die Distanz der “Zwischenräume” sich verwandele in “Allesantwort” und “Allesstille”,
für mich ein spirituelles Bild, über den Umweg des DU, daß eigene Einssein mit dem Universellen zu finden.
Jetzt aber hadere ich mit dem Verlieren beider Hände in fremden Manteltaschen. Gut, als reale Situation kann ich mir vorstellen daß man/frau sich gegenüberstehen und die Hände sie in den Manteltaschen des anderen verlieren. Habe ich ausprobiert, ist unpraktisch und unbequem, lach, kann es also eher nicht sein.
Nein, ich denke mir eher, daß der “fremde Mantel” seinen Sitz auch in der ersten Strophe hat und sich unter all den Zetteln, dem Angefangenen und den Wundern befindest, vielleicht das Wunder selbst ist, etwas Dagebliebenes, Übriggebliebenes, und das LI streift nun statt der Jacke den fremden Mantel über, streckt damit seine Hand nach dem DU aus, verliert seine Hände dann in den Taschen des fremden Mantels, der evtl. auch etwas groß ist und stellt sich tapfer mit seiner Sehnsucht nach Verbundenheit der Sonne, dieser Sonne die dann nicht mehr das Du repräsentiert, sondern das eigene innere Einssein.
Tja, soweit mal meine Spekultionen, dennoch alle Spekulationen mal hintan lassend, gefällt mir dein Gedicht, es trägt.
liebe Grüße
arisia

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Schreibtisch²
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Hallo!
Jetzt also: Herzlichen Dank für Euer Interesse und Eure Überlegungen.
Zwei kleine Anmerkungen dazu: Der Tempelbezirk, wenn nicht gar das Allerheiligste ist für mich auch der Augenblick, allerdings bricht sich da die Sehnsucht nach All-eins sein gemeinsam in dem Erleben von Händen, die ja eben nicht in die Taschen passen, wenn man voreinander steht.
Und so ist es für mich auch. Es will nicht so richtig passen.
Ja, das LI ist für mich eine Frau, das Du ein Mann. Er steht mit dem Rücken zur Sonne. Und wenn die Sonne mir ins Gesicht scheinen soll, darf ich nicht direkt vor ihm stehen, nicht deckungsgleich sein, also auch hier "passt es nicht", es ist schief, schräg, bricht sich mit den Träumen. Die Sehnsucht nach der Allesantwort ist innerhalb einer Beziehung nicht zu befrieden, nicht zu stillen.
So ist das für mich, traurig. wehmütig.
Heute jedenfalls. Sprunghaft bin ich
aber das wisst Ihr ja schon.
Seid herzlich gegrüßt
Dankeschön
sagt der Schreibtisch

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