Die Liebe · augustine · ·


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      augustine



Die Liebe

   25.01.2006, 15:48 / 4 x geändert



DIE LIEBE

Geschenk des Liebens: fassbar nie, ein Anhauch nur, nicht mehr,
Das flockenleicht und sanft wie Atem ohn' Verlangen
Sich leise bietet dir; auch von Begehren schwer
Fernher dich anfällt. Dich beschützt. Doch bist du auch gefangen.

Der Liebe Kraft, sie ändert Raum und Welt und Zeit.
Sie macht die Sonne leuchten und erhellt der Sterne Licht.
Die Liebenden, sie sind so fern von jedem bangen Neid.
Dass Liebe schwände je: sie fürchten's, aber glauben's nicht.

Und dennoch: sie verdunkelt sich, wird schwer,
Und eines Morgens geht der Atem flach, wie leer.
Die Liebe ist, unfassbar: ist, sie ist - vergangen.

Was bleibt nun ihnen, die nichts mehr erwarten?
Sie wissen's nicht. Vielleicht, dass ein verschlossner Garten,
Fern, seiner, ihrer wartet, bereitet schon, sie zu empfangen.


Bearbeitung (siehe auch weiter unten):

DIE LIEBE

Geschenk des Liebens: unfassbar, ein Hauch, nicht mehr,
Der flockenleicht und sanft wie Atem ohn' Verlangen
Dir leis sich bietet; oder von Begehren schwer
Fernher dich anfällt. Bist du dann gefangen?

Der Liebe Kraft, sie ändert Raum und Welt und Zeit.
Sie macht die Sonne leuchten, schafft der Sterne Licht.
Die Liebenden sind fern von jedem bangen Neid.
Dass ihre Liebe schwände je: sie fürchten's nicht.

Doch einmal, morgens, ist der Atem flach und leer,
Verdunkelt alles, mutlos, fern, verschreckt und schwer.
Die Liebe ist, unfassbar: ist, sie ist - vergangen.

Was bleibt den Liebenden, die nun nichts mehr erwarten?
Sie wissen's nicht. - Vielleicht, dass ein verschlossner Garten
Fern seiner, ihrer wartet schon, sie zu empfangen.

 

      windflug



RE: Die Liebe

   10.01.2007, 20:59



Hallo augustine,

da es sich hier gerade so schön sonettet, habe ich mal dein Liebessonett ausgegraben, das seltsamerweise niemand je kommentiert hat. Du beschreibst in einem schönen Bogen, wie sich die Liebe zuerst ganz zart anbahnt, dann ihre ganze Kraft entfaltet, so dass sie unendlich scheint, aber schließlich doch ganz schleichend immer schwächer wird, bis sie ihr Leben aushaucht. Doch belässt du es nicht bei diesem traurigen Sterben der Liebe, sondern bietest einen Ausblick, ein Vielleicht - und schon die Ankündigung deines späteren Gedichts vom verschlossenen Garten.
Womit ich noch etwas hadere, sind die ungleichen Zeilenlängen. Ich finde, einem Sonett stehen zehn-oder elfsilbige Zeilen einfach besser - und ich glaube, deine Zeilen würden gewinnen, wenn du sie etwas straffen könntest.

Liebe Grüße
windflug

 

      augustine²



RE: Die Liebe

   11.01.2007, 13:04



Danke,windflug, fürs Bemerken und Wieder-hoch-holen und Kommentieren. Ich wusste es immer, dass es unbeachtet nach unten gerutscht war. Und habe immer daran geglaubt, dass sich noch einmal eine Konstellation ergäbe, in der es bemerkt würde. (Nein, immer nicht, gegen Ende des vorigen Jahres nicht mehr, da habe ich gelitten und erst gekämpft, dann mich auf den, wie ich glauben musste, notwendigen Abschied vorbereitet. Verzeiht die Bemerkung. Ihr alle habt solche vermieden.)
Weißt Du, windflug: es war mein erstes. Ich hänge daran. Der mein Sonetten-Lehrer war und noch immer ist, hat es durchgesehen und Verbesserungsvorschläge gemacht, die in dieser Fassung auch schon enthalten sind. Ihm sind das Ausschöpfen der Worte, die Gedanken, der Klang, die Reime wichtiger. In einiger Zeit werde ich es metrisch nochmals durchgehen. Jetzt kann ich noch nicht. "Thörig red ich. Es ist die Freude."( Hölderlin, Heimkunft)
augustine, sehr bewegt

 

      augustine²



RE: Die Liebe

   26.04.2007, 22:56 / 1 x geändert



DIE LIEBE

Geschenk des Liebens: unfassbar, ein Hauch, nicht mehr,
Der flockenleicht und sanft wie Atem ohn' Verlangen
Dir leis sich bietet; oder von Begehren schwer
Fernher dich anfällt. Bist du dann gefangen?

Der Liebe Kraft, sie ändert Raum und Welt und Zeit.
Sie macht die Sonne leuchten, schafft der Sterne Licht.
Die Liebenden sind fern von jedem bangen Neid.
Dass ihre Liebe schwände je: sie fürchten's nicht.

Doch einmal, morgens, ist der Atem flach und leer,
Verdunkelt alles, mutlos, fern, verschreckt und schwer.
Die Liebe ist, unfassbar: ist, sie ist - vergangen.

Was bleibt den Liebenden, die nun nichts mehr erwarten?
Sie wissen's nicht. - Vielleicht, dass ein verschlossner Garten
Fern seiner, ihrer wartet schon, sie zu empfangen.

Auch bei mir dauert's manchmal länger, die Antwort in einem Dialog. Besser so, windflug? Magst Du antworten? Herzlichen Dank in jedem Fall. augustine

 

      windflug



RE: Die Liebe

   27.04.2007, 13:00



Liebe augustine,

vieles braucht Zeit - und die Gelassenheit des Reifenlassens. Ja, so ist es gut.
Vielleicht lässt die Zeit ja auch noch weitere Kommentare reifen.

Es grüßt dich herzlich
windflug




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