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arisia (Gast)
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hi, schreibtisch,
er liebte sie und den Garten, sah in ihm ein kleines zu Hause für ihre Romanze,
“ tranken Prosecco aus Büchsen und Blumen, Strauch und Baum zeigten sich nicht.”
wollte sie mit Sicherheit umgeben, die Romanze.
So wie ich die Geschichte verstehe, sah sie klarer, sah, daß Sicherheit und Romanze sich nicht vertragen, ja sich wesendfremd sind.
Es war wohl eine heimliche Beziehung, evtl. war jeder der Partner anderweitig gebunden, was ich aus dem Sätzen -
“und alle mahnenden Stimmen wurden von der Mauer abgehalten, kurzfristig. Lautlos, er, wenn ihr Handy klingelte. Und auch sie schwieg, wenn es sein musste.”
entnehme.
Sie wollte nur eine Romanze, keine Sicherheit, auch wenn diese Sicherheit von starken Handgelenken ausging, Handgelenke, die sie liebte, aber wohl nur die Handgelenke.
Als die Dinge sich zuspitzten, die Sicherheit sich in ihre Romanze drängte,
“Er legte also die Dränage an und verbrachte seine freie Zeit gerne innerhalb der hohen Mauern. ”
kam sie nicht wieder.
Knapp und lakonisch wird die Geschichte erzählt, in ausdrucksstarken Worten, dennoch ohne Schnörkel. Sie rührt mich, die Geschichte, irgendwie steht sie für mich für die Vergänglichkeit allen Seins, für die Fremdheit im Vertrautsein, rührt an Bekanntes und hinterläßt eine diffuse, unspezifische Wehmut, wohl ein romantisches Gefühl. :)
liebe Grüße
arisia
P.S.
In Abaatz 3, Zeile 1 würde ich die Ergänzung -
“trotz alledem.”
weglassen. Dann wirkt meiner Meinung nach -
“Sie blieben sich fremd,”
noch stärker.

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arisia (Gast)
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03.04.2007, 00:19 / 1 x geändert
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hi, schreibtisch,
verzeih, wenn ich mir hier nochmal melde, aber mir fiel die
Schreibweise der Überschrift auf. Ich kenne die Schreibweise
nur als
“Drainage”,
immer wenn ich auf das Wort schaue, streiken meine Augen
einen Moment, da ich aber ziemlich unbeleckt von der
Rechtschreibreform bin, könnte es durchaus sein, daß dieses
Wort jetzt so geschrieben wird.
Es gibt noch einen älteren Begriff, mein Opa war Klempner,
der heißt “Dränung”.
liebe Grüße
arisia

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augustine
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03.04.2007, 00:50 / 1 x geändert
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Nun sitze ich am Schreibtisch, um über den Garten zu schreiben; Deinen, Schreibtisch-Sabine? Eher nicht.
Ich hätte gern mehr gewusst über den
Garten; was ich erfahre, ist:
er ist groß, unbestimmt groß, von einer hohen Steinmauer umgeben, durch eine abgeschlossene Holztür zu betreten, wenn man einen Schlüssel hat; an der Tür wächst Efeu, vielleicht ringsherum; im Frühjahr ist der Garten von Regen fast ganz durchweicht; deshalb brauche er eine Drainage, heißt es - der Garten ist in einem nicht bezeichneten Irgendwo, nicht gepflegt, es steht nicht einmal ein Hüttchen darauf, in das das Paar (ist es aber eins?) gehen könnte, aber es gibt Pflanzen und Bäume und Sträucher, um deren Wurzeln Besorgnis geäußert wird
die Frau:
sie trifft bei diesem Garten einen Mann, immer mal wieder (also nicht oft), schnell, eine Stunde; sie trinkt dabei Kaffee mit Milch und "neuerdings" auch Zucker (was sagt der Zucker? es ist der Zeit nach höchstens Herbst, Winter, früher Frühling; sie friert vielleicht, vielleicht auch innerlich?); im Dunkeln trinkt sie mit ihm Prosecco; sie hat einen Schlüssel, der in ihrem Auto im unordentlichen Handschuhfach liegt; manchmal hofft sie, er sei verloren gegangen (als: sie ist unklar zwischen ja und nein); sie hat ihr Handy nicht ausgestellt; in der letzten Zeit hört sie nicht mehr richtig zu, wenn er von Gartenpflege spricht; ist nur sanft empört, als SIE die Drainage legen soll (ist doch eine verdammte Zumutung des "Fachmanns"!)
den Mann:
er trägt seinen Schlüssel an einer dreireihigen goldenen Kette um den Hals (o verdammt, igitt); er kennt sich aus mit Gartentechnik; er legt die D. an und ist gern in seiner Freizeit im Garten; denkt: "Unser Garten"; und weint [er weint, lost!!], als sie einen Parkplatz als Treffpunkt vorschlägt statt des Gartens, der nur ein abzuschließender ist, aber kein geschlossener, bergender (Jahreszeit vor allem)
beide zusammen:
sie treffen sich an einem Garten, um eilig Kaffee oder Prosecco zu trinken, nach Sonnenuntergang waren sie "mehr miteinander beschäftigt"; zu erwarten wäre: Sex, und das schließt der Text ja auch nicht aus, und warum sonst der Aufstand? es wirkt aber von Anfang an alles kühl, was sie beide betrifft, "fremd", "nicht einfach"; es ist offenbar eine flüchtige Fremdgeherei (hat schon arisia geschrieben); die könnte ich verstehen, wenn da Kraft, Lust, Leidenschaft wäre (angedeutet genügte ja) - aber hier frage ich mich, warum die beiden sich überhaupt treffen; gut: "es war nicht einfach" (2x), einmal gleich danach: "es war wunderschön"; es war also fremd und wunderschön - geht das? manchmal, aber nur kurzfristig die Momente der Geborgenheit, die anscheinend beide empfinden
dass sie die Drainage anlegen soll, finde ich nicht motiviert, auch nicht durch den drittletzten Absatz
die einzige Berührung, die genannt wird, ist: sie berührt sein Handgelenk, das "sie liebte" - an dem ganzen Menschen nur allein das Handgelenk??
"sie wusste wirklich nicht, was er von ihr wollte" - müsstest Du das nicht zumindest andeuten? auch sagen, was sie von ihm will? oder warum sie halb gegen ihren Willen doch kommt
Von den drei letzten Sätzen glaube ich den mittleren nicht.
Ich hab' das Gefühl, mehr ist es nicht, dass diese Geschichte aus ursprünglich mal zweien - oder zwei Motiven - zusammengesetzt wurde; die eine vielleicht die von den geheimnisvollen Treffen am geheimnisvollen Garten, die andere eine feministisch getönte um die Drainage rum.
Was wäre, wenn Du die wegließest, aber die Treffen am Garten etwas begründetest, den Personen etwas mehr Farbe gäbest. Deine schöne Prosa wie auch in der Katzengeschichte würde nicht leiden, glaube ich.
Liebe Grüße von augustine

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Jolante
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Ich sehe den Garten als Metapher für einen zeitweise geschützten und schützenden Raum für zwei Menschen, die ihn für ihre Romanze?, oder doch eher Affaire? entdeckt haben. So lange sie nur auf sich bezogen sind, Prosecco aus Büchsen und Blumenkelchen oder Kaffee aus Plastikbechern trinken, wie nebenbei, sind sie sich selbst genug. Sobald einer der beiden, in diesem Falle ER, vom anderen erwartet, den geschützten Raum zu sichern, die Beziehung "abzusichern", wird der Charakter einer Romanze, oder doch eher einer Affaire, zerstört. Zwei empfinden nicht dasselbe füreinander. Sie will den Prosecco aus Blumen, er will den Garten "im Trockenen" haben. Sie bekommt nasse Füße, er weint, eine nicht lebbare Liebe ist zu Ende. Die Metaphorik steht nach meinem Empfinden aber nicht nur für ein Paar, das eine verbotene Beziehung lebt, sondern letztendlich für alle Zweierbeziehungen, in denen es mehr um Sicherheit geht als um die Freiheit der Gefühle, und auch die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau eine viel zu große Rolle spielt.
Uff, ich hoffe, ich bin nicht zu sehr ins Schwafeln abgetrudelt, aber das Thema "Beziehungen" interessiert mich eben. Ich teile übrigens die Auffassung von Augustine, dass hier zwei Themen ineinander verwoben werden, die in dieser Geschichte nicht so recht zueinander "passen" wollen. Doch du kannst sehr gut erzählen, liebe Schreibtischlerin, und so habe ich auch diese Geschichte gerne gelesen.
Jolante

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augustine
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06.04.2007, 22:55 / 2 x geändert
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Noch eine Ergänzung zum Vorigen von mir:
Alles ist erzählt von einem Erzähler, der nur weiß, was die Frau der Geschichte weiß. Er erzählt also aus ihrer Perspektive. Im vorletzten Satz weiß er plötzlich, was der Mann denkt: damit macht er sich zum auktorialen Erzähler. Da ist also ein Bruch, den Du, Schreibtisch-Frau, ja leicht umgehen könntest.
augustine, gespannt auf Deine Kommentare zu den Kommentaren

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Schreibtisch²
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Ihr Lieben,
augustine, arisia, Jolante,
vielen Dank für Eure Gedanken zu meiner Drä-ah-nagegeschichte. Ich finde es sehr kostbar, andere Blickwinkel geschenkt zu bekommen, merke aber auch, wie schnell ich an meine Grenze komme, dann meinerseits die Ebene wechseln zu können, also von der Ebene des Geschichtenschreibens auf die Metaebene zu wechseln. Vielleicht weil ich zu nah dran bin und einfach so viel Persönliches damit verbunden ist. Dann schrecke ich erstmal zurück. Deswegen brauche ich auch so lange für eine Antwort...hier jedenfalls...
Die Geschichte ist ein Konstrukt und ich glaube, das macht sie auch so holprig.
Die Drä (ä - meint der Fachmann vor Ort) nage ist tatsächlich ein hinzugefügtes Motiv,
eine Verfremdung, eigentlich geht es um die Frau, die immer alleine die Beziehungsarbeit (Dränage) leisten soll, weil sie qua Frau dafür zuständig sei, in den Augen des Mannes. Es sind vermutlich also tatsächlich zwei Geschichtsquellen, zum einen die zwischen den beiden Coffee to go oder Prosecco Trinkern, wobei dann die Geschlechter wieder zurückgetauscht werden würden...ich habe die Emotionen der Frau auf den Mann projeziert und umgekehrt,
zum anderen eine Geschichte über eine Frau, die keine Lust mehr hat, die ganze Beziehungsarbeit alleine leisten zu sollen.
Vermutlich sollte ich einen neuen Anlauf nehmen und zwei Geschichten daraus machen.
Ich danke Euch sehr!
Frohe Ostern!
Der Schreibtisch

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rollerball
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07.05.2007, 17:13 / 1 x geändert
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Hallo Schreibtisch!
Ob es nun Drainage oder Dränage heißen soll, scheint mir hier nicht so wichtig. Viel interesanter wäre es für mich, wie und wo sich die beiden kennengelernt haben, und wie dieser Garten ins Spiel kam, wem er gehört ... Es muss sich wohl um eine geheime Affäre handeln, da weder seine noch ihre Wohnung als Treffpunkt in Frage kommen, der Garten erscheint als grüne, aber doch etwas ungemütliche Alternative zum klicheehaften Hotelzimmer. Das Problem ist aber wahrscheinlich, dass sich die beiden nicht wirklich als Paar, sondern nur als zwei Individuen fühlen, die nichts gemeinsam haben und keine gemeinsame Verantwortung oder Ziele kennen, nicht einmal einen "bewohnbaren" Garten.
Ein tristes, aber trotz der Konstruktion wohl nicht ganz unrealistisches Bild einer "modernen" Beziehung, das trotz seiner scheinbaren Nüchternheit berührt ...

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