Der Reigen (Samstag,nachts,Ddorf) · StahlKocher · ·


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      StahlKocher



Der Reigen (Samstag,nachts,Ddorf)

   30.03.2007, 09:32 / 2 x geändert



Der Reigen

In dunkler Nacht
Schon weit nach zehn
Meine Exfreundin
Sah ich in Siam gehen

Um mich herum
Nicht Mensch und nicht Tier
Roboter warn´s
So schien es mir

In seltsamer Weise
Fast wie im Koma
Spielten sie Reichsein
Mit dem Geld von der Oma

Auf Tischen und Theken
Mit lautem Gegröhl
So sah ich sie tanzen
Und tanken ein öl

Das Öl aber machte
Aus jedem den Held
Einer einsam glitzernden
Plastikwelt

Und so stand in der Stadt
aus Zombies ein Heer
die Bars voll von Leuten
und trotzdem leer

Wie damals zu Babel
Nur baute man nun
Bis zum Himmel die Egos
Welch trauriges Tun

Doch genau wie Belsazar
Ward umgebracht
So verdient dieser Moloch
Die ewige Nacht

Inne vom Taumel
Hält der johlende Reigen
Benzingeruch
Bringt seliges Schweigen

Wie Donner
So bohrt in den krankhaften Stolz
Mit blendendem Blitz sich
Ein schwefliges Holz

Die Katharsis vom Dünkel
Einer eitlen Epoche
Ein Planet nun befreit
Von dem menschlichen Joche







Anmerkungen: Exfreundin - als eine sehr dicke Frau vorbeiging, meinte jemand, schallendes Gelächter nur schwer unterdrückend, es würde sich doch gewiss um meine Exfreundin handeln; Siam - grässliche Cocktailbar in der Ddorfer Altstadt; das Geld von der Oma - in diesem Siam waren nur Kinder unterwegs, denen man ansah, dass sie nur auf dicke Hose machen und wahrscheinlich das Taschengeld von Oma auf den Kopf hauen

 
        arisia
        (Gast)

RE: Der Reigen (Samstag,nachts,Ddorf)

   02.04.2007, 09:55



hi, Stahlkocher,

im an Fianzen reichen Düsseldorf kann ich mir vorstellen, wie die Kids drauf sind.
Deine 2-Heber beschreiben sehr plastisch das Heer der von Disco zu Disco ziehenden Jugendlichen.
Dennoch, es sind ja nicht die Kids, die diese Zustände zu verantworten haben, sondern die sie umgebende Welt der Erwachsenen, die mit ihrer Verantwortungslosigkeit gegenüber Welt im allgemeinen, erst diese Zustände geschaffen haben.
Bei diesen Zeilen -

“Inne vom Taumel
Hält der johlende Reigen
Benzingeruch
Bringt seliges Schweigen”

ist mir nicht ganz klar, worauf du anspielst, meinst du damit einen Brand in einer Disco?

Diese Strophe -

“Wie damals zu Babel
Nur baute man nun
Bis zum Himmel die Egos
Welch trauriges Tun”

finde ich sehr gelungen. Noch hat die Menschheit die Spitze der Individuation nicht erreicht, und es wird wohl noch eine Weile dauern, und evtl. einiger Katastrophen bedürfen, bis wieder so etwas wie ein Sippengefühl, und damit einhergehend ein Gefühl für Verantwortung für das eigene Tun enststeht, daß sich an den Bedürfnissen auch der anderen orientiert.

liebe Grüße
arisia

P.S.
müßte es in S1, Z4 nicht heißen “ins Siam”?

 

      kirmesbollo



Der Reigen (Samstag,nachts,Ddorf)

   25.09.2008, 17:43 / 1 x geändert



Hallo Stahlkocher,
ich kann Deinen Hals nachempfinden, was das Tingeln durch die D'Dorfer Altstadt Samstag Nachts angeht, ich hab mir das vor ca. 15 Jahren das Erste und Letzte Mal gegeben. Das altbekannte Alleinsein in der Menge kommt in Deinem Gedicht ebenso vor, wie die aufgeblasenen Egos. Ob ich dadurch pyromanische Gefühle bekäme weiß ich nicht, ich war ja wie gesagt lang nicht mehr dort, aber mit der Antipathie gegen diese dichtgedrängte Egoparty stehst Du sicher nicht allein da. Was mir nicht einleuchtet ist das öl, dass sich die Leutchen da „tanken“. Solltest Du die Norwegische Bezeichnung für den Ge(r)stensaft im Auge gehabt haben (øl), ist das schon ein etwas gewagter Fall von reimtechnischer Kreativität, falls nicht-was dann? Jedenfalls würde ich an dem Ding noch mal einzwei kleine Metrik-Tunings vornehmen, denn hier und da verheddert sich die Zunge doch ein wenig. Ich denke, da Du diese Form gewählt hast, sind Dir solche Kniffe geläufig und ich muss da keine Beispiele rauszitieren, wo es hakt. Fazit: Inhaltlich d'accord, nur schade, dass es hin und wieder stockt und an Sound verliert.
Schönen Gruß vom Bollo von der anderen Rheinseite ganz in der Nähe.

PS: Wär nett, wenn Du in nächster Zeit mal hier vorbeischaust, damit ich nicht allzulange als Depp dastehe, der auf einen eineinhalb Jahre alten Text antwortet.




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