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augustine
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31.03.2007, 21:31 / 1 x geändert
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Liebe Schreibtisch-Sabine, ein Gedicht unter 'Religion', ein Gedicht, in dem 6x die Frage "Wo warst du" vorkommt, den längeren ersten Teil auch gliedernd - das stellt wohl diese Frage an ein Wesen, das traditionell in westlichen auch 'Gott' genannt (aber dadurch nicht bekannter) wird.
Ich lese Teil I als die Geschichte eines Menschen mit Gott. Das Kind, die Jugendliche vermag noch "Übermut" (leichten) aufzubringen, wenn es sich mit diesem 'Gott' beschäftigt, den man ihm nahe gebracht hat, es kann noch Wolken an Gottes "Himmel" tanzen lassen und Farben in den malen, bedeutungsvolle Zeichen, Kommenunikationsversuche wohl schon damals. Aber die sind anscheinend nicht beantwortet worden, und das Lachen wurde zum Grollen.
Ganz großartig im Gedanken finde ich die beiden folgenden zweimal vier Zeilen: da 'nährt' ein Blick eines Menschen den eines Gottes und "bis auf den Grund", aber der merkt es nicht. Wie kommst Du darauf? Es ist der Gedanke aus der Kabbala, der jüdischen Mystik, vom werdenden, leidenden, sich sorgenden, gefährdeten, also nicht allmächtigen Gott, der das deshalb nicht ist, weil er die Schöpfung aus sich entlassen und damit sich selbst eingeschränkt hat (zimzum). Ich habe das zuerst gelesen bei Hans Jonas, Der Gottesbegriff nach Auschwitz. Du kennst das offenbar? Kennst Du auch eine entsprechende Stelle bei, nun ja, Hölderlin; in der genauen Mitte der Hymne Der Rhein? - Der Blick ging dem Gott bis auf den Grund; das Schweigen des Menschen erzeugt keine Rede des Gottes, aber der Mensch bleibt auch mit seinem Schweigen und trotzdem bei Gott.- Was heißt "bis zuletzt"? (bis ans Lebensende?) und der Mund ... spricht nicht, der Menschenmund. - Der Gott bleibt unsichtbar, er ist in Nacht verhüllt; auch der Mensch hat kein Licht ("mein Neumond"), aber er bringt dem blicklosen, schweigenden Gott "Tür, Schwelle, Raum" - Lebensraum, lese ich, die Möglichkeit für den Gott zu SEIN.
Dann II, kurz: so ist es heute. Das Ich ist fern von Gott, aber immer noch ihm verbunden ("die Fernste"!), "in Nähe fremd" (ein wunderbares Oxymoron hast Du da gefunden!) oder auch in Ferne nah wie der Neumond, "dunkel" wie er und "unerkannt" von Gott. "so willst du mich." Gott sieht nicht, hört nicht, redet nicht - aber er WILL etwas, und das ist dem schreibenden Ich anscheinend nicht gleichgültig.
Und? würde ich Dich nun gern fragen. Soll es so bleiben? Da "bleibt" eben doch was, die fremde ferne Nähe. Das Ich ist von Gott nicht los. Aber es nährt den Gott doch nicht mehr ("nährtE"). Was wäre, wenn es Gott in seiner Gottesferne bleiben ließe?
Liebe Grüße von augustine

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Schreibtisch²
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Liebe Augustine,
wie wäre es denn, wenn es umgekehrt wäre?
Nicht der Mensch spricht, sondern Gott...
herzlich, Sabinenschreibtisch

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augustine
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O, ja - I Gott, II das schreibende Ich, so? Werde noch nachdenken. LG augustine

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Schreibtisch²
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I+II: Ich= Gott

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Jolante
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Hallo Schreibtisch,
schade, dass du den Text schon aufgeschlüsselt hast. Ich hätte noch gerne weitere Kommentare abgewartet, bevor auch ich etwas dazu sagen wollte. Von selbst wäre ich wahrscheinlich nicht darauf gekommen, dass Ich = Gott, aber da ich es nun weiß, finde ich es absolut schlüssig und hochinteressant. Das "Grollen" hätte mich drauf bringen müssen. Diese etwas andere Perspektive des Göttlichen spricht mich ebenso an wie die Gestaltung des Gedichtes, dessen Intensität mich berührt.
Spätabendgrüße
sendet Jolante

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augustine
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Ich finde das so noch nicht aufgeschlüsselt - lese einen Hinweis auf eine Schreib-Absicht, die ich also nicht erkannt habe. Ich=Gott - das ist doch schwierig, ganz ungeheuer schwierig; damit ist nichts aufgeschlüsselt und noch nichts schlüssig und also noch das Nach-denken nicht beendet,
findet augustine

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arisia (Gast)
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hi, schreibtisch,
als ich den Text heute morgen einige Male las, hatte ich fast schon die Spur einer weiblichen Gottheit vor Augen, der Übermut, das Nähren und der Neumond machten mich nachdenklich. Dann wurde ich aber von hereinströmender, Kuchen essen wollender, Familie unterbrochen.
Beim zweiten Teil war ich mir unsicher, aber die Zeile -
“dunkel, unerkannt,”
macht es klar, das auch in diesem Teil die Gottheit spricht und nicht das LI, denn Mensch ist der Tradition entsprechend ja weder dunkel noch fremd der Gottheit, da selbige allsehend und allwissend ist. So kann es nur die Gottheit selbst sein, die spricht. Eine Muttergottheit, weise und gütig, denn sie lässt den Menschen sie so sehen, wie Mensch das will -
“so willst du mich”
ohne Anspruch, ohne Androhung von Bestrafung für das So-Sein des Menschen.
Lediglich eine gewisse Trauer darüber, daß Mensch ihr so fern sein will, schwingt in dem Text, für mich dargestellt in den 6-maligen Wiederholungen des -
“wo warst du?”
Mit diesen Gedanken habe ich den Text jetzt noch einmal gelesen, und eine leichte Gänsehaut überzieht mich, ein Sehnen, ich könnte mir vorstellen, für eine solche Gottheit evtl. Akzeptanz aufzubringen, den Wunsch sie kennenzulernen.
liebe Grüße
arisia

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augustine
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Liebe Schreibtisch-Sabine,
nun habe ich Dein Gedicht mehrmals 'andersrum' gelesen. Du hast aber nur die Frage gestellt, wie es sei, wenn die Sprecher vertauscht. Wenn Du aber schreibst Ich=Gott: sind dann nicht beide Deutungen erlaubt?
Natürlich gilt die Autor-Intention. - Werd' grad nach draußen gelockt. Zum Garten nachher.
Liebe Grüße aug.

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Schreibtisch²
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ach, ach, ach, am 2. 4. war die Welt doch noch eine andere
und augustine mir eine wohlgesonne...
nie, niemals und nicht
womöglich wird
diese schöne Zeit
zurückkehren zu mir
traurig macht mich das
trotz alledem
grüßt
wohlwollend
das Sabinenschreibtischmädchen
alle, die das hier lesen

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