Flug der Träume · arisia · ·


Surrealismus · Forum für Literatur & Germanistik
 

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        arisia
        (Gast)

Flug der Träume

   29.03.2007, 17:08 / 2 x geändert



Flug der Träume

Und die Träume meiner Seele
Nehmen Platz auf der Sichel des Mondes,
Betrachten lächelnd die Welt,
Der sie doch zugetan sind.

Nur ausruhen, für eine Weile, möchten sie,
An verwunschenen Orten, in Räumen aus Silberlicht,
In denen die Zeit, unstrukturiert,
Von allen Gesetzen befreit, immer ist.

"Bringt mir Kunde vom niemals gewesenen Anfang,
Und vom Ende der zentrifugalen Spirale,
Die überleitet in andere,
Geheimnisvolle Dimensionen.

Laßt mich teilhaben am Wissen
Um alle Rätsel der Welt,
Die niemals von Menschen gelöst,
Euern Flug erst ermöglichen.

Und kehrt zurück auf den Spuren der Silberketten,
Die, aus dem Licht des Mondes gewoben,
Auch eurer Freiheit Grenzen setzen,
Wenn das Erwachen am Morgen beginnt."


Mondlicht

 

      ear



RE: Flug der Träume

   31.03.2007, 08:59 / 1 x geändert



Das Lyrische Ich laesst seine Traeume entweichen und ‘ die Welt vom Mond her laechelnd betrachten.’ Surrelistisch, wie Traeume erscheinen, sind der Stil des Gedichtes und die Aussage der Gedichtzeilen . Filigranartig, wie seine beschworenen’Silberketten’. Nur kurz sollen sie auf der Mondsichel verweilen, in ‘unstrukturierter Zeit’.
Das Lyrische Ich wuenscht sich Kunde ueber geheimnisvolle Fragen, welche ungeloest bleiben muessen. Auch wenn es keine Antworten gibt, ersehnt das Lyrische Ich die Wiederkehr der Traeume zur Erdatmosphaere, da bald der kommende Morgen jedes Traeumen verloeschen wird.
Surrealistisch wie Traeume sind, sie geben Energie und positive Einstellung zur Wirklichkeit.
Das ‘Und’ der ersten Strophe deutet auf laengeres Traeumen, waehrend das ‘Und’ der letzten Strophe die Bitte zu schneller Wiederkehr verstaerkt. Das Traumerlebnis, welches viel Positives enthaelt, soll noch fuer kurze Zeit gebannt bleiben.
Ein surrealistishes Bild, welches ich gern, von Chagall oder Dali gemalt, sehen wuerde. ear

 

      Jolante



RE: Flug der Träume

   06.04.2007, 18:19 / 1 x geändert



Das "Und" der ersten Zeile erinnert an Märchen, und so wirkt auch das ganze Gedicht auf mich märchenhaft. Da träumt sich ein lyrisches Ich auf die Sichel des Mondes, um die Tagwelt "lächelnd" von einer höheren Warte aus zu betrachten. Die Träume wollen an verwunschenen Orten für eine Weile ausruhen, "in Räumen aus Silberlicht": Es sind zartgetönte und zugleich eigenwillige Metaphern, die diesem Gedicht seine unverwechselbare "Arisia-Gestalt" geben. Das lyrische Ich will aus seinen Träumen Erkenntnis gewinnen, über sich selbst hinauswachsen, "geheimnisvolle Dimensionen" erkunden. Aber es weiß natürlich, dass es aus seinen Träumen zurückkehren muss, wenn es im Alltag weiterleben will. Es ist eine sanfte Rückkehr "auf den Spuren der Silberketten", ein Rest des Zaubers wirkt noch in das Erwachen hinein. Dieses Gedicht wirkt auf mich zugleich anregend und besänftigend.

LG Jolante

 
        arisia
        (Gast)

RE: Flug der Träume

   29.04.2007, 12:27



hi, ear, hi Jolante,

ich freue mich sehr, daß euch dieses Gedicht ein bißchen mit hineinziehen konnte in die Dimension des Silberlichts, in der auch das Ungelöste nicht ängstigt, sondern “einfach” ist, und “einfach” akzeptiert wird, als zugehöriges Element.
Das sind so Momente des Sehens, wie ich sie im “Das Weißichnicht” beschrieben habe, und unabhängig von allen Widerständen, die das gelebte Leben hervorruft, doch immer wieder da sein dürfen, auch dankbar gesehen und angenommen werden.
Das sind die Augenblickke in denen ich mich nähre, erhole, Kraft schöpfe, um den ganzen Unsinn zu ertragen, von dem ich mich meisten umgeben fühle.

liebe Grüße
arisia




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