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29.03.2007, 09:34 / 2 x geändert
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Meine Kurz-Reise nach Rom, 23.-25. Maerz 2007 in Berninis Fussstapfen.
Wir waren eine kleine Gruppe aus Ipswich und eine grosse von Colchester, unter der Leitung von Giovanni Gravina.
Wir wohnten sehr angenehm in 'Villa Ferrata', im Bezirk der 'Castelli Romani'. Das Hotel lag in einem grossen Park voll von seltenem , oder sehr altem Baumbestand. Grosszuegig war alles in dem Hotel.
Italiener sind ganz auf Fleisch, Wurst, Kaese, Meerestiere, Suesses und Wein zu jeder Gelegenheit eingestellt, aber als Vegetarier kann man auch ueberleben.
Der erste Ausflug ging per Bus nach Frascati, einer kleineren Stadt, etwa 21 km von Rom entfernt.Es war frueher einbeliebter Ort fuer Dichter, Denker, Maler und Bildhauer. Seine Villen stammen aus dem16./17. Jahrhundert. Frascati wird auch als ‘Tusculum Novum’ bezeichnet.Sehr schoen restauriert ist die Kathdrale 'San Pietro'. 1956 fiel der Putz teilweise ab und zwei Heiligen-Figuren kamen zum Vorschein. Die Bevoelkerung war begeistert, adoptierte diese Heiligen als Schutzpatrone und es scheint, als ob sich diese bereits ‘bewaehrt’ haben.
Johann Wolfgang von Goethe schrieb in Frascati seine ‘Italienische Reise' und die 24' Roemischen Elegien', die erst 1795 wegen Zensurbescheids veroeffentlicht werden durften.
Dan ging es am Sonnabend nach Rom. Da es fast ohne Unterbrechung regnete, musste ich mir als erstes einen Schirm kaufen. Praktischerweise stehen Jungen mit einem Arm voller Schirme bereits an den Haltestellen der Busse. Ich war froh, Handschuhe zu haben, es war bitterkalt! Doch , das waren Kleinigkeiten. Es galt Rom zu erleben , zu Fuss , einen ganzen langen Tag.
Das Colosseum in seiner beeindruckenden Hoehe und Ausmasse wurde in einem Zeitraum von 8 Jahren erbaut.(drei Etagen, 80 Boegen; es fasst 50000 Besucher, ein Oval von 620x55 Fuss). Seit langem fehlen die ‘blocchi di ferro’, welche die Quadern verbanden, sie wurden gestohlen. Deshalb sieht dasColosseum jetzt einem Schweizer Kaese sehr aehnlich mit all seinen Loechern, aber es haelt. So hat es schon immer ’Recycling’ gegeben, man nimmt sich aus den Ruinen, was brauchbar ist!
Frueher gab es 50 Brunnen im Colosseum, damit sich die Besucher waschen konnten. Sitze wurden je nach sozialer Klasse verteilt, man sieht Sitze,bei denen Namen halb verschwanden fuer einen neuen Besitzer. Spiele, Kaempfe auf Leben und Tod fanden statt mit wilden Tieren, mit Gladiatoren, Verbrechern und Gefangenen, aber nur ein Christ musste bei lebendigem Leibe verbrennen. In der Hitze des Sommers schuetzte eine Riesenplane die Besucher.
Unser sehr beschlagener Fuehrer erklaerte die Geschichte Roms, waehrend meine Gedanken ueber die Huegel schweiften, die Erde beruehrten, die so viele Schicksale trug. Jeder Stein dort koennte die Menschheitsgeschichte besser erzaehlen als jedes Buch, wenn es moeglich waere. Auf den unregelmaessigen ‘Stepping Stones’ zu balancieren , koennte gefaehrlich werden. Mich erfreuten die leuchtenden violetten Blueten der Judas-Baeume und der betoerende Duft der bluehenden Lorbeerbaeume.
An der Stelle zu stehen, an welcher Julius Caesar bestattet wurde und Antonius sich an das Volk wandte, die Reste der Tempel von Antonius und Faustina zu sehen, zu erfahren, dass einige Gebaeude fast ganz erhalten blieben, weil um sie herum eine Kirche errichtet wurde, die Reste des Tempels der Vestalinnen, welche das Heilige Feuer hueteten, drei noch stehende Saeulen des Castor und Pollux Tempels, das alte Forum Romanum: das alles ist ueberwaeltigend.
Starken Eindruck hinterlaesst der Pantheon, eine ideale Sphaere , die nur von der 9 Meter grossen Oeffnung erhellt wird. Wenn es regnet, wird das Wasser durch kleine kreisfoermige Loecher abgeleitet.
Kurze Mittagspause an der Piazza Navona, wo Berninis beruehmter Brunnen der vier Fluesse ‘La Fontana dei Quattro Fiumi’ gerade restauriert wird, aber ein paar der Figuren kann man sehen. Der Platz selbst voller Strassenhaendler, auch mit heissen Kastagnien. Der Trevi-Brunnen, in den man eine Muenze wirft , um wieder nach Rom zurueckzukehren, fast verdeckt von all den bunten Regenschirmen. Das Geld wird jede Woche vom Roten Kreuz entnommen und guten Zwecken zugefuehrt.
Dann wanderten wir durch verschwiegene enggewundene Gaesschen mit ein paar Laternen, die jeweils von einem Heiligenbild (gegen Diebstahl) bewacht werden, zur Engelsburg, mit den wunderbar geformten Engelsfiguren von Bernini. Ein bezaubernder Blick ueber den Tiber und weiter ging es zur Basilika San Pietro. Unglaublich, der erste Eindruck. Berninis Werk als Architekt und Kuenstler. Trotz der Menschenmassen kamen wir nach 20 Minuten in die Kathedrale hinein.
Saeulen, Nischen, riesige Ausmasse, der Baldachin, der Thron des Papstes, Michelangelos Pieta’, das 'Confessionale', die Friedenstaube im Zentrum des Glasfensters, Heiligenfiguren, Putten, die Grabmaehler fuer die Paepste Alessandro Chigi und Urbano VIII eine Orgie des Hochbarocks!
Wieder draussen auf der Piazza. Die vielen Saeulenreihen verschmelzen an einem Punkt, sodass man nur noch die erste Saeulenreihe sieht. Darueber all die Heiligenfiguren, ein einmalig schoenes Werk Berninis. Ein unvergessliches erstes Kennenlernen von Rom.
Sonntag besuchten wir den Chigi Palst in Ariccia. Auch er ein Meisterwerk Berninis. Mich wuerde interessieren, in welchem Zusammenhang Liszts Lebensgefaehrtin Sayn-Wittgenstein zur Chigi Familie steht, denn ueberall sind Geschenke der russischen Sayn-Wittgenstein- und Barcatenski- Familien zu sehen. Grosse Saaele mit Billiardtischen, ledergepunzte Tapeten, aber alle Raeume im Verfall.Sehr intim war das kleine signierte Bild Berninis ‘San Giuseppe con il Bambino’(Joseph, der das Jesuskind im Arm schaukelt) und in zarten Fresken eine Vogelterrasse. Fuer die Verfilmung von Lampedusas ‘Der Leopard’ wurde dieser Palast gewaehlt.
Gegenueber liegen zwei weitere Bernini Gebaeude und dazwischen die schlichte Kirche ‘Santa Maria dell’Assunta’. Als wir die lange Bruecke in Richtung Autobus ueberquerten, sahen wir in der Ferne das ‘Mare Tirreno’, das Meer.
Bald erreichten wir die ‘Villa Grazioli’, welche im zweiten Weltkrieg Feldmarschall Kesselring als Hauptqurtier diente und nur durch ein Wunder vor Bombardierung durch amerikanische Kampfflieger verschont blieb. Leider vergassen die Italiener diese wertvolle Villa 40 Jahre lang, sodass Regen, Wind und Sonne an den Fresken grossen Schaden anrichten konnten. Nun allerdings ist man dabei, zu restaurieren.
Das war mein Wochenende in und um Rom herum.
Zwar war es mir nicht vergoennt, in die ‘Galleria Borghese’ zu kommen, aber ich war umgeben von Berninis Kunst als Architekt, Bildhauer und Maler.
28. Maerz 2007

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