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      windflug



Inseln

   25.03.2007, 12:04 / 2 x geändert



Forsythienzweig vor grau verstaubender Gardine,
kaum hör- doch hinter Baulärm und Motoren
unverwechselbar ein Amsellied
"Was darf's denn sein, Frau M.? Die Scholle ist ganz frisch."
Dass er noch meinen Namen weiß bei all den Kunden!
Und das erwartungsvolle Märzlicht
lässt den weißen Giebel in der grauen Straße glänzen:
Der Frühling sucht sich Inseln in der Stadt.

 
        arisia
        (Gast)

RE: Inseln

   28.03.2007, 11:17



h, windflug,

ich finde dein Insel-Gedicht recht interessant gearbeitet,mit seinem Einschub eines
alltäglichen Einkaufs in das lyrische Bild, das ich mir durchaus auch als gemaltes
Bild vorstellen kann.
Die grauen Gardinen und die graue Straße werden kontrapunktisch zum glänzenden
weißen Giebel gesetzt, eine optische Insel, und das Amsellied, das sich dem Baulärm
entgegensetzt schafft dazu die akustische Inselkulisse.
gefällt mir gut dein Gedicht

liebe Grüße
arisia

 

      Jolante



RE: Inseln

   28.03.2007, 12:11



Liebe windflug,

in deinem feinen kleinen Gedicht offenbart sich ein lyrisches Ich, dessen Sinne im Frühling erwacht sind, und das hinter dem Alltäglichen, Lauten, Hässlichen der Stadt die unauflösliche Verbundenheit mit der Natur erkennt. Der Forsythienzweig blüht "vor grau verstaubender Gardine", das Amsellied, das sich (nur für ein dafür empfängliches Gehör) gegen Bau- und Motorenlärm durchsetzt, der freundliche Verkäufer, der die Anonymität durchbricht, und natürlich das "erwartungsvolle Märzlicht", das den weißen Giebel in der grauen Straße glänzen lässt ! - Ja, es ist der Ruf des Frühlings, den das lyrische Ich vernommen hat, und es hat eine seiner Inseln gefunden. Unaufdringlich und doch eindringlich lässt es mich an seiner Frühlingsstimmung teilnehmen.

Gruß Jolante

 

      Schreibtisch



RE: Inseln

   28.03.2007, 16:26



Lieber Windpflug...darf ich? Mach es später auch wieder richtig fliegend...
das ist mein erster Kommentar zu etwas hier Geschriebenen und vermutlich mach ichs ganzundgar nicht rundumrichtig, will nämlich nur sagen, was mich wirklich anrührte...
dass es wie eine Rettungsinsel sein kann, wenn jemand unverhofft mich mit meinem Namen anspricht...raus aus dem Meer der Namenlosigkeit, hinein in ein bischen Nähe und Vertrautheit...und sei es nur an der Verkaufstheke, immerhin etwas...
rührt an die Sehnsucht nach "gemeint- sein" -
findet das Schreibtischmädchen und grüßt und dankt.

 

      Elise



RE: Inseln

   29.03.2007, 23:33



Guten Abend windflug und ihr anderen!
Welche Empfindungen der Text hervorruft, wurde ja bereits ausgeführt - so kann ich mich kurz fassen.

Zum Aufbau noch:
Es gibt eine Aussage, "Der Frühling sucht sich Inseln in der Stadt".
Das ist der komplette Inhalt, die Achse des Textes. Davor gestellt vier Beispiele, was solche "Inseln" sein können. Jedes dieser Beispiele ist als Polarität (Jolante) gezeigt:
- gelber Forsythienzweig / graue verstaubte Gardine
- Amsellied / Stadtlärm
- mit Namen angesprochen werden / Anonymität der Stadt
- erwartungsvolles Märzlicht / graue Straße

Das 'grau' des ersten Beispiels und das 'grau' des letzten runden den Text, gut (führte arisia auch aus).
Das lyr. Ich ist präsent, aber angenehm unaufdringlich: man kann es sich auf einem Gang durch die Stadt vorstellen, aus der Wohnung heraus zum Einkauf, dann zurück Richtung Haus (Giebel). Es ist weiblich, Frau M. - alles weitere bleibt offen und der Phanthasie des Lesenden überlassen.

Sprachlich nicht gelungen finde ich das zweite Beispiel (Amsellied - Lärm). Dies "kaum hör- ... doch unverwechselbar" wirkt auf mich sehr umständlich, unelegant. Evt. einfacher:
- hinter dem (gegen den?) Baulärm, dem (den?) Motorenlärm
tönt unverwechselbar ein Amsellied -
Das ist auch nicht richtig gut, aber so spontan fällt mir kein besserer Vorschlag ein.

Das wars schon.
Viele Grüße, Elis.




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