| |
|
rollerball
|
Wir könnten, wenn wir wollten, es schon lange wissen:
Die Warnung steht wie Feuerzungen an der Wand.
Doch wir betäuben trotzdem feige das Gewissen
und folgen uns´ren Trieben nur statt dem Verstand.
Wir haben nichts gelernt aus all den Kriegen
und haben all das Elend, all die Qual vergessen.
Wir glauben immer noch, wir könnten siegen.
So große Dummheit ist doch kaum noch zu bemessen!
Was machbar ist, wird skrupellos vollzogen.
Die Langzeitfolgen sind uns meistens scheißegal.
Das Volk wird mit Versprechungen betrogen.
Das Resultat ist fast in jedem Fall fatal.
Wir töten schamlos alle Wesen die uns nützen
und opfern sie dem Kapital und uns´rer Macht.
Doch wenn wir schließlich auch die ganze Welt besitzen
hat uns das ganze Morden letztlich nichts gebracht.
Die Luft, das Wasser, auch die Tiere und die Pflanzen,
sie wurden uns ja nicht geschenkt - nein, nur geliehen!
Wir seh´n die Teile nur und nicht die Welt im Ganzen.
Was wir der Erde antun, wird uns nicht verziehen!
Der Schöpfer hat wohl bald genug von uns´rem Treiben.
Ein kleiner Wink von ihm genügt, das Blatt zu wenden,
das Schlusskapitel der Tragödie zu schreiben
und unser Dasein auf der Erde zu beenden.

|  |
augustine
|
24.03.2007, 19:17 / 1 x geändert
|
|
Hallo, Neuer, mal sehen, wohin denn Dein Ball noch so rollt...
Du führst Dich mit ziemlich entschiedenen Urteilen ein; so wundere Dich nicht, bitte, dass Du ein solches zurückkriegst: Dies hier ist gereimt, ja, die Metren habe ich nicht ab- und nachgeklopft, inhaltlich aber ist es keine neue Aussage.
Würdest Du mal definieren, was Lyrik ist? Denn der Reim, der macht's ja nicht allein.
augustine, in der Hoffnung auf weiteren Austausch.

|  |
Jolante
|
Hallo, rollerball,
ich heiße dich herzlich im Forum willkommen. Im Gegensatz zu augustine finde ich nicht, dass dein Gedicht inhaltlich ohne eigene Aussage ist. Du bringst in wenigen Versen auf den Punkt, wie verantwortungslos wir Menschen mit unserer Erde umgehen und was das für Folgen für die Menschheit haben wird. Dies ist dir gut gelungen. Ich bin gespannt auf weitere Beiträge und Kommentare.
Es grüßt dich
Jolante

|  |
augustine
|
25.03.2007, 20:52 / 1 x geändert
|
|
Meine Antwort auf das Gedicht, Jolante und rollerball, steht hier, sollte aber die Kommentare mit umfassen. Es ist gekonnt gemacht und, ja, muss sich vor einem wie Erich Kästner nicht verstecken. Damit nun alle Klarheiten beseitigt sind ... augustine

|  |
zuppanova
|
"Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen, werden die Menschen feststellen, dass man Geld nicht essen kann."
... sagte angeblich Chief Seattle 1895.

|  |
ear
|
Lieber rollerball,
Dein Gedicht sehe ich als Nachdenken ueber dein bisheriges Leben, es beschreibt und haelt uns vor, was bisher versaeumt wurde.
Gehe ich recht in der Annahme, dass du ein reifer Mensch bist? Warnungen und Ratschlaege kommen von Menchen,denen das Leben mitgespielt hat. Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen,ein wenig Hoffnung bleibt, doch beduerfte es derTaten.ear

|  |
arisia (Gast)
|
29.03.2007, 11:28 / 6 x geändert
|
|
hi, rollerball,
ein gut durchkonstruiertes Gedicht, durchgehend 6-hebige Jamben, in 6 Strophen, das in klarer Sprache den derzeitigen Weltzustand beschreibt.
Wir gehen mit der Erde, letztendlich mit uns selbst so um, als gehörte auch sie zur Wegwerfware, lieber neu kaufen als flicken, die Crux ist nur, die Erde können wir nicht neu kaufen. Nicht daß die Erde selbst nachhaltigen Schaden nehmen würde, aber wir machen sie für uns unlebbar. Wenn wir dann verschwunden sind, wird sie sich wieder erholen.
Die Zeile -
“sie wurden uns ja nicht geschenkt - nein, nur geliehen! ”
erinnert mich an ein Gedicht des persischen Dichters Khalil Gibran -
“Eure Kinder sind nicht eure Kinder”
in dem er nachdrücklich zu bedenken gibt, daß sie uns nur für eine Weile anvertraut sind, kein Besitz sind, keine nach unserem Gutdünken formbare Ware.
Die Überschrift - “Menetekel” weißt auf einen biblischen Bezug hin, ein Mahnruf, der auf drohendes Unheil hinweißt [Buch des Daniel 5], dieser Bezug zur jüdischen und christlichen Mythologie taucht dann wieder in der letzten Strophe auf, rundet das Gedicht ab.
Meiner persönlichen Meinung nach brauchten wir aber keinen Schöpfer zu bemühen, um unserem Treiben ein Ende zu setzten, das schaffen wir auch ganz alleine, aber hier in diesem Gedicht, vor allem auch in Hinblick auf die gewählte Uberschrift, paßt die letzte Strophe sich gut in den Kontext ein.
Insgesamt ein gelungener Beitrag zur momentanen Weltsituation.
liebe Grüße
arisia
P.S.
noch eine Bemerkung am Rande - @ augustine
klar, die Aussage ist nicht neu, ich gebe aber zu bedenken -
gibt irgendetwas “NEUES UNTER DER SONNE ?
sind es nicht immer nur “neue” oder “andere” Worte, die das immer schon Dagewesene neu oder anders beschreiben?
so steht es auch schon bei den “Predigern“
Der Prediger Salomo, KAP. I, Vers 9-14 geschrieben

|  |
rollerball²
|
Liebe Leser meines Textes,
nach einer kleinen Atempause komme ich endlich wieder dazu, auf eure Kommentare zu antworten: Vielen Dank an arisia, die mit ihren erhellenden Hinweisen auf die Bibel Wesentliches gesagt hat, auch mit dem Gibran-Zitat.
Beide Bücher sind auch nicht gerade neu, aber dafür zeitlos gültig; ich wollte auch nichts besonders Neues und Originelles schreiben, sondern nur etwas Dampf ablassen und aufrütteln. Erich Kästner hat mir dabei tatsächlich über die Schulter geschaut, hoffentlich mit Wohlwollen für seinen Epigonen ...
Mittlerweile neige ich aber sogar dazu, nach einer kritischen Bemerkung aus einem anderen Forum, die Welt nicht einmal als uns geliehen zu betrachten, weil auch dies schon eine zu antropozentristische Perspektive wäre - sind wir wirklich die Krone der Schöpfung, die sich die Erde untertan machen darf, oder eine gefährliche Sackgasse der Evolution?
Treffen sich zwei Planeten. "Du siehst aber schlecht aus, was hast du denn?"
"Homo sapiens", sagt der andere. "Mach dir keine Sorgen, das geht vorüber!"
Naturgemäß kenne und liebe ich auch das Zitat von Chief Seattle, habe sogar die ganze Rede als Buch zu Hause, es gibt auch eine Schallplatte mit Musik von Vollenweider, Bardet & Valentini unter dem Titel "Poesie und Musik" - wunderschön!
Mit gerade 52 Jahren (hatte vorgestern Geburtstag) gehöre ich tatsächlich schon zu den "reiferen Semestern", bin auch vielleicht durch meine Behinderung nachdenklicher und verantwortungsbewusster geworden als ich es sonst wäre.
Ich gebe ear auch Recht, dass noch nicht alles verloren ist, es gibt doch viele gute Ideen z.B für Alternativenergien, nur leider nach wie vor zu viele Beschwichtiger und Verharmloser, die konsequentes Handeln blockieren und nur faule Kompromisse zulassen ...

|  |
|
|