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windflug
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12.03.2007, 00:23 / 3 x geändert
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Warst ein Rabenkind, verwaistes
Schwarze Flügel früh gestutzt
Mutter starb, der Vater reiste
Ohne dich in fernes Land.
Klautest später wie ein Rabe
Für die Kinder Korn und Mais
Unter weiten schwarzen Röcken
Trugst du was du konntest heim.
Fühltest du dich Rabenmutter
Als der Sohn dir trotzdem starb?
Schwarzer Hunger, schwarze Leere
Doch für Trauer war kein Raum.
Schwarzer Treck gerupfter Vögel
Immer vor den Truppen her
Mit gestutzten Flügeln warst du
Langsam auf dem langen Weg.
Heute sah ich alte Bilder
Wie ein schwarzer Vogel du
Furchtlos schauen deine Augen
Eine Rabenfeder leg ich, alte Räbin,
Auf dein Grab.

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augustine
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Weißt du, was mir am besten gefällt, windflug? Das für die Überschrift neu gefundene Wort und dann die Geste in der letzten Zeile. Dazwischen ein ganzes fast 100-jähriges Leben: das verwaiste, schwache oder schwach erscheinende oder vorgeblich schwache Kind mit den früh gestutzten Flügeln muss dennoch eine große Kraft in sich gehabt haben und ist in einem langen Leben mit vielen Schicksalsschlägen furchtlos geworden, unverzagt, wohl auch klug wie Odins Raben. In jeder Strophe das Schwarz der "Räbin".
Den Schicksalsmittelpunkt bildet die Flucht, auf der ihr als Mutter der Sohn stirbt. Davor: macht sich iihr Vater lieber allein auf nach Amerika? Das ist mir nicht klar geworden.
Liebe Grüße augustine
Ach ja, noch das: Ich habe hier Nachbarn, die 9 Enkelkinder haben, und auch die Kleinsten sagen: 'Großmutter' und 'Großvater'. Ich finde diese Anreden schön, gerade auch, weil sie so ein bisschen altertümlich sind. Aber sie geben so etwas wie Würde. 'Oma' und 'Opa': die Anreden empfinde ich als alt machend und auch nicht als liebevoll; zugegeben: jetzt. (Ich habe als Kind auch 'Oma' gesagt.)

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Jolante
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Liebe windflug,
endlich wieder ein Gedicht von dir: ein ernstes, tief empfundenes, voller Respekt vor der Lebensleistung deiner Großmutter, der schwarzen "Räbin". Die Metapher ist gut gewählt und konsequent in allen Strophen durchgeführt. Es entstehen eindringliche Bilder von schwerer Kindheit, Not, Krieg und Flucht, für uns verweichlichte Wohlstandsbürger heute fast unvorstellbar. Du hast eine "Hommage" an deine "furchtlose" Oma geschrieben mit einem ausdrucksstarken Schluss: "Eine Rabenfeder auf dein Grab". Ein "schwarzes" Gedicht, aber schön !
Jolante

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windflug²
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Hallo augustine und Jolante,
ich freue mich sehr über eure Worte und darüber, dass offenbar in den wenigen Strophen doch etwas spürbar wird von der Kraft, die meine Oma (Großmutter war für mich die andere, weniger innig geliebte) hatte und von ihrer Furchtlosigkeit.
Ich selbst hadere noch mit der Form des Gedichts, nicht mit der Rabenmetapher, aber mit dem Metrikkorsett, das ich mir hier verpasst habe und das mich selbst nicht befriedigt. Ich weiß, es sollten keine Gedichte eingestellt werden, die noch unfertig sind, aber ich hattte das Gefühl, ich müsste endlich einmal wieder etwas schreiben und zur Diskussion stellen.
windflug
P.S. Mein Onkel David (komisch, einen Onkel zu haben, der immer drei Jahre alt bleibt) starb nicht auf der Flucht, sondern verhungerte wie viele, vor allem Kinder und alte Leute, weil Stalin in den dreißiger Jahren die Ukraine durch eine künstlich herbeigeführte Hungersnot (Holodomor) daran hindern wollte, sich gegen die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft zu wehren.

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Elise
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Hallo windflug,
darf ich noch etwas anmerken?
Begriff der Räbin, Metaphorik, Biografie deiner geliebten Oma:
schließe ich mich gerne dem an, was augustine und Jolante
dazu bereits ausführten.
Mir fiel auf, dass du eine strenge Form gewählt hast, auch das Metrum über
fünf Strophen durchgehalten, bis es in der letzten Zeile - bricht.
Bei diesem Gedicht finde ich das aber schade, es ist tatsächlich (für mich)
ein Ab-bruch, Ab-flauen zum Schluss, den Bogen nicht zu Ende führen.
Da in der letzten Strophe ja die Sprecherin sich zeigt ("Heute sah ich alte Bilder")
und offenbar wird, dass sie eine (wie auch immer geartete) Nähe zu der Räbin
hat, würde ich die letzte Strophe vielleicht so gestalten:
Heute sah ich alte Bilder
Wie ein schwarzer Vogel du
Furchtlos schauen deine Augen -
Eine Rabenfeder leg ich, alte Räbin,
auf dein Grab.
Die Geste der Ehre wäre noch deutlicher, das Metrum bis zum Ende
durchgehalten, die besondere Beziehung zwischen Räbin (= lyr. Du) und lyr. Ich
allerdings doch pointiert durch Erweiterung der letzten Strophe auf fünf statt vier Zeilen.
Hmmhmm - hoffe, das klingt nun nicht besserwisserisch.
Ganz sicher bin ich mir sowieso nie bei meinen Vorschlägen.
Aber diese letzte Zeile ... das fühlt sich für mich einfach unrund an.
Liebe Grüße von einer arbeitsmatten
Elise.

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windflug²
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Hallo Elise,
vielen Dank für deinen Vorschlag, den ich gleich übernommen habe. Ich fand deinen Kommentar überhaupt nicht besserwisserisch, sondern einfach nur hilfreich.
Einen entspannten Abend nach der ermattenden Arbeit wünscht dir
windflug

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zuppanova
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servus windflug und alle!
bin wieder hinten nach mit meiner anmerkung.
wollte doch aber gern schreiben. also:
hörte einmal im radio auszüge gelesen aus dem buch:
Angela's Ashes / Die Asche meiner Mutter.
die wenigen stellen, die gelesen wurden, waren mir sehr eindrücklich
und riefen die empfindung einer ganz bestimmten atmosphäre hervor.
als ich dies gedicht las, war sofort jenes atmosphärische da als assoziation.
das andere, was mir gleich auffiel: dein erstes gedicht, das du hier
eingestellt hast, windflug, das von der bettlerin: auch da die vogel-
metaphorik. mein gedanke war, dass diese vogelfrau-bilder wohl stark
und ausgeprägt seien in deiner innenwelt - könnte denn die enkelin der ahnin
eine rabenfeder bringen, wenn sie nicht selbst auch etwas von der räbin-
kraft hätte? ja, und auch dein name hier: windflug ... nicht unbedingt, aber
vielleicht doch ein vogelwesen, etwas "luftiges" allemal.
nur kleine gedanken, von zuppa hergetragen im flug wie zweiglein.
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PS: hab noch einige schreibschulden - privaterdings.
bitte nicht böse sein.
sie arbeitet dran, die zuppa!
und ear: i already got it!!!

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