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Jolante
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24.02.2007, 22:20 / 3 x geändert
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Lena hastet in ihrer Mittgspause nach Hause. Sie hat ein Date. Mit ihrem neuen Putzmann. Ja, richtig gelesen, Putzmann, nicht Schutzmann. Ihre beste Freundin Gisela hat ihn ihr empfohlen, einen Rumänen, der illegal in Frankfurt lebt und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält. Sie weiß, dass es verboten ist, Illegale illegal zu beschäftigen, aber das ist ihr egal. Hauptsache, es gelingt ihm, ihren chaotischen Haushalt einigermaßen auf Trab zu bringen. Lena kramt ihren Wohnungsschlüssel aus der Handtasche, schließt auf und schafft es gerade noch, einen Kaffe zu machen, bevor sie ihrem Besucher die Tür öffnet. "Hallo, ich bin Amos", stellt der sich vor und grinst sie an. Blutjung ist er, dunkelhaarig und schmalhüftig. Sie bittet ihn herein und bietet ihm einen Kaffee an. Er lehnt dankend ab und mustert sie unverhohlen. Unter seinem Blick wird ihr heiß, sie stellt schnell ihre Tasse zurück und zeigt ihm die Zimmer. "Hmmm", nuschelt er und sieht sie prüfend an. "Was erwarten Sie von mir ?" - "Ich erwarte, dass Sie jede Woche einmal in drei Stunden alle Räume gründlich putzen, auch den Abwasch machen und hin und wieder bügeln." Er sieht sich mit deutlichem Unmut um, nickt dann aber ergeben. "Zehn Euro die Stunde, wenn Ihnen das recht ist, wann kann ich anfangen ? "Sofort, wenn Sie möchten", sagt Lena. "Sie finden alles, was Sie brauchen, in der Waschküche. Ich bin, bevor Sie hier fertig sind, wieder zurück und dann werde ich entscheiden, ob wir ins Geschäft kommen." - Sie fährt zum Büro und bittet ihren Chef, heute ausnahmsweise früher Schluss machen zu dürfen. Als sie ihre Wohnung betritt, schwenkt Amos gerade den Putzeimer aus. Er ist verschwitzt und zeigt ihr mit verächtlicher Handbewegung, was er alles geleistet hat. In der Tat, es blitzt und blinkt verdächtig, an Putzmitteln hat er nicht gespart. "Das ist sehr schön geworden, Amos", lobt sie ihn. "Sie sind engagiert." Lena nimmt ihren Geldbeutel unmd händigt ihm dreißig Euro aus. Er steckt sie schnell ein, strahlt sie an und versetzt ihr einen kräftigen Klaps auf den Po. "Bis nächste Woche Donnerstag", ruft er fröhlich, schon auf der Treppe. "Ich mache,was Sie wollen." - Lena lächelt.

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ear
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25.02.2007, 08:03 / 1 x geändert
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Deine Geschichte habe ich mit grossem Schmunzeln gelesen, denn unwillkuerlich kam mir Zuckmayers ‘Hauptmann von Koepenick’ in den Sinn, der nach mehrfacher Bestrafung und durch militaerische Schulung in Gefaengnissen genug Kenntnisse hatte, um seine’ Koepenickiade’ erfolgreich durchzufuehren.
Ob es um den Erhalt eines Passes ging oder um Geld, wird wohl nicht geklaert werden koennen, aber das Fehlen eines Passes, oder das Fehlen eines festen Wohnsitzes sind heute noch ebenso aktuell. Villeicht sogar verstaerkter, wegen der offenen Grenzen und der Moeglichkeit eines vereinten Europas.
In England fuehrt es zu Versuchen, durch Heirat ans Ziel zu gelangen. Da die jungen Maenner ausgesprochen gutaussehend, sprachbegabt und arbeitswillig sind, ist den Einheimischen eine wirkliche Konkurrenz erwachsen und junge Maedchen haben die Chance groesserer Wahl.
Der letzte Satz deiner Geschichte klingt vielversprechend. Ob es eine Fortsetzung gibt? ear

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augustine
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Kess, Jolante - "why not?" In diesem Sinn - hätte auch ich gern eine Fortsetzung.
Mit Putzmännern habe ich keine Erfahrung, viel aber mit Putzfrauen. Deshalb - verzeih die Nörgelei - : war es nicht eigentlich allzu leichtsinnig, den fremden jungen Mann allein in der Wohnung zu lassen? Also soll heißen: die Geschichte so zu stricken?
Ein bisschen irritierte Grüße von augustine

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lost
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dies, Jolante, ist eine kleine Geschichte, die unauffällig,
aber ganz geschickt mit dem Leser Katz und Maus spielt.
das funktioniert, indem Erwartungen geweckt, aber nicht
bestätigt werden. Lena hastet nach Hause, sie hat ein Date:
“aaahhh“, seufzt genüßlich der erwartungsvolle Leser -
und „ätsch“ sagt die Geschichte, „nicht was du denkst!“
also, Leser wird gelenkt, tappt mehrfach folgsam mit und läuft auf
seine eigenen Klischees auf. so funktioniert das, ein wenig
tückisch, tricky, das ist doch ganz gut. nach und nach wird
klar, dass nichts (mehr) so richtig stimmt (die männlich/weibliche
Rollenverteilung z.B.) - ein Illegaler ist der junge Putzmann, mehr
wird zu dem Thema nicht gesagt, aber es steht im Raum (ohne
Belehrung, auch ohne Lösungsangebot): die arme und die reiche Welt
sind konfrontiert. wie leben, ohne die Selbstachtung zu verlieren?
(das gilt für beide Seiten.) - die Individuen müssen sich irgendwie arrangieren,
früher einmal passende Verhaltensmuster funktionieren nicht mehr.
insofern ist es auch ganz unschädlich, den Putzmann allein in der
Wohnung zu lassen. das passt doch ins Strickmuster.
go on, Jolante.
best wishes, lost.

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Klaus
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Hallo Jolante,
Weiße Golfbälle
fliegen hoch in den Himmel
und landen sehr hart...
Wieder da, habe ich bei deiner Geschichte geschmunzelt
und mir gedacht: wie würde sie sich lesen, wenn die
Geschlechter getauscht würden? Interessant...
LG Klaus

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zuppanova
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servus und guten abend an alle -
Klaus (und lost auch) haben bereits angesprochen, was auch mir, Jolante, ein zentrales thema deiner kurzen erzählung zu sein scheint:
die (geschlechter)rollenkonfusion.
wie begegnen sich mann und frau (erotisch und überhaupt), wenn die sozialisierten muster einfach nicht mehr zu den lebensumständen passen? diese frage und die daraus entstehenden unsicherheiten, entblössungen, selbstwertkrisen (auch beim leser!) umspielt der text, und ich denke, das ist es, warum einem beim schmunzelnden lesen auf einmal ganz eigenartig unbehaglich wird. du sagst bestimmt später noch etwas zu deiner absicht beim schreiben des textes ... würde mich interessieren -
lg an alle, zuppa.
(hast du gegolfurlaubt, Klaus? denn schneebälle warens wohl kaum, die da hoch in den himmel ... ?)

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Gretchen
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Hei, Jolante,
diesen Text von dir habbich aufmerksam gelesen, gefiel mir. Zu dem, was die anderen bereits gesagt haben, füg ich noch hinzu: die Machart ist "jolantisch", damit meine ich, dass du so ähnlich in anderen Texten auch geschrieben hast, so unterschwellig ironisch und "trocken".
Bei mir hat die Lena-Putzmann-Rumänien-Geschichte den Wunsch ausgelöst, selbst auch wieder was mit Mann und Frau zu machen und "Rumänien" sollte dann auch dabei sein, dacht ich mir so --- abba, wie es so iss, geht das gezz inne ganz andere Richtung. Hab den Begriff Fake for Real aufgegriffen, und es wird wohl mehr so eine Art Persiflage oder auch nur Nachbildung des O-Ton werden, wie er in bestimmten Internetforen eben zu lesen ist.
Naja, Experiment halt, inspiriert von "Why not?", zu lesen hier: Der rumänische Freund!
Wochenendisch karierte Grüße rundum, Gretchen.

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Jolante²
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Ich grüße euch,
ear, augustine, lost, Klaus, Zuppa und Gretchen,
und bedanke mich sehr für Interesse und Kommentare. Ihr habt das Wesentliche aus dem Text herausgelesen. So ist gerade in lost`s Beitrag alles enthalten, was Motiv und Motor für mich war, diese kleine Geschichte so zu schreiben, wie ich sie geschrieben habe. Den rumänischen Putzmann gibts ja wirklich. Ich habe ihn durch die Erzählungen meiner Freundin kennen- und schätzengelernt.
Jolante

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