Das bucklicht Männlein · Jolante · ·


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      Jolante



Das bucklicht Männlein

   15.02.2007, 12:30



Ich finde zwar, dass die Fixierung auf "Das bucklicht Männlein" augustines Kurzgeschichte nicht gerecht wird, weil es als "Titel" lediglich Bezug nimmt auf die Verkrüppelung des Protagonisten, da es aber gerade dieser Titel ist, der zu Assoziationen einlädt, möchte ich einen Auszug aus Hermann Kurzkes Thomas Mann-Biografie zitieren. Er steht in Zusammenhang mit dem kleinen Hanno aus den Buddenbrooks.

"....Auch der kleine Hanno betet, aber bezeichnenderweise nicht aus dem Gebetbuch, sondern aus Des Knaben Wunderhorn, rezitiert nicht das kirchlich-bürgerlich Vorgeschriebene, sondern das "bucklicht Männlein". Das Motiv seines Betens ist das Grauen über die Wirklichkeit, so wie sie ist, über die "mystische, traurige und interessante Niederträchtigkeit des Siebentagewerks". Hannos "pavor nocturnus" geht auf dieses Grauen zurück. Er spricht im Traum mit schwerer Zunge (......."Will ich in mein Gärtlein gehen..........Liebes Kindlein, ach ich bitt, Bet fürs bucklicht Männlein mit!)
Erst macht es alles kaputt, und dann will es auch noch ins Gebet eingeschlossen werden! Hanno sagt zum Kinderfräulein: "Nicht wahr, Ida, es tut es nicht aus Schlechtigkeit, nicht aus Schlechtigkeit!...Es tut es aus Traurigkeit und ist dann noch trauriger darüber....Wenn man betet, so braucht es das alles nicht mehr zu tun."
Wenn Hanno fürs bucklicht Männlein betet, dann, weil er sich identifiziert mit dessen bürgerlich betrachtet schädlichem, aber in einem höheren Sinne verzweifelt wahrhaftigem Treiben. Töpfe, Zwiebeln, Spinnrad, Mus und Wein; der geordnete Haushalt ist letztlich Philistersache und kann die tiefsten, auf irgendeine Erlösung gerichteten Sehnsüchte nicht befriedigen. Es gibt eine nihilistische Religiosität beim frühen Thomas Mann, eine Religiosität aus Verzweiflung. Sie hat mit der vor der Gesellschaft katzbuckelnden Amtskirchlichkeit nichts zu schaffen. "Ich denke mir", schreibt Walter Benjamin, "dass jenes ganze Leben, von dem man sich erzählt, dass es vorm Blick der Sterbenden vorbeizieht, aus solchen Bildern sich zusammenzieht, wie sie das Männlein von uns allen hat." Das Männlein urteilt nicht vom Standpunkt der bürgerlichen Gesellschaft, sondern von dem des Todes aus. Wenn sich bei Thomas Mann Passagen finden, die religiöse Betroffenheit verraten, dann geht es immer um den Tod.........."

Hermann Kurzke "Thomas Mann"
Das Leben als Kunstwerk - Eine Biographie
C.H.Beck




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