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Jolante
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06.02.2007, 20:00 / 9 x geändert
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Ins Zentrum seiner Macht
hat er mich einst bestellt.
Dort hab ich ihn bewacht
und ihm gedient für Geld.
Die Arroganz der Satten
und viel zu viele Schranzen
Sie ließen mich ermatten,
es fehlten die Emanzen.
Ich wollte nicht mehr täglich
nach seiner Pfeife tanzen.
Ich quälte mich unsäglich
und pflegte meine Pflanzen.
Ich schrieb ihm einen Brief
und bat mich zu versetzen,
zur Not auch ins Archiv,
da tät mich keiner hetzen.
Schon bald versank ich tief
im Grab der Zeitgeschichte.
Doch zwischen Staub und Mief,
da fand ich auch Gedichte.
Ich las sie laut und leise
und hörte wie von weit
auf meiner Lyrikreise
Schalmeien: Heiterkeit.
Erfrischten meinen Geist
wie eine flotte Welle.
Die spülte mich ganz dreist
auf eine höhere Stelle.

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ear
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Der gewaehlte Rhythmus deines Gedichtes , rueckblickend, in geschichtlicher Pespektiv, voller Komik ueber einen damals nicht gerade erheiternden Zustand, ist sehr bildhaft getroffen. (Machtzentrum, Dienen fuer Geld,Arroganz der Satten) dargestellt in Vierzeilern, schlicht, eingehend.Dies wird durchgezogen bis zur Bitte um Versetzung ins Archiv, wovon bessere Bedingungen erhofft werden.
Kuerzere Zeilen machen den Wechsel eindringlich. Im Archiv, bei laengst abgelegten Akten, Berichten und Korrespondenzen , wo eigentlich “der Geschichte Mantel” wehen sollte, geht es um eine sehr viel prosaischere Luft. Koestlich getroffen, gut dass du es aus der Erinnerung so sehen kannst, ear.

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augustine
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Liebe Jolante - das Erlebte war nur zu überstehen mit einer guten Portion von dem kräftigen und auch bissigen Humor, der Dir zu Verfügung steht (aber wohl erst hinterher).
Die Doppelzeile "Ich quälte mich unsäglich/Und pflegte meine Pflanzen." ist großartig, weil sie auf knappstem Raum in aller ihrer gewollten Bizarrerie die Summe der Leiden zieht.
Im Archiv war's anders (das Metrum wechselt), aber auch nicht gut. Es gefällt mir nicht recht, wie's da steht. Im Berufsleben war das so. Wenn Du im Gedicht mit einem ähnlichen Satz wie dem zitierten enden könntest - es behielt vielleicht seinen Pep.
Liebe Grüße von augustine
(Persönliche Bemerkung: Ich kenne Archive nur als Benutzerin, aber ich bin eine begeisterte Benutzerin. Ich hab' mal einen Abend lang Gastgeber mit Archiv-Anekdoten unterhalten. Und wenn dann die Büschel da vor einem liegen: jedes neue Blatt könnte die Antwort auf eine Frage enthalten ...)

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Jolante²
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Hallo ear und augustine,
lieben Dank für eure Kommentare zu meiner "Geschichte". Du hast, augustine,völlig recht mit deinem Hinweis auf die sprachliche Gestaltung der erlebten Zeit im Archiv. Ich habe bewusst das Metrum gewechselt, um einen starken Kontrast herzustellen zwischen den Polen Machtzentrum und, ich nenne es einmal despektierlich, "Abstellgleis", was es letztlich aber gar nicht war, weil dort die Weichen neu gestellt wurden. Dein Einwand war gut, ich habe jetzt einen anderen Schluss gewählt und würde mich freuen, wenn er nicht nur mir, sondern auch dir und vielleicht noch weiteren LeserInnen besser gefiele.
Liebe Grüße
Jolante

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augustine
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08.02.2007, 15:34 / 1 x geändert
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Liebe Jolante, das ist ja erstmal witzig: ein paar Minuten nach Deiner Änderung lese ich sie schon.
Ja, der Schluss ist jetzt klasse!
Zwei Metrik-Nörgeleien noch:
Das Gedicht lebt ja von der kessen Sprache und den kessen Reimen. Darum empfinde ich die vier Verse, die nicht im Metrum sind, ändern, z.B.:
..."auf meiner Lyrikreise
Schalmeien: Heiterkeit.
Erfrischten meinen Geist
Wie eine flotte Welle" //
Bin gespannt, was Du dazu sagst! Liebe Grüße von augustine

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lost
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kurz angemerkt:
es scheint mir, Jolante,
in Zusammenhang zu stehen mit
deiner Geschichte
'Wem die Stunde schlägt' -
lost (bit of shortcut today).

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Jolante²
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Guter Tipp, augustine, DANKE ! So ganz will mir die "höhere" Stelle noch nicht in den Rhythmus passen, aber da es vorher tief war, musste es jetzt aufwärts gehen. Ich denke, ich lasse es erstmal so.
Fällt jemand etwas Besseres ein,
so fänd` ich das besonders fein.
Gruß Jolante

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rollerball
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Liebe Jolante,
hab mich wirklich köstlich amüsiert bei deinem feinsinnigen Humor, verpackt in wohlgereimte Verse, ein rundum gelungenes Gedicht! Nur zwei kleine Verbesserungsvorschläge hätte ich anzubringen, damit der Rhythmus noch etwas flüssiger wird:
... sie ließen mich ermatten (unbetont/betont ...)
... doch zwischen Staub und Mief (unbetont/betont ...)
Liebe Grüße, rollerball

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Jolante²
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Dir, Rollerball,
lieben Dank für Kommentar und Verbesserungsvorschläge. Ich habe sie gerne übernommen.
Gruß Jolante

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