Liebesleiden aller Art · Gretchen · ·


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      Gretchen



Liebesleiden aller Art

   23.01.2007, 16:34 / 10 x geändert



Vorgeschichte

Die Beziehung der Eheleute Rosa und Paul gerät in eine schwere Krise, nachdem Rosa ihren Mann im gemeinsamen Schlafzimmer bei einem Schnellfick mit einer schönen Scharfen ertappt hat. Paul, ein eher prosaischer, stets zielorientierter Typ, muss wegen des stetig eskalierenden Eheverlaufes schließlich aus dem gemeinsamen Haus aus- und in ein ungemütliches Hotelzimmer ein-ziehen. Das hat er nun davon! Er schreibt an Rosa einen dringlich appellierenden Brief (nachzulesen HIER), in welchem er sie um Verzeihung sowie mindestens 1 klärende Aussprache bittet. Die schöngeistig-schwärmerisch orientierte Rosa, nachhaltig verstimmt, antwortet ihm durchaus zungenfertig mit einem zwar heftigen, gleichwohl doch auch kunstreichen freien (oder auch: befreiten) Sonett.




Rosa schimpft!

(Befreites Sonett)

(1) Du Wüstling, geiles Ungeheuer, triebfixierter Tropf!
(2) Du Ehebrecher, Dauerständer, du hormongetriggertes Stück Mann!
(3) Erst hast du nichts als einen schnellen Fick im Kopf,
(4) Und hinterher, wenn du’s getrieben hast, ja, dann!

(1) Dann kommst du an und jaulst mir wunder was ins Ohr!
(2) Und schreibst mir seitenlange Briefe: "Rosa! Süße! Bitte, bitte, bitte lies!
(3) Ach Rosalein, es kommt, ich schwör’s, wahrscheinlich nicht noch einmal vor,
(4) Und falls es doch noch einmal vorkommt, Rosa, meine Teure, wisse dies:

(1) Es hat rein gar nichts zu bedeuten, Liebste, nur ne schnelle Nummer, reg dich doch nicht auf!
(2) Es ist so ein Reflex, und, Rosa-Schatz, was willst du denn: ich lag ja nicht mal auf ihr drauf!
(3) Erbarm dich also meiner, Röschen-Du, hab Mitleid, hör mich flehen!"

(1) Oh Paul, shut up now! Denkst du etwa, ich hab Bock, dich auch nur einmal noch zu sehen?
(2) Von mir aus kannst du ab sofort zwölfmal am Tag mit einer anderen vor Lust verrecken,
(3) Dich gern auch auf sie legen, und zur Reizvervielfachung dir dabei deinen Brief an mich quer in den hochgereckten Hintern stecken!



(schön schnell und flüssig lesen, laut am besten, dann haut's prima hin ...)





______________________________________________________________

Damit Rosa ihr Sonett wirklich schreiben kann, brauch ich abba Hilfe!
Verfehlte Liebe, verfehltes Leben. Gekränkte Liebe, verletzte Liebe, verschmähte Liebe, in wüstesten Hass umgeschlagene heißeste Liebe. Eifersuchtsdramen aller Art, na gerne auch mit lethalem Ausgang. Maßlose Verzweiflung, überbordender Herzschmerz, rasendes Sichverzehren, eingeweidezerfressende Sehnsucht, faustdicke Untreue, hirnerweichende Begierde usw. usw. ...

Bitte postet Gedichte, die ihr dazu findet, kennt, damit wir wieder eine kleine Sammlung hinkriegen. Postet allen Schmerz der lyrischen Welt, keine Hemmungen, her mit den Zündfunken, damit da oben die Leerstelle beschrieben werden kann.

Gretchen grüßt, heute mal schmerzlich kariert.

 

      ear



August Wilhelm von Platen

   23.01.2007, 17:55 / 2 x geändert



August Wilhelm von Platen

Du sprichst, dass ich mich taeuschte
Beschworst es hoch und her,
Ich weiss ja doch du liebtest,
Allein, du liebst nicht mehr!

Dein schoenes Auge brannte,
Die Kuesse brannten sehr
du liebtest mich, bekenn es,
allein, du liebst nicht mehr!

Ich zaehle nicht auf neue
Getreue Wiederkehr,
gesteh nur dass du liebtest
und liebe mich nicht mehr!

 

      Klaus



RE: Liebesleiden aller Art

   23.01.2007, 19:29 / 1 x geändert



Kein Sonett, sondern Jörn Pfennig:

So bist du nicht

Die Katze, die mit dem
Schmetterling spielt
mit samtweicher Pfote
seine Flügel
auf die Erde
drückt
ihn mit sanftem Biß
nicht umbringt
bis er von alleine
stirbt -
die Katze wird nicht
traurig sein.

So bist du nicht!

-----

Anmerkung: Und Paulchen, der "sanfte" Kater?

LG Klaus

 

      augustine



Erich Kästner, SACHLICHE ROMANZE

   23.01.2007, 19:53



Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schliesslich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagt, es wäre schon Viertel nach vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend sassen sie immer noch dort.
Sie sassen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.

 

      zuppanova



Hartleben: DIE DUMMHEIT SPRICHT ...

   23.01.2007, 21:04



Die Dummheit spricht...

Die Dummheit spricht aus deinem zarten Antlitz,
die Dummheit schaut aus deinen tiefen Augen,
und öffnest du das rote, süße Mündchen,
so ists, als öffne sich der Quell der Dummheit!
Drum, wie mich auch dein wunderschöner Leib
berauscht und immer wieder noch berauscht,
einmal muss ich dir doch den Abschied geben:
denn deine Dummheit ist nicht zu ertragen.

- Du glaubst, dem Schmerz der Trennung zu erliegen?
O tröste dich, mein liebes, gutes Mädchen:
den Schmerz zu fühlen, bist du auch zu dumm.


Otto Erich Hartleben (1864-1905)

(btw, schreibt doch auch hier titel und autor-n in die kopfzeile oben hinein,
flugs sieht man dann, wer alles "schon da ist ...")

 
        arisia
        (Gast)

Zur Zeit seiner Verstoßung, Paul Fleming

   23.01.2007, 22:38 / 3 x geändert



Zur Zeit seiner Verstoßung

Ein Kaufmann, der sein Gut nur einem Schiffe traut,
Ist hochgefählich dran, indem es bald kann kommen,
Daß ihm auf einen Stoß sein ganzes wird genommen.
Der fehlt, der allzuviel auf ein Gelücke traut.

Gedenk ich nun an mich , so schauret mir die Haut:
Mein Schiff, das ist entzwei, mein Gut ist weggeschwommen.
Nichts mehr, das ist mein Rest, das machet kurze Summen.
Ich habe Müh und Angst, ein andrer meine Braut.

Ich Unglückseliger! meine Herze wird zerrissen,
Mein Sinn ist ohne sich; meine geist zeucht von mir aus.
Mein Alles wird nun Nichts. Was wird doch endlich draus?

Wär eins doch übrig noch, so wollt ich alles missen.
Mein teuerster Verlust, der bin selbselbsten ich.
Nun bin ich ohne sie; nun bin ich ohne mich.

Paul Fleming 1609 - 1640

 

      augustine



Kurt Tucholsky, DAS IDEAL UND DAS LEBEN

   24.01.2007, 00:34



In stiller Nacht und monogamen Betten
denkst du dir aus, was dir am Leben fehlt.
Die Nerven knistern. Wenn wir das doch hätten,
was uns, weil es nicht da ist, leise quält.
Du präparierst dir im Gedankengange das,
was du willst – und nachher kriegst dus nie ...
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
C'est la vie –!



Sie muß sich wie in einem Kugellager
in ihren Hüften biegen, groß und blond.
Ein Pfund zu wenig – und sie wäre mager,
wer je in diesen Haaren sich gesonnt ...
Nachher erliegst du dem verfluchten Hange,
der Eile und der Phantasie.
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
Ssälawih –!



Man möchte eine helle Pfeife kaufen
und kauft die dunkle – andere sind nicht da.
Man möchte jeden Morgen dauerlaufen
und tut es nicht. Beinah ... beinah ...
Wir dachten unter kaiserlichem Zwange
an eine Republik ... und nun ists die!
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
Ssälawih –!

Theobald Tiger [eines seiner Pseudonyme], 1929

 

      lost



SAG, WO IST ... / H. Heine

   24.01.2007, 00:36



Sag, wo ist dein schönes Liebchen...

"Sag, wo ist dein schönes Liebchen,
Das du einst so schön besungen,
Als die zaubermächt'gen Flammen
Wunderbar dein Herz durchdrungen?"

Jene Flammen sind erloschen,
Und mein Herz ist kalt und trübe,
Und dies Büchlein ist die Urne
Mit der Asche meiner Liebe.

(Heinrich Heine, 1797-1856)

 
        arisia
        (Gast)

Die Verlassene, Gertrud Kolmar

   24.01.2007, 01:13 / 2 x geändert



Gertrud Kolmar
Die Verlassene

Du irrst dich. Glaubst du, daß du fern bist
Und daß ich dürste und dich nicht mehr finden kann?
Ich fasse dich mit meinen Augen an,
Mit diesen Augen, deren jedes finster und ein Stern ist.

Ich zieh dich unter dieses Lid
Und schließ es zu und du bist ganz darinnen.
Wie willst du gehn aus meinen Sinnen,
Dem Jägergarn, dem nie ein Wild entflieht?

Du läßt micht nicht aus deiner Hand mehr fallen
Wie einen welken Strauß,
Der auf die Straße niederweht, vorm Haus
Zertreten und bestäubt von allen.

Ich hab dich liebgehabt. So lieb.
Ich habe so geweint . . . mit heißen Bitten . . .
Und liebe dich noch mehr, weil ich um dich gelitten,
Als deine Feder keinen Brief, mir keinen Brief mehr schrieb.

Ich nannte Freund und Herr und Leuchtturmwächter
Auf schmalem Inselstrich,
Den Gärtner meines Früchtegartens dich,
Und waren tausend weiser, keiner war gerechter.

Ich spürte kaum, daß mir der Hafen brach,
Der meine Jugend hielt - und kleine Sonnen,
Daß sie vertropft, in Sand verronnen.
Ich stand und sah dir nach.

Dein Durchgang blieb in meinen Tagen,
Wie Wohlgeruch in einem Kleide hängt,
Den es nicht kennt, nicht rechnet, nur empfängt,
Um immer ihn zu tragen.

 

      Gretchen²



erstes Quartett

   24.01.2007, 08:01



Heiassa!

Ihr seid ja schneller bei euren Postings als der Paul da mit seiner an die Wand gelehnten aufgepishten Buttercremeschnitte - manno, da komm ich ja kaum mit!

Oben stehen abba schon die ersten beiden Zeilen vom ersten Quartett vonn'net Sonett.

Wollt ihr wirklich, dass ich weitermach???


. . . . . . . Gretchen, voll in lyrischen Flammen!

. . . . . . . . . . . . . . . . . . -> zum Panzerkoitus

 

      ear



Christian F.Weisse

   24.01.2007, 08:41



Der Kuss

Ich war bei Chloen ganz allein,
Und kuessen wollt ich sie:
Jedoch sie sprach,
Sie wuerde schrein,
Es sei vergebne mueh.

Ich wagt es doch und kuesste sie,
Trotz ihrer gegenwehr.
Und schrie sie nicht?
Jawohl, sie schrie,
Doch lange hinterher.

 

      windflug



Mascha Kalèko, "Liebe, da capo ..."

   24.01.2007, 11:38



Auf einmal also bist du wieder da,
Und jeder brave Vorsatz ist verloren.
Ich hatte es mir diesmal zugeschworen;
... Und kämst du selbst aus Innerafrika:

Aus und vorbei! - Doch schon ist es zu spät.
Nun sitz ich, wie das heißt, in deinen "Netzen".
Man sollte meine Seele strafversetzen
In ein Revier, das dir nicht untersteht.

Wußt ich denn nicht, daß es sehr ratsam ist,
Dich mit gut eingeübter Kühle fortzutreiben?
Wie aber soll ich denn vernünftig bleiben,
Wenn du mir leider so sympathisch bist?!

Als wäre nichts geschehn tauchst du nun auf,
Mein kleines bißchen Ruhe zu zerstören.
Es ist so schwer, das Böse abzuwehren.
-Ich geb es auf.

Und weiß: ein Herz, das man schon mal verlor,
Reist nur noch in getragenen Gefühlen,
Und während wir noch einmal "Liebe" spielen,
Bereit ich mich zum nächsten Abschied vor.


Gretchen, auf jeden Fall weitermachen, BITTE!

 

      ear



Eduard Moerike,' Lebe wohl'

   24.01.2007, 17:44



Lebe wohl

Lebewohl!-du fuehlest nicht,
Was es heisst, dies Wort der Schmerzen;
Mit getrostem Angesicht
Sagtest du's und leichtem Herzen.

Lebe wohl!-Ach tausendmal
Hab ich mir es vorgesprochen,
Und in nimmersatter Qual
Mir das Herz damit gebrochen.

 

      Jolante



Don Juan holt sich selbst (Erich Fried)

   24.01.2007, 19:13



Geliebt habe ich nie
aber heiß geheuchelt
und mich verliebt
in meine Heuchelei

und war bereit
ihr jedes Opfer zu bringen
das vielleicht einer sonst
seiner Liebe bringt

Ich frage mich:
Wenn eine Frau mir wert war
so zu heucheln
war nicht auch das schon Liebe?

Aber ich sage mir:
Ich tat es um meinetwillen
um mich glauben zu machen
ich könne lieben

Das kann ein Heuchler
sich nie im Leben gestehen ?
Ich kann es jetzt
denn ich sterbe daran

 

      Klaus



Was nützen Worte von Hans Kruppa

   24.01.2007, 22:06



Was nützen Worte

Dein Lächeln ist nicht mehr genug,
deine Schönheit, deine Nähe,
wenn du die Gefühle,
die du in mir ins Leben rufst,
so schnell in die Verbannung
oder in den Tod schickst.

Ich hätte nie gedacht,
daß wir so tief fallen können.
Doch was nützen Worte,
wenn unser Schweigen versagt.

 

      Gretchen²



erstes Quartett

   25.01.2007, 07:56



Holla und Hossa!

Bin beeindruckt. Die Palette ist schon ganz beachtlich.
Bei dem posting-Tempo kann ich ja kaum mithalten.
Mein persönlicher Favorit ist dieser Fried'sche Don Juan,
den kannt ich nicht. Hat was, der Typ - also, das Gedicht,
mein ich.
Dank an Jolante.
Dank abba auch an ear, Klaus, augustine, zuppanova, arisia, lost, windflug -
hab doch nicht etwa wen vergessen?
Erstes Quartett iss fettich.
Was kommt dann?


. . . . . . . Grüße vom Gretchen!

. . . . . . . . . . . . . . . . . . -> Deutsh spoken!

 

      Klaus



RE: erstes Quartett

   25.01.2007, 15:43 / 6 x geändert



Hallo Gretchen!

Das erste Quartett
das ist jetzt komplett,
der olle Paule,
der laue - schlaue,
der kriegt da sein Fett!

Schick ihn doch ins Kloster,
Einsicht, Kontemplation, Exerzitien!

LG Klaus

Ergänzung:
Ein Freund von uns würde ihn gerne
kennenlernen, er kennt sich mit dem
an die Wand stellen auch gut aus -
er ist schwul, das macht doch nichts,
oder? Aber er kann ihm dann leider
nicht in die lyrischen Augen schauen.
Aua, das war jetzt böse...

 

      ear



Italienisches Liederbuch, Paul Heyse

   25.01.2007, 18:58



Verschling der Abgrund meines Liebsten Huette,
An ihrer Stelle schaeum ein See zur Stunde,
Bleikugeln soll der Himmel drueber schuetten,
Und eine Sclange hause dort im Grunde.
Drin hause eine Schlange giftger Art,
Die ihn vergifte, der mir untreu ward.
Drin hause eine Schlange, giftgeschwollen,
Und bring ihm Tod, der mich verraten wollte!

 

      lost



Schubert/Müller: Die schöne Müllerin

   27.01.2007, 08:27



17. Die böse Farbe
(Ziemlich geschwind )

Ich möchte ziehn in die Welt hinaus,
Hinaus in die weite Welt;
Wenn's nur so grün, so grün nicht wär
Da draußen in Wald und Feld!

Ich möchte die grünen Blätter all
Pflücken von jedem Zweig,
Ich möchte die grünen Gräser all
Weinen ganz totenbleich.

Ach Grün, du böse Farbe du,
Was siehst mich immer an,
So stolz, so keck, so schadenfroh,
Mich armen weißen Mann?

Ich möchte liegen vor ihrer Tür
Im Sturm und Regen und Schnee.
Und singen ganz leise bei Tag und Nacht
Das eine Wörtchen: Ade!

Horch, wenn im Wald ein Jagdhorn schallt,
Da klingt ihr Fensterlein,
Und schaut sie auch nach mir nicht aus,
Darf ich doch schauen hinein.

O binde von der Stirn dir ab
Das grüne, grüne Band;
Ade, ade! Und reiche mir
Zum Abschied deine Hand!


Franz Schubert (1797 - 1828) / Wilhelm Müller (1794 - 1827): Die schöne Müllerin, D. 795
(... kindly refering to ear ...)

 

      ear



Eduard Moerike, Bei einer Trauung

   27.01.2007, 11:16



Vor lauter hochadligen Zeugen
Kopoliert man ihrer zwei;
Die orgel haengt voller Geigen,
Der Hmmel nicht, mein Treu!

Seht doch! sie weint ja greulich,
Er macht ein Gesicht abscheulich!
Denn leider freilich, freilich,
Keine Lieb ist nicht dabei.



vertont von Hugo Wolf


(Thank you for the Schubert, lost, ear.)

 
        arisia
        (Gast)

Scheideblick, Nikolaus Lenau

   27.01.2007, 18:44 / 1 x geändert



Nikolaus Lenau

Scheideblick

Als ein unergründlich Wonnemeer
Strahlte mir dein tiefer Seelenblick, -
Scheiden mußt ich ohne Wierderkehr,
Und ich habe scheidend all mein Glück
Still versenkt in dieses tiefe Meer.

 

      ear



H.Heine, Ein Juengling

   27.01.2007, 20:47



Ein Juengling liebt ein Maedchen,
Die hat einen andern erwaehlt;
Der andre liebt eine andre,
Und hat sich mit dieser vermaehlt.

Das Maedchen nimmt aus Aerger
Den ersten besten Mann,
Der ihr in den Weg gelaufen;
Der Juengling ist uebel dran.


Es ist eine alte Geschichte,
Und ist doch ewig neu;
Und wem sie just passieret,
Dem bricht das Herz entzwei.



(vertont von R. Schumann und R.Franz)

 

      Gretchen²



zweites Quartett

   29.01.2007, 08:11



Yaahaa!
So, hier iss Fortsetzung fällig.
Scrollt euch nach oben,
da könnt ihr lesen
wie es weitergeht mit Rosa und Paul.
Ich garantier nicht
fürn Happy-Ending ...

. . . . . . . Greetz vom Gretchen
. . . . . . . . . . . . . aka -> Margret von dem Güldenmund
. . . . . . . . . . . . . aka -> Heidrun Xirzenbach
. . . . . . . . . . . . . aka -> Pegamund
. . . . . . . . . . . . . aka -> Hexi 18
. . . . . . . . . . . . . aka -> Moonlightqueen

 

      ear



Italienisches Liederbuch, Heyse

   29.01.2007, 08:44



Gretchen, ich kann alles Weitere kaum erwarten, so spannend machst du es! ear

Du sagst mir, dass ich keine Fuerstin sei ;
Auch du bist nicht auf Spaniens Thron entsprossen.
Nein, Bester, stehst du auf bei Hahnenschrei,
Faehrst du aufs Feld und nicht in Staatskarossen.
Du spottest mein um meine Niedrigkeit,
Doch Armut tut dem Adel nichts zuleid.
D,u spottest, dass mir Krone fehlt und Wappen,
Und faehrst doch selber nur mit Schusters Rappen.

 

      zuppanova



PAVANE, by Thoinot Arbeau

   29.01.2007, 20:13



Belle, qui tiens ma vie ...

Du, die mit süßen Blicken
Sich stahl ins Herze mir,
Du, meiner Seel’ Entzücken
Durch holden Lächelns Zier:
Komm, ende meine Not,
sonst hilft mir nur der Tod.

Sieh, wie mit zierem Prangen,
Mit deiner Schönheit Glast
Mein Wesen du gefangen,
Mein’ Ruh geraubet hast:
Denn nur dein Bild allein
Füllt meines Herzens Schrein.

Willst meiner Qualen Brennen
Dich gar nicht rühren lan,
Willst nimmer du erkennen,
Was Leides du mir tan:
Dann meiner Liebesnot
Taugt einzig nur der Tod.

__________________________________________________________
Thoinot Arbeau, 1589




 

      ear



Nikolaus Lenau, O waerst du mein

   30.01.2007, 06:42 / 2 x geändert



O waerst du mein, es waer ein schoenres Leben
So aber ist's Entsagen nur und Trauern,
Nur ein verlornes Grollen und Bedauern.
Ich kann es meinem Schicksal nicht vergeben.

Undank tut wohl und jedes Leid der Erde,
Ja! meine Freund in Saergen, Leich an Leiche,
Sind ein gelinder Gram, wenn ich's vergleiche
Dem Schmerz, dass ich dich nie besitzen werde.



(vertont von Richard Strauss)

 

      Gretchen²



Terzett, das erste

   31.01.2007, 08:08



Hei!

Weil heute Mittwoch ist, fang ich mal mit dem ersten Terzett an.
Rosa hat sich inzwischen gut warmgeschimpft.
Aber ob sie sich wirklich befreit?
Maa guggen ...

. . . . . . . Mitterwöchig karierte Gretengrüße

. . . . . . . . . . . . . . . . . . -> zur Dichte

 

      ear



Christian Morgenstern, Auf der Treppe

   31.01.2007, 09:47 / 1 x geändert



Auf der Treppe sitzen meine Oehrchen,
wie zwei Kaetzchen, die die Milch erwarten...
Auf der Treppe sitzt mein Herz und harret,
wie ein Geistchen, Kinn in Hand gestuetzet.

Doch der Bote mit den Briefen kommt nicht.
Taub und ohne Seele drin im Zimmer
lieg ich.Wuensche nichts zurueck zu haben.
Nicht das rosa Kaetzchen, nicht das Geistchen.


(vertont von Paul Hindemith)

 

      Gretchen²



Terzett, das erste

   31.01.2007, 11:54 / 1 x geändert



Hei,
Zug um Zug gehtet oben weiter!
2. Zeile vom 1. Terzett, wollja ...


. . . . . . . . . . . Gretchen grüßt

. . . . . . . . . . . . . . . . . . -> endlich/endreinigung

 

      ear



Stefan George, Wenn ich heut

   01.02.2007, 19:16



Wenn ich heut nicht deinen leib beruehre
Wird der faden meiner seele reissen
Wie zu sehr gespannte sehne.
Liebe zeichen seien trauerfloere
Mir der leidet seit ich dir gehoere.
Richte ob mir solche qual gebuehre
Kuehlung sprenge mir dem fieberheissen
der ich wankend draussen lehne.

(Buch der haengenden Gaerten, vertont von Schoenberg)

 

      lost



WER ZUM ERSTEN MALE .../H. Heine

   02.02.2007, 01:04



Wer zum ersten Male liebt...

Wer zum ersten Male liebt,
Sei's auch glücklos, ist ein Gott;
Aber wer zum zweiten Male
Glücklos liebt, der ist ein Narr.

Ich, ein solcher Narr, ich liebe
Wieder ohne Gegenliebe;
Sonne, Mond und Sterne lachen,
Und ich lache mit - und sterbe.

Heinrich Heine

 

      Gretchen²



Terzett, das erste

   04.02.2007, 10:57



Hei, oben könnt ihr lesen:
erstes Terzett iss fertig. Endet
mit einem herzzerreißenden von Rosa
zitierten Paul'schen Verzeihungsflehen.

Helft mir doch noch bisschen mit Gedichten,
damit ich den Schluss, also, dat zweite Terzett,
auch noch hinkrieg.

Thänx § Grietz
§ schönen Sonntachch,

. . . . . . . . . . . Gretchen.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . -> Sinkflug

 

      windflug



Paul Fleming, "Flehen der Liebe"

   04.02.2007, 12:06



Wenn du mich köntest lieben,
o du mein Ich,
gleich wie ich dich,
so wär' ich ohn' Betrüben.
Daß du mich aber nicht hältst wert,
das ists, das mich so sehr beschwert.
Sonst Allen dich alleine
setz' ich weit für:
das schwer' ich dir
bei Phöbus güldnem Scheine,
bei Gott Kupidos süßer Glut.
Dir nur alleine bin ich gut.
Du kanst mich ja nicht hassen,
daß ich die Zier,
so wohnt in dir,
nicht denke zu verlassen,
die einen Ieden ingemein
beweget dir geneigt zu sein.
Siehst du nicht, wie ich weine
und wegen dir,
o meine Zier,
fast nicht zu trösten scheine?
Du siehst und nimst dichs doch nicht an,
daß mir sonst Niemand raten kan.
Ach! laß dich doch erbitten,
mein einigs Ein,
durch diese Pein,
die ich so oft erlitten!
Schaff', Herze, schaffe doch einmal,
daß ich mich freue nach der Qual!

 

      Jolante



O.T., Maria Hoffmann, 1980

   04.02.2007, 12:31 / 1 x geändert



Du kleisterst in mir.
Mitten in der Nacht
erschreckst du mich
mit deiner Abwesenheit.
Vieles bleibt
( )
zu Vieles
ausgesprochen
zwischen uns.
Seit wir nicht mehr
miteinander reden
habe ich nichts mehr
zu sagen.

Du hast die Stühle ausein
andergerückt und
mit gönnerhaftem
Lächeln
die Trennung.
.Alles Gute.
Nein. Danke.
Du kleisterst in mir.
Kopflos.
Hab ich mich aus dem
Staub gemacht.
Die Fahrkarte kostete
117 DM. Ich werde sie von
der Steuer absetzen
Keine Angst.

 

      ear



Goethe, Philine

   04.02.2007, 16:35



Singet nicht in Trauertoenen
Von der Einsamkeit der Nacht!
Nein, sie ist, o holde Schoenen,
Zur Geselligkeit gemacht.
Wie das Weib dem Mann gegeben
Als die schoenste Haelfte war,
Ist die Nacht das halbe Leben,
Und die schoenste Helfte zwar.
Koennt ihr euch des Tages freuen,
Der nur Freuden unterbricht?
Er ist gut, sich zu zerstreuen;
Zu was anderm taugt er icht.
Aber wenn in naechtger Stunde
Suesser Lampe Daemmrung fliesst'
Und vom Mund zum nahen Munde
Scherz und Liebe sich ergiesst;
Wenn der rasche, lose Knabe,
Der sonst wild und feurig eilt,
Oft bei einer kleinen Gabe
Unter leichten Spielen weilt;
Wenn die Nachtigall Verliebten
Liebevoll ein Liedchen singt,
Das Gefangnen und Betruebten
Nur ein Ach und Wehe klingt:
Mit wie leichtem Herzensregen
Horchet ihr der Glocke nicht,
Die mit Zwoelf bedaechtgen Schlaegen
Ruh und Sicherheit verspricht!
Darum an dem langen Tage
Merke dir es, liebe Brust:Jeder Tag hat seine Plage, Und die Nacht hat ihre Lust!

 

      Elise



Elizabeth Barrett Browning, SONETT Nr.VI

   04.02.2007, 19:31



Sonett Nr. VI

Geh fort von mir. So werd ich fürderhin
in deinem Schatten stehn. Und niemals mehr
die Schwelle alles dessen, was ich bin,
allein betreten. Niemals wie vorher

verfügen meine Seele. Und die Hand
nicht so wie früher in Gelassenheit
aufheben in das Licht der Sonne, seit
die deine drinnen fehlt. Mag Land um Land

anwachsen zwischen uns, so muss doch dein
Herz in dem meinen bleiben, doppelt schlagend.
Und was ich tu und träume, schließt dich ein:

so sind die Trauben überall im Wein.
Und ruf ich Gott zu mir: Er kommt zu Zwein
und sieht mein Auge Zweier Tränen tragend.


(Elizabeth Barrett Browning / 1806-1861
Sonette aus dem Portugiesischen Nr. VI
aus dem Englischen von Rainer Maria Rilke)

 

      Gretchen²



Terzett, das zweite

   06.02.2007, 08:11



Okeeh, auf in die Schlussrunde!
Wird Rosa sich final befreien?
Naja, einiges deutet drauf hin ...
am besten oben lesen und nochmal
dat ein oder andere Liebesleidensgedicht
posten: dann wird dat schon!

. . . . . . . . . . Schneeregengrüße vom Gretchen.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . -> ti amo


(Wetter iss shi-c-e, woll!)

 

      ear



Eichendorff, Verschwiegene Liebe

   06.02.2007, 15:20



Ueber Gipfel und Saaten
In den Glanz hinein-
Wer mag sie erraten,
Wer holte sie ein?
Gedanken sich wiegen,
Die Nacht ist verschwiegen,
Gedanken sind frei.

Erraet es nur eine,
Wer an sie gedacht,
Beim Rauschen der Haine,
Wenn niemand mehr wacht
Als die Wolken da fliegen-
Mein Lieb ist verschwiegen
Und schoen wie die Nacht.

 

      augustine



Hinrich Brockes, DIE TRAUBENHYAZINTHE

   07.02.2007, 16:21



Angenehmes Frühlingskindchen,
Kleines Traubenhyazinthchen,
Deiner Farb und Bildung Zier
Zeiget mit Verwundrung mir
Von der bildenden Natur
Eine neue Schönheitsspur.
An des Stengels blauer Spitzen
Sieht man, wenn man billig sieht,
Deiner sonderbaren Blüt
Kleine blaue Kugeln sitzen,
Dran, so lange sich ihr Blatt
Noch nicht aufgeschlossen hat,
Wie ein Purpurstern sie schmücket,
Man nicht sonder Lust erblicket.
Aber wie von ungefähr
Meine Blicke hin und her
Auf die offnen Blumen liefen,
Konnt ich in den blauen Tiefen
Wie aus himmelblauen Höhen
Silberweiße Sternchen sehen,
Die in einer blauen Nacht,
So sie rings bedeckt, im Dunkeln
Mit dadurch erhöhter Pracht
Noch um desto heller funkeln.
Ihr so zierliches Gepränge,
Ihre Nettigkeit und Menge,
Die die blauen Tiefen füllt,
Schiene mir des Himmels Bild,
Welches meine Seele rührte
Und durch dieser Sternen Schein,
Die so zierlich, rein und klein,
Mich zum Herrn der Sterne führte,
Dessen unumschränkte Macht
Aller Himmel tiefe Meere,
Aller Welt- und Sonnen Heere
Durch ein Wort hervorgebracht;
Dem es ja so leicht, die Pracht
In den himmlischen Gefilden
Als die Sternchen hier zu bilden.
Durch dein sternenförmig Wesen
Gibst du mir, beliebte Blume,
Ein' Erinnerung zu lesen,
Daß wir seiner nicht vergessen,
Sondern in den schönen Werken
Seine Gegenwart bemerken,
Seine weise Macht ermessen
Und sie wie in jenen Höhen
So auf Erden auch zu sehen.

Barthold Hinrich Brockes, 1727

Dank fürs Mitraten Gretchen; aber Du warst und bist noch mit eigenem Dichten beschäftigt - und bald fertig! Es ist schon jetzt köstlich! augustine mit poetischen Grüßen

 

      ear



Fr. von Bruchmann, nach Anakreon

   07.02.2007, 18:02



An die Leier

Ich will von Atreus'Soehnen,
Von Kadmus will ich singen!
Doch meine Saiten toenen
Nur Liebe im Erklingen.

Ich tauschte um die Saiten,
Die Leier moecht ich tauschen!
Alcidens Siegesschreiten
Sollt ihrer Macht entrauschen!

Doch auch die Saiten toenen
Nur Liebe im Erklingen!
So lebt den wohl, Heroen!
Denn meine Saiten toenen,
Statt Heldensang zu drohen,
Nur Liebe im Erklingen.

 

      ear



Adolf Fr. von Schack

   08.02.2007, 11:36



Wozu noch, Maedchen, soll es frommen,
dass du vor mir Verstellung uebst?
Heiss'froh das neue Glueck willkommen
und sag es offen, dass du liebst!

An deines Busens hoeherm Schwellen ,
dem Wangenrot, das kommt und geht,
ward dein Geheimnis von den Quellen,
den Blumengeistern laengst erspaeht;

die Wogen murmeln's in den Grotten,
es fluestert's leis der Abendwind,
wo du vorbeigehst, hoerst du's spotten:
wir wissen es seit langem, Kind!

Wozu noch , Maedchen , soll es frommen,
dass du vor mir Verstellung uebst?

(vertont von Richard Strauss)

 

      Gretchen²



Terzett, das zweite

   09.02.2007, 08:12



Hei, Leute!

Guten Morgen! Rosa kommt so langsam auf den Punkt.
Das einzige, wovor ich beim Sonett machen Angst happ,
ist die potentiell immer mögliche Antiklimax am Schluss.


. . . . . . . . . . Zartfrühlingslichthaft kariert grüßt: Gretchen.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . -> wir zeichnen uns aus

 

      ear



Hermann Lingg

   10.02.2007, 11:10



Immer leiser wird mein Schlummer,
Nur wie Schleier liegt mein Kummer
Zitternd ueber mir.
Oft im Traume hoer ich dich
Rufen drauss vor meiner Tuer,
Niemand wacht und oeffnet dir,
Ich erwach und weine bitterlich.

Ja, ich werde sterben muessen,
Eine andre wirst du kuessen,
wenn ich bleich und kalt.
Eh die Maienluefte wehn,
Eh die Dossel singt im Wald:
Willst du mich noch einmal sehn,
Komm,o komme bald!


(vertont von Johannes Brahms und Hans Pfitzner)

 

      lost



SIE LIEBTEN SICH BEIDE ... / H. Heine

   11.02.2007, 15:44



Sie liebten sich beide

Sie liebten sich beide, doch keiner
Wollt es dem andern gestehn;
Sie sahen sich an so feindlich,
Und wollten vor Liebe vergehn.

Sie trennten sich endlich und sahn sich
Nur noch zuweilen im Traum;
Sie waren längst gestorben,
Und wußten es selber kaum.

(Heinrich Heine)

 

      zuppanova



Zarah Leander: Ich steh im Regen ...

   13.02.2007, 14:58



servus Gretchen,
da hätt ich noch was: muss man sich natürlich gesungen vorstellen,
sonst wirkt's nicht!
leider hab ich keinen link zu einer mp3-version parat ...
lg, zuppa.

___________________________

Ich steh' im Regen und warte auf Dich, auf Dich.
Auf allen Wegen erwart' ich nur Dich, immer nur Dich.
Der Zeiger der Kirchturmuhr rückt von Strich zu Strich, ach, wo bleibst Du denn nur?
Denkst nicht mehr an mich?

Und ich steh' im Regen und warte auf Dich, auf Dich.
Immer warten nur die Menschen, die wirklich lieben.
Kommst Du noch nicht? Wie die fallenden Tropfen am Ärmel zerstieben -

Ich steh' im Regen und warte auf Dich, auf Dich.
Auf allen Wegen erwart' ich nur Dich, immer nur Dich.
Der Zeiger der Kirchturmuhr rückt von Strich zu Strich, ach, wo bleibst Du denn nur?
Denkst nicht mehr an mich?

Und ich steh' im Regen und warte auf Dich ...

(Zarah Leander, in dem Film "Zu neuen Ufern", 1937)

 

      Gretchen²



Terzett, das zweite

   21.02.2007, 07:20



ASCHERMITTWOCH!

Genau der richtige Tag, um das hier fettich zu machen.
Also: Rosa iss fettich (s.o.)!


. . . . . . . Graukarierte Grüße: Gretchen.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . -> zur Bürste

 

      zuppanova



RE: Terzett, das zweite

   22.02.2007, 15:06



... und die schlusszeile ist die befreiteste,
silbenzahlmässig, mein ich ... oder?

... und die beziehung von Paul und Rosa dürfte damit
auch beendet sein, beim doppelt geknickten spreizfuss
der heiligen Matrimonia von Treuenheim ...

 

      Jolante



RE: Terzett, das zweite

   03.03.2007, 19:40 / 1 x geändert



Hossa, Gretchen,

deine Wortakrobatik ist wie immer umwerfend und bringt den Befreiungsschlag von Rosa überzeugend zum Ausdruck. Schön ironisch ist das Ganze auch. Ein solch geharnischter Brief einer Betrogenen geht einer solidarischen Frau natürlich runter wie Öl. Papier ist geduldig. Aber wie steht es wirklich um Rosa ? Das würde mich brennend interessieren. Und wer könnte das besser wissen als der Autor von "Rosa, lies" ! Wie würde er wohl Rosa auf Pauls Brief antworten lassen ? Es gibt ja auch noch Briefe von ear, zuppa und mir zu losts Beitrag "Rosa, lies". Könnte sich Rosa wohl mit deren Inhalt identifizieren ? Fragen, die nur lost beantworten kann. Ich bin gespannt !

Gruß Jolante

 

      rollerball



RE: Liebesleiden aller Art

   28.03.2007, 16:38



Hallo Gretchen,
hab mich köstlich amüsiert bei deinem Text, der Kontrast zwischen Form und Inhalt macht die Sache noch interessanter, wirklich ein starkes Stück!
Als Sonett kann ich sogar etwas aus eigener Feder beisteuern:

Verlangen (Teil 2 einer erotischen Trilogie)

Will deinen Leib für mich entdecken
und dich mit allen Sinnen spüren.
Ich will dich fühlen, riechen, schmecken
und dich mit zarter Hand verführen.

Will meine Haut an deine schmiegen
und deine Lippen sanft umschmeicheln,
Will mich in deinen Armen wiegen
und deine Glieder zärtlich streicheln.

Will mich in deinem Schoß vergraben,
dir dabei höchste Wonnen schenken,
aus deinem Liebeskelch mich laben
und mich berauscht in dich versenken.

Ich will den Liebesrausch vereint mit dir genießen
und mich vor Lust erschauernd heiß in dich ergießen!

C. by rollerball 2007

 

      Gretchen²



RE: Liebesleiden aller Art

   03.04.2007, 07:10



Heiala, rollerball!

Schönsten Dank für die Beigabe deines Eigen-Sonettes.
Zu Rosas Schimpftirade ist es ja wie das positive Gegenstück,
die Zusage, Zu-neigung, Hinwendung gegen den Abgesang gestellt.

Hab bissken rumgerätselt, was wohl die anderen Teile deiner sonetten Erotik-
Trilogie sein könnten, abba die durchschlagende Einsicht kam nicht.
Vielleicht:

Entsagung <----- Verlangen -----> Erfüllung ???

Naja, ich glaube, du solltest es verraten und lesen lassen ...


. . . . . . . Geknickste Gretchengrüße mit perfektem Schleifchen an Dich!

. . . . . . . . . . . . . . . . . . -> zum Seelentrost

 

      Jochen18



Liebesleiden aller Art

   19.11.2011, 20:13



LA MÈMOIRE

Im Anfang war es wenig, was uns einte.
Es wurde, sterbend, mehr.
Anfangs war Rausch, doch darin keimte
Vergangenheit, unänderbar, planetenschwer:

Ein Plastiksong schlug eine unbemerkte Wunde,
ein Blick, ein Schweigen, jäh und kampfesleer,
die Plauderei in einer ungeschützten Stunde,
ein Blütenfall, der Duft von Haut, vom Meer:

Was wandelte das Nichts zu steinernen Gestalten
in Nekropolentiefen, tot nicht, doch ein Totenzug,
der nächtens kriecht aus zerebralen Falten?
War das denn nicht nur spurenloser Vogelflug?




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