Die Beziehung der Eheleute Rosa und Paul gerät in eine schwere Krise, nachdem Rosa ihren Mann im gemeinsamen Schlafzimmer bei einem Schnellfick mit einer schönen Scharfen ertappt hat. Paul, ein eher prosaischer, stets zielorientierter Typ, muss wegen des stetig eskalierenden Eheverlaufes schließlich aus dem gemeinsamen Haus aus- und in ein ungemütliches Hotelzimmer ein-ziehen. Das hat er nun davon! Er schreibt an Rosa einen dringlich appellierenden Brief (nachzulesen HIER), in welchem er sie um Verzeihung sowie mindestens 1 klärende Aussprache bittet. Die schöngeistig-schwärmerisch orientierte Rosa, nachhaltig verstimmt, antwortet ihm durchaus zungenfertig mit einem zwar heftigen, gleichwohl doch auch kunstreichen freien (oder auch: befreiten) Sonett.
Rosa schimpft!
(Befreites Sonett)
(1) Du Wüstling, geiles Ungeheuer, triebfixierter Tropf!
(2) Du Ehebrecher, Dauerständer, du hormongetriggertes Stück Mann!
(3) Erst hast du nichts als einen schnellen Fick im Kopf,
(4) Und hinterher, wenn du’s getrieben hast, ja, dann!
(1) Dann kommst du an und jaulst mir wunder was ins Ohr!
(2) Und schreibst mir seitenlange Briefe: "Rosa! Süße! Bitte, bitte, bitte lies!
(3) Ach Rosalein, es kommt, ich schwör’s, wahrscheinlich nicht noch einmal vor,
(4) Und falls es doch noch einmal vorkommt, Rosa, meine Teure, wisse dies:
(1) Es hat rein gar nichts zu bedeuten, Liebste, nur ne schnelle Nummer, reg dich doch nicht auf!
(2) Es ist so ein Reflex, und, Rosa-Schatz, was willst du denn: ich lag ja nicht mal auf ihr drauf!
(3) Erbarm dich also meiner, Röschen-Du, hab Mitleid, hör mich flehen!"
(1) Oh Paul, shut up now! Denkst du etwa, ich hab Bock, dich auch nur einmal noch zu sehen?
(2) Von mir aus kannst du ab sofort zwölfmal am Tag mit einer anderen vor Lust verrecken,
(3) Dich gern auch auf sie legen, und zur Reizvervielfachung dir dabei deinen Brief an mich quer in den hochgereckten Hintern stecken!
(schön schnell und flüssig lesen, laut am besten, dann haut's prima hin ...)
Damit Rosa ihr Sonett wirklich schreiben kann, brauch ich abba Hilfe!
Verfehlte Liebe, verfehltes Leben. Gekränkte Liebe, verletzte Liebe, verschmähte Liebe, in wüstesten Hass umgeschlagene heißeste Liebe. Eifersuchtsdramen aller Art, na gerne auch mit lethalem Ausgang. Maßlose Verzweiflung, überbordender Herzschmerz, rasendes Sichverzehren, eingeweidezerfressende Sehnsucht, faustdicke Untreue, hirnerweichende Begierde usw. usw. ...
Bitte postet Gedichte, die ihr dazu findet, kennt, damit wir wieder eine kleine Sammlung hinkriegen. Postet allen Schmerz der lyrischen Welt, keine Hemmungen, her mit den Zündfunken, damit da oben die Leerstelle beschrieben werden kann.
Die Katze, die mit dem
Schmetterling spielt
mit samtweicher Pfote
seine Flügel
auf die Erde
drückt
ihn mit sanftem Biß
nicht umbringt
bis er von alleine
stirbt -
die Katze wird nicht
traurig sein.
Als sie einander acht Jahre kannten
(und man darf sagen sie kannten sich gut),
kam ihre Liebe plötzlich abhanden.
Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.
Sie waren traurig, betrugen sich heiter,
versuchten Küsse, als ob nichts sei,
und sahen sich an und wussten nicht weiter.
Da weinte sie schliesslich. Und er stand dabei.
Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.
Er sagt, es wäre schon Viertel nach vier
und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.
Nebenan übte ein Mensch Klavier.
Sie gingen ins kleinste Café am Ort
und rührten in ihren Tassen.
Am Abend sassen sie immer noch dort.
Sie sassen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.
Die Dummheit spricht aus deinem zarten Antlitz,
die Dummheit schaut aus deinen tiefen Augen,
und öffnest du das rote, süße Mündchen,
so ists, als öffne sich der Quell der Dummheit!
Drum, wie mich auch dein wunderschöner Leib
berauscht und immer wieder noch berauscht,
einmal muss ich dir doch den Abschied geben:
denn deine Dummheit ist nicht zu ertragen.
- Du glaubst, dem Schmerz der Trennung zu erliegen?
O tröste dich, mein liebes, gutes Mädchen:
den Schmerz zu fühlen, bist du auch zu dumm.
Otto Erich Hartleben (1864-1905)
(btw, schreibt doch auch hier titel und autor-n in die kopfzeile oben hinein,
flugs sieht man dann, wer alles "schon da ist ...")
Ein Kaufmann, der sein Gut nur einem Schiffe traut,
Ist hochgefählich dran, indem es bald kann kommen,
Daß ihm auf einen Stoß sein ganzes wird genommen.
Der fehlt, der allzuviel auf ein Gelücke traut.
Gedenk ich nun an mich , so schauret mir die Haut:
Mein Schiff, das ist entzwei, mein Gut ist weggeschwommen.
Nichts mehr, das ist mein Rest, das machet kurze Summen.
Ich habe Müh und Angst, ein andrer meine Braut.
Ich Unglückseliger! meine Herze wird zerrissen,
Mein Sinn ist ohne sich; meine geist zeucht von mir aus.
Mein Alles wird nun Nichts. Was wird doch endlich draus?
Wär eins doch übrig noch, so wollt ich alles missen.
Mein teuerster Verlust, der bin selbselbsten ich.
Nun bin ich ohne sie; nun bin ich ohne mich.
In stiller Nacht und monogamen Betten
denkst du dir aus, was dir am Leben fehlt.
Die Nerven knistern. Wenn wir das doch hätten,
was uns, weil es nicht da ist, leise quält.
Du präparierst dir im Gedankengange das,
was du willst – und nachher kriegst dus nie ...
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
C'est la vie –!
Sie muß sich wie in einem Kugellager
in ihren Hüften biegen, groß und blond.
Ein Pfund zu wenig – und sie wäre mager,
wer je in diesen Haaren sich gesonnt ...
Nachher erliegst du dem verfluchten Hange,
der Eile und der Phantasie.
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
Ssälawih –!
Man möchte eine helle Pfeife kaufen
und kauft die dunkle – andere sind nicht da.
Man möchte jeden Morgen dauerlaufen
und tut es nicht. Beinah ... beinah ...
Wir dachten unter kaiserlichem Zwange
an eine Republik ... und nun ists die!
Man möchte immer eine große Lange,
und dann bekommt man eine kleine Dicke –
Ssälawih –!
Du irrst dich. Glaubst du, daß du fern bist
Und daß ich dürste und dich nicht mehr finden kann?
Ich fasse dich mit meinen Augen an,
Mit diesen Augen, deren jedes finster und ein Stern ist.
Ich zieh dich unter dieses Lid
Und schließ es zu und du bist ganz darinnen.
Wie willst du gehn aus meinen Sinnen,
Dem Jägergarn, dem nie ein Wild entflieht?
Du läßt micht nicht aus deiner Hand mehr fallen
Wie einen welken Strauß,
Der auf die Straße niederweht, vorm Haus
Zertreten und bestäubt von allen.
Ich hab dich liebgehabt. So lieb.
Ich habe so geweint . . . mit heißen Bitten . . .
Und liebe dich noch mehr, weil ich um dich gelitten,
Als deine Feder keinen Brief, mir keinen Brief mehr schrieb.
Ich nannte Freund und Herr und Leuchtturmwächter
Auf schmalem Inselstrich,
Den Gärtner meines Früchtegartens dich,
Und waren tausend weiser, keiner war gerechter.
Ich spürte kaum, daß mir der Hafen brach,
Der meine Jugend hielt - und kleine Sonnen,
Daß sie vertropft, in Sand verronnen.
Ich stand und sah dir nach.
Dein Durchgang blieb in meinen Tagen,
Wie Wohlgeruch in einem Kleide hängt,
Den es nicht kennt, nicht rechnet, nur empfängt,
Um immer ihn zu tragen.
Ihr seid ja schneller bei euren Postings als der Paul da mit seiner an die Wand gelehnten aufgepishten Buttercremeschnitte - manno, da komm ich ja kaum mit!
Oben stehen abba schon die ersten beiden Zeilen vom ersten Quartett vonn'net Sonett.
Auf einmal also bist du wieder da,
Und jeder brave Vorsatz ist verloren.
Ich hatte es mir diesmal zugeschworen;
... Und kämst du selbst aus Innerafrika:
Aus und vorbei! - Doch schon ist es zu spät.
Nun sitz ich, wie das heißt, in deinen "Netzen".
Man sollte meine Seele strafversetzen
In ein Revier, das dir nicht untersteht.
Wußt ich denn nicht, daß es sehr ratsam ist,
Dich mit gut eingeübter Kühle fortzutreiben?
Wie aber soll ich denn vernünftig bleiben,
Wenn du mir leider so sympathisch bist?!
Als wäre nichts geschehn tauchst du nun auf,
Mein kleines bißchen Ruhe zu zerstören.
Es ist so schwer, das Böse abzuwehren.
-Ich geb es auf.
Und weiß: ein Herz, das man schon mal verlor,
Reist nur noch in getragenen Gefühlen,
Und während wir noch einmal "Liebe" spielen,
Bereit ich mich zum nächsten Abschied vor.
Dein Lächeln ist nicht mehr genug,
deine Schönheit, deine Nähe,
wenn du die Gefühle,
die du in mir ins Leben rufst,
so schnell in die Verbannung
oder in den Tod schickst.
Ich hätte nie gedacht,
daß wir so tief fallen können.
Doch was nützen Worte,
wenn unser Schweigen versagt.
Bin beeindruckt. Die Palette ist schon ganz beachtlich.
Bei dem posting-Tempo kann ich ja kaum mithalten.
Mein persönlicher Favorit ist dieser Fried'sche Don Juan,
den kannt ich nicht. Hat was, der Typ - also, das Gedicht,
mein ich.
Dank an Jolante.
Dank abba auch an ear, Klaus, augustine, zuppanova, arisia, lost, windflug -
hab doch nicht etwa wen vergessen?
Erstes Quartett iss fettich.
Was kommt dann?
Das erste Quartett
das ist jetzt komplett,
der olle Paule,
der laue - schlaue,
der kriegt da sein Fett!
Schick ihn doch ins Kloster,
Einsicht, Kontemplation, Exerzitien!
LG Klaus
Ergänzung:
Ein Freund von uns würde ihn gerne
kennenlernen, er kennt sich mit dem
an die Wand stellen auch gut aus -
er ist schwul, das macht doch nichts,
oder? Aber er kann ihm dann leider
nicht in die lyrischen Augen schauen.
Aua, das war jetzt böse...
Verschling der Abgrund meines Liebsten Huette,
An ihrer Stelle schaeum ein See zur Stunde,
Bleikugeln soll der Himmel drueber schuetten,
Und eine Sclange hause dort im Grunde.
Drin hause eine Schlange giftger Art,
Die ihn vergifte, der mir untreu ward.
Drin hause eine Schlange, giftgeschwollen,
Und bring ihm Tod, der mich verraten wollte!
Als ein unergründlich Wonnemeer
Strahlte mir dein tiefer Seelenblick, -
Scheiden mußt ich ohne Wierderkehr,
Und ich habe scheidend all mein Glück
Still versenkt in dieses tiefe Meer.
Yaahaa!
So, hier iss Fortsetzung fällig.
Scrollt euch nach oben,
da könnt ihr lesen
wie es weitergeht mit Rosa und Paul.
Ich garantier nicht
fürn Happy-Ending ...
Gretchen, ich kann alles Weitere kaum erwarten, so spannend machst du es! ear
Du sagst mir, dass ich keine Fuerstin sei ;
Auch du bist nicht auf Spaniens Thron entsprossen.
Nein, Bester, stehst du auf bei Hahnenschrei,
Faehrst du aufs Feld und nicht in Staatskarossen.
Du spottest mein um meine Niedrigkeit,
Doch Armut tut dem Adel nichts zuleid.
D,u spottest, dass mir Krone fehlt und Wappen,
Und faehrst doch selber nur mit Schusters Rappen.
Du, die mit süßen Blicken
Sich stahl ins Herze mir,
Du, meiner Seel’ Entzücken
Durch holden Lächelns Zier:
Komm, ende meine Not,
sonst hilft mir nur der Tod.
Sieh, wie mit zierem Prangen,
Mit deiner Schönheit Glast
Mein Wesen du gefangen,
Mein’ Ruh geraubet hast:
Denn nur dein Bild allein
Füllt meines Herzens Schrein.
Willst meiner Qualen Brennen
Dich gar nicht rühren lan,
Willst nimmer du erkennen,
Was Leides du mir tan:
Dann meiner Liebesnot
Taugt einzig nur der Tod.
O waerst du mein, es waer ein schoenres Leben
So aber ist's Entsagen nur und Trauern,
Nur ein verlornes Grollen und Bedauern.
Ich kann es meinem Schicksal nicht vergeben.
Undank tut wohl und jedes Leid der Erde,
Ja! meine Freund in Saergen, Leich an Leiche,
Sind ein gelinder Gram, wenn ich's vergleiche
Dem Schmerz, dass ich dich nie besitzen werde.
Weil heute Mittwoch ist, fang ich mal mit dem ersten Terzett an.
Rosa hat sich inzwischen gut warmgeschimpft.
Aber ob sie sich wirklich befreit?
Maa guggen ...
Auf der Treppe sitzen meine Oehrchen,
wie zwei Kaetzchen, die die Milch erwarten...
Auf der Treppe sitzt mein Herz und harret,
wie ein Geistchen, Kinn in Hand gestuetzet.
Doch der Bote mit den Briefen kommt nicht.
Taub und ohne Seele drin im Zimmer
lieg ich.Wuensche nichts zurueck zu haben.
Nicht das rosa Kaetzchen, nicht das Geistchen.
Wenn ich heut nicht deinen leib beruehre
Wird der faden meiner seele reissen
Wie zu sehr gespannte sehne.
Liebe zeichen seien trauerfloere
Mir der leidet seit ich dir gehoere.
Richte ob mir solche qual gebuehre
Kuehlung sprenge mir dem fieberheissen
der ich wankend draussen lehne.
(Buch der haengenden Gaerten, vertont von Schoenberg)
Wenn du mich köntest lieben,
o du mein Ich,
gleich wie ich dich,
so wär' ich ohn' Betrüben.
Daß du mich aber nicht hältst wert,
das ists, das mich so sehr beschwert.
Sonst Allen dich alleine
setz' ich weit für:
das schwer' ich dir
bei Phöbus güldnem Scheine,
bei Gott Kupidos süßer Glut.
Dir nur alleine bin ich gut.
Du kanst mich ja nicht hassen,
daß ich die Zier,
so wohnt in dir,
nicht denke zu verlassen,
die einen Ieden ingemein
beweget dir geneigt zu sein.
Siehst du nicht, wie ich weine
und wegen dir,
o meine Zier,
fast nicht zu trösten scheine?
Du siehst und nimst dichs doch nicht an,
daß mir sonst Niemand raten kan.
Ach! laß dich doch erbitten,
mein einigs Ein,
durch diese Pein,
die ich so oft erlitten!
Schaff', Herze, schaffe doch einmal,
daß ich mich freue nach der Qual!
Du kleisterst in mir.
Mitten in der Nacht
erschreckst du mich
mit deiner Abwesenheit.
Vieles bleibt
( )
zu Vieles
ausgesprochen
zwischen uns.
Seit wir nicht mehr
miteinander reden
habe ich nichts mehr
zu sagen.
Du hast die Stühle ausein
andergerückt und
mit gönnerhaftem
Lächeln
die Trennung.
.Alles Gute.
Nein. Danke.
Du kleisterst in mir.
Kopflos.
Hab ich mich aus dem
Staub gemacht.
Die Fahrkarte kostete
117 DM. Ich werde sie von
der Steuer absetzen
Keine Angst.
Singet nicht in Trauertoenen
Von der Einsamkeit der Nacht!
Nein, sie ist, o holde Schoenen,
Zur Geselligkeit gemacht.
Wie das Weib dem Mann gegeben
Als die schoenste Haelfte war,
Ist die Nacht das halbe Leben,
Und die schoenste Helfte zwar.
Koennt ihr euch des Tages freuen,
Der nur Freuden unterbricht?
Er ist gut, sich zu zerstreuen;
Zu was anderm taugt er icht.
Aber wenn in naechtger Stunde
Suesser Lampe Daemmrung fliesst'
Und vom Mund zum nahen Munde
Scherz und Liebe sich ergiesst;
Wenn der rasche, lose Knabe,
Der sonst wild und feurig eilt,
Oft bei einer kleinen Gabe
Unter leichten Spielen weilt;
Wenn die Nachtigall Verliebten
Liebevoll ein Liedchen singt,
Das Gefangnen und Betruebten
Nur ein Ach und Wehe klingt:
Mit wie leichtem Herzensregen
Horchet ihr der Glocke nicht,
Die mit Zwoelf bedaechtgen Schlaegen
Ruh und Sicherheit verspricht!
Darum an dem langen Tage
Merke dir es, liebe Brust:Jeder Tag hat seine Plage, Und die Nacht hat ihre Lust!
Geh fort von mir. So werd ich fürderhin
in deinem Schatten stehn. Und niemals mehr
die Schwelle alles dessen, was ich bin,
allein betreten. Niemals wie vorher
verfügen meine Seele. Und die Hand
nicht so wie früher in Gelassenheit
aufheben in das Licht der Sonne, seit
die deine drinnen fehlt. Mag Land um Land
anwachsen zwischen uns, so muss doch dein
Herz in dem meinen bleiben, doppelt schlagend.
Und was ich tu und träume, schließt dich ein:
so sind die Trauben überall im Wein.
Und ruf ich Gott zu mir: Er kommt zu Zwein
und sieht mein Auge Zweier Tränen tragend.
(Elizabeth Barrett Browning / 1806-1861
Sonette aus dem Portugiesischen Nr. VI
aus dem Englischen von Rainer Maria Rilke)
Okeeh, auf in die Schlussrunde!
Wird Rosa sich final befreien?
Naja, einiges deutet drauf hin ...
am besten oben lesen und nochmal
dat ein oder andere Liebesleidensgedicht
posten: dann wird dat schon!
Ueber Gipfel und Saaten
In den Glanz hinein-
Wer mag sie erraten,
Wer holte sie ein?
Gedanken sich wiegen,
Die Nacht ist verschwiegen,
Gedanken sind frei.
Erraet es nur eine,
Wer an sie gedacht,
Beim Rauschen der Haine,
Wenn niemand mehr wacht
Als die Wolken da fliegen-
Mein Lieb ist verschwiegen
Und schoen wie die Nacht.
Angenehmes Frühlingskindchen,
Kleines Traubenhyazinthchen,
Deiner Farb und Bildung Zier
Zeiget mit Verwundrung mir
Von der bildenden Natur
Eine neue Schönheitsspur.
An des Stengels blauer Spitzen
Sieht man, wenn man billig sieht,
Deiner sonderbaren Blüt
Kleine blaue Kugeln sitzen,
Dran, so lange sich ihr Blatt
Noch nicht aufgeschlossen hat,
Wie ein Purpurstern sie schmücket,
Man nicht sonder Lust erblicket.
Aber wie von ungefähr
Meine Blicke hin und her
Auf die offnen Blumen liefen,
Konnt ich in den blauen Tiefen
Wie aus himmelblauen Höhen
Silberweiße Sternchen sehen,
Die in einer blauen Nacht,
So sie rings bedeckt, im Dunkeln
Mit dadurch erhöhter Pracht
Noch um desto heller funkeln.
Ihr so zierliches Gepränge,
Ihre Nettigkeit und Menge,
Die die blauen Tiefen füllt,
Schiene mir des Himmels Bild,
Welches meine Seele rührte
Und durch dieser Sternen Schein,
Die so zierlich, rein und klein,
Mich zum Herrn der Sterne führte,
Dessen unumschränkte Macht
Aller Himmel tiefe Meere,
Aller Welt- und Sonnen Heere
Durch ein Wort hervorgebracht;
Dem es ja so leicht, die Pracht
In den himmlischen Gefilden
Als die Sternchen hier zu bilden.
Durch dein sternenförmig Wesen
Gibst du mir, beliebte Blume,
Ein' Erinnerung zu lesen,
Daß wir seiner nicht vergessen,
Sondern in den schönen Werken
Seine Gegenwart bemerken,
Seine weise Macht ermessen
Und sie wie in jenen Höhen
So auf Erden auch zu sehen.
Barthold Hinrich Brockes, 1727
Dank fürs Mitraten Gretchen; aber Du warst und bist noch mit eigenem Dichten beschäftigt - und bald fertig! Es ist schon jetzt köstlich! augustine mit poetischen Grüßen
Ich will von Atreus'Soehnen,
Von Kadmus will ich singen!
Doch meine Saiten toenen
Nur Liebe im Erklingen.
Ich tauschte um die Saiten,
Die Leier moecht ich tauschen!
Alcidens Siegesschreiten
Sollt ihrer Macht entrauschen!
Doch auch die Saiten toenen
Nur Liebe im Erklingen!
So lebt den wohl, Heroen!
Denn meine Saiten toenen,
Statt Heldensang zu drohen,
Nur Liebe im Erklingen.
Guten Morgen! Rosa kommt so langsam auf den Punkt.
Das einzige, wovor ich beim Sonett machen Angst happ,
ist die potentiell immer mögliche Antiklimax am Schluss.
Immer leiser wird mein Schlummer,
Nur wie Schleier liegt mein Kummer
Zitternd ueber mir.
Oft im Traume hoer ich dich
Rufen drauss vor meiner Tuer,
Niemand wacht und oeffnet dir,
Ich erwach und weine bitterlich.
Ja, ich werde sterben muessen,
Eine andre wirst du kuessen,
wenn ich bleich und kalt.
Eh die Maienluefte wehn,
Eh die Dossel singt im Wald:
Willst du mich noch einmal sehn,
Komm,o komme bald!
servus Gretchen,
da hätt ich noch was: muss man sich natürlich gesungen vorstellen,
sonst wirkt's nicht!
leider hab ich keinen link zu einer mp3-version parat ...
lg, zuppa.
___________________________
Ich steh' im Regen und warte auf Dich, auf Dich.
Auf allen Wegen erwart' ich nur Dich, immer nur Dich.
Der Zeiger der Kirchturmuhr rückt von Strich zu Strich, ach, wo bleibst Du denn nur?
Denkst nicht mehr an mich?
Und ich steh' im Regen und warte auf Dich, auf Dich.
Immer warten nur die Menschen, die wirklich lieben.
Kommst Du noch nicht? Wie die fallenden Tropfen am Ärmel zerstieben -
Ich steh' im Regen und warte auf Dich, auf Dich.
Auf allen Wegen erwart' ich nur Dich, immer nur Dich.
Der Zeiger der Kirchturmuhr rückt von Strich zu Strich, ach, wo bleibst Du denn nur?
Denkst nicht mehr an mich?
Und ich steh' im Regen und warte auf Dich ...
(Zarah Leander, in dem Film "Zu neuen Ufern", 1937)
deine Wortakrobatik ist wie immer umwerfend und bringt den Befreiungsschlag von Rosa überzeugend zum Ausdruck. Schön ironisch ist das Ganze auch. Ein solch geharnischter Brief einer Betrogenen geht einer solidarischen Frau natürlich runter wie Öl. Papier ist geduldig. Aber wie steht es wirklich um Rosa ? Das würde mich brennend interessieren. Und wer könnte das besser wissen als der Autor von "Rosa, lies" ! Wie würde er wohl Rosa auf Pauls Brief antworten lassen ? Es gibt ja auch noch Briefe von ear, zuppa und mir zu losts Beitrag "Rosa, lies". Könnte sich Rosa wohl mit deren Inhalt identifizieren ? Fragen, die nur lost beantworten kann. Ich bin gespannt !
Hallo Gretchen,
hab mich köstlich amüsiert bei deinem Text, der Kontrast zwischen Form und Inhalt macht die Sache noch interessanter, wirklich ein starkes Stück!
Als Sonett kann ich sogar etwas aus eigener Feder beisteuern:
Verlangen (Teil 2 einer erotischen Trilogie)
Will deinen Leib für mich entdecken
und dich mit allen Sinnen spüren.
Ich will dich fühlen, riechen, schmecken
und dich mit zarter Hand verführen.
Will meine Haut an deine schmiegen
und deine Lippen sanft umschmeicheln,
Will mich in deinen Armen wiegen
und deine Glieder zärtlich streicheln.
Will mich in deinem Schoß vergraben,
dir dabei höchste Wonnen schenken,
aus deinem Liebeskelch mich laben
und mich berauscht in dich versenken.
Ich will den Liebesrausch vereint mit dir genießen
und mich vor Lust erschauernd heiß in dich ergießen!
Schönsten Dank für die Beigabe deines Eigen-Sonettes.
Zu Rosas Schimpftirade ist es ja wie das positive Gegenstück,
die Zusage, Zu-neigung, Hinwendung gegen den Abgesang gestellt.
Hab bissken rumgerätselt, was wohl die anderen Teile deiner sonetten Erotik-
Trilogie sein könnten, abba die durchschlagende Einsicht kam nicht.
Vielleicht:
Entsagung <----- Verlangen -----> Erfüllung ???
Naja, ich glaube, du solltest es verraten und lesen lassen ...
Im Anfang war es wenig, was uns einte.
Es wurde, sterbend, mehr.
Anfangs war Rausch, doch darin keimte
Vergangenheit, unänderbar, planetenschwer:
Ein Plastiksong schlug eine unbemerkte Wunde,
ein Blick, ein Schweigen, jäh und kampfesleer,
die Plauderei in einer ungeschützten Stunde,
ein Blütenfall, der Duft von Haut, vom Meer:
Was wandelte das Nichts zu steinernen Gestalten
in Nekropolentiefen, tot nicht, doch ein Totenzug,
der nächtens kriecht aus zerebralen Falten?
War das denn nicht nur spurenloser Vogelflug?