Flügellos · seraphina · ·


Tod · Forum für Literatur & Germanistik
 

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      seraphina



Flügellos

   19.01.2007, 16:29



Noch keine Flügel
und doch schon davongeflogen
ich weiss nicht wohin....

Zurück bleibt die Schuld

Niemals
in deine Augen sehen
Nie erfahren
wer du bist

Obwohl wir uns so nahe waren

Du warst ein Teil von mir
Doch unsere Zeit
war begrenzt

Von Anfang an

Ich wünschte
du könntest verstehen
dass meine Flügel
nur mich selbst getragen haben

Zu schwach
zu feige
auf der Flucht

Du holst mich ein
mit Flügeln
die ich dir verweigert habe

 

      Jolante



RE: Flügellos

   21.01.2007, 12:50 / 1 x geändert



Liebe Seraphina,

dein Gedicht hat mich sehr betroffen gemacht. Ich assoziiere es mit der Abtreibung eines Kindes, die Schuldgefühle in der Mutter auslöst und Trauer über die verlorene gemeinsame Zeit, die "von Anfang an" begrenzt war. Das lyr.Ich, das "zu schwach, zu feige, auf der Flucht war" hat die Mutterschaft nicht angenommen, hat das Kind "fortfliegen" lassen, obwohl es noch keine "Flügel" hatte, noch nicht lebensfähig war. In seine drückenden Schuldgefühle mischt sich der Schmerz über den Verlust des kleinen Engels, der das lyrische Ich einholt mit "Flügeln", die es ihm verweigert hat. - Ein ganz starker Schluss in diesem mir nahegehenden Gedicht, das mir auch in Stil und Gliederung sehr gut gefällt !
Wenn mein Interpretationsversuch in die Irre geht, bitte ich dich, mir das nachzusehen.

Gruß Jolante

 

      ear



RE: Flügellos

   21.01.2007, 20:49 / 2 x geändert



Liebe Seraphina
Auch ich bin betroffen wie Jolante , es liegt eine tiefe Tragik in deinem Gedicht. Nur wuerde ich es mehr als ein Weggeben des Neugeborenen zur Adoption sehen, wodurch die Tragik gemildert wird, weil die Mutter ihrem nicht angenommenen Kind ein von ihr unabhaengiges Leben ermoeglicht.Doch vielleicht liege ich falsch in meiner Annahme. 'Tot' waere demnach nur das Verhaeltnis von Mutter und Kind. Lieben Gruss, ear.

 

      seraphina²



RE: Flügellos

   22.01.2007, 15:18



Du liegst völlig richtig, Jolante. Es war auch Absicht, so deutlich zu sprechen. Der Tod sollte einen starken "Anstrich" erhalten.




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