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ear
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16.01.2007, 19:49 / 3 x geändert
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Lautlos kriecht Daemmerung durch die wenigen Ritzen des Hauses, welches im letzten Jahr zum zweitenmal Fenster und Tueren erhielt.Waehrend der vergangenen Monate , passten sie sich, mit Feinstaub bedeckt, dem Stil besser an. Das kleine Split-Level –Haus hat nur 40 Jahre auf dem Puckel: ein Nichts, im Vergleich zu 300 jaehrigen Cottages mt Holzbalken und Inglenook Kaminen, welche von Londonern gern als Zweitwohnung gekauft werden. Drei Familien bewohnten das Haus vor uns, ihre Spuren sind verweht. Der letzte Besitzer wanderte nach Amerika aus, weil sein Beruf ihn dazu zwang.
Es ist unser Haus geworden, gehasst, weil die steile Auffahrt uns fast jedes Jahr eine Ueberschwemmng der Garage bringt, die mein Mann, trotz aller Versuche, bisher nicht abwenden konnte. Er beschwert sich auch sehr ueber die Nachteile eines Split-Levels, welches ihn oben im Wohnzimmer, umgeben von Buecherwaenden allein sitzen laesst, waehrend ich, zwei Ebenen tiefer im Esszimmer, am grossen Tisch schreibe und lese, mit einer Durchreiche und fehlenden Tueren, in dichtem Kontakt zur Kueche hin . Fuer mich jedoch ist es ein geliebtes Haeuschen .
Der Architekt, welcher das Haus am Hang baute, hat, meiner Meinung nach, sehr weise gehandelt. Durch bequeme, zweigeteilte Treppen kann man jederzeit zusammenkommen, ist aber auch ebenso schnell wieder getrennt und kann seinen persoenlichen Neigungen nachgehen. Jeder Raum hat einen Blick auf Nachbar-Baeume und unseren kleinen Garten, geschuetzt von allen Seiten, bietet uns Erholung bei guenstiger Witterung.
Buecherwaende, zum Bersten gefuellt geben jedem Raum seine Atmosphaere, nur unterbrochen von Bildern. Die Moebel sind alt, nicht kostbar, aber sie haben uns bisher allen gewuenschten Komfort gebracht.
Bei Sturm pfeift der Wind und verfaengt sich aufheulend an der Nachbarwand, denn Ipswich liegt nur 18 Kilometer von der Nordsee entfernt. Seltsame Geraeusche durchbrechen die Naechte, wenn Heizungs-Boiler, Kuehl- und Eisschrank ihre eingestellten Temperaturen erreichen. Unsere
Sonneneinstrahlung ist gross. Wir haben sie von morgens bis abends, bedingt durch die Lage des Hauses. Zwar sind wir keine Gaertner, aber viele Wildblumen und Kraeuter wachsen ueppig und naturbelassen um die Terrasse herum frequentiert von Schmetterlingen,Voegeln, Igeln und Eichhoernchen.
Suffolk ist bekannt bei Menschen, welche ausspannen wollen wegen seiner gelassenen Lebensweise, der Stille, der Nordsee, mit kieselstein-reichen Straenden. London liegt etwa eine Stunde entfernt mit dem Schnellzug, oder drei Stunden mit dem National Express, doch die Leute wissen Ruhe zu schaetzen. Das Leben der Metropolis liegt zum Greifen nahe, fuer den, der es braucht.
Es dauerte ein Jahrzehnt, bis ich mich, aus der Grossstadt Hamburg kommend, eingewoehnte. Den gelassenen Lebensstil hier in Suffolk moechte ich nicht wieder missen, aber als Hamburgerin zieht es mich trotzdem jedes Jahr einmal nach Deutschland zurueck.
Ich liebe den Gingkobaum in unserem Garten, der ein Symbol fuer Deutschland und Lyrik um die Goethezeit herum ist, die wurmzerfressenen Baumwurzeln, in denen sich Hirschkaefer eingenistet haben und in denen sich Verstecke fuer Nuesse befinden. In der Hecke werden bald wieder viele Vogelarten nisten, ich habe dann nur die Aufgabe (soviel wie moeglich waehrend der Brutzeit), Katzen zu verjagen .
Mit meinen fortgeschrittenen Jahren kann ich mir solchen Luxus erlauben, ich schaeme mich dessen nicht, ear.

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Jolante
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Hallo ear,
es ist ein schönes Bild, das du von deinem Lebensgefühl in einem Split-Level-Haus in Suffolk gezeichnet hast. Sofort wurde mein Voyeurismus angestachelt, denn du hast sehr präzise und liebevoll das Innere und Äußere dieses "Häuschens" beschrieben, das die Räume auf verschiedene Ebenen verteilt. Ich rieche die Nordsee, höre den Wind pfeifen, sonne mich auf der Terrasse und beobachte Vögel, Schmetterlinge, Igel und Eichhörnchen in einem Ambiente von Wildblumen, Kräutern, Bäumen und Sträuchern. Im Haus sehe ich dich und deinen Mann, umgeben von Büchern, Bildern und alten, soliden Möbeln. Es ist eine Idylle, die du zeichnest und in die du mich hineinziehst. Ich kann nun nachvollziehen, wie du es genießt, dieses ruhige und sinnerfüllte Leben. - Und London ist ganz nah, wenns mal zu ruhig werden sollte.
Ich hab sie gern gelesen, deine Aufzeichnungen, und freue mich auf mehr "ear" !
Gruß Jolante

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Klaus
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17.01.2007, 06:08 / 1 x geändert
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Liebe ear,
mit deiner liebevollen Beschreibung habe ich den
gestrigen Abend beendet und beginne den heutigen
Tag.
Das Haus als Traumsymbol für unser inneres Selbst -
mit mehreren Etagen, alten, bewährten Möbeln, viel
Wissen und Lebenserfahrung an diesem Ort...
Es lebt, es ist offen und geschlossen zugleich, es darf
sich sogar räuspern, alles wird angenommen und so
akzeptiert, wie es sich zeigt. Auch die Umgebung spürt
dies, fühlt sich hingezogen, möchte da-bleiben. Und ist
willkommen, solange es Gutes beabsichtigt, nicht böse
werden will. Das Haus und ihre Besitzerin haben ein
weites, tiefes Herz. Und eine weiten, offenen Geist, der
möchte und kann Ausflüge unternehmen, er ist welt-
weit vernetzt, atmet wie das Haus in und mit der Welt.
Das Meer weist auf das Unbewußte und den spirituellen
Raum, es ist vor der eigenen Tür, mann/frau kann es
riechen und schmecken. Es ist damit im eigenen Haus.
Es ist lebendiger Frieden.
LG Klaus

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arisia (Gast)
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hi, ear,
dein text beschwört fast einen zauber. ich kann mich genau einfühlen, in die von dir beschriebene
atmosphäre, das bild eines kleinen wilden häuschens entsteht vor meinen augen, ein bißchen
zauberisch. ich kann mir vorstellen, daß man, wenn man innerhalb dieses hauses ist, die welt
draußen ganz vergessen kann, ganz eintauchen kann, in eine märchenhaft anmutende
atmosphäre, geprägt von büchern und wind, einem wind, der einem geschichten zuträgt, die sich
dann in den büchern wiederfinden.
das klingt vielleicht ein bißchen kraus, was ich da gerade schrieb, nun, ich denke, krause gedanken
führen oft zu interessanten texten.
liebe grüße
arisia

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