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Online
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gregor libkowsky
mmazzurro
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ferdi
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13.01.2007, 20:23 / 2 x geändert
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Ruhig werden
Nur Augenblicke weht der Wind und hebt
.....Ein Blatt am Ast, vergeht dann in den Weiten.
.....Du spürst den leisen Tod vorüber schreiten
.....Und etwas in der Welt, das jetzt noch lebt,
Ist nun schon tot. Ein Wassertropfen bebt,
.....Beginnt zum Rand des Blattes fortzugleiten
.....Und fällt. Ein Leben aus der Welt geleiten
.....Weißt du den Tod, der still vorüber strebt.
Unendlich viele Leben birgt die Welt
.....Im Leben, und der eine Tod enthält
.....Unendlich viele Tode. Im Moment,
Da auf die Haare dir das Blatt hinsinkt,
.....Bemerkst du einen Tod, der freundlich winkt,
.....Grad so, als ob er dich schon ewig kennt.
.....

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augustine
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Ja, Ferdi, grüß Dich nun am Sonntag. Ich habe nun gelesen und wieder gelesen, und denke:
ein großartiges Sonett mit einer klaren Aussage in Silbe für Silbe erspürten Worten, und mit einer Botschaft an Dich selbst und uns alle: "Ruhig werden."
Es geht um Leben und Tod, genauer: um den Tod als den Preis des Lebens, gegen den nicht zu revoltieren ist, sondern der angenommen werden sollte und dann ruhig werden lässt.
Seine Allegorie ist der Windhauch und die des Lebens das Blatt, noch am Ast zunächst. Ein leiser Wind hebt es immerhin so weit an, dass ein Wassertropfen (die Allegorie dessen, was wir er-leben? erlebt haben, das Ende dessen?) bewegt wird und fällt. ("vorüber schreiten" ist in der Sanftheit - ich mag das Wort -, die die Stimmung des ganzen Sonetts ausmacht, mir eigentlich zu kräftig in der Aussage, "gleiten" fiel mir ein, aber das wurde in der 2. Strophe gebraucht; ich möchte nur drauf hinweisen, weiß jetzt auch nichts Passenderes.) - Die Konstruktion des nächsten Satzes ist ungewöhnlich, aber, wie finde, schön gerade dadurch: aufgelöst: du weißt es (hast es gesehen und verstanden, als der Wassertropfen fiel), dass der Tod in jenem Augenblick ein Leben aus der Welt geleitet hat (gramm. ein langes Akk.Objekt). - Es gibt das Leben und den Tod als Abstrakta, und in ihnen viele Leben und viele Tode. Statt "unendlich" evtl. "unzählbar"? Was nicht zählbar ist, ist nicht auch unendlich. - Sehr schön die Geste: das Blatt sinkt auf die Haare, und diese Berührung heißt: Komm.
Schöne Reime und Assonanzen: weht/hebt/vergeht/lebt/bebt/strebt//Weiten/leisen/schreiten/fortzugleiten/g
eleiten/weißt.
Eine "Nörgelei", vielleicht nur Frage: v.4 "jetzt", v.5 "nun": "nun" ist später als "jetzt"; enthalten die beiden Worte das?
Danke! augustine

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arisia (Gast)
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hi, ferdi,
dein sonett wirkt auf mich fast wie eine meditation. der leser gleitet mit der geschmeidigkeit der sätze in die stille der betrachtung.
der genaugigkeit der aussage wegen, würde ich, wie augustine auch für unzählbar an beiden stellen plädieren, wie augustine schon angemerkt hat, aber dann würde sich die betonung auf unzählbar verschieben, die so, wie die zeile jetzt da steht, eher auf “leben” und “tode” liegt, was mir in bezug auf den sinn des textes stimmiger erscheint. wer weiß schon, ob es nicht doch unendlich viele leben gibt. wenn das universum unendlich ist, in seiner gesamtheit, mit ständigem werden und vergehen, dann können auch leben und tode unendlich sein.
auf jeden fall gefällt mir das sonett formal wie auch inhaltlich rundum, ich mag solche überraschend zeilen und strophenübergreifende satzkonstruktionen.
auch die art und weise, wie das sonett gesetzt ist, finde ich sehr zum inhalt passend, ein stetes weitergleiten, ohne irgendwo anzustoßen, ohne in hektik zu geraten, von
“augenblicke” in der ersten zeile zu “ewig” in der letzten zeile, wobei das wort “ewig” hier an dieser stelle erfreulicherweise mal nicht abgenudelt wirkt, es passt genau.
wenn ich jetzt mal noch vom lautmalerischen den text betrachte, dann zeigen die vielen “e” und “ei” laute, daß der text wohl durchdacht ist, das thema lange getragen wurde, bis aus der wohl ersten beunruhigung über das ständige werden und vergehen, die gleichzeitigkeit von leben und tod, eine meditation wurde.
es gibt ein system, in dem die ”e” und “ei” laute dem intellekt, dem geist, zugeordnet werden, die ”u” laute hingegen, die in diesem text nur ganz wenig vorkommen, dem bauch.
liebe grüße
arisia
ps
immer noch kleinschreibung, komme erst am wo dazu mein system neu zu installieren.

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ferdi²
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Augustine, Arisia, ich danke euch für die ausführlichen Stellungnahmen zu diesem Text :) Ich glaube fast, ihr habt mehr darüber nachgedacht als ich... Auf jeden Fall habt ihn mir einige Ansatzpunkte gegeben, von denen aus ich neu über mein Sonett nachdenken kann!
Unzählbar statt unendlich ist eine sehr interessante Alternative. Das muss ich im stillen Kämmerlein mal in Ruhe durchdenken :)

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Gerd
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Hallo ferdi,
Dein Gedicht lese ich als ein persönliches Hanami, das sich in Deiner Form des Ausdrucks von einem Europäer leichter aufnehmen lässt. Die Akzeptanz und Annahme des Todes lässt ruhig werden. Das Fallen des Blattes, die leichte Berührung und die Allvergegenwärtigung steht für mich für den dann leichten Tod, der auch in unseren Breiten als durchaus freundlich angesehen wird.
Harmonie und Leichtigkeit, die Deine Zeilen ausstrahlen, haben etwas feierliches, dem Würde innewohnt. Ich danke Dir für das teilhaftig werden an Deinem Hanami.
Herzliche Grüße
Gerd

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