Kolibri · Elise · ·


Liebe · Forum für Literatur & Germanistik
 

Neue Beiträge   |   Registrierung   |   Lesungen Literatur auf YouTube - Gedichte - Forum für Literatur und Germanistik  |   dradio   |   Archiv   |   l o g i n

 
~ Startseite
kafkaesk
~ Neue Beiträge
~ Beiträge suchen
Literatur
~ Prosa
~ Gedichte
~ Diskussionen
~ Literaturwissenschaft
Literatur
~ Leseliste
~ Forenliste
~ Gäste-Chat
Literatur
~ Impressum

  Online

  Lesungen

  Piep, piep, piep...

  Aktuelle Themen

Dichte Reime

welt

Zwei Gedichte

Enjambements in Heyms Berlin III

G7sus4 (12-string) --> für chantal

Reise durch lit-on

Vatnajökull (prisma)

Achrad (6)

Trahisa (5)

Letzte Nacht

Straße

Glück ^^ Meine schönsten Aporismen !!!!!!!

Feierabendland

Mein Buchhändler

Ein Dogma

Distanz

in die nacht

Jahrestage

Der Musik Laden Faden II

Hausarbeit


 

      Elise



Kolibri

   27.12.2006, 17:51 / 1 x geändert



Picaflor

Der Kolibri an meinem Herzen
reißt mir die Brust auf
(80 mal jede Sekunde)
mit seinem Flügelgeschwirr.

In meiner Mitte die Wunde
blüht nachts feuerrot: eine Blume.
Ich schmecke mein Blut.

(Mehr ein Entwurf - vielleicht gibt es Verbesserungsvorschläge ... Elis.)



geänderte Fassung, según Marcel Frank:

picaflor

an meinem Herzen der kolibri
80 mal jede sekunde
mit seinem flügelgeschwirr

in meiner wunde
blüht nachts feuerrot: seine
blume ich schmecke mein blut

 

      augustine



RE: Kolibri

   27.12.2006, 19:15



Du suchst, indem Du sie widersprüchlich benennst, schrecklichen Widersprüchen Sprache zu geben, Elis. Du kannst ihnen Sprache geben, vermagst es, hast die Kraft.
Pica (Pica) ist die Elster (Brehm), die "schwerfällig" fliegt, nicht mit dem "Flügelgeschwirr" von 80/min (wiki, weil in meinem Volksbrehm nicht gefunden), der Leichtigkeit des Kolibris. Die Elster ist ein Raubvogel, jedenfalls auch; der Kolibri saugt Saft aus Blüten, die sich ihm darbieten. Er hat gar nicht die Kraft, etwas aufzureißen: die Brust, das Herz, die feuerrote Blume eines Herzens, die blutigrote, nachts.
Zu verbessern weiß ich fast nichts. Allenfalls das Rot von Feuer, Blume, Blut - aber was denn: deutlicher machen? Eigentlich ist es deutlich genug. Es ist 'gut', wie es ist. ("Es ist, wie es ist.") Es ist eine Klage, das jedenfalls lese ich.
Eine Klage, die mich als Leserin mit diesem klagenden Ich klagen lässt, weil der Kolibri sich zur diebischen Elster gewandelt hat - oder jetzt erst als solche erkannt wurde.
In der MITTE ist jetzt die Wunde, die der Raubvogel gehackt hat. JETZT, nicht auf immer. Die Mitte ist geblieben. Sie hat die Kraft, eine BLUME aus sich wachsen zu lassen. (Insofern vielleicht doch ein Rat: die letzte und die vorletzte Zeile vertauschen.)
augustine

 

      windflug



RE: Kolibri

   27.12.2006, 22:07



Hallo Elise,

Verbesserungsvorschläge habe ich nicht, denn ich halte dein Gedicht in dieser Form für sehr ausdrucksstark. Es entsteht eine ungeheure Spannung zwischen Schönheit - der Picaflor ist ein wunderschöner zarter Vogel und die feuerrote Blüte, an der er pickt, stelle ich mir ebenfalls als etwas sehr Exquisites vor - und Schmerz. Diese Wunde, die das ständig rasende Herz immer wieder aufreißt, blüht. Das entstehende Bild empfinde ich als sehr stark.

Liebe Grüße
windflug

 

      juey dai jia ren



RE: Kolibri

   28.12.2006, 09:00 / 3 x geändert



Liebe Elise,

du hast hier etwas versucht, was gar nicht mal so übel ist, aber letztendlich an ein paar banalen Fehlern und Unstimmigkeiten scheitert:

Im Leben muss man sich entscheiden. Bei Gedichten auch.
Ein unbefangener Leser weiss nicht, was das soll, ein Gedicht mit zwei Titeln.
Kolibri - Picaflor, ja was denn nun? Die Vermutung anderer user, hier Verwandlungen zu sehen, na ja, da ist wohl der Wunsch der Vater des Gedankens. Denn von deinem Text her ist das nicht mal im Ansatz zu belegen.

Wie ein nur ein paar Gramm schwerer Kolibri einem die Brust aufreissen kann, erschliesst sich auch keinem. Und die Brust reisst er auch noch mit Flügelschlägen (bischen komisches Wort bei einem 2g wiegenden Vogel) auf, nicht mit dem Schnabel? Die Flügelschläge wohl wegen der beindruckenden Schlagfrequenz von 80/sec, aber es ist halt irgendwo alles nicht nachvollziehbar.

Die feuerrote Wunde, Blut, na ja, die üblichen überstrapazierten Metaphern.
Hier aber zusammenhanglos, ja lieblos hingeworfen, ohne erkennbaren Grund oder gar Sinn.

Unterm Strich:
Kann man nicht viel Verbesserungsvorschläge machen, weil einfach die Substanz fehlt.
Sicher, gut gemeint, aber halt nicht so schlüssig, das ganze.

Viele Grüsse

juey

PS. Ich schreibe Kommentare in einem eher saloppen Stil, ich bin kein Mensch, der drumrum reden kann oder will. Meine Worte sind ehrlich und das, was ich denke. Es liegt mir fern dich herabsetzen oder beleidigen zu wollen. Ich möchte nur, dass du das weisst.

 

      Marcel Frank



RE: Kolibri

   28.12.2006, 14:18



Augustine hat schon eine s c h l ü s s i g e Lektüre vorgeschlagen. Dem ist nichts hinzuzufügen. Auf die Einwände jueys möchte ich zur Verteidigung des Gedichts - mit zusätzlichen Erläuterungen - reagieren. Sie hatte drei Einwände: Titel, aufgerissene Brust, überbordende Metapher.

(a) Der Titel ist Picaflor. Da gibt es gar nichts zu diskutieren. Was als Thread-Titel da steht, ist völlig egal. Daraus einen vierzeiligen Absatz zu machen, ist non-sense.
(b) juey liest die Stelle gegenständlich. Da das Gegenständliche nicht funktionieren kann, muss man sie freilich metaphorisch lesen. Da geht alles. Es ist keine Aufregung vonnöten. Die Kriegerprinzessin ist auch gepfählt und trotzdem bemerkenswert lebendig. Gepfählte aber sind tot. Sie ist es nicht. Also liest man es ebenfalls metaphorisch. Elise wie juey gestatten sich also Lizenzen. Der Einwand ist also halb richtig, halb unzulässig. Mein Lösungsvorschlag wäre dieser: Den Vers komplett streichen (er ist zu martialisch und davon hat es bereits Wortartisten aquí). Das Gedicht bekäme dann auch durch 2 x 3 Verse eine typographische Geschlossenheit. Der Vers bringt de facto: nichts (im ersten ist schon alles genannt).
(c) juey hat recht, wenn sie sagt, die Metaphern seien "üblich". Ja, das sind sie. Der erkennbare Grund/Sinn liegt aber in der ersten Versgruppe: Der Kolibri ist der schöngestaltige, symbolische Peiniger, der sich den "Nektar" des eigenen Lebens einverleibt. "Blut" und "Blume" sind so ineinandergeführt. Mag Blume nicht originell sein, so bildet sie dennoch mit Blut auch formal eine Alliteration.

Abschließend eine leichte Korrektur des Gedichts, die einige Einwände berücksichtigt und die Sinnfigur stärker akzentuiert. Serviervorschlag:

Der Kolibri an meinem Herzen
[gestrichen]
80 mal jede Sekunde
mit seinem Flügelgeschwirr.

Inmitten meiner Wunde [*]
blüht nachts feuerrot: Seine [*]
Blume. Ich schmecke mein Blut. [*]

An juey: Deine Einwände waren teils richtig, teils polemisch (s. Titel). Wie liest Du das Gedicht denn j e t z t, mit den oben gemachten Erläuterungen ? Mit dem "saloppen" Ergebnis "unterm Strich" kann ich nicht einverstanden sein. Mit dem ersten Satz schon: "du hast hier etwas versucht, was gar nicht mal so übel ist, ..."

 

      juey dai jia ren



RE: Kolibri

   29.12.2006, 22:31 / 3 x geändert



Lieber Marcel Frank,

dein korpulenter oder kompetenter Kommentar, wie auch immer man da sagt, hat mir zwar das Gedicht nicht erschlossen, aber ich gestehe ein, dass ich nicht alles verstehe und mit abstrakter Kunst ob sie nun bildlich oder textlich ist, sowieso überfordert bin. Ich habe hier nicht erkannt, dass das so ein abstraktes Teil ist, daher meine Kritik.
Nun weiss ich es zwar nicht besser, aber natürlich vertraue ich deinen Erläuterungen auch wenn sie ausserhalb meines Ereignishorizontes liegen.

Ein Wort noch zu Metaphern, ich benutze keine Metaphern, das "gepfählt" in meiner berühmten "Kriegerprinzessin" bedeutet erzwungenen Analverkehr, was sich ja auch durch das folgende "geschändet" erklärt. Richtige Pfählungen, wie im Mittelalter, gibt es ja heutztage meines Wissens nicht mehr, daher liegt die von mir gemeinte Bedeutung ja näher.

Eine Bitte zum Schluss: Wenn du Gedichte von mir, wie die "Kriegerprinzessin" erwähnst, sei doch bitte so gut und setze immer das Adjektiv "berühmt" davor. Du kannst das ja ganz einfach mit copy and paste machen, ist kein grosser Akt. Es sieht einfach für den Leser ansprechender aus und wäre auch mir gegenüber eine nette Geste.

Allerliebste Grüsse
und tiefer Respekt vor deinen erhellenden Kommentaren
von

juey

 
        arisia
        (Gast)

RE: Kolibri

   31.12.2006, 13:51



Hi, elise,

dein Gedicht spricht mich sehr an, und ich glaube ich kann gut nachvollziehen,
was du meinst. Formal würde ich mich nach Marcel Vorschlag in Bezug auf
die Gestaltung richten.

liebe Grüße und ein gutes neues Jahr
arisia

 

      Elise²



RE: Kolibri

   11.01.2007, 08:19



Danke für die Kommentare!

Liebe augustine, liebe windflug, ihr habt den Text trotz meiner unbeholfenen Darstellung (ja, hab das aus einem plötzlichen Impuls heraus so un-gar auf den Tisch gebracht ... ) lesen und verstehen können. Das freut mich.

Du, MF, hast mir mit deinen Erläuterungen und Vorschlägen sehr geholfen: was ich brauchte, wollte, suchte und allein nicht finden konnte, gabest du mir. Danke. Die Typographie (2 x 3 Verse) kommt mir natürlich sehr entgegen. Alles andere auch! Von deinem Serviervorschlag bin ich angetan und stelle (wie auch arisia meint) die neue Version oben mit hin --- wenn es nun auch gar nicht mehr ganz mein Text ist ... Hmm, ja, Vorschlag dazu: teilen! Du nimmst den Kolibri, ich behalte die Blume.

Morgendliche Grüße von Elis.




Views heute: 5.442 | Views gestern: 4.482 | Views gesamt: 5.487.483