Laut-er · augustine · ·


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      augustine



Laut-er

   18.12.2006, 17:19 / 4 x geändert



LAUT-ER. Zehn Sätze über Zugefallenes

Ich war jung, schwerhörig und beinahe blind.
Da erhörte ich die anturiengestützte Werbung eines Älteren.
Sein Eigennutz war sehr gut getarnt als Fürsorge.
Einen grünen Teppich legte er mir unter die Füße.
Dieser Traumerfüllung habe ich nicht widerstanden.

Die behutsame Annäherung eines leisen Lauteren sah und hörte ich nicht.
Ihn traf ich nach langer Zeit nochmals durch Zufall.
Ich erinnerte mich seiner nicht mehr.
Er erinnerte mich nicht.
Meine Erinnerung stieg später auf, nächtlich, aus Todestiefe.

 

      lost



RE: Laut-er

   18.12.2006, 22:57



nun, augustine, das liest sich!

zweimal ein Er:
der eine laut, der andere lauter.
das ist der Wort-Spiel-Boden, auf den der Text gestellt ist.
fünf Sätze für den Lauten (anturiengestützt: gefällt. womöglich
gerade deshalb, weil die Anturien mir so unsympathisch sind).
fünf Sätze für den lauteren Leisen und die Erinnerung.
drei Zeilen für das Postskriptum, das Kind -
was ist mit dem Kind?, fragt sich Leser.
es hat immer nur - was?

noch rätsele ich ein wenig über den grünen Teppich,
über die Traumerfüllung, welcher die Protagonistin nicht
widerstand. war es ein Garten?

eine lakonische Kurzbiografie in 10 Sätzen, Essenz
herausgearbeitet = das Zu-Gefallene eines Lebens.
kein Gejammer. keine Bitternis. keine Wehleidigkeit. gut.
der Bogen spannt sich weit, als Leser fühle ich mich nicht
vereinnahmt. die Protagonistin bleibt ganz bei sich.

soviel. von anderen sicherlich mehr und anderes.
regards, lost.

 

      Gretchen



RE: Laut-er

   19.12.2006, 08:02



Hei, alle!

Ich sag mal so:
eine abgeklärte Sprecherin schaut aus der Distanz auf ihr Leben und zieht ein Resümee. Das erste Paket, das ist der Weg, den sie tatsächlich eingeschlagen hat. Das zweite Paket, das ist der Weg, den sie nicht gewählt hat, das nicht gelebte Leben, die links liegen gelassene Möglichkeit, die sie als "Erinnerung" heimsucht: aus Todestiefe aufsteigt - heißt für mich, aus dem misslungenen gewählten Leben heraus.

Zeile sieben würd ich so schreiben:
"Ihn traf ich nach langer Zeit nochmals: ein Zufall."
Hängt abba mit dem persönlichen Sprachgefühl zusammen, klar.

Am Postskriptum kau ich noch rum.

Jaaa, Greetz mal wieder vom
Gretchen. Mich gibbet noch, woll ...

 

      juey dai jia ren



RE: Laut-er

   19.12.2006, 17:41



Liebe augustine,

dein Gedicht weist einige gute Ansätze auf, mal was anderes, innovativeres zu sein.
Leider übertreibst du dann die Ausdrucksweise dermassen ins gestelzte, dass es schon wieder unfreiwillig komisch wirkt.
Wenn man das Geschenk eines Blumenstrausses "anturiengestützte Werbung" nennt, dann ist das nicht mehr innovativ, sondern nur noch komisch.
Ich rate dir, auf der Suche nach neuen Worten, neuen Begriffen nicht zu übertreiben, sonst geraten deine Texte in Gefahr ins Lächerliche abzugleiten. Und das wäre doch schade.

Liebe Grüsse

juey
P.S. Das Gedicht ist ansonsten ganz passabel :-)

 

      augustine²



RE: Laut-er

   19.12.2006, 17:50



HAST DU NICHT VERSTANDEN? DOCH DU HAST VERSTANDEN. ICH WILL VON DIR KEINERLEI KOMMENTAR; LITERARISCH BIST DU AHNUNGSLOS:

 

      juey dai jia ren



RE: Laut-er

   19.12.2006, 20:07



Liebe augustine,

natürlich hab ich dein Gedicht verstanden. Ich sag doch, es ist ganz passabel. Nur so paar Kleinigkeiten, na ja.
Du hast dich unter anderem mit der Farbe vertan, jeder weiss doch, dass man rote Teppiche auslegt, nicht grüne z.B.
Aber das sind verzeihliche Flüchtigkeitsfehler die man locker korrigieren kann ohne den Sinn zu entstellen.
Ich bin literarisch sehr interessiert, ich lese viel. Ich hole mir (fast) jede Woche den neuesten Jerry Cotton Roman. Die sind gut und vom Preis her moderat, da hab ich schon viele Anregungen bekommen und manches gelernt.
Na ja, du schreibst ja auch selbst, du kennst das ja.

Danke für dein Feedback.

juey

 
        arisia
        (Gast)

RE: Laut-er

   19.12.2006, 20:52



hi, augustine,

mir gefallen in deinem Gedicht die behutsamen Anspielungen, das Zulassen der eigenen
Gedanken der Lesenden. Die Stimmung des LI kommt gut an.-
auf das PS würde ich in diesem Zusammenhang verzichten, eher ein eigenständiges
Thema daraus mache.

liebe Grüße
arisia

@juey,

die Anspielung mit dem "grünen Teppich" verstehst du nicht? tz, tz, dann mach dich mal
schlau!

 

      juey dai jia ren



RE: Laut-er

   19.12.2006, 20:59



"die Anspielung mit dem "grünen Teppich" verstehst du nicht?"

Liebe arisia,

ich bin es gewohnt, dass rote Teppiche für mich ausgelegt werden. Einen grünen für mich hinzulegen hat sich noch keiner gewagt.

Falls der grüne Teppich irgendwas bedeuten soll, so ist mir diese Anspielung nicht bekannt.

juey

 
        arisia
        (Gast)

RE: Laut-er

   19.12.2006, 21:03



eben deswegen meinte ich, mach dich mal schlau

arisia

 

      juey dai jia ren



RE: Laut-er

   19.12.2006, 21:06



Hab ich versucht, finde aber nur irgendwelche Rasenangebote für Gärtner. Das kanns doch wohl schlecht sein. Oder doch?

juey

 
        arisia
        (Gast)

RE: Laut-er

   19.12.2006, 21:16



wie wärs mit eigenem Denken?
dazu braucht frau etwas literarischen und mythologischen Hintergrund.

arisia

 

      juey dai jia ren



RE: Laut-er

   19.12.2006, 21:39



warum löschst du deinen Kommentar nicht?
Was hat er mit dem Text zu tun?

Was hat das mit dem Text zu tun, ob ich über eigenes Denken verfüge?
Ob ich literarischen und mythologischen Hintergrund brauche?
Was hat das mit dem Text zu tun?

Du löschst doch so gerne, dann lösch erst mal deine eigenen Sünden.

Du kannst meine Sachen löschen wie du lustig bist, das bringt dir vielleicht kurzfristig Genugtuung, an mir perlt das ab, weil es dich zeigt, wie du bist, nicht mich.

juey

 
        arisia
        (Gast)

RE: Laut-er

   19.12.2006, 21:46



weiter in off-topic

arisia

 

      augustine²



RE: Laut-er

   22.12.2006, 00:03



für lost und andere ernsthafte Leser:
In dem Gedicht ist viel von mir drin; eigentlich zuviel. Das lyrische Ich ist ziemlich unkaschiert das Autor-Ich. Und also das Kind eine Person, die zu schützen war. Aber das ist nicht alles. Ich war einfach schlagartig unfähig, hinzuschreiben, was im Entwurf stand. Ich empfinde es als richtig so.
augustine

 

      lost



RE: Laut-er

   22.12.2006, 00:44



es freut mich, augustine,
dass du eine Rückmeldung gibst!
lyrisches Ich und Autoren-Ich können
sehr nah beieinander liegen, gewiss,
und das vermutete ich hier insgeheim.
es ist mutig, solchen Text freizugeben.
regards, lost.

 

      Jolante



RE: Laut-er

   22.12.2006, 22:07 / 1 x geändert



Liebe augustine,
nachdem du uns dein Gedicht als ein sehr persönliches offenbart hast, will ich mich ihm so behutsam wie möglich nähern. Ich neige dazu, mich losts Ausführungen anzuschließen. Der grüne Teppich (eine Wiese, ein verschlossener Garten, ein Park?) ist eine Verlockung, eine Traumerfüllung, der das lyrische Ich nicht widerstehen konnte. Der Lautere hatte gegenüber dem älteren erfahrenen Herzensbrecher(?) keine Chance, typisch für ein lyr. Ich, das selbst jung und unerfahren ist.
Die Erinnerung an den Lauteren stieg später auf, aus "Todestiefe", zu dem Zeitpunkt, als die Beziehung gescheitert, oder vielleicht als der frühere Partner gestorben war ? Im PS wird das Kind erwähnt, welches das lyr. Ich "termingenau
abgeliefert" hat. Wurde es im Falle einer Trennung dem Vater zugesprochen, oder ihm zu abgestimmten Besuchszeiten überlassen ? "Es lebt, es ist gesund", das spricht allerdings metaphorisch eher für den Zeitpunkt kurz nach der Geburt des Kindes, aber was bedeutet "Es hat immer nur..."? Ich habe also mehr Fragen als Antworten, will aber gar keine Antworten mit Rücksicht auf die Autorin, die sich stark mit dem lyr.Ich identifiziert. Es liegt vieles in dem Gedicht, über das es sich nachzusinnen lohnt. Wir müssen nicht alles wissen.

Jo




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