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Klaus
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08.12.2006, 15:45 / 3 x geändert
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Da ich ein Haiku-Anfänger bin, sende ich drei
und freue mich auf jede konstruktive Kritik:
Dampfende Hitze
ein Wasserfall dröhnend laut
ewiger Kreislauf
Spielendes Klavier
Klangbilder füllen den Raum
offene Sinne
Mißtrauischer Blick
Maske - verdecktes Gesicht
Lebenstheater
Danke/Gruß
Klaus

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ear
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Hallo, Klaus, habe selbst bisher nur eines geschrieben. Was ich darueber inzwischen gelernt habe, verdanke ich arisia.
Ich denke,dass die mittlere Zeile des dritten Gedichtes eine Silbe zu viel enthaelt. Siebenzehn Silben scheint das Hoechstmass zu sein, weniger ist moeglich, wegen der freieren Wortbildung im Deutchen. Haiku muss eine reine Beobachtung sein, auf eine Jahreszeit oder ein Bild derselben bezogen; ohne Metapher, ohne Schlussfolgerung und enthaelt eine Zaesur innerhalb der drei Zeilen. Gruss, ear.

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Klaus²
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Liebe ear,
-schon geändert. Und: sorry - ich wollte es unter
Haiku einstellen...
Danke! Gruß
Klaus

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Gretchen
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Heia Klaus,
bin auch keine Haiku-Fachfrau, wollte eben schreiben und sehe, ear hat das bereits eingebracht, was ich auch anmerken wollte. Und du hast ja auch schon geantwortet und geändert.
Das "verhärtete" Gesicht gefiel mir auch sprachlich/lautlich nicht gut, "verdeckt" iss besser, könnte mir auch "verhüllt" vorstellen oder nein (das geht nicht gut mit der "Maske" zusammen), eher noch "versteckt" - abba sooo nen großen Unterschied macht das nun auch nicht.
Zum ersten Haiku noch: warum ist da "dampfende Hitze"? Konnte ich nicht sofort deuten, legte es mir aber dann so zurecht, dass dieser Wasserfall sich offenbar in den Tropen befindet.
Hmmm, vielleicht läßt sich der thread ja noch rüberschieben, zu den Haikus.
Schöngrüßchen mal soweit, Gretchen.

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Klaus²
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Hallo Gretchen!
Danke für deine Zeilen.
Ja, das 1. Haiku ist ein wahrgenommenes Tropen-Bild.
Im 2. Haiku war ich nicht ehrlich genug, das ist mir
jetzt erst aufgefallen. Die 3. Zeile müßte lauten:
traurige Sinne
Das mag an meinem Alter liegen: da erlebte ich plötzlich
verklungene Bilder, Töne, Gefühle in den Händen -
aber das ist dann kein Haiku - das ist auch klar...
Gruß an dich
Klaus

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juey dai jia ren
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Lieber Klaus,
als Chinesin habe ich leider eine traditionelle Abneigung gegen alles japanische, dennoch, deine Haikus sind sehr schön.
Ich habe von den Regeln der Haikus keinerlei Ahnung, aber die Bilder gefallen mir. Vor allem das zweite.
Wenn ich auch - von meinem Musikgeschmack her - "spielendes Klavier" durch "pulsierendes Schlagzeug" oder "weinende Gitarre" ersetzen würde.
Aber die Musikgeschmäcker sind eben verschieden. Macht doch nichts.
juey

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ear
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10.12.2006, 11:46 / 1 x geändert
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Hallo Klaus, ich versuche es noch einmal . Ob es ein Haiku ist, weiss ich nicht. Hoffentlich kommen kritische Anmerkungen dazu:
Holly und Ivy
Schmuecken Treppen und Tuere
Weihnacht ist nah.
Gruss zum 2. Advent, ear.

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Klaus²
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10.12.2006, 14:40 / 3 x geändert
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Hallo ear!
Danke für dein Haiku.
Holly and Ivy - englische Weihnachtstradition?
Schmücken Treppen und Türe - die Ankündigung, Vorfreude?
Weihnacht ist nah - ja, das ist so.
Da ich mich erst seit ein paar Wochen an "Haikus"
herantaste, hoffe ich auf "Kritik"-Hilfe aus der
community. Aus meiner Wahrnehmung drückt es
Beständiges in begrüßender Erwartung auf ein
konstant-wiederkehrendes Ereignis aus.
Es fehlt mir persönlich etwas die "klassische" Spannung:
Die ersten beiden Zeilen sind nicht sehr lebendig -
die dritte Zeile würde dann als Kontrast besser passen -
wenn es geht, mit einem verstärenden Substantiv am
Schluß.
Aber auch hier gibt es ja wie immer im Leben
die Dogmatiker und die Erneuerer - und wie da jeder
Recht spricht!
Liebe Grüße
Klaus

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ear
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11.12.2006, 09:08 / 1 x geändert
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Hallo Klaus, hier ist ein Versuch der Aenderung:
Holly sticht Ivy
Schmueckt Treppen und Tuere
Nah ist die Weihnacht.
Gruss, ear.

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Klaus²
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Hallo ear,
jetzt ist meine Phantasie angesprochen!
LG

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arisia (Gast)
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hi, ear und Klaus,
dieses nochmal zum Haiku
auch im deutschsprachigen Raum hat das Haiku inzwischen Fuß gefasst. Im Deutschen ist das Silbenmuster 5-7-5 allerdings umstritten, da Silben in der deutschen Sprache viel freier gebildet werden können als im Japanischen und daher nicht zwangsläufig einen Rhythmus ergeben. Nach einer Gewöhnung an die typische Kürze des Haiku mittels des strengen Musters verfassen viele Autoren seit einigen Jahren immer öfter Dreizeiler ohne Silbenzählung. (wp)
Kriterien des Haiku:
3 Zeilen
5-7-5 Silben (optional)
17 Silben insgesamt (können inzwischen einige? weniger sein, aber nicht mehr)
Ein Jahreszeitenbezug, (Kigo) muß nicht wörtlich sein, es kann auch ein für die Jahreszeit typisches Bild verwendet werden
reine Beobachtung,
keine Metaphern, Chiffren, Schlußfolgerungen
Eine Zäsur, entw. nach der ersten, oder nach der zweiten Zeile
keine Erklärungen
von da her gesehen, sind alle Texte, auch das von dir ear, keine Haikus
bei ear: "nah ist die Weihnacht" ist keine Beobachtung, sondern eine Schlußfolgerung,
ebenso bei dir Klaus, das "Lebenstheateter, der ewige Kreislauf, sowie die offenen Sinne."
Auch müßte es heißen im ersten Haiku von dir Klaus:
DER Wasserfall DRÖHNT laut
nicht EIN Wasserfall, es kann ja nur der bestimmte sein, der gerade beobachtet wird,
auch nicht DRÖHNEND, das brächte noch mal eine Zäsür, die da nicht hingehört.
Die Silbenzahl ist nicht so stringent gefordert wie der Gehalt. :)
Außerdem fehlt in allen drei Texten der jahreszeitliche Bezug. Die Jahreszeit muß nicht
explizit erwähnt werden, aber erkennbar sein.
Es gibt noch eine andere Form, das Senryu, in die kann auch eigenes gefüllt werden, aber da kenn ich mich nicht so gut mit aus.
liebe Grüße
arisia

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Klaus²
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Hallo arisia!
Danke für diese kritischen Erläuterungen - sehr klar...
Nur den Jahreszeitenbezug verstehe ich noch nicht
ganz: hängen wir da nicht zu sehr an "alten" Vorgaben?
Liebe Gruße
Klaus

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arisia (Gast)
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14.12.2006, 13:04 / 1 x geändert
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hi, Klaus,
der Jahreszeitenbezug ist das, was ein Haiku überhaupt ausmacht, das sog. Kigo,
ohne den, kein Haiku. Die Jahrszeit muß nicht explizit erwähnt werden, wenn sie aus
dem übrigen Test eindeutig hervorgeht. Kaffeetrinken auf der Terasse mit Vogelgezwitscher
oder ähnlichem spricht z.B. doch eher für Sommer, als für Winter. So in der Art.
Ich habe hier drei oder vier Haikus stehen, schau sie dir doch mal an .
Es gibt für das andere Kurzformen andere Kriterien, die findet man im Senryû oder im
Tanka. Mal auf Wikipedia nachlesen.
liebe Grüße
PS: habe gerade in meinem Fundus nocht etwas gefunden, wie ich mal ein Haiku an einem anderen Ort erklärt habe:
Haiku
Kamille spiegelt
sich in der Kaffeetasse -
Welt steht auf dem Kopf (Beobachtung auf der spiegelnden Oberfläche des Kaffee)
Kein Haiku
Kamille spiegelt
sich in der Kaffeetasse -
die Wolken locken (ist persönliche Empfindung, keine Beobachtung)

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juey dai jia ren
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was ich sehr lustig finde ist, dass immer erzählt wird, wieviel Silben ein Haiku haben müsste / sollte, wo man doch im japanischen (genau wie im chinesischen) gar keine Silben kennt, geschweige denn zählt.
Im japanischen wird die Dauer eines Klanges eines Teils eines Wortes gezählt. Das heisst Mora.
Was bei uns Silbe heisst, kann im japanischen eine Mora haben, aber auch zwei. Es gibt auch Wörter die noch mehr haben, aber die sind dann eigentlich aus dem chinesischen übernommen, keine Ur-japanischen.
Wie überhaupt vieles chinesische von den Japanern übernommen wurde, obwohl sie das heftig abstreiten.
Nee, die Haikus nicht, die sind japanisch.
Es ist äusserst schwierig Haikus und den Aufbau zu erklären, da ein Europäer ja fast nie auch nur Grundlagen der japanischen Sprache kennt. Man muss sich nur mal japanische Schriftzeichen anschauen um zu verstehen, dass hier mit Silben oder so absolut nichts zu machen ist.
Aber man muss das ja als Europäer nicht alles soooooo eng sehen und kann ja Haiku ähnliche oder Haiku inspirierte Gedichte schreiben.
:-)
Ein echtes Haiku (auch in deutsch) zu schreiben ist ohne tiefe Kenntnisse der japanischen Sprachauffassung unmöglich.
juey

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