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lost
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27.11.2006, 01:11 / 2 x geändert
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Chaiselongue
das Wochenende auf Rosa’s alter Chaiselongue
gründlich durchgelegen.
null Appetit.
die ausgeleierten Sprungfedern bohren am Rücken, am Arsch.
der vanillegelbe Velour sieht so schmuddelig aus:
woher stammen denn die konturlos vielschichtigen Flecken?
egal.
immer noch gut,
auf der verdammten versifften Chaiselongue hier zu liegen,
an Rosa zu denken
und an einer Zigarette zu saugen.
der Sonntag verdämmert ganz langsam.
die Stimmung ist milde,
man könnte versucht sein, sie schmerzfrei zu nennen.
nur die erhoffte Inspiration
bleibt starrsinnig
aus.
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-> Chaiselongue
-> big polis
-> das Überleben der Spezies
-> deep impact: die Bedrohung
-> mermaid
-> Schwarzwasser
-> Podcast (Schwarzwasser und big polis)

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Latenta
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das wohl gewohlte
dahin gedrängte
denkend erfasste
und
doch nur lieb verhasste
denn du bist nur Gaste
im Trieb deiner Gedanken
fiel mir spontan dazu ein....hmhm
l

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augustine
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27.11.2006, 03:00 / 1 x geändert
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Die Inspiration, wie immerhin doch genau beobachtet, blieb "starrsinnig" aus - wohl wahr.
Nur: wodurch begründet sich denn dann das Schreiben???
augustine

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Jolante
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27.11.2006, 13:04 / 3 x geändert
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Hallo lost,
ich finde, dein Gedicht ist sehr wohl durch Inspiration entstanden, eben genau aus einer un-inspirierten Stimmung heraus, die milde ist, ja "man könnte versucht sein, sie schmerzfrei zu nennen". Das lyr.Ich kann sich an besagtem Wochenende zu keinerlei Aktivitäten aufraffen, nicht einmal zum Essen ("kein Appetit"). Rosa`s alte Chaiselongue, dieses Lotter-Ding mit `ner Rolle, ist gründlich durchgelegen, fleckig, versifft, eine einzige Einladung zum sich Hängenlassen, Durchhängen, aber auch die Seele baumeln lassen ("an Rosa zu denken und an einer Zigarette zu saugen.."). Die letzte Zeile "nur die erhoffte Inspiration bleibt starrsinnig aus" offenbart die geistige Leere, in der sich das lyr. Ich im Zustand der Passivität zu befinden glaubt. Dabei ist gerade dieses Leersein häufig der erste Schritt zur Inspiration. Der Autor jedenfalls war sehr wohl inspiriert, als er dieses Stimmungsbild schuf, das ich und sicher auch andere gut nachempfinden können.
Im übrigen, auch wenn das eigentlich nicht in diesen Kommentar gehört, finde ich, dass das Gedicht ziemlich gut die derzeitige Stimmungslage im Forum widerspiegelt: milde, schmerzfrei, ohne Inspiration, - hoffentlich nur ein kurzzeitiges Durchhängen, Atemholen und Sammeln, das bald wieder zu inspiriertem Schreiben führt. Natürlich ist das nur meine subjektive Empfindung, ich weiß nicht, wie andere das sehen. - Mich, lost, hat dein Gedicht sehr angesprochen.
Jo

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lost²
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Latenta: dein Kommentar - schwer zu deuten für mich, kryptisch, Worte verhüllt.
mehr Erläuterung immer willkommen, wenn du wollest.
nehm ich für mich inzwischen die beiden letzten Zeilen, und treibe sie noch ein wenig weiter, so:
... und denk dran, du bist nur Gast
im währenden Trieb
- (dahin/vorbei/davon)Treiben Betrieb Umtrieb Getriebe -
deiner Gedanken.
auch Schiller könnte mir einfallen dazu:
"Ewig aus der Wahrheit Schranken
Schweift des Mannes wilde Kraft,
Unstet treiben die Gedanken
Auf dem Meer der Leidenschaft.
Gierig greift er in die Ferne,
Nimmer wird sein Herz gestillt,
Rastlos durch entlegne Sterne
Jagt er seines Traumes Bild."
augustine: du hast Zeit verloren im Lesen eines närrischen Lottertextes. das tut mir leid.
warum den Text geschrieben? nun, ich hatte die Wahl und wählte: schreiben.
Jolante: es gibt diese Chaiselongue und ich lag darauf am Wochenende in all meiner Erschöpfung und Trägheit, allerdings ohne zu rauchen, denn die, die im Text Rosa genannt ist, erlaubt es mir nicht, auf ihrer Chaiselongue liegend zu rauchen (ich täte es gern, und womöglich entstünde ein Text mit besserem Biss dabei). sie sagt aber, es sei schon viel, wenn sie mich überhaupt darauf liegen lasse, denn ich sei mehr Tier als Mensch und trüge mit meinem schwerfälligen Körper sehr zur weiteren Abnutzung des von ihr geliebten Möbelstückes bei.
es spricht für deine Gewitztheit, Jolante, dass du den Text so direkt anwendest, auf dieses Forum hier, meine ich!
allen Kommentierenden dankt: lost.

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Elise
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Hallo!
Ach, lange hin und her überlegt, aber doch, doch: ich will etwas schreiben zu deiner Chaiselongue, lost.
Mir gefällt, dass da gut Struktur ist: keine amorph daherdümpelnde gefühlig angewärmte Wortmasse, sondern geformt (sprachlich und inhaltlich), nicht überbordend, möglichst knapp zugeschnitten, unemotional, ohne dramatischen "Da-steigere ich-mich-jetzt-aber-mal-rein-Gestus". Der Text ist milde, ja, so stimmt es, und hat eine gewisse beruhigte Tonung, eine ungeschmalzte Balance erreicht. Das ist doch ein klarer Pluspunkt!
Außerdem meine ich, dieser Text spielt mit sich selbst: mit der „Inspiration“, die sich "starrsinnig" verweigert. Das Thema (worüber soll/kann man überhaupt schreiben? gibt’s da noch was?) steckt, aus subjektiver Perspektive beleuchtet, auch in der Feststellung des sich beobachtenden und reflektierenden Sprecher-Ichs: "null Appetit". Aha! Das heißt: da kommt schon alles mögliche vorbei, da ist ein reges Treiben der Gedanken, da wäre vielleicht sogar irgendwo was, das "inspirierend" sein könnte, jedoch: dieses (kaputte?) Subjekt auf der alten Chaiselongue hat keinen Appetit (mehr?), will sich an gar nichts mehr festbeißen, sondern nur so daliegen und die Gedanken und die Zeit "verdämmern" lassen. Die "starrsinnige" Verweigerung ist also im Grunde nicht die der hochhehren Inspiration, sondern die des Subjekts, das da sagt: zieh weiter, lass mir meine Ruhe, ich hab keine Lust mehr, ich kenn alles schon.
Ich persönlich finde das gut "gemacht".
Die dargestellte Szenerie, der Rahmen, in welchem dieses Subjekt lebt/liegt und nicht(s) schreiben(d) (be)schreibt, passt: schmuddelig, fleckig, süchtig. Heruntergekommen eben. Aber was ist eigentlich "heruntergekommen", mal genau genommen? Nicht mehr in den schöngeistigen Wolken der Illusionen und Selbsttäuschungen schwebend, sondern auf unbequem ehrlicher Chaiselongue liegend - ach, was auch immer ...
Die Chaiselongue ist durchgelegen, das könnte (u.a.) bedeuten: vergiss den Erhabenheitsgestus, vergiss das "Schöne" - das war mal, gestern, vorgestern, das hat sich verbraucht, ist fleckig geworden, hilft nicht mehr weiter. Man kann sich zwar immerhin noch darauf ablegen, um die Zeit irgendwie zu überstehen: man sollte dies aber möglichst illusionslos tun und die Verfallserscheiningen nicht übersehen.
Dieses schmuddelige Chaiselongue-Gedicht mit seinem Sprecher, der sich für keine Leserin schön macht, ist ein wenig beunruhigend. Es bohrt so hinterrücks rum ...
Aber auch das könnte ein Pluspunkt sein.
Es grüßt: Elise.

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Schreibtisch
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Lost!
Also. Erstens und Letztens habe ich jetzt beschlossen bis auf Weiteres: Resonaz:
Das Gedicht schreit nach Inkarnation! Nach Verleiblichung....nach Inszenierung...
und ich rieche den Rauch und kratze mit dem Fingernagel an den Fleckenrändern und lasse das R von Rosa rollen...ich fühle die Schwere in meinen Knochen, wenn ich mich ein bischen wenden möchte und weiß doch, gelingte es, die Position zu ändern, Rosa wäre meine Muse und Inspiration nur ein billiger Ersatz...
und herzlich grüßt
der Schreibtisch

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lost²
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was bleibt mir, Schreibtisch, zu antworten?
so:
gut, wenn es dich nach Inszenierung anschreit,
nach Verleiblichung, Versinnlichung.
dann ist wohl bei dir etwas angekommen
und - so sagst du es selbst - in Resonanz,
in Schw(ing)ung versetzt worden ...
feeling gladdened about this:
lost.

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