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augustine
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25.11.2006, 01:33 / 6 x geändert
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EINER LIEBEN FREUNDIN ALS FÜNFTES JAHRESGEDENKEN ZU ALLERSEELEN 2006
Wisst: gäb' s sie unter Protestanten: Heilige,
Du wärest es, die meine Freundin war,
Der Apostatin Freundin; immer war das klar.
Und dennoch, deshalb sagtest Du: Verteidige
Was du denkst, du erlebt hast. Was denn wissen wir?
So ging es gut. Der Streit war heftig, liebend, wahr,
Sei's ambulando, sei's vor Leuten, vielen gar. –
Wie Dioskuren war' n wir, also ungleich hier.
Du dachtest quer. Du dachtest auch häretisch.
Und was Du dachtest, war nicht hypothetisch.
Du fragtest: Christi Blut ein Opfer dem, der glaubt?
Du starbst recht unerwartet. Sprachst nur wenig noch,
Obgleich ganz klar. Du kämpftest um Dein Leben, doch
Zuletzt nicht mehr. – Mir, nicht zu glauben, hat ein Blick 'erlaubt'.
Eurer Behutsamkeit noch einmal anvertraut.

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Gerd
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Liebe Ursula,
die innere Harmonie dieses Gedenkens, wird durch die äußere Form zusätzlich gestützt.
Ich lese freie Geister, die sich gerne an einander rieben. Wie trägt eine Freundschaft, wenn grundlegende Ansichten differenter nicht sein können? Wohl nur in der Gestalt ungleicher Zwillinge, die eine tiefe Zuneigung für einander hegen, welche durch nichts zu erschüttern ist. Besonders beeindruckt hat mich das so treffende Bild der Dioskuren. Darin zeigt sich sehr schön die Verbundenheit - übertragen Seelenverwandtschaft - und wiederum die Unterschiedlichkeit (hier in der religiösen Vorstellungswelt). Mit den Überzeugungen wurden keine Profilneurosen ausgetragen, nur Wahrhaftigkeit.
Selbst im Sterben steht Toleranz und die Annahme des ganzen Menschen im Vordergrund. Kein letzter Überzeugungsversuch, das "in sich ruhen lassen" erfolgt sehr vertraut, liebevoll nonverbal durch einen Blick.
Viel „Du“, in Folge „wir“ – kaum Abspaltung und Hervorhebung des „ich“.
Ein Paradoxon liegt in meiner Lesart darin, dass die Verstorbene der Unsterblichkeit scheinbar näher ist. Ich wünsche Dir die Aufhebung des Paradoxons in der Verbindung der Energie, die nur wandelbar ist und nicht aufgehoben werden kann.
Berührt hat mich Dein Gedenken an Deine Freundin und Eure ungewöhnliche Freundschaft. Ich danke Dir für diesen Einblick – offen, Dir nachzufühlen, worauf ich mich gerne eingelassen habe.
Herzliche Grüße
Gerd

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Jolante
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25.11.2006, 18:36 / 5 x geändert
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augustine,
du hast dieses Mal dein Gedicht nicht unter deinem Vornamen eingestellt, deshalb rede ich dich auch nicht mit diesem an. Dennoch finde ich es schön, dass Gerd bei seinem Kommentar die persönliche Anrede gewählt hat, denn es ist ja auch ein sehr persönliches Gedicht, das du dem Andenken deiner Freundin gewidmet hast. Es sind jedoch viele Gedanken darin enthalten, die über eine persönliche Betroffenheit hinausweisen und allgemeingültig sind. Gerd hat dies sehr schön in seinem Kommentar ausgedrückt. Ich lese aus diesem Gedicht, dass eine echte Freundschaft sowohl Übereinstimmung als auch Widersprüche braucht. Letztere beleben und erhellen sie. Was mir auch gefällt, ist, dass die Freundin Fragen stellt (Was denn wissen wir? - Christi Blut ein Opfer dem, der glaubt?") Es gibt keine Antworten, auch das finde ich gut. Bewegt hat mich auch die erste Zeile "Wisst: gäb`s sie unter Protestanten: Heilige, Du wärest es, die meine Freundin war". Damit hast du deine Freundin sprichwörtlich "in den Himmel gehoben", jedenfalls in den Himmel der Liebe.
Jo

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augustine²
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Mit Dank an Gerd und Jolante -
dies Sonett ist nun nicht (wie das Gedicht vom verschlossenen Garten) mehrfach bearbeitet worden: es war fast in einem Stück da. Die formalen Festlegungen des Sonetts hindern nicht nur den Ausdruck der Gedanken nicht, sondern sie helfen ihrer Verdichtung. Das ist eine faszinierende Erfahrung gewesen. -
Wird Gretchen mit ihrem Sonett-Thema so ganz anderer Art sicher bestätigen.
lg augustine

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