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Elise
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24.11.2006, 09:13 / 1 x geändert
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da~hin
am Rande der Welt
tanzt noch immer
die Schönheit.
jenseits der Wüsten
hinter den Bergen
den Müll~Bergen
spielt sie im Morgenlicht
mit dem Abgrund:
von einem schrecklichen Engel
bewacht.
da möchtest du hin.
(Kleine Rilke-Versuchung, spontan. Sozusagen im Stehen geschrieben ...)

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augustine
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Ich kann das Gedicht nicht deuten. Aber ich wollte es noch einmal heraufholen: vielleicht jemand anders kann's?
Ich habe in der Erinnerung aus anderen Gedichten von Dir:
tanzen
Wüste(nstraße)
Rand/Abgrund;
und die Bedeutsamkeit von Zeichen, hier: ~
gedichtimmanente Deutung reicht nicht aus; es müssten alle nochmals gelesen, gedeutet werden
Gegen Rilkes schreckliche Engel setze ich:
"Erde, du liebe, ich will." (leben, tanzen, leicht sein, schön sein ... vielerlei)
augustine

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ear
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Nur ein Versuch einer Deutung: “Hinter den Bergen” erinnert ,obwohl das Wort “sieben” fehlt, an Schneewittchen.
Doch es gab 1944 ein Kampflied, welches von deutschen Fallschirmjaegern gesungen wurde, die sich durch das Singen Mut machen wollten, denn ihr Einsatz im feindlichen Ausland konnte leicht fatal enden. In dem Text war die Rede von den Maschinen, die sie umgaben, vom Feind, Tod, Sieg und Hurra.
Koennte hier der Wunsch eines Berufssoldaten gemeint sein,bis an den Rand der Welt zu kommen? Dort “tanzt noch immer die Schoenheit”, was aus dem Blickwinkel eines Fallschirmjaegers wie ein Wunschtraum gewesen sein mag.
Diese Soldaten wurden in entferntesten Gegenden eingesetzt, sie ueberflogen Berge, Gebirge “ ,um “jenseits der Wuesten” Muell-Berge abzulagern, Zerstoerung zu hinterlassen.
Vor dem Einsatz gab es noch den Traum von “Schoenheit”: sie “spielt im Morgenlicht mit dem Abgrund”. Schrecken und noch etwas Hoffnung.
Koennte der “schreckliche Engel” der Weltkrieg sein? Koennte er der Engel mit dem Flammenschwert sein? Er bewacht die Schoenheit, er schuetzt ihren Tanz “am Rande der Welt”. Es koennte dann mit der letzten Zeile der noch einmal betonte Wunsch des Fallschirmjaegers gemeint sein: “da moechtest du hin”.

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lost
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der Titel, durch die Tilde geteilt, bezeichnet zwei Regungen im Gedicht:
1st - dahín! = vorbei, vergangen, dahingeschwunden
2nd - dá!hin = an diesen Ort, an diese Stelle
first, das ist die vergangene Zeit, die wunderbare Zeit, da die Schönheit nicht nur am Rande der Welt tanzte, nicht unerreichbar jenseits der Wüsten, bestenfalls von fern über Berge hinweg anzuschauen, zu ahnen, zu vermuten.
first, das ist die Zeit, wo die Schönheit noch festen Boden unter den Füßen hatte und nicht mit dem Abgrund spielen mußte. (es klingt, wie ear sagt, etwas Märchenhaft-Entschwundenes an - „hinter den Bergen ... “)
second, das ist die Sehnsucht, die in jedem Menschen (immer noch steckt), dá!hin zu wollen, wo das Morgenlicht noch jungfräulich ist und rein und ungetrübt von zu viel Erkenntnis. dá!hin, wo nicht der Müll aller vergangenen Jahrhunderte aufgehäuft ist, oder auch: der Müll des bisher verlebten eigenen Lebens. dá!hin, sagt dir der Sprecher, da!hin möchtest du, Leser, nicht wahr? (was ear als „Wunschtraum“ oder „Hoffnung“ bezeichnet)
der Bezug zu Rilke (in einer Randnotiz angemerkt) ist freilich etwas dünn und mir zu weit hergeholt. dennoch ein gerundetes Kleines. wie Elise sagt, sogar im Stehen geschrieben. nun denn.
ear: deine Deutung ist sehr persönlich, sicherlich aus eigenem Erfahrungshintergrund heraus? oder gehe ich fehl ... ?
augustine: warum sollte eine gedichtimmanente Deutung nicht möglich sein? so komplex ist es doch nicht. was du als Gegen-Setzung nennst, das ist verborgen in dem da~hin, sowohl in first als auch in second.
angelyrically greeting all of you: lost.

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Jolante
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05.12.2006, 18:40 / 4 x geändert
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Liebe Elise + alle,
kann ich noch etwas Erhellendes über dieses Gedicht sagen, was nicht schon ausgesprochen wurde ? Ich glaube nicht. Es reizt mich aber, ein paar Gedanken, die ich mir dazu gemacht habe, mitzuteilen.
Am Rande der Welt, im Einklang mit der noch unberührten Natur, jenseits der Müllberge der Menschen (der Menschheit), tanzt noch immer die Schönheit (die Unschuld) mit dem Abgrund (der Schuld). Dort könnte der Ort sein, den die Menschen als Paradies bezeichnen. Er wird von einem schrecklichen Engel bewacht. - Das Du (das lyr.Ich, der Leser?) wird hier mit der Nähe des Schönen zum Schrecklichen konfrontiert. Beides gehört zusammen, "denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich..." In diesem Zitat liegt wohl Elises "Rilke-Versuchung".
Bei der Schlusszeile "da möchtest du hin", denke ich auch an ein Gedicht von Thomas Brasch, das mit der Zeile endet: "Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin." - Dein Gedicht, Elise, weckt ähnliche Empfindungen in mir wie das Gedicht "Weltende" von Else Lasker-Schüler: "....Es pocht eine Sehnsucht an die Welt, an der wir sterben müssen."
Es grüßt Jolante

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ear
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Hallo lost, moechte nur kurz antworten:
Ja, ein bisschen Persoenliches war dabei. Nicht direkt in unserer Familie, aber es betraf das Schicksal eines jungen siebzehnjaehrigen Maedchens, eine meiner Cousinen.
Sie war in den aeussersten Norden Daenemarks versetzt worden im Kriegseinsatz und verliebte sich in einen jungen Mann, der als Fallschirmjaeger flog.
Einsaetze gingen in alle Himmelsrichtungen. Das junge Paar hatte Plaene fuer die Zukunft gemacht. Sie genossen, waehrend der Ruhepausen, ein paar Wochen lang ihre gegenseitige Liebe.
Diese wurde jaeh zu einer schmerzlichen und verzweifelten Leere, als der Fallschirmjaeger vermisst wurde, bis es traurige Gewissheit wurde, dass er “abgestuerzt” war.
Zwar hat meine Cousine nach etlichen Jahren geheiratet, aber ihre grosse Liebe konnte es nicht mehr sein.

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