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      Jolante



atemlos

   23.11.2006, 17:01



mit den schatten
tanze ich auf der wiese
unter dem kastanienbaum
dessen früchte brüchig
lachen

mit der dämmerung
laufe ich um die wette
mit der wut der kerze
die an zwei enden
brennt

in der nacht
fürchte ich die bestien
mit den pfoten aus samt
die mich unter die Erde
scharren

 

      ear



RE: atemlos

   24.11.2006, 17:55 / 1 x geändert



Das L.I. ist in staendiger Bewegung in Tanz und Lauf. Doch die unpersonifizierten Gegner, Schatten und Daemmerung kann das L.I. nicht ueberwinden. Die Ess-Kastanie waere fuer den Menschen da, aber deren Fruechte lachen und sind bruechig geworden. Die Kerze, an beiden Enden entzuendet als staendige Ueberforderung, nimmt keine Ruecksicht auf den koerperlichen Rhythmus.
Wer diesen Rhythmus nicht gelten laesst, wird Opfer und dessen Gesundheit leidet unter Hektik.. Das wird erlaeutert in der dritten Strophe.
Die Schatten haben Furcht erzeugt, die Daemmerung brachte schreckhafte Gestalten ( hier als Bestie mit Samtpfoten bezeichnet). Die Bestie, oft als Wildkatze wurde immer gehasst und gejagt.
Im Angsttraum werden die normal eingezogenen Krallen zum Verscharren benutzt, um erlegte Beute zu spaeterem Verzehr sicherzustellen.Ich nehme an, dass das L.I. bisher vergeblich versucht hat, diese Kreise zu duchbrechen.

 

      windflug



RE: atemlos

   24.11.2006, 20:27



Liebe Jolante,

wieder schreibst du ein Gedicht mit verstörenden Bildern. Die brüchig lachenden Kastanien und die Bestien mit Samtpfoten erzeugen eine Atmosphäre der Angst, des Albtraumhaften, das hinter allem Schönen lauert. Überhaupt arbeitest du hier viel mit Gegensätzen, kehrst Leseerwartungen um. Mit einem Tanz auf der Wiese assoziiere ich zunächst einmal pure Lebensfreude, mit dem Um-die-Wette-Laufen Kindliches Vergnügen, mit Samtpfoten Kuscheliges, aber alle diese Bilder erhalten bei dir eine düstere Schattenhaftigkeit.
Was aber bleibt hinter all dem Verstörenden, ist der Eindruck einer ungeheuren Stärke und Dynamik. Das gefällt mir sehr gut.

Liebe Grüße
windflug

 

      Jolante²



RE: atemlos

   25.11.2006, 17:55 / 3 x geändert



ear und windflug,
euch beiden lieben Dank für die einfühlsamen Kommentare.
Ihr habt meine Intention zu diesem Gedicht richtig erkannt, aber ich will zum besseren Verständnis doch noch ein paar Anmerkungen dazu machen:

Es geht hier nicht in erster Linie um einen Albtraum, sondern um das Abbild einer Lebenssituation.

1. Strophe
Im Tanz drückt sich die Sinnenfreude des lyr.Ich in seiner Jugend aus, aber es ist auch da schon ein Tanz mit den Schatten. Diese werden verstärkt durch eine Lebensfrucht, die bereits brüchig ist ("dessen Früchte brüchig lachen").

2. Strophe
Das lyr.Ich nimmt den Kampf gegen die Dunkelheit seiner Seele auf. Es läuft mit der "Dämmerung um die Wette", verbraucht, um dem Dunkel zu entkommen, ungeheuer viel Energie ("mit der Wut der Kerze, die an zwei Enden brennt").

3. Strophe
Das lyr.Ich erkennt, dass es der Verdunkelung seines Geistes nicht entkommen kann. Es fürchtet die "Bestien mit den Pfoten aus Samt", denen es nachts in Träumen begegnet, die es "unter die Erde scharren" (in die Depression treiben).

Dies ist ein Thema, das mich immer wieder beschäftigt und zum Schreiben anregt.

Liebe Grüße
Jolante




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