Weisheit der Sprache · augustine · ·


Aphorismen · Forum für Literatur & Germanistik
 

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      augustine



Weisheit der Sprache

   19.11.2006, 19:41 / 2 x geändert



Wörter und Worte

Wörter, zwar unentbehrlich im Alltag - wie leicht sind sie nichts als Geplapper.
Kenntnis kann fehlen und Geist; dünken sich dennoch oft viel.

Worte, klug und sorgsam erwogen, sie lassen das Wichtige klingen,
Manchmal wie Blumen so schön, kostbarer oft als ihr Duft.

 

      juey dai jia ren



RE: Weisheit der Sprache

   19.11.2006, 21:35



Liebe augustine,
über die Qualität deiner Werke, über die Sensitivität deiner Texte muss man ja keine Worte mehr verlieren.

In deinem kleinen Werk drückst du die ganze Widersprüchlichkeit der menschlichen Sprache aus.

Dein Werk erinnert mich an das Gilgamesch Epos, wo ja auch die Zerissenheit der Individuen am Beispiel der Hure Hierodule und der Göttin Ischtar dargestellt wird.
Genau wie das Unsterblichkeitskraut zunächst stechend schmerzt und man danach durch es das unsterbliche Leben erlangt, genauso zeigst du, umgekehrt, wie man erst das Plappern überwinden muss um danach "nichts" mehr zu brauchen, ausser klugen worten.
Genauso wie die Götter Gilgamesch die Unsterblichkeit verweigern, so verweigert die eklatante Gegensätzlichkeit der Sprache die Harmonisierung mit der Welt, die du ja auch zweifach getrennt darstellst.
Und genauso wie Gilgamesch rastlos suchst, werden wir nicht müde, zu resignieren, ja zu stolpern, wie es dein erster Satz ja so deutlich zeigt.

Du hast hier Gedankengänge überwältigend klar dargestellt, deren Ansätze noch nicht mal von vielen begriffen oder gefühlt werden.
Die Klarheit deiner Sprache beeindruckt den Leser immer wieder.

Es hat mir sehr gefallen deine Gedanken zu lesen, es war eine grosse Freude, mal wieder so etwas hochwertiges vor Augen zu haben.

Vielen Dank für die Freude, die du (nicht nur mir) damit immer wieder machst.

juey

 

      ferdi



RE: Weisheit der Sprache

   19.11.2006, 21:58



Wahrheiten, elegant und überzeugend formuliert :)

Der zweite Pentameter ist hinten eine Silbe zu kurz, oder? "kostbar oft wie deren Duft", vielleicht?!

 

      augustine²



RE: Weisheit der Sprache

   19.11.2006, 22:52



Danke, hab's geändert; "deren" allerdings war mir zu un-poetisch. Grüße augustine

 

      rollerball



RE: Weisheit der Sprache

   18.04.2007, 14:54



Blumig und duftig sind deine Worte, oh Augustine,
knapp und dennoch gehaltvoll in wenigen Zeilen!

Wer viel weiß, redet nicht viel.
Wer viel redet, weiß nicht viel.
(chinesisches Sprichwort)




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