Herr Paul schweigt · ferdi · ·


Sonett · Forum für Literatur & Germanistik
 

Neue Beiträge   |   Registrierung   |   Lesungen Literatur auf YouTube - Gedichte - Forum für Literatur und Germanistik  |   dradio   |   Archiv   |   l o g i n

 
~ Startseite
kafkaesk
~ Neue Beiträge
~ Beiträge suchen
Literatur
~ Prosa
~ Gedichte
~ Diskussionen
~ Literaturwissenschaft
Literatur
~ Leseliste
~ Forenliste
~ Gäste-Chat
Literatur
~ Impressum

  Online

  Lesungen

  Piep, piep, piep...

  Aktuelle Themen

Dichte Reime

welt

Zwei Gedichte

Enjambements in Heyms Berlin III

G7sus4 (12-string) --> für chantal

Reise durch lit-on

Vatnajökull (prisma)

Achrad (6)

Trahisa (5)

Letzte Nacht

Straße

Glück ^^ Meine schönsten Aporismen !!!!!!!

Feierabendland

Mein Buchhändler

Ein Dogma

Distanz

in die nacht

Jahrestage

Der Musik Laden Faden II

Hausarbeit


 

      ferdi



Herr Paul schweigt

   14.11.2006, 11:27 / 2 x geändert



Herr Paul erwacht und spürt den Wunsch, zu schweigen.
Er tuts und spricht den ganzen Tag kein Wort
und fährt am nächsten Tag gelassen fort,
sich stumm und wortlos aller Welt zu zeigen.

Er macht die Stille völlig sich zu eigen,
erschafft in sich dem Frieden einen Hort
und schenkt der Ruhe einen sichren Ort.
Dem strömt sie zu, sie tropft auf Paul von Zweigen,

wenn er im Schatten eines Baumes sitzt;
Sie sinkt in Paul, wenn, müde und verschwitzt,
er zwischen hohen Felsen Kühlung findet.

Die laute Welt weiß nichts davon, doch spürt
sie wohl, wie etwas fremdes sie berührt,
und fühlt, wie langsam ihre Macht entschwindet.

 

      juey dai jia ren



RE: Herr Paul schweigt

   14.11.2006, 13:25 / 1 x geändert



Lieber ferdi,

das ist ja ein richtiges kleines Epos. Mit einem Helden. Und der heisst Paul.
Der sogar der lauten Welt die Macht entschwinden lässt.
Ein beeindruckender Gedanke. Und zweifellos ein beeindruckendes Gedicht.
Es erinnert mich an den Start einer F4 Phantom. Eine schwere Maschine, und dennoch lässt sie - wenn auch mit brüllenden Motoren - die Macht der Schwerkraft entschwinden. Und hebt ab. Wie dein Gedicht.
Gefällt mir ausgesprochen gut.

juey

 

      Littlefoot



RE: Herr Paul schweigt

   15.11.2006, 17:42



Hallo ferdi,

je öfter ich dieses wunderschöne Gedicht lese, desto mehr merke ich, wie eine ganz bestimmte und wohltuende Ruhe auch von mir Besitz ergreift. Dabei denke ich nicht an "die ewige Ruhe". Diese Stimmung mag ich nämlich nicht so gern.
Aber Deine beschriebene Ruhe sollte sich jeder öfter gönnen. Aus diesem Frieden können dann diese erquickenden Zeilen erwachen.
Danke!

Littlefoot

 
        arisia
        (Gast)

RE: Herr Paul schweigt

   15.11.2006, 21:14



hi, ferdi,

mir gefällt dein Sonett sehr. Du hast die klassische italienische Form des Sonetts mit deinen
Worten mit so etwas wie "gelassener Heiterkeit" erfüllt.
Mit dem "Herrn Paul" zeichnest du eine Figur, die ich versucht sein könnte archetypisch zu
nennen, wenn sie nicht so undramatisch und unspektakulär daher käme. Eine Figur, die sich
ganz in sich ruhend ihre Ruhe nimmt, ohne Ankündigung, ohne Erklärung ohne
missionarische Kundgebung. Er tut es einfach, und die "laute Welt" reagiert mit Akzeptanz,
sie zieht sich zurück vor der ihr fremden Stille.
Was mich besonders fasziniert ist, wie du diese Mischung aus Parabel und Fabel in ein Sonett
gekleidet hast, mit Vokabeln, die jede für sich genommen, nichts Besonderes daher machen,
keine spektakulären Neologismen; aber der Zusammenklang der Wörter ergibt ein sich fast
unmerkliches Einfinden in die Ruhe, ein Gefühl der Geschmeidigkeit, ein stilles Schmunzeln,
ein bestätigendes Nicken.

So mal meine Empfindungen zu "Herr Paul schweigt".

liebe Grüße
arisia

 

      Jolante



RE: Herr Paul schweigt

   15.11.2006, 21:53



Hallo, ferdi,

Herr Paul schweigt: Wie du dieses beseelte Schweigen in Verse kleidest, das gefällt mir ausnehmend gut.

Gruß Jolante

 

      ferdi²



RE: Herr Paul schweigt

   16.11.2006, 12:11



Hallo,

Ich danke euch für eure Rückmeldungen!

@ juey dai jia ren: Eine "Phantom"?! Na du kommst ja auf Dinge... aber warum nicht :) Schön, dass dir das Gedicht gefällt!

@ Littlefoot: Freut mich, dass dir das gedicht zusagt - und dass die Ruhe, die der Text vermitteln soll, anscheinend wirklich präsent ist.

@ arisia: Deine Gedanken zu diesem Sonett sind ja lyrischer als das Gedicht selbst ;) "Gelassene Heiterkeit" ist ein Begriff, den ich sehr mag, seit ich ihn (ich glaube bei Hesse) kennengelernt habe; schön, dass du sie in meinem Gedicht findest!

@ Jolante: "beseeltes Schweigen" - ein schöner Ausdruck :) Danke für deine Zustimmung!

 
        arisia
        (Gast)

RE: Herr Paul schweigt

   16.11.2006, 21:43



hi, ferdi,

ich dachte bisher, daß "gelassene Heiterkeit" meine Erfindung sei. Da ich aber auch
Hesse gelesen habe, ist halt schon länger her, :(, ist dieses Wort wohl unbewußt in
mein Gedankengut übergegangen. Vielleicht kommt die "gelassene Heiterkeit" mir
auch deshalb so natürlich für mich vor, da ich mich häufiger in dieser Situation befinde,
zwecks Aushaltens von Welt im Allgemeinen.
Nun, jedenfalls hat mich dein Sonett direkt in einen solchen Zustand versetzt, mühelos
mitschwingend, mitgleitend in die Stille.
Das wirklich Interessante an dem Zustand der "heiteren Gelassenheit" ist, daß diese
Stille der äußeren Welt erfüllt ist von einer Kakaphonie (aber nicht unangenehm),
anderer Laute, Gerüche, Empfindungen, Sichtweisen.
Schau dir mal einen simplen Busch an, so einen Busch im freien Feld, schau ihn dir
an in deinem normal Zustand, und schau ihn dir an im Zustand der "heiteren
Gelassenheit".
Ich vermute, Herr Paul könnte eine Menge darüber schweigen.

liebe Grüße
arisia

 

      ferdi²



RE: Herr Paul schweigt

   17.11.2006, 00:04



Na, ich werd mal bei Hesse nachschauen :) Ein spontaner erster Versuch im "Glasperlenspiel" brachte nur "Heiterkeit" zu Tage:

"Heiterkeit ist weder Tändelei, noch Selbstgefälligkeit, sie ist höchste Erkenntnis und Liebe, ist Bejahen aller Wirklichkeit, Wachsein am Rande aller Tiefen und Abgründe. Sie ist das Geheimnis des Schönen und die eigentliche Substanz jeder Kunst."

Da fehlt noch das "gelassene", aber sonst ist das ja auch schon schön geagt :D

 

      ferdi²



RE: Herr Flaum schweigt

   18.11.2006, 14:35 / 1 x geändert



Ich habe den Namen unseres stillen Helden geändert :( Gestern Abend fiel mir plötzlich ein, dass es ja ein Stück von Tankred Dorst gibt, das "Herr Paul" heißt; und da schien es mir, als wäre es besser, einen anderen Namen zu wählen.

 

      Jolante



RE: Herr Flaum schweigt

   18.11.2006, 19:44



Hallo ferdi,

ist merkwürdig, aber ich kann mich mit dem neuen Namen "Flaum" nicht so recht anfreunden. Keine Ahnung warum, aber "Herr Flaum" erscheint mir nicht recht in dieses Gedicht zu passen. Vielleicht liegts daran, dass Paul auch ein Vorname ist, mit dem ich eigene Vorstellungen verbinde, die sehr gut zu diesem Schweigemann passen. Bei Flaum denke ich an Federleichtes, ja was weiß ich, Du wirst dir schon was dabei gedacht haben. Nix für ungut, dein Gedicht gefällt mir noch immer, aber leider halt doch ein klein bisschen weniger.

Liebe Grüße
Jolante

 

      ferdi²



RE: Herr Flaum schweigt

   18.11.2006, 19:52



Hallo Jolante!

War ja auch eine Augenblicksentscheidung... Falls jemand andere Vorschläge hat, immer her damit :)

 

      Jolante



RE: Herr Flaum schweigt

   18.11.2006, 20:17



Wie wärs mit "Herr Maul schweigt". Da käme noch ein wenig Ironie dazu !

Gruß Jo

 
        arisia
        (Gast)

RE: Herr Flaum schweigt

   19.11.2006, 09:55



hi, ferdi,

ich kann mich mit Herrn Flaum auch nicht anfreunden. Laß doch den "Herrn Paul".
Ich fand den Namen von Anfang an stimmig. So alltäglich, lapidar, und Weisheit
letztendlich ist alltäglich, lapidar, unspektakulär.

liebe Grüße
arisia
PS:
Oder müssen wir eine Kampagne starten, so in der Art?

"Rettet Herrn Paul!" :)))))))))

 

      ferdi²



RE: Herr Flaum schweigt

   19.11.2006, 10:06



Ich finde "Herr Paul" auch sehr schön. Aber Herr Dorst war halt zuerst da.... Und ich käme mir doch etwas seltsam vor, seinen Titel zu verwenden. Vor allem, da noch mehr Sonette mit dieser Figur in meinem Hinterkopf herumspuken.

 
        arisia
        (Gast)

RE: Herr Flaum schweigt

   19.11.2006, 10:21



Hi, Ferdi,

der Text von Dorst in ein Theaterstück, warum sollte dein Gedicht nicht denselben Titel
tragen? Es gibt ganz viele Gedichte die "Herbst" heißen. .:)

Ich plädiere für Herrn Paul. Wenn du die Figur weiterentwickelst, bestünde noch die
Möglichkeit der Widmung. Das geht, und ist auch kein Plagiat.

liebe Grüße
arisia

 

      augustine



RE: Herr Flaum schweigt

   19.11.2006, 17:43 / 4 x geändert



Ferdi, hallo,
also der Dorst war's. Ich hatte Morgensternsche Vermutungen.
Als Sonett, also der Form nach, ist Dein Gedicht fein. Aber ich hab' ein paar andere Überlegungen.

Einmal eben doch der Name. Denn "Flaum" erinnert sicher nicht nur mich an den Anfang des Mörike-Gedichts An einem Wintermorgen, vor Sonnenaufgang, "O flaumenleichte Zeit der dunkeln Frühe!"
Sie haben durchaus was zu tun mitenander, jenes Ich und Deine Person, de ich auch lieber 'Paul' nennen würde oder Max oder was weiß ich wie, nur eben nicht Flaum, kein zarter Name für diese eckige Person.

Dann: er geht hinaus, "sich aller Welt zu zeigen", als Stummer, die Rede Verweigernder eben. Warum er das tut, wird nicht erklärt, muss auch nicht erklärt werden. Aber er zeigt sich ihr, der Welt, gar nicht! Er sitzt vielmehr abseits, im "Schatten des Baums" oder zwischen Felsen. "Die laute Welt weiß nichts davon" - wie könnte sie auch? Und wie soll geschehen, dass sie diesen Sonderbaren dennoch spürt? -

Magst Du dazu noch was sagen? Mt poetischem Gruß augustine

Mörikes Gedicht ist jetzt im Gedichtefaden, a.

 

      Elise



RE: Herr Flaum schweigt

   19.11.2006, 19:35



Ach, ferdi und ihr alle da!

Unbedingt "Herr Paul" -
Dorst hin, her Dorst,
das ist doch völlig worst!
Nein, entschuldigung, für mich hat es mit dem Lautlichen zu tun.
Dieses blasende Flaum-eff: nein.
Dieses schmeckmümmelnde Maul-emm: nein (deinen Vorschlag, Jolante, find ich schon witzig, andererseits doch auch wieder zu offensichtlich in der Botschaft).
Aber: so ein Paul-pee: ja! Das Schweigen muss poppen, p-a-loppen, ploppen (wie Tropfen): dadurch breitet es sich aus und wird hörbar der Welt ohne weiteres Zutun. Herr PPPaul ist genau richtig.
Das behaupte ich. Ob mich nun wer verstehen kann oder nicht.

Liebe Grüße, Elise, spielerisch sonntagabendlich.

 

      ferdi²



Herr Paul und Frau Flaum

   19.11.2006, 21:53



Herrje, da habe ich ja etwas angerichtet... Aber okay, einverstanden, ich ändere die ganze Sache zurück zu "Herr Paul" :) "Flaum" wird aber nicht einfach fortgeschmissen - inzwischen habe ich schon ein, zwei Sonette mit einer "Frau Flaum" als Protagonistin geschrieben ;)

@ augustine: Weder geht Herr Paul hinaus (er fährt fort), noch verweigert er etwas. Ok, vielleicht doch, aber das kling unpassend planvoll :) Nein, er schweigt einfach. "Sich zeigen" ist natürlich eine aktive Handlung, aber ich glaube, das fällt nicht wirklich ins Gewicht, und irgendwo muss man dem Reimzwang ja Tribut zollen ;)

""Die laute Welt weiß nichts davon" - wie könnte sie auch? Und wie soll geschehen, dass sie diesen Sonderbaren dennoch spürt?"

Ich finde, dass dies eine deutlich zu verstandesmäßige und deutlich zu wenig poetische Art ist, an das Schlussterzett heranzugehen :D

 

      augustine



RE: Herr Paul und Frau Flaum

   10.01.2007, 12:23



ferdi, ich hab' meinen Irrtum noch nicht korrigiert: den Paul aus losts Geschichte kannten wir natürlich noch nicht: wir kannten Deinen. Entschuldige die Unaufmerksamkeit! Grüße von augustine




Views heute: 5.327 | Views gestern: 4.482 | Views gesamt: 5.487.368