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lost
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13.11.2006, 01:31 / 1 x geändert
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"Majne Traje majne Libste
Wu bistu farfaln
Du gejst nit arojs fun majn Sin"
aus einem Brief an Z.
...
wenn ich wenigstens wüßte, wo du bist.
und ob du das liest.
du fehlst mir, verstehst du?
sieh mich an, sieh doch: ich bin so ein altes, verfallenes Haus. seit du weg bist, ist es immer nur schlimmer geworden mit mir, die Wände sind feucht, alles schimmelt. das Dach ist undicht, es regnet herein. niemand kümmert sich. niemand lebt mehr in mir.
ich habe es versucht. andere kamen, und ich habe es mit ihnen versucht, denn ich wäre lieber nicht einsam gewesen. ich bin in diese anderen Frauenkörper eingedrungen voller Wut, voller Sehnsucht - und habe dich nicht gefunden darin, keine Antwort erhalten, deine Stimme nicht zu hören bekommen. glaub mir, ich tobte mich aus in diesen anderen Körpern, weil ich DICH suchte, mich in DIR spüren wollte. aber da war nichts. niemand kam mir entgegen.
erinnerst du dich - wir haben dieses Spiel gespielt. so: ich hab dich gefragt: - wie heißt du? - und du sagtest: - Zoé! - das war gut, so gut. das war wie ein ganz leises Zischen, ein Schlangenatem, ein Seelenfaden: aus deinem Mund in den meinen gegeben, wenn wir uns küßten. damit hast du mich tausendmal lebendig gemacht. mich erst ertrinken lassen in deinem Atem, in dir, und mich dann wieder neu geboren.
so war es. ich weiß es genau.
sagt man nicht, die Erinnerungen verblassten mit den Jahren? ich wollte, es wäre so. warum vergesse ich dich nicht? warum machst du es mir so schwer? wir passen doch gar nicht mehr zusammen. du warst jung, als du gestorben bist, du bist jung geblieben, und ich sitze hier und schreibe an dich und bin so alt geworden. besser, ich schriebe dir nicht mehr. weiß ja nicht einmal, wo du bist. ob du es liest. aber du fehlst mir, Zoé, du fehlst mir. verstehst du?
lost.
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-> Chaiselongue
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-> deep impact: die Bedrohung
-> mermaid
-> Schwarzwasser
-> Podcast (Schwarzwasser und big polis)

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augustine
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JIDDISCH hier, zum erstenmal!
Ich kann's nur so ungefähr verstehn.
Ich schreib eigentlich nicht gleich nach dem Lesen.
Jetzt fällt mir ein: Ist es nicht auch zum Sich-Freuen, dass manche Erinnerungen bleiben, eine Sehnsucht, die nie wieder hereinholen kann, was ihr verlorenging - aber sie hatte es doch!
Danke, lost - ob Du' s nun so erlebt hast oder nicht.

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Jolante
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13.11.2006, 12:38 / 1 x geändert
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lost, ich bin beim Lesen dieses Briefes ganz traurig und sehnsüchtig geworden, obwohl es ja der Brief des Ich-Erzählers an Zoé ist und mit mir und meinen Gefühlen nichts zu tun hat. Und doch: Wenn ich deine Texte lese, möchte ich immer noch weiter lesen, obwohl sie in sich so rund und abgeschlossen sind. Dieser Brief rührt bei mir an eine Tiefe, in die ich kaum wage, hinabzusteigen. Ein Gedicht von Else Lasker-Schüler ist mir in den Sinn gekommen, das auch immer diese Wirkung bei mir hervorruft:
"...........
Komm, wir wollen uns näher verbergen,
das Leben liegt in unseren Herzen
wie in Särgen.
Du, wir wollen uns tief küssen.
Es pocht eine Sehnsucht an die Welt,
an der wir sterben müssen...."
Ich hoffe, ich habe richtig zitiert, der kleine Gedichtband ist mir nämlich abhanden gekommen und ich konnte nicht nachschlagen. Deinen Text finde ich inhaltlich und formal sehr gelungen.
LG Jolante

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ear
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Der Titel :aus einem Brief, nur ein paar Zeilen in Jiddisch werden vorangestellt, welche durch den ungewoehnlichen Dialekt besonders eindringlich auf leider vergebliche Antwort warten.
Der Kontrast zum modernen Deutsch ist stark. Dort herrscht Kleinschreibung vor, bis auf Woerter, welche die Verbindung zur Vergangenheit suchen, zur Begegnung und Liebe, der Sehnsucht nach der Trennung, welche unerwartet erfolgt sein muss, Die Wut, keinen Ersatz fuer Zoe finden zu koennen, die ein ganzes Leben lang den Schreiber verfolgen sollte. Die junge Zoe, deren Name allein schon ein Bild von Zischen und Schlangenatem und Erinnerungen an ein unvergessliches Zusammengehoeren im Rausch der Liebe heraufbeschwoeren und die nagende Ungewissheit ihres Schicksals. Die leise Hoffnung, sie koenne noch am Leben sein, begleitet den Schreiber bis ins hohe Alter, in einer Umgebung des aeusseren und inneren Verfalls. Wie Jolante sagte, man wuerde gern Weiteres hoeren.

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wohlgesonne
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14.08.2007, 06:04 / 5 x geändert
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Wer immer sie ist, ich denke, sie fehlt Dir.
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Ich mag die Worte 'Frauenkörper' und 'Seelenfaden'.
Sehr.

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rollerball
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Dieser Brief geht mir tief unter die Haut, ruft Erinnerungen und Gefühle in mir wach, die ich schwer ertragen kann und doch nicht missen will, an eine jüdische Frau, die auf rätselhafte Weise in mein Leben getreten und auf tragische und ebenso geheimnisvolle Weise wieder daraus geschieden ist. In welcher Dimension sie nun auch sein mag, ich sollte ihr wohl auch einen Brief schreiben ...

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lost²
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wohlgesonne,
dass ein Wort wie Seelenfaden dir gefällt: gefällt mir.
aber sonst: obwohl du 17 Wörter, drei Punkte, zwei Kommata
und vier kleine Haken verbrauchst,
bin ich enttäuscht.
ich hatte mehr erwartet.
oh ja.
viel mehr.
von dir.
ich bin schmerzlich enttäuscht.
sehr.
rollerball, es gibt
Wilne/Wilna/Vilnius-Litauen/Jeruscholajim de-Lite. es gibt Ponar/Ponary/Paneriai.
sagen wir: Zoé war eine Litvak, gelebt hat sie im Wilner Ghetto, wo und wie sie gestorben ist,
das weiß man (ich) nicht. kann sein im Ghetto selbst, oder in Ponar, kann sein auf dem Marsch dorthin,
irgendwo in den Wäldern erschossen, oder verhungert in einem Versteck. man weiß zu wenig.
... ja. schreibe einen Brief ...
lost.

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nr0
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14.02.2008, 01:59 / 13 x geändert
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Hallo lost (monsieur) (was für ein name schon: passend zum text....)
Habe natürlich gleich mal geguckt, nach deinem Kommentar, was du so geschrieben hast, deshalb dieser mein Kommentar zu einem schon älteren Text. Denn hier bin ich hängengeblieben. Wenn ich dich richtig verstehe, dann kann ich dazu nur sagen:
Alle Briefe machen gar nichts wieder gut.
Und trotzdem - DENNOCH! - eine schöne Idee, dass wir uns alle hinsetzten (auf unsern Hosenboden!) und Briefe schrieben an all die Toten (und gerade WEIL es nichts bringt wäre es angemessen...). Die Juden und Jüdinnen aus dem Wilnaer Ghetto sind alle ermordet worden und schon in diesem Plural steckt ja auch wieder eine Entmenschlichung. Der Brief (an sich) vermag zumindest imaginär zu individualisieren und das ist tatsächlich WICHTIG. Die Einzelnen zu sehen. Das jeweils Besondere.
JedeR Einzelne sollte einen Brief bekommen.
Danke dafür.
Sprachlich ist das Ganze wunderschön. Sehr schöne Bilder am Anfang:"Das Dacht ist undicht..." Und auch die Beschreibung des entfremdeten Sex` als auch die darauf folgende des Liebe-Machens ist treffend und drückt jewils genau das aus, was Wesen der Sache ist. (Nur der Leserin ist immer etwas unwohl, wenn sie von "voller Wut eindringenden" Männern liest - ist nicht auch das eine sadistische Phantasie und ich identifiziere mich natürlich mit der auf diese Weise gevögelten Frau - aber das muss ich wohl hinnehmen, schreibe ja ähnlich umgekehrt...)
Ein wenig unheimlich ist mir allerdings, dass es der Brief eines Geliebten ist, der so stark sexuell geprägt ist. Wer ist dieser Geliebte? Dieses Unbehagen deshalb, weil "die schöne Jüdin" auch in den sexuellen Phantasien des schlimmsten Antisemiten immer ihren Platz hatte: Die Jüdin als das ganz andere, fremde, wilde, als der Sex schlechthin. Fühlt sich ein wenig nekrophil an. Sollte das ganze eine irgendwie autobiographische Grundlage haben, nehme ich das zurück und gebe dennoch zu bedenken, dass dieses Bild im Hirn des Durchschnitts-Nicht-Juden, der den Brief liest, nach wie vor verankert ist.
Deshalb: Große Trauer, ein Schuss Versöhnung, ein wenig Skepsis...
Liebe Grüße zur Nacht Nr0

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Vladimir
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Da du eine solche Zoé gekannt zu haben scheinst, sie wirklich existierte etc. fällt mir ein Kommentar schwer, weil ich den Text kaum einordnen kann. Willst du ihn als Kunstwerk gelesen wissen? Warum dann ein "Auszug"? Oder ist auch das Teil des Kunstwerks?
Ansonsten wirkt das für mich ein bisschen wie der Versuch unsagbares zu sagen - sprich ich fühl etwas dahinter, aber die Worte selbst scheinen mir an diesem abzugleiten wie... "modrige Pilze" oder so, falsche Plaketten. In jemandes Atem ertrinken, "du fehlst mir, verstehst du?" - sagt das noch irgendetwas aus?
Anders, wenn es wirklich aus dem Leben kommt. Dann würde ich diese Frage nicht stellen, da
"Our sport shall be to take what they mistake:
And what poor duty cannot do, noble respect
Takes it in might, not merit."
Verstehst du mein Problem?

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lost²
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danke für die Kommentare, eine Antwort versuche ich gerne.
nr0, stelle es dir etwa so vor:
ein junger Mann und ein junges Mädchen im Wilner Ghetto, sagen wir 1942, nach Jom Kippur, als es längst abgeriegelt war (link), abgeschnitten von der Welt(öffentlichkeit) - die Transporte nach Ponar finden statt, die Vernichtungsmaschinerie läuft. im Ghetto versuchen die Juden zu leben, in aller Bedrängnis doch zu leben, im Schatten des Todes. es blühte im Schatten des Todes ein eigenes, besonderes kulturelles Leben auf, getragen auch von jungen Menschen um die 20 - das war der kulturelle, der geistige Widerstand: Lieder entstanden (kennst du die Lieder aus dem Wilner Ghetto? Hirsch Glik, Schmerke Katscherginski, Kejle Efron, Lejb Rosental, Rikle Gleser, Witke Kempner ... all die Namen), Partisanenlieder, auch Liebeslieder - stell dir also vor: junge, lebendige, kluge Menschen unter den Flügeln des Todes, ein Junge und ein Mädchen, die sich lieben und ihre Liebe auskosten - so sehr, so intensiv, wie es nur eben in aller Bedrängnis möglich ist, sie wissen ja den Tod über sich, sie haben wenig Zeit - der Junge überlebt (es haben einige, nicht viele, überlebt), das Mädchen, Zoé (und "Zoe" ist ein altes Wort, welches bedeutet: das Leben), geht nach Ponar.
kannst du dir vorstellen, dass er sie nie vergisst, dass er sie ein Leben lang sucht, auch körperlich (denn er nahm sie wahr: ihren Körper mit dem seinen), dass er ihr Briefe schreibt, auch noch als alter Mann?
das ist einer dieser Briefe. das ist die Geschichte (die "Historizität") hinter diesem Brief. vergiss das hochbefrachtete Motiv der sexuell begehrenswerten "schönen Jüdin" (ich verstehe - verstehe sehr gut, was du damit meinst, und dein Hinweis, deine Bedenken sind wichtig; aber darauf will ich mit dem Text nicht hinaus; mag sein, dass er so gelesen werden könnte: sollte ich ihn deshalb nicht geschrieben haben?). es ist ein persönlicher Brief, er spiegelt ein Trauma, wenn du so willst, er versucht, von der Vernichtung zu sprechen, aber nicht politisch, sondern persönlich. so zumindest war meine Intention beim Schreiben - und das hast du ja auch herausgelesen.
es tut also nichts zur Sache, ob ich (als Autor) jüdisch bin oder nicht, ob es einen autobiografischen Hintergrund gibt oder nicht. eine Schwäche dieses Textversuches könnte sein, dass die Thematik (Wilner Ghetto) nur in einem winzigen Fingerzeig hinterlegt ist: im Zitat über dem Brief (ein Zitat aus einem Ghetto-Lied; wenn es interessiert, kann ich es ergänzen). andererseits: wer diese Spur beim Lesen nicht aufnimmt, wird den Text als einen Versuch über Sehnsucht, Verlust und dergleichen nehmen, ganz allgemein. auch das ist in Ordnung.
Nekrophilie? nicht im Sinne einer sexuellen Perversion; wenn, dann im Sinne einer Wunde, eines nie zu verwindenden Verlustes.
siehst du, ich schreibe zu lang, zu viel. hoffe, dich nicht gelangweilt zu haben.
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Vladimir, ich weiß nicht, ob ich dein Problem verstehe. hättest du über diesen Text gerne folgendes sagen mögen:
"I have read it over,
And it is nothing, nothing in the world."
wagtest dies jedoch nicht aus Furcht vor dem potentiellen autobiografischen Hintergrund? königliche Ehrenhaftigkeit und Güte gebietet respektvolle Schonung des plumpen Handwerkers in solchem Fall.
aber wäre es denn gut, verschiedene Maßstäbe anzulegen beim Kommentieren, je nachdem, ob ein Text aus dem Leben kommt oder nicht? solch ein Autobiografiebonus scheint mir eine diffizile Sache. wie sollte man dann überhaupt noch kritisieren? und kommt, in gewisser Weise, nicht jeder Text aus dem Leben? steckt nicht in jeder Fiktion, die geschaffen wird, die Lebens-Erfahrung und Persönlichkeit des Autoren, mehr oder weniger verdünnt, verdichtet, verwandelt? welche Kriterien gäbe es, um festzulegen, ob der "sanfte" oder der "harte" Maßstab angelegt werden solle?
oder liegt dein Problem darin, dass unklar bleibt, an welcher Stelle genau der "Text", oder (wie du es formulierst) das "Kunstwerk" beginnt?
es ist so: Zitat und Hinweis ("Auszug") sind bereits Teile des "Werkes", will sagen der Text ist dreiteilig (Zitat, Hinweis, Brief), die beiden ersten Teile "erzählen" dem Leser etwas darüber, wie der dritte Teil rezipiert werden soll/kann, rücken den "Brief", den dritten Teil des Textes, in einen ganz bestimmten Bedeutungszusammenhang. der dritte Teil des Textes, der Brief, trägt die eigentliche Botschaft: mag sein, dass er versucht, Unsagbares zu sagen - und deshalb "Aussagen" enthält, die "nichts aussagen". in bestimmten emotionalen Situationen sprechen/äußern Menschen sich manchmal, ohne noch irgendetwas zu sagen.
lost.

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nr0
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25.02.2008, 12:55 / 1 x geändert
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hallo lost,
danke für die ausführliche antwort - und: nein, natürlich langweilst du nicht!
Tatsächlich war deine antwort sehr erhellend für mich - ich habe die beiden nicht im ghetto gesehen, sondern als paar, bevor die vernichtungsmaschine angelaufen ist und dann im zuge der deportation getrennt oder so.... irgendwie ändert das das bild, warum, weiß ich nicht genau. vielleicht weil die unwiederholbarkeit dadurch deutlicher wird: jenseits einer bloß romantischen liebeserklärung a la: "ich werde nie wieder jemand lieben können wie dich" ist es auch die situation, die das singuläre unterstreicht:"dieses grauen, diese liebe, diese liebe unter dem grauen haben wir, du und ich zu DIESER Zeit gemeinsam erlebt" oder so. irre traurig. und ich werde leider auch immer ziemlich wütend bei dem thema.
vielleicht schreibe ich wirr.
schön deine worte über die nekrophilie. (ich glaube davon ab, auch hinter jeder "sexuellen Perversion" steckt eine wunde, etwas unverwundenes...)
herausgelesen aus meiner antwort hast du, obwohl ich es gar nicht so direkt formiuliert habe, dass ich überlegt habe, welchen unterschied es machen würde, ob Du als Autor Jude bist oder nicht. ich finde tatsächlich, es ist oft ein unterschied, zumindest dann, wenn das thema von texten etwas mit jüdischer Identität, erinnerung oder auch der aktuellen Situation von Juden und Jüdinnen in aller welt einschließlich Israel zu tun haben. (damit will ich nur sagen: ich sehe diesen Unterschied natürlich nicht, wenn jemand eine rezension über, sagen wir mal, "stirb langsam 4.0." verfasst). zumindest ein unterschied darin, wie ich texte politisch beurteile. ob das jetzt in diesem fall so eine rolle spielt, weiß ich nicht. mag sein, dass nicht. ich misstraue einfach deutschen nicht-jüdischen menschen mit wehrmachts(groß)vätern, die versuchen, eine fiktive jüdische identität anzunehmen, dies dann noch als opfer der verfolgung und dann sagen, es spiele keine rolle.... ich glaube wohl doch, dass es das tut. kennst du den roman "Der nazi und der Friseur" von edgar hilsenrath? da diese annahme einer anderen identität thema des ganzen romans. ganz fantastisch, wenn auch sehr sehr zynisch.
da streiten sich ja die literaturwissenschaftlichen geister eh, ob so etwas wie "deutsch-jüdische" literatur überhaupt ein akzeptierbares kriterium ist. ich finde aber schon. universalismus kommt in diesem fall auch einer eliminierung - oder einem assimilationszwang - gleich, und diese kategorien sind NATÜRLICH nur Krücken, aber mehr hat man ja fast nie, wenns um begriffe geht.
na ja und alles so weiter - ich leide unter totaler bronchitis, schnupfen, und ziehe mich jetzt dezent zurück ins bettchen.
alles gute dir, lost, danke für den schönen text: nr0

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lost²
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nein, nr0, du schreibst nicht wirr. freue mich wiederum, deine Antwort zu lesen.
dass du Hilsenrath erwähnst (der Kelch der Kanonisierung ist ja vorübergegangen an ihm, so dass man nie davon ausgehen darf, "er sei bekannt")! - es gibt ein Buch über sein Leben und Werk, sinnigerweise betitelt Das Unerzählbare erzählen. Hilsenrath ist ein gutes Beispiel für einen, der die eigene Biografie literarisch verarbeitet, in sehr tiefem Sinne (ein Gegensatz wäre das Vermarkten einer Biografie). er fand eine (seine) Balance, findet sie schreibend immer wieder. teils in Zynismus und Ironie, teils in der Unerbittlichkeit der Sprache, im schonungslosen Mitteilen.
regards, lost.
(was du sagst zur Perversion als Wunde: wäre das nicht ein interessantes Schreibthema? gibt es Sexualität ohne Perversion? ist da nicht immer ein Keim enthalten? wo beginnt die Perversion, wie definiert sie sich, woran wird sie als solche erkannt? wie ausleben? was bedeutet 'Moral' oder 'Ethik' in diesem Zusammenhang? usf. - )

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wohlgesonne
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24.04.2008, 06:09 / 2 x geändert
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Ich glaube, dass ich nichts davon verstehe, was ihr schriebt, und auch, dass ich nach zwei bis drei Sätzen es aufgab, es zu meistern, sagt alles.
Wenn man nicht an Gott glaubt, ist man schnell am Ende.
Ich glaub.... ich muss mal was trinken....

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