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Jolante
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11.11.2006, 19:06 / 3 x geändert
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nacht
bläht den vorhang
aufgerissener angst
über geschlossenen
lidern
staub
unsichtbaren wahns
rieselt lautlos
hinter brüchigen
tapeten
kinderweinen
sucht die puppe
in den kissen
erstickt
erwachen
morgens
mit schlafaugen
die puppe am pc
funktioniert

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windflug
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Hallo Jolante,
dein Gedicht macht beklommen. Die Angst, die hier zum Ausdruck kommt, scheint mir die Flüsternde zu sein, die Unheimliche, die Nachtangst, Traumangst, die aber noch in den Tag nachwirkt und Leben erstickt. Es ist die Angst vor der Angst, die Angst vor dem Wahn und diese tief sitzende Angst vor dem Tod des Kindes, die eine Mutter nie wirklich verlässt.
Deine Bilder sind stark, eindringlich und doppelbödig, besonders das von der Puppe. Sie werden bleiben.
Herbstgrüße sendet dir
windflug

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augustine
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Jolante, sei gegrüßt! Ja, Dein Gedicht hat auch mich sehr angesprochen.
Über das Gefühl hinaus noch:
mir scheint, dass nur die drei ersten Strophen AlpTRAUM-Strophen sind, Traum-Gefühle, denen Du erst beim Schreiben Bilder gegeben hast; vielleicht, um die Empfindung zu fassen, dass 'Du' den Traum verlassen möchtest, aber nicht kannst? //
sehr schön finde ich "vorhang/aufgerissener angst/über geschlossene/lider" (aber fehlt da nicht doch in den beiden letzten Worten ein 'n'? und was wäre mit 'nachtwind' statt 'nacht'? // 2. Strophe finde ich gut so // 3.: da sie mit "kinderweinen" beginnt, müsstest Du überlegen, ob Du da ein einsilbiges Wort findest, das zu den drei anderen Strophen passte (Konj.); dann geht wieder der vorgeschlagene 'nachtwind' nicht; weinen, erstickt, erwachen: "kinderweinen" ist Subjekt - vielleicht nochmal überdenken, scheint mir unklar//4.: das erwachte Traum-Puppen-Ich sitzt am PC (und schreibt dies Gedicht, könnte man ja fortfahren)
Liebe Jolante - ich mein' das alles als Freundesdienst. Sei Dir die Nacht zur neuen Woche ohne Alpträume! augustine

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lost
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Jolante, verzeihen Sie die kurze Angebundenheit!
was ich täte, wäre dies:
morgens
mit schlafaugen
die puppe
am pc
funktioniert
"funktionieren" trägt in sich bereits das Mechanische - das Wort "mechanisch" ist überflüssig. funktioniert als letztes Wort: das schiene mir bündig genug.
regards, lost.

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arisia (Gast)
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hi, Jolante,
es wurde ja schon einiges gesagt, und von der Stimmung, der Emotion her schließe ich
mich erst mal Windflug und Augustine an.
zu den jeweils ersten Zeilen.
an "Nachtwind" dachte ich auch schon. Aber dann wären es 2, 1, 4, 2 Silben. Dann doch
lieber "nacht", dann 1, 1, 4, 2 Silben, erscheint mir von der mathematischen Harmonie her
günstiger. Auch wirkt
"nacht
bläht den Vorhang"
als Bild auf mich stärker, als "nachtwind", auch doppolbödig, was dem "nachtwind" fehlt.
Und, es sind so, unabhängig von den Silben, jeweils "ein Wort" Zeilen.
Mit der dritten Strophe habe ich keine Schwierigkeiten, ich sehe 2 Subjekte, einmal
"kinderweinen", zum anderen "erwachen". Durch die Kleinschreibung ist das etwas
schwieriger zu erkennen, soll wohl auch so sein. Ich lese die Strophe so:
"Kinderweinen
sucht die Puppe."
und
"In den Kissen
erstickt
Erwachen".
hab ich jetzt mal groß und klein geschreiben und einen Punkt gemacht hinter Puppe, dann
kommt es, denk ich, besser rüber.
Zur vierten Strophe könnte ich noch "automatisch" statt "mechanisch" beisteuern.
Vielleicht hast du das auch gemeint, Jolante. :)
So, nachdem jetzt schon zum dritten Mal das Telefon geklingelt hat, habe ich den Text
endlich fertig.
liebe Grüße
arisia

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Jolante²
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17.11.2006, 19:20 / 2 x geändert
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Seid gegrüßt
windflug, augustine, arisia, lost,
über eure Kommentare habe ich mich gefreut. Zum Inhalt des Gedichts möchte ich weiter nichts sagen, das hat windflug schon für mich getan (vielen Dank)
Augustine: die grammatikalischen Änderungen habe ich vorgenommen. "nacht" durch "nachtwind" zu ersetzen, wäre sicher logischer gewesen, aber "nacht" ist hier für mich ein Bild, das den Nachtwind wohl beinhaltet, aber eben auch noch einiges mehr, das Angst provoziert. Das "kinderweinen" ja, das muss auch so stehenbleiben, es ist ja sozusagen der Nukleus in diesem Gedicht (auch Dir lieben Dank für den Freundschaftsdienst, den ich ausdrücklich als solchen verstehe).
arisia: Die fehlende Interpunktion mag in der dritten Strophe verwirren, aber ich meinte ausdrücklich nicht nur: "Kinderweinen sucht die Puppe.", sondern es soll auch deutlich werden, dass auch das Erwachen "in den Kissen erstickt". Ein Dankeschön auch an dich.
lost: Ich habe das abschließende Wort "mechanisch" weg genommen. Es leuchtet mir ein, dass dieser Begriff bereits in dem Wort "funktioniert" enthalten ist. Ich wollte mit "mechanisch" nur stärker hervorheben, dass die "puppe am pc" noch unter dem Eindruck der Nacht-Traum-Angst steht und noch nicht "ganz bei sich" ist. Ich danke dir für die Anregung.
Auf Inspiration wartend
grüßt Jolante

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lost
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liebe Jolante!
es ist gut so (meine Meinung). es beschreibt einen Alptraum und seine Wirkung in den Tag hinein: etwas läßt sich nicht abschütteln.
nacht - staub - kinderweinen - puppe - morgens: das erste Wort einer jeden Strophe gibt dem Text die Bewegung, die Richtung. von der Nacht, vom Alptraum in den Morgen.
das Sprecher-Ich befreit sich nicht vom Traum, es "ist nicht bei sich", sondern kann lediglich funktionieren. es ist im Grunde gefangen in einer anderen Welt.
Worte wie 'kinderweinen' und 'puppe' suggerieren ein altes Trauma. eine sehr persönliche Erfahrung von Angst wird "verdichtet herausgebracht". dadurch liest man neben der unmittelbaren Alptraumerfahrung einen weiteren Zusammenhang: was in der Kindheit geschah (=Nacht, gleichsam traumhaft Erlebtes, das aber tatsächlich stattgefunden hat) wirkt in das erwachsene Leben (=morgen, Alltagswelt) hinein.
ich empfinde dieses Gedicht als stimmig.
ich grüße. lost.

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