| |
|
Marcelinho Doido
|
20.12.2005, 01:57 / 1 x geändert
|
|
Tief versunken im Sein der Dinge,
sitzt,
er,
Wahrheit suchend,
Monde gehen auf und unter,
Sonnen ziehen vorüber.
Der Wind fährt durch im Grase zirpende Grillen,
murmelnd plätschert es vorbei,
rauschend birst es im Buschwerk,
im Geäst hoch oben.
Es west.
Es ist.
Das Fest des Denkens kann beginnen.
(M.D. 2004, Frankfurter Bibliothek 2005)

|  |
augustine
|
21.12.2005, 16:03 / 1 x geändert
|
|
Tief versunken gewesen auf der Suche nach den lyrischen Qualitäten dieses Gedichts, kam ich doch nur darauf, dass es eine Heidegger-Satire sein könnte. augustine

|  |
Marcelinho Doido²
|
21.12.2005, 18:34 / 2 x geändert
|
|
Nun ja, nicht jedes Gedicht weist lyrische Qualitäten auf, nicht wahr augustine? ;-)
Das Ganze ist weniger satirisch gemeint, als Du vielleicht denkst. Allerdings kann ich nicht absprechen, dass man es durchaus satirisch lesen kann. Eigentlich mag ich die Holzwege...
Und: holla, da lese ich gerade (als Verweis auf die Religion und den "Nachfolger"), dass dieser Text hier Prosa sei. Habe ich das irgendwo bestritten?
Es ist ein kleiner prosaischer Text in Versform.

|  |
Marcel Frank
|
"Denken" ist ja ein sehr abendländischer Begriff. Ein "Fest" daraus zu machen, da "denke" ich allenfalls bis Kleinasien und Symposien. Ich glaube, der Text, das Gedicht, "raunt" ziemlich stark. Stillschweigend wird vorausgesetzt, was "das Sein der Dinge" sei. Was "Wahrheit suchen" sei (nicht nur die Kollokation gehört so zum Augelutschtesten, was es gibt). Also, wenn Monden und Sonnen auf- und abgehen, um bis zum Beginn des Fests des Denkens zu kommen, dann ist das esoterisch. Es ist eine esoterisch gemeinte Einsamkeit. Eine "Bedingung". Eine Buddha-Einsamkeit von mir aus. Keine prototypische, literarmotivische. OK. Die idyllenfähigen Natursurrogate (zirpende Grillen und so) machen sie zudem "ganz gut erträglich". Das paßt zur geschmeidigen Erwartung denkerischer Festivitäten und das nährt den Verdacht, dieses lyrische Ich ("er") ist eigentlich ein ganz schmockhaftes - dass "er" nach Wahrheit trachtet muss erwähnt werden, er iss n Guten also und das Manna (? cómo se escreve ?) wird ihm bald vom Himmel regnen. OK. Das pleonastische "es" (2x, Zeile 8+9) paßt gut zu "es west", ob es gedicht-stilistisch vorteilhaft ist, quién sabe. Ich lese es mal wieder ironisch, weil die Welt der Tatsachen nicht diese ist und die des Wunsches nicht affirmativ "abgebrannt"* werden kann. Ohne Ironie wäre der "rechte Leser" gleichbedeutend mit dem "eingeweihten" Leser (Sein der Dinge und so). Da würde es wieder "raunen". Der 1. Vers ist wirklich hochschwanger. In manch einer Zeit wird man dafür gelyncht.
m
* (qué festivón ! Ailton sagte nach dem Gewinn der Meisterschaft zu einem Reporter: Kann jetz nich, muss "Feuer" mache mit Mannschaft ...)

|  |
arisia (Gast)
|
22.05.2006, 17:44 / 1 x geändert
|
|
Hi, Marcel,
nun, ein Fest des Denkens ist für mich schon nachvollziehbar,
wenn ich auf dem Treidelpfad mit dem Fahrrad fahre, und mich meinen unwägbaren Gedanken hingebe, dann ist das für mich ein Fest des Denkens, bei dem ich zu vermeiden suche, selbst die Denkende zu sein, nur Beobachterin der feiernden Gedanken.
Ist aber nicht Buddha-Einsamkeit, eher Buddhaheit, Einsamkeit ist nicht etwas gedachtes, sondern gefühltes, und die feiernden Gedanken sind kein bißchen einsam.
"Est, ergo cogitat" ist auch eine interessante Wendung
Grüße
arisia
So, das wars dann aber auch für heute, muß noch weg

|  |
Gretchen
|
23.05.2006, 00:57 / 2 x geändert
|
|
Was ist denn das für ein Ansatz, arisia? Rudi EsTe? Gruß von Gretchen.

|  |
arisia (Gast)
|
23.05.2006, 01:11 / 1 x geändert
|
|
Hi, Gretchen,
"es west,
es ist"
erst ist es, dann beginnt das Fest des Denkens
ergo:
"est, ergo cogitat"
niemand zweifelt und bis zum Verzweifeln ist es noch ein weiter Weg
Grüße
arisia

|  |
Gretchen
|
No no no, arisia, ich wollte auf was anderes hinaus, nämlich checken, ob du bei: est, ergo cogitat den Steiner Rudolf im Kopfe hattest - wegen: Gedanken als "eigene" "Wesen"heiten. Nur so´n Splitter von mir, nix wichtig. Gruß, Gretchen.

|  |
|
|