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augustine
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Hallo, littlefoot,
Doppeldistichen, wie sie Bobrowski geschrieben hat (übrigens scharfe, Xenien sind halt nicht immer zahm) - wenn Du dies Forum meinst, müsstest Du viel gelesen haben. Die Überschrift lässt es vermuten - als einen der guten Ratschläge, die ich (nicht als Schläge) privat bekommen habe. Aber Endzeit ist nicht, soll nicht sein.
Meinst Du hingegen das Leben: ja (freilich weiß ich nicht, was Gnade wäre).
Ich vereinnahme hier was, das wahrscheinlich gar nicht an mich (nicht mich allein) gerichtet ist. Aber es be-trifft mich. Und da es das tut, da auch jetzt wieder Deine Zeilen etwas von Traurigkeit mir genommen haben: DANKE.
augustine

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Marcel Frank
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Der Pentameter des ersten Distichon ist in seinem kurzstottrig fallendem Rhythmus äußerst bündig + gelungen. Es "deucht" einem zunächst, die Verse seien prätentiös. Ihr alltagssprachliches Wortfeld steht dem aber entgehen. Zwei gern gelesene Distichen. Das Objekt zu "gemartet" ist syntaktisch verschleiert, "da aus dem Agens der Endzeit heraus / der Spieß sich umdreht behende."
Junge, komm' bald wieder.
m

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Jolante
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Littlefoot,
die Aussage deiner beiden Distichen hat mich gedanklich sehr beschäftigt. Die Schlusszeile ist mir nahe gegangen.
Du schreibst, dass du noch viel lernen musst. Das müssen wir hier (fast) alle und können es auch. Ich schließe mich marcels appell an: Junge, komm bald wieder !
LG Jolante

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Elise
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Oh, hallo, Littlefoot,
das ist schön, dass du dich wieder gemeldet hast hier. Mit deinen Versen ging es mir wie Jolante, und für mich war die Formulierung, dass eine Zeit, die Endzeit "von Gnade beseelt" sein könnte oder sollte, sehr wichtig ...
Das mit dem "Agens" - ach ja, das verstünde ich auch gern ... vielleicht vermag es ja jemand anderes zu erläutern.
Viele Grüße von Elise.

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augustine
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Hab' Dir einen Artikel aus nzz geschickt, der das vielleicht erläutert; ungelesen.
Elis, was denn "Gnade" sei, hat schon der Theologe Hölderlin bald nicht mehr gewusst.
Ich sage: eine menschengemachte, in de Himmel projizierte, theologisch aufgemotzte Erfindung, von der man gar nichts hat, weil es sie nicht gibt.
Entschuldige, scharf. Liebe Grüße dennoch: augustine

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Elise
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Guten Morgen, augustine und alle!
Danke, augustine, für den Artikel, er liegt mir vor.
Was ich über Gnade sagte, will ich zu erläutern versuchen.
Ich habe keinen theologischen Begriff von Gnade, ich sehe keinen Gott über mir, ich projiziere nichts nach oben (die Luft ist kein Himmel, schrieb ich einmal). Was ich mit Gnade meine, ist etwas zwischen Menschen, das sich (selten, aber doch hin und wieder) für Sekundenbruchteile ereignet: eine Art von Frieden.
Es kann so sein:
Ich schaue einen anderen an, offen, ohne eine Absicht im Blick, einfach nur, weil dieser andere da ist, und weil ich da bin, und der andere schaut zurück, ebenfalls offen und unverstellt, eine Sekunde lang, und es ist gut, und dann ist es vorbei. Aber es war eine kleine Gnade, sich anzusehen, ein kleiner Friede zwischen zweien.
Oder manchmal spreche ich mit jemandem, und ich habe plötzlich den Impuls, diesen anderen zu berühren, ich weiss nicht, warum - aber ich strecke die Hand aus und berühre den anderen Menschen an der Schulter, ganz kurz, ganz leicht, fast nicht - und doch spürt er es und horcht einen Augenblick lang der flüchtigen Berührung nach - und lächelt vielleicht sogar.
Solche Winzigkeiten: das ist mein persönlicher Begriff von Gnade. Mehr nicht. Augen-Blicke eben. Ich weiss, das klingt abgedroschen, aber besser kann ich es nicht sagen.
Vielleicht habe ich etwas missverstanden oder nicht begriffen.
Wenn schon Endzeit ist, wenn schon alles bricht und abstürzt - soll ich mich mitreißen lassen, soll ich um mich schlagen, mich irgendwo festklammern, jammern, mich martern, den Mit-Menschen martern? Nein, ich öffne lieber die Augen und sehe einen anderen an. Aus meiner eigenen Ruhe, aus meiner Mitte heraus. Dies in etwa wäre meine Lesart (um den Bogen zum Gedicht zurückzuführen), meine Auslegung eines von Gnade beseelten Zustandes.
Ob ich mich verständlich machen konnte? Ich weiss nicht ... es sind ja auch nur Worte.
Liebe Grüße, Elis.
(scharf? nein ... )

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Jolante
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"Von Gnade beseelt sein",
das bedeutet auch für mich nicht, von Gott begünstigt zu werden. Ich denke dabei eher an Menschen, die sehr krank oder sehr unglücklich sind, und denen von anderen Menschen Barmherzigkeit (Erkennen ihrer Not, Mitgefühl, Hilfe) zuteil wird. Gnade ist für mich etwas, das nicht eingefordert werden kann, etwas, das von der Gunst eines anderen abhängig ist, ein Erkennen der (seelischen oder körperlichen Not eines anderen, und als Folge davon das Gewähren eines Etwas, das diese Not lindern kann. Aktive Sterbehilfe, zum Beispiel, kann (für mich) Gnade bedeuten.
Es wäre interessant, zu erfahren, wie andere (für sich) "Gnade" definieren.
LG Jolante

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ear
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Von dir, Jolante angesprochen , beschaeftigt mich das Wort: “ Sterbehilfe.”
Ich koennte es durchaus als Gnade ansehen, waere ich solch ein Kranker und mein Tod unvermeidlich.
Solange ich noch voll begreifen koennte, waere es mir gegeben, freiwillig weitere Behandlung abzulehnen. Ich wuerde dann meinen Tod selbst bestimmen. Das waere Gnade fuer mich.
Sollte durch meine Entscheidung ein wuerdiges Sterben nicht moeglich sein, waeren die Aerzte in der Lage, durch Mitsprache von Familie oder Freunden, den Antrag zu umgehen.
Problematischer stelle ich es mir bei Haustieren vor, wenn ein Hund aus Krankheit, Alter, oder Verwundung eingeschlaefert werden muss. Die Besitzer muessen es als Gnade begreifen, ihren Hund zu erloesen.
Sicherlich gibt es auch dort Entscheidungen des Tierarztes gegen eine Toetung,wenn es ersichtlich wird, dass keine Krankheit oder Aehnliches vorliegt und die Besitzer nur eine Buerde loswerden wollen. Tierheime haben aber mit Platzmangel zu kaempfen und leiden unter Geldmangel, sodass ein humanes Toeten besser sein koennte, als dass Tiere aus Heimen an unfaehige Familien verkauft werden.

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lost
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* Agens * (<--> Patiens)
Linguistik.
Semantische Rolle.
Aktant eines Satzes.
Theta-Raster.
Theta-Rolle.
Ergativkasus.
(Gnaden-)loses Germanisten-Gerede.
wer versteht das schon,
im wahrsten Sinne des Wortes ...
lost.

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augustine
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an alle, die was von Gnade geschrieben haben:
eben verfiel ich auf die Idee, im mhd. Wörterbuch nachzusehen (LEXER, vielleicht im Internet), was da 'gnade' ist - die Ursprungsbedeutungen helfen so oft weiter.
Und finde erst 12 (!!!) Bedeutungen, die NICHT christlich sind - und alle die Situationen, die Du, Elis, so schön beschrieben hast, die sind in den Begriffen enthalten! Die heißen etwa: ruhe, glück, freude, neigung zu etw., helfende geneigtheit ... ; dann erst: gottes hilfe und erbarmen. Und das Adj. heißt u.a.: wohlwollend, freundlich, liebreich. Ich bin ganz verblüfft. - Aus Deiner Mitte heraus (so hast Du einmal dem Wanderer geantwortet) gebrauchst Du das Wort in seinem eigentlichen Sinn!
Dass ich zuerst auf die christliche Begrifflichkeit kam (machen alle Religionen so: den Worten, den Festen andere Bedeutungen unterlegen): ich habe mich ja selbst protestantisch sozialisiert, und da ist eben: SOLUS CHRISTUS | SOLA SCRIPTURA | SOLA GRATIA der Kern der theologisch unnötigen Spaltung; also: Christus allein - gegen die 'Alleinherrschft' der guten Werke und aktuell-damalig: den Verkauf von zuvor erfundenen Fegefeuer- und Höllenstrafen - um den Neubau des Petersdomes zu finanzieren; allein die Schrift=Bibel (na, das ist nicht so); und: sola gratia: allein durch Gnade (den Opfertod Christi - oder was man dafür hielt und hält).
Sind wir eigentlich ausgewandert ins Gäste-Forum?
agens: müsste eigentlich erklären, wer's zitiert hat; ganz allgemein: agens ist so was wie eine Wirkkraft in der Geschichte; als Begriff zunächst mal wertneutral; jeder kennt: Aktion, agieren, agitieren...; kommt alles von 'agere': handeln, tun. Aber bittschön: es gibt Lexika im Internet ...
Valete! augustine

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arisia (Gast)
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hi, littlefoot,
zu dem "agens der Endzeit" kann ich nur so viel sagen:
daß wenn die Endzeit mit Gnade beseelt ist, sie nicht mehr Erleidende, Passive, sondern
Handelnde, Agierende ist.
Wobei ich den Begriff der Gnade hier so verstehe wie Elise und Jolante, die Gnade, die
kurzen Augenblicke des Einverständnisses zwischen Menschen, und diese Augeblicke
entstehen nicht passiv, sozusagen aus dem Nichts, sondern bedürfen des Handens des einen
und des aktiven Annehmen des anderen (Anscheinend bin ich doch schon genügend von
Religion abgenabelt, was mich selbst erstaunt, daß ich den Begriff "Gnade" nicht mehr an
erster Stelle mit "Gott" assoziere). Wenn Endzeit in Ein-Verständnis erlebt wird, statt in einem
sich Wehren, dann kann Gnade stattfinden. So mal meine Idee dazu.
Mein Text soll nur als Ergänzung gesehen werden, es ist ja schon viel dazu gesagt worden.
liebe Grüße
arisia

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