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      Gerd



verzeih

   03.11.2006, 20:34



die Pille
an
den Bettpfosten genagelt

Du
mich
mit einem Blick

ich
wollte nicht

Dich

hatte
Dir verschwiegen

mein tiefstes Selbst
war schon
mit
seidnem Faden
in
ein anderes verwoben

 

      augustine



RE: verzeih

   03.11.2006, 22:59



Lieber Gerd,
die Pille kann ja nur die Pille sein; realiter würde sie krümeln; aber sie soll ja nicht geschluckt werden: weibliche Verführung, beinahe Vergewaltigung, sogar 'Abluchsung' eines Kindleins stand im Raum -
weil ein männliches Ich eine kurze oder längere Weile verführbar war. Aber es merkte es noch grade, die fast begangene Untreue. Danach war die Pille danach unnötig.
So etwa? jedenfalls das fiel mir heute abend ein; augustine mit herzlichem Gruß

 
        arisia
        (Gast)

RE: verzeih

   04.11.2006, 13:43



hi, Gerd,

eine schwierige Situation, in der das LI steckt.
Eine Frau will ein Kind, aber das LI ist innerlich schon aus dieser Beziehung draußen, hat es versäumt,
der Partnerin das mitzuteilen (aus welchern Gründen auch immer), und ist jetzt mit der Situation des
Kinderwunsches. der in ihren Augen noch Partnerin, konfrontiert.

    @augustine
    die Pille kann durchaus als Päckchen an den Bettfosten genagelt sein, im Sprachgebrauch wird
    auch von dem ganzen Päckchen als "der Pille" gesprochen.

Ja, Gerd, ich staune immer wieder, mit welch feinen, leisen Tönen du deine Gedichte sprechen lassen kannst,
und mit wie wenigen Wörtern du auskommst, :) und welch geschickte Überleitungen du schaffst, z.B. den
Zusammenhang von "genagelt" von S1 nach S2 überleitest.
Ich habe dein Gedicht sehr gerne gelesen und erfreue mich immer wieder an deinem Sprachstil.

liebe Grüße
arisia

 

      Jolante



RE: verzeih

   04.11.2006, 17:49



Hallo Gerd,

wieder ein hauchfeines Gespinst, dein Gedicht. Mit wenigen Worten viel ausdrücken: das ist wohl deine Maxime. Es ist ein großes und immer aktuelles Thema, das du umschreibst, es böte Stoff für manche Enthüllung und Diskussion. "Mein tiefstes Selbst war schon mit seidnem Faden in ein anderes verwoben", das ist sehr expressiv und in meinem Kopf laufen viele Bilder ab.
Auf Gedichte von dir bin ich immer wieder gespannt.

LG Jolante

 

      ear



RE: verzeih

   04.11.2006, 18:29



Lieber Gerd, die Worte der vorangegangenen Beitraege zeigen, mit welcher Feinsinnigkeit dein Gedicht von Leserinnen und vom Leser aufgenommen wird. Dass du alsMann diese zarten Schwingungen in Gedichtform bringen kannst, ist eine besondere Gabe, ear.

 

      Gerd²



RE: verzeih

   05.11.2006, 00:35



Hallo Ihr Lieben,
vorab danke ich Euch für die bisherigen Antworten. Ich möchte hier eine zusätzliche Variante zur Diskussion stellen, die Raum für weitere Interpretationsansätze bietet.
Auf neue Antworten gespannt, seid herzlich gegrüßt
Gerd


verzeih


unbewusst
hab ich Dich
über
den Rand getrieben

Du
wolltest mich
ganz

hast die Pille
an
den Bettpfosten genagelt

und

mich
mit einem Blick

ich
wollte nicht
Dich

hatte Dir
verschwiegen

mein tiefstes Selbst
war
obschon unerfüllt
mit
seidnem Faden
in
ein anderes verwoben

 
        arisia
        (Gast)

RE: verzeih

   05.11.2006, 11:10



hi, Gerd,

mich spricht die Fassung, die du zuerst eingestellt hast mehr an.
Sie enthält nur die Fakten, wohigegen die 2te Version mit Erklärungen aus der Vergangenheit beginnt, die dem Text die Spontanität und die Atemlosigkeit nehmen, die in der erste Version dadurch entsteht, daß das LI mitten in Thema hineinspringt und auch ganz in diesem Augenblick bleibt.
Die ersten beiden Strophen der 2ten Version bringen eine andere Zeitebene ins Spiel, obwohl auch im Präsens stehen
So mal meine Gedanken dazu.

liebe Grüße
arisia

 

      ferdi



RE: verzeih

   05.11.2006, 12:26



Auch mir gefällt die erste Fassung besser - die zweite nimmt dem Leser zuviel ab, was er gerne selber leistet. Ein Element gefällt mir in der neuen Fassung allerdings doch besser... Also, mir wäre diese "Hybridfassung" am liebsten:

die Pille
an
den Bettpfosten genagelt

und

mich
mit einem Blick

ich
wollte nicht

Dich

hatte
Dir verschwiegen

mein tiefstes Selbst
war schon
mit
seidnem Faden
in
ein anderes verwoben

 

      Jolante



RE: verzeih

   05.11.2006, 14:38



Lieber Gerd,

ich finde, die Kurzfassung deines Gedichts ist in ihrer Art vollkommen und lädt zu vielen Gedanken(aus)flügen ein (die du mir ja an anderer Stelle verordnet hast). Vielleicht gibst du uns später noch eigene Interpretationsansätze, aber das Gedicht lass bitte unverändert.

Sonntagsgruß
von Jolante

 

      juey dai jia ren



RE: verzeih

   07.11.2006, 23:13



Lieber Gerd,

auch mir gefällt die erste Fassung besser.
Sie strahlt eine aussergewöhnliche Kohärenz aus, die ich bei Gedichten dieser Struktur bisher selten sah.
Die Transparenz der Worte lassen immer das eigentliche target erkennen, da gibt es kein herumrätseln. Ich mag solche präzisen Gedichte sehr, ist mir lieber als wenn jemand in bedeutungsschwangeren, aber unverständlichen Metaphern schreibt.

Kompliment.

juey

 

      Gerd²



RE: verzeih

   13.11.2006, 01:06 / 3 x geändert



Hallo Ihr Lieben,

die zweite Variante war in sich geschlossener und ließ somit das eigene Erleben nicht mehr im gleichen Maße zu.

In meiner Intention treffende Interpretationsansätze wurden einige gefunden, obgleich diese nicht als abschließend und einzig richtig anzusehen sind.

Die Pille - eine Packung (ohne Schachtel) und die Befürchtung eine Schwangerschaft herbeizuführen, war vorhanden. Weibliche Verführung, unter Aufbietung aller Mittel - nicht (aus-)genutzt, obwohl die Frau hübsch und gemocht, doch nicht das begehrte Wesen war.

Ich danke und grüße Euch
Gerd




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