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ear
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Manisch-Depressiv?
Musik gut, Flamenco besser, Photographie. Vater tot, Mutter verhasst. Geschwister zu erfolgreich.
Aber ich bin genial.
Brauche kein Gesetz. Reise, greif mir eine Frau, verfolge sie, verleumde gern.
Finde Kirche, Hochzeit, meine? Werfe Ring weg.
Arzt meint, ich brauche Hilfe. Will keine.
Niemand soll mir was sagen. Whisky mein Freund.
Polizei traegt mich, bin Koenig, gefesselt. Freiheit? Bail? Tauche unter.
Was nun? Egal.

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augustine
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30.10.2006, 00:47 / 1 x geändert
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Hallo, ear -
ich verstehe NICHTS an Deiner Notiz.
"Was nun?"
Wer spricht?
"Egal"?
augustine mit ratlosem Gruß und der Bitte um Erläuterungen.

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Gretchen
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Hei, ear und augustine!
Mal so kurz am Morgen gesagt: was als Notiz hergeschrieben wird, hat doch einige Freiheitsgrade, also, muss noch nicht voll ausgearbeitet und konsumfertig für den Leser sein - deshalb isses ja "nur" Notiz, so Gedanken, die im Vorbeiflug festgehalten und niedergeschrieben wurden.
Ich versteh hier auch nicht alles, abba doch so viel, dass ein Mann sich selbst beschreibt, sonne Art Kürzest-Autobiographie, Rückblick auf und Beschreibung von typischen Verhaltensweisen und Erlebnissen und gleichzeitig Selbstreflexion und eine Art Auto-Diagnose (also "Auto" gez nicht KFZ, sondern auch "Selbst-").
Umriss oder Skizze einer Persönlichkeit, welche sich beschreibt, wird sichtbar.
Die Irritation, die Verwirrung (also dat "ich verstehe NICHTS" von augustine), denk ich gez mal, entsteht dadurch, dass wahrscheinlich ein Mensch, der so "ist" wie der hier in der Notiz, NICHT so über sich sprechen würde wie hier in der Notiz. Da ist ein Bruch, eine Unstimmigkeit.
Keine Ahnung, ob gez ich verständlich bin?
ear, ich freu mich auch über Erläuterungen!
Schöne Grüße vom morgenfrühen Gretchen.

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ear²
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30.10.2006, 07:00 / 2 x geändert
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Hi, augustine,und Gretchen, es hat nichts mit mir zu tun. Ich kenne ihn nur durch Schilderungen anderer Menschen.Dies sind Notizen eines Mannes, dessen Leben in falsche Bahnen geriet. Er spricht.
Dieser Mann war als Guitarrenlehrer und Photograph hoch geschaetzt. Er soll zeitweise umgaenglich, sympathisch gewesen sein. Die Gerichtsverfahren beschaeftigen sich nur mit Verleumdung,Stalking,all den Delikten, die er inzwischen begangen hat, statt ihm von aerztlicher Seite zu helfen. Ich verstehe nicht, warum ein aerztliches Gutachten nicht eingeholt werden kann, dass ein solcher Mensch, der Hilfe braucht, ins Gefaengnis wandert , Bail erhaelt, dies unterlaeuft und verschwindet. L. G. ear

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augustine
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30.10.2006, 16:06 / 1 x geändert
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Hallo, ear, hallo Gretchen,
Ich kann jetzt, glaube ich, besser darstellen, was zunächst mich nichts verstehen ließ. (Zitatzeichen lasse ich mal weg, geht schneller): -
Zeile 1: gut – besser – man erwartet: am besten für Photographie. - und: Vater tot: ein Sachverhalt; Mutter verhasst auch, aber einer, den eher einer aus der Distanz so sagen würde, der Arzt also oder 'die Leute'; ebenso: Geschwister zu erfolgreich: weder in der manischen, noch in der depressiven Phase würde das ein Kranker zugeben
Zeile 2: gut: so in der Manie
Zeile 3: die drei ersten Aussagen: der Kranke; die beiden anderen: stehn eher in der Krankenakte
Zeile 4: passt wohl eher hinter 'Frau', "meine?": höhnisch gesprochen oder ansatzweise verstehend? in
Z.4 jedenfalls spricht das Ich der Notizen
Zeile 5: auch, nimmt aber die Arztmeinung auf und
Zeile 6: wehrt sie ab
Zeile 7: eigentlich nicht mehr manisch, schon psychotisch: er ist betrunken, die Selbstwahrnehmung ist aber: König, denn Könige wurden frühen in Sänften getragen (wie Päpste); König/gefessselt/Freiheit? was ist bail? untertauchen=illegal leben: wie kann er das, wenn gefesselt?
Zeile 8: löste meine Frage aus Ich sehe mehrere "Ichs": das psychotisch werdende (erkläre ich mir so, erstmal); den Arzt und seinen Krankenbericht, also die Bewertung darin; so etwas wie die öffentliche Meinung, die 'Leiute' (vielleicht noch mehr).
Die Reduzierung auf einzelne Worte halte ich für dann gut, wenn Du nun Dir erlaubst, aus dem Material eine Geschichte zu machen. Ich mache das manchmal so, dass ich, notfalls verschiedenfarbig, eine Art Netz über die Worte werfe; könnte man mit großen Zwischenräumen über eine Seite drucken, dann verbinden; wie die Geschichte tatsächlich war, weiß keines von diesen Ichs; Du als Autorin, die dieses Material kennt, darfst frei darüber verfügen und es zu einer Geschichte eigener Wirklichkeit verspinnen – das dauert; soll und darf auch dauern. Das rät Dir mit einem lieben Gruß - augustine
PS bei neuer Editierung: inhaltlich nichts geändert, nur besser lesbar gemacht; denn die Formatierungen aus word waren nicht mit übertragen worden, a.

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ear²
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Hi, augustine und Gretchen, ich werde den Vorschlag uebernehmen und einmal verschiedenfarbig arbeiten. Es ist ein Fall, der mich seit Wochen beschaeftigt hat. Ich habe versucht, mich davon zu loesen, aber schaffe es nicht. Ich sehe einen Menschen, der vermutlich durch seine Krankheit anderen grosses Leid brachte, der dringend aerzliche Hilfe braucht, stattdessen aber gerichtlich verfolgt wird. Noch hat er weder sich selbst, noch andere koerperlich verletzt. Mit entsprechender medizinischer Hilfe muesste einem Menschen wie ihm ein normales Leben moeglich sein. Dank fuer jede Anregung,ear.

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Latenta
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verwirrung?
verirrung?
verlesen gelesen, bringt fragen zum tragen um antworten zu horten
schön
gedacht und geschrieben und im Fluss geblieben
l

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Phaidros
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Hey Ear,
dein Text las ich heut Morgen zum ersten Mal und er schickte mich auf’n spannenden Tripp, von dem ich dir kurz schreiben möchte, denn lesen ist eigentlich zu hoch gegriffen: Es war mehr ein Überfliegen und mein Denkapparat im Standbymodus. So brach sich auch ein träges Fragezeichen in den Vordergrund, ich stimmte im Stillen Augustine zu und hoffte auf anreizendere Häppchen.
Doch Gretchen wies zu Recht auf das charakteristische von Notizen hin und diesmal ließ ich ne unbestimmte Unruhe zu, die sich hinter diesem Abwehrversuch verbarg.
Nach dem Kontext, den du dann herstelltest vollzog sich ein echter Perspektivenwechsel Überraschender Weise waren es nur die zwei Informationen des als freundlich wahrgenommenen, dann aber angeklagten Mannes, die im Bezug zu deinen obigen Worten nun eine seltsame Betroffenheit und erstaunliche Nähe zu deiner „Figur“ erzeugten. Wie sehr kenne auch ich diese fragmentartigen Informationen über irgendwas, die dann irgendwie Bedeutung erlangten und ausgerechnet dann nicht nur erhalten werden sondern sich oft heimlich ihren Bedeutungspfad weiter trampeln…
Notizen erkennen wir dann nur wenn sie am Kühlschrank kleben, was in ihnen verschwand nur wenn wir hineinblicken und da ich mich schon zu dieser Metapher hinreißen ließ folgte die Überlegung in wie viele fremde Kühlschränke ich wohl schon schaute…
Nicht nur ein Schmunzeln über ein kindliches Gefühl von Ertapptwordensein löstest du in mir mit einem kurzen Text aus, das/weil erfreulich arm an moralischen, pädagogischen oder sonstigen Würgegriffen mich erreichte.
Was deine Kritik angeht, Augustine, so kann ich sie nicht fühlen. Sie wirkt mir sehr konstruiert und ich kann nur widerwillig erfassen was du (wirklich) meinst. Vielleicht weil mir eine so „fachliche“ Analyse nicht nur nicht angemessen, sondern auch nicht möglich erscheint. So ist beispielsweise das Formulieren von Ärger eines depressiven Menschen durchaus denkbar, zum Beispiel nach einer Therapiesitzung.
Ob schon fertig oder nicht: interessant und lebendig in jedem Fall.
In dem Sinne…Phaidros

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augustine
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Hallo Phaidros, Du mit dem Namen aus der Philosophie:
ich habe in der Tat nichts zum "Fühlen" geschrieben, sondern etwas (wie ich finde: ziemlich handfest-Handwerkliches) zum Be-Arbeiten.
Kritik eben, Hilfe, Unterscheidung. Grüße a.

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Jolante
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Hallo, ear, + alle,
mir war die Notiz in ihrer scheinbaren Unverständlichkeit insoweit verständlich, als gerade das Zerhackte, Wirre, mühsam um Worte Ringende so typisch ist für Manisch-Depressive und/oder Schizophrene. Es sprechen mehrere Stimmen in einer Person, die sich um Klarheit bemüht, aber nicht zur Wahrheit durchdringt. Ich denke, die Notizen wurden in einer manischen Phase geschrieben. Vor langer Zeit habe ich einmal einen Brief von einer schizophrenen Bekannten erhalten, den ich mehrfach lesen musste, um wenigstens den Versuch zu unternehmen, das gespaltene Ich zu verstehen. Gerade als "Notiz", in ihrer ganzen Zerrissenheit, finde ich diese Zeilen sehr nachhaltig. Ich tendiere eher dazu, sie so stehen zu lassen, wie sie sind, anstatt sie in einen größeren Zusammenhang zu stellen und eine Geschichte daraus zu machen. Aber wie so oft, bin ich mir auch da nicht ganz sicher.
LG Jolante

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arisia (Gast)
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30.10.2006, 23:29 / 1 x geändert
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hi, ear,
wenn so etwas in unserer näheren Umgebung, Bekanntschaft passiert, sind wir immer sehr
betroffen, es wühlt uns auf, läßt Fragen in den Vordergrund spülen.
Und es sind nicht nur die Fragen, wie kann gut mit einem solchen Menschen umgegangen
werden, sondern auch die Fragen, wie wir selbst damit umgehen, was das Geschehen,
das mit-Erlebte mit uns macht, welche Saiten es in uns zum Klingen bringt, oder eher noch,
an welchen Saiten von uns es zerrt.
Darüber schreiben ist m.E. ein guter Weg, um solche Grenzerfahrungen zu verarbeiten.
Vielleicht gelingt es dir ja in nächster oder fernerer Zeit einen Text zu schreiben, der dein
eigenes Erleben in dir, in Zusammenhang mit diesem äußeren Erleben bringt.
Ich könnte mir vorstellen, daß die Form des Gedichtes ein
guter Weg wäre. Diese knappe, komprimierte Form des Gedichtes läßt uns die Gedanken
beisammen halten, erlaubt uns keine Abschweifung, wir sind immer dicht am Kern der Dinge.
hm, das sind mal so meine Gedanken dazu.
liebe Grüße
arisia

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ear²
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31.10.2006, 08:10 / 1 x geändert
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All eure Beitraege geben mir die Moeglichkeit, objektiver zu sehen, aber der Fall ist nicht abgeschlossen.
Da ist die Betroffenheit ueber den sehr erfolgreichen Guitarrenlehrer (seine Leidenschaft ist Flamenco-Technik) und Photographen, der ohne Erklaerung den eigenen Meisterkursen fernbleibt. Er, der Kuenstler,der sich ohne Verpflichtung sieht, der Aussenseiter, der weder in der Familie noch unter den Menschen Ruhe findet. Der stolz ist, einen Sohn gezeugt zu haben, aber weder ihn, noch dessen Mutter sehen will; und der in Verzweiflung mit einer Flasche Whisky ins Bett geht. Der Zerrissene,das gespaltene Ich, das nicht begreift, was "ungewoehnlich" ist.
Polizei griff ihn auf und trug ihn auf einem Stuhl mit Handfessel in eine Psychiatrische Klinik im Ausland, wo er eine zeitlang behandelt wurde. Er war der verstaendnisvollste Patient und wurde im Privatauto in die Heimat zurueckgebracht, unter der Auflage,dass weitere klinische Behandlung dringend noetig sei.
Schwerere Delikte, Gerichtsverfahren. Er trotzte selbst der gestellten Kaution und verschwand...
Ich musste das aerztliche Gutachten uebersetzen, deshalb war ich so betroffen.
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Jolante
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31.10.2006, 18:31 / 1 x geändert
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Hallo, ear,
all das, was du zum besseren Verständnis der Notiz nachgereicht hast, sind weitere Informationen, die nur das unterstreichen, was in dem kleinen Text selbst schon steckt (versteckt ist). Man muss aus einer Notiz, die flüchtig, skizzenhaft die Befindlichkeit und das derzeitige Schicksal dieses Mannes ausdrückt, keine Geschichte oder ein Gedicht machen. Psychisch Kranke machen häufig Notizen, zur Selbstvergewisserung, aber auch als Botschaften. Gerade die Form, die du gewählt hast, bringt die Persönlichkeitsspaltung und deren mögliche Folgen akzentuiert zum Ausdruck. (Ich stelle gerade fest, dass ich mich wiederhole). Will eigentlich nur sagen, wenn du an dieser Geschichte dranbleiben willst, dann lass weitere "Notizen" folgen. Aber das ist natürlich nur eine Anregung. Du wirst selbst am besten wissen, wie du mit dem Stoff umgehen möchtest.
Liebe Grüße
Jolante

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